AcousticPlan

AcousticPlan Firmenreportage

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A man with a plan

Claus Jäckle hat einen Plan. Der ist derzeit noch blau‚ könnte in Zukunft aber auch schwarz werden. Ein kleines Porträt der Ein-Mann-Manufaktur AcousticPlan.

AcousticPlan

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Kurz vor dem Bodensee schießt mir durch den Kopf: Durch was für eine seltsame Landschaft fahre ich da eigentlich! Das Gemisch aus Plantagen, Kulturland­schaft, hochkarätiger Industrie und unübersehbarem Tourismus dürfte wohl seinesgleichen suchen, ganz abgesehen von der Historie, die mit Namen wie Graf Zeppelin, Dornier, von Soden und Maybach verknüpft ist. „ … spürt man bis heute die Gene der Gründerväter“, schreibt das Bodensee Magazin angesichts von Betrieben wie etwa MTU, ZF oder EADS Astrium. Die Kehr­seite der glänzenden Medaille, so lässt sich leicht recherchieren, ist die zahlreich vertretene Rüs­tungswirtschaft, respektive die Rüstungssparten großer und kleinerer Unternehmen, die im milden Bodensee-Klima scheinbar prächtig gedeihen. Man sieht das vor Ort natürlich schwäbisch-pragmatisch und verweist auf den „breiten Mittelstand“ und eine „zukunftsfähige Branchenstruktur“. Klar, die Ar­beitsplätze, um die geht es.
Bleiben wir lieber beim Grafen Ferdinand von Zeppelin, der die wohl schönsten, aufregendsten und erfolglosesten Transportmittel überhaupt erfun­den hat: „Man muss nur wollen und daran glauben, dann wird es gelingen“, so der Graf. Das gilt sicher für alle Unternehmungen, und seien sie noch so klein. So klein wie etwa AcousticPlan, wobei man schwer danebenläge, würde man Claus Jäckle (Bild 1), der Eigentümer, Entwickler und Kleinse­rien-Löter in einer Person ist, Küchentisch- oder Keller-Strukturen bescheinigen. Vielmehr gilt, dass AcousticPlan einen ehrlichen Manufakturbetrieb im besten Sinne darstellt und in puncto HiFi-Geräte eine eigene, unvergleichliche Handschrift besitzt.
Mir persönlich sind solche Manufaktur-Produkte total sympathisch. Weil da viel mehr Standpunkt und Charakter drinsteckt, man so auch Nutzen daraus ziehen kann, Trends zu ignorieren, es nicht allen oder der berühmten „Mehrheit“ recht machen zu müssen – technisch und klanglich, wohlbemerkt. Je­des Jahr zur Messe einen neuen, noch größeren Ver­stärker? „Es Jäckle“, wie seine Freunde ihn nennen, winkt ab. Und schwingt keine großen Reden, packt sich ungern in Business-Zwirn, sitzt lieber im Labor. Weil ihm die Guru-Position fremd und Klang-Blah­blah nicht seine Sache ist, HiFi obendrein auch ein Hobby darstellt, das bei dem gesund pragmatischen Konstanzer Begeisterung hervorruft, auf schwäbi­schem Level, natürlich. Also eher Gefühlsausbrüche in Form von verschmitztem Grinsen, etwa über zwei frisch erstandenen, genau erforschten und klug ver­bauten Vintage-Bässen (Jensen M20), die übrigens umwerfend klingen. Mithilfe einer Röhre von Line Magnetic, ein weiteres Standbein der Firma, die Herstellung (AcousticPlan), Vertrieb (Elektronik von Line Magnetic) und Einzelhandel unter einem Dach vereint. Gebietsmäßig streng geordnet, versteht sich, was heißen soll, dass sich die Händlertätigkeit auf Süