Silvercore 833C

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Sie wollen einen Hingucker? Single-Ended? Und Power? Hier ist er!

21 Zentimeter hoch, elf Zentimeter Durchmesser. Und falls Sie jetzt glauben, hier handle es sich um die Konfektionsgröße von Omas Einmachgläsern, dann liegen Sie ungefähr richtig. Doch es geht natürlich um eine Röhre, eine, die man in sehr mutigem HiFi- Equipment bislang höchstens ein- oder zweimal vorfand.
Normalerweise zählen so riesige direkt geheizte Trioden zum Werkzeugkasten von Hochfrequenz-Profis, die lässig mit Anodenspannungen im Kilovolt-Bereich hantieren und Kleinigkeiten wie eine 833C als rot glühende Treiberstufe für „richtige“ Leistungsröhren frohgemut nach höchstens 1000 Stunden in die Mülltonne braten. Entsprechende Stückzahlen solch hell leuchtender Röhren werden nicht nur in China noch hergestellt, wo viele kleine, lokale UKW-Sender eine große Rolle spielen. Was, wie man so hört, auch zum Überleben der schon häufiger in Audio-Equipment gesichteten 805 beitragen soll. Aber es geht auch anders, denn mit ein paar Tricks kann man mit der 833C – die im Sendebetrieb für 1800 Watt Leistung gut ist – oder ähnlichen Sendetrioden auch (HiFi-)Verstärker bauen (eine Anwendung, bei der die 833C wahrscheinlich glaubt, sie wäre im Urlaub). Und wenn es um Tricks geht, dann scheint einer der wohl innovativsten Newcomer unserer deutschen Röhrenverstärker-Zunft nie um eine Lösung verlegen und obendrein mit nimmermüder Bastelwut gesegnet zu sein. Die erstreckte sich zunächst darauf, Drähte um Eisenkerne zu wickeln, mit anderen Worten Transformatoren, insbesondere aber Übertrager zu bauen. Was hierzulande eine aussterbende Kunst sein muss, beurteilt man die Lage anhand der Preise.

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Auf Wunsch
liefert unser Trafo-Spezialist seine „Wickel“, wie man im Jargon sagt, sogar in Silberdraht und Silberlitze – nicht ohne zu erwähnen, dass er persönlich das nicht unbedingt brauche. Vielleicht ein augenzwinkernder Seitenhieb auf die Juweliersfraktion, die jedes güldene Knöpfchen gleich als Klangverbesserung interpretiert. Das liegt dem gestandenen Ingenieur Cristof Kraus sicher fern, er verweist auch gerne auf Dinge wie etwa anständige Bandbreite und scheut nicht einmal vor blasphemischen Schaltnetzteilen zurück. Dass seine Firma dennoch Silvercore heißt, sei dem rührigen Leipziger nachgesehen, schließlich werden seine Edeltrafos auch für angesagte Cost-no-Object-Verstärker anderer Hersteller exportiert. Übrigens ist Silvercore auch die richtige Adresse, wenn es um eine echte Seltenheit geht, nämlich hochwertige (Ringkern-)Autoformer zur induktiven Pegelanpassung von Hochtönern!

Dem Röhrenverstärker
Programm von Silvercore kann man nur staunend bescheinigen, alles andere als ein Wald- und Wiesen-Repertoire darzustellen. Von höchst beeindruckenden, eigens auf Kundenwunsch angefertigten Spezialitäten einmal ganz abgesehen: Da gibt es zum Beispiel einen metergroßen Vorverstärker mit der TH100, bei dessen Anblick jedem Röhrenfan das Wasser im Mund zusammenläuft. Passive Vorstufen mit induktiver Pegelregelung sowie MCÜbertrager zählen ebenfalls zu dem von Vorverstärkern dominierten Fertiggeräte-Portfolio, in dem bis dato nur eine Endstufe auftaucht, eben jenes 833C-Design, um das es hier geht. Spezifiziert mit 20 Watt, läuft die dicke 833C in den Monoblöcken im sogenannten A2-Betrieb, angesteuert von einer extrem kräftig ausgelegten SRPPTreiberstufe, in der zwei EL34 zum Einsatz kommen. Der Witz an der Geschichte ist, dass die robuste Sende röhre, die an sich für ein paar Kilovolt Anodenspannung ausgelegt ist, hier mit üblicher, also vergleichsweise niedriger Betriebsspannung von 600 Volt läuft und bei einer Gitterspannung von null Volt bereits einen brauchbaren Ruhestrom aufweist. Ein eigens angefertigter Eintakt- Ausgangsübertrager, der mit der Leistung einer solchen Röhre zurechtkommt, ist natürlich obligatorisch: Das in hochglanzpolierte Edelstahlbecher vergossene Silvercore- Exemplar könnte notfalls noch volle 40 Watt bei 16 Hz verdauen und entspricht im Format etwa einem 450-W-Trafo! Übrigens sah man einen monumentalen 833C-Single-Ended-Amp schon vor einigen Jahren vom japanischen Hersteller Wavac, mit deutlich mehr Leistung und zum Preis eines Supersportwagens … Die Silvercore-833C ist viel einfacher, um nicht zu sagen cleverer gebaut, reizt die dicke Triode aber auch nicht so hoch aus. „Gefühlt“ steht allerdings genug Power zur Verfügung, um sogar weniger röhrentaugliche Lautsprecher noch problemlos anzutreiben.

Die Eingangsempfindlichkeit
der Monos reicht locker für das Teamwork mit nicht allzu „leisen“ D/A-Wandlern, Streamern, Phonostufen oder CD-Playern aus, wahlweise haben wir den auch zur Verfügung stehenden „Reference“-Vorverstärker von Silvercore benutzt, der auf zwei Doppeltrioden des Typs ECC99 basiert und über einen Ausgangsübertrager verfügt (ein Gerät, das zweifellos einmal eine eigene Besprechung verdient). Und apropos Power: Drehmoment ist wichtiger als Leistungsangaben auf dem Papier. Eine Erfahrung, die sich mit der 833C wieder mal aufs Schönste bestätigt. Das Dingt langt zu, dass es eine wahre Freude ist, und entfesselt dazu Tiefbassgewitter, die man bei einer Röhre immer herbeigesehnt, aber niemals überreicht bekommen hat. Der Sprung in eine andere Dimension, so nur aus jener handverlesenen Gruppe von auf HiFi getrimmten Großtrioden bekannt, deren eigentliche Bestimmung es wäre, Antennen zu beschicken. Bleibt die Frage, was mit dem großen und wichtigeren Rest des Frequenzspektrums geschieht. Würde die Silvercore dort nämlich mit den Manieren eines schlecht gelaunten Leopard- Panzers aufwarten, könnte ich die Story jetzt dicht machen. Aber dem ist nicht so.

Die gute Nachricht
ist, dass die Silvercore- Monos sowohl über Souveränität als auch über Akkuratesse verfügen, dabei weder den Eintakter noch den Triodenklang verleugnen und trotzdem auf übertriebene Weichheit oder überangepasste tonale Schmeicheleien verzichten. Vielmehr muss nun von einer guten Portion eher rein hifitechnischer Tugenden die Rede sein, will sagen: Klarheit, Sauberkeit und subjektive Verzerrungsarmut rangieren sogar in Dimensionen, die der eine oder andere Triodenfan eher zum Fürchten als faszinierend fände. Künstliche Streicheleinheiten verteilt die Silvercore also nicht, sie ist bemerkenswert offen und temperamentvoll in den Höhen, blitzt und funkelt aber (nur) dann, wenn es verlangt wird, und sie kann in den Disziplinen Durchsichtigkeit sowie Detailauflösung durchaus Maßstäbe setzen. Dass die beiden Amps ihren Job obendrein farbig, leichtfüßig und exakt angehen, dabei aber ihren bisweilen unglaublichen Grip einfach nicht verleugnen können, ist schon faszinierend. Müsste ich der 833 mit aller Gewalt am Zeug flicken, dann würde ich höchstens einen Funken mehr Magie reklamieren, freilich in ehrlich gesagt schon wieder vernachlässigbarer Größenordnung. Aber das ist womöglich nur ein Hauch Wehmut im Gedenken an eine Wavac-Sendetriode 4304, der ich einst superpralle Opernball-Klangfarben attestierte, wohl wissend, dass eine Schicht schöne Schminke auf die Noten aufgetragen wurde. Die beiden Monos sind zweifellos ehrlicher, nochmals deutlich muskulöser und in ihrer stabilen dreidimensionalen Abbildung ein paar Sitzreihen weiter vorne angesiedelt, zudem deutlich kompatibler auch zu etwas „ungemütlicheren“ Lautsprechern.

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Das Wichtigste
an den Silvercore-Monos habe ich allerdings bis jetzt verschwiegen. Es hat auch nur bedingt mit dem Klang zu tun und wird dazu führen, dass diese Amps von einigen Hardcore-HiFiisten total ignoriert werden könnten. Selber schuld. Okay, wollen Sie es jetzt wissen? Ja? Gut: Die Silvercore 833C ist schlicht die am coolsten aussehende Röhren-Endstufe überhaupt. Punkt.

Die Technik der Silvercore-Monoblöcke 833C
Hinter der symmetrischen Eingangsbuchse des Silvercore- Monoblocks sitzt ein Übertrager mit einem Übersetzungsverhältnis von 1:5, im Prinzip spart Cristof Kraus so eine zusätzliche Verstärkerstufe ein. Danach kommt der Lautstärkeregler, ein eher simpel erscheinendes Leitplastik-Poti, bevor dann eine kräftige SRPPTreiberstufe in Form zweier EL34 zulangt. Die ist auch bitter nötig, um den mit einem Gitterableitwiderstand von nur einem Kiloohm sehr niederohmig gestalteten Gitterkreis der 833C durchzusteuern; notwendigerweise sitzt zwischen der SRPP-Treiberstufe und der 833C ein groß dimensionierter Koppelkondensator, ausgeführt als hochwertiger Folientyp. Für den A2-Betrieb mit einer Senderöhre insgesamt ein knackig-kurzer Signalweg mit einer Technik, die auf die früher beispielsweise von Shishido (Wavac) zwischen Treiber- und Ausgangsstufe verwendeten Zwischenübertrager mit Untersetzung ebenso verzichtet wie auf eine Über-Alles- Gegenkopplung. Auch entfällt in diesem Verstärker die übliche positive Gittervorspannung der Senderöhre, die ja weiteren Netzteilaufwand in Form einer Extra- Sekundärwicklung, eines Gleichrichters und einer Siebstrecke bedeuten würde.
Ein anderes Problem, das bei der Verwendung einer 833C auftaucht, ist der mit 100 Watt (zehn Ampere bei zehn Volt Spannung) sehr hohe Heizstromverbrauch der direkt geheizten Großtriode. Normalerweise führt das zu einem entsprechend dimensionierten Netztrafo, der alles andere als kompakt wäre, passende Gleichrichter und Siebstrecken kämen natürlich dazu. Silvercore benutzt stattdessen zwei moderne, in Serie geschaltete Fünf-Volt-Schaltnetzteile und legt die Kathode der 833C „zwischen“ den beiden extrem rausch- und brummfreien Kompaktnetzteilen, die locker unters Chassis passen, auf Masse. Ganz nebenbei springt dabei auch der Strom für den tatsächlich unhörbaren Fünf- Volt-Lüfter heraus, der unter der eigens angefertigten Fassung der Triode unter dem Chassisblech sitzt und die Kühlung der Röhre optimiert. Faktisch liegen die beiden Schaltnetzteile damit im Signalweg, was der Performance des Verstärkers aber nicht zu schaden scheint! Zudem schont die Softanlauf-Charakteristik der Schaltnetzteile die Röhre beim Einschalten. Unterm Strich eine clevere Lösung, die den außergewöhnlichen Verstärker auch preisgünstiger werden lässt. Außerdem beweist die respektable Störspannungsfreiheit des Designs, dass die Geschichte prächtig funktioniert. Als weitere Besonderheit der Silvercore 833C muss der Ausgangsübertrager gelten, der mit zwei getrennt herausgeführten Sekundärwicklungen ausgestattet ist. Hier sitzen gleich auch Leerlauf-Schutzwiderstände (Röhrenverstärker sollten nie ohne Last angefahren werden), darüber hinaus können die beiden Wicklungen im Gegensatz zu üblichen Röhrenverstärkern beliebig einzeln oder sogar für Bi-Amping benutzt, in Serie oder parallel geschaltet werden. Bei Parallelschaltung liegt die übliche Acht-Ohm-Anpassung vor.
Prinzipiell bedingt zeichnet sich die Betriebsart eines solchen speziellen Röhrenverstärkers durch mit der Leistung praktisch linear ansteigende Verzerrungen aus. Man spricht hier gerne vom „meistbenutzten ersten Watt“, das messtechnisch sozusagen noch „blitzblank“ ist; mit zunehmender Aussteuerung nimmt der hauptsächlich geradzahlig geprägte Klirr zu. Entscheidend ist, dass die Verzerrungen bei üblichen Hörpegeln extrem gering sind und nicht wahrgenommen werden können. Cristof Kraus spezifiziert seinen Verstärker mit vier Prozent bei rund zwölf Watt, was sich im Vergleich zu den sehr kleinen Verzerrungswerten moderner Transistorverstärker nach viel anhört – in der Hörpraxis laufen die Röhrenmonos praktisch immer weit unter diesem Level. Ganz entscheidend ist auch die Auslegung des Übertragers, der hier nicht auf maximale Leistung, sondern auf „Drehmoment“ angepasst ist. So ist etwa messtechnisch bei 16 Hertz noch volle Leistung da. Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad sind aber dennoch von Vorteil. Übrigens: Für fortgeschrittene Lötkolben- Flieger gibt es die Monos auch als Bausatz inklusive Chassis!.

 

www.silvercore.de

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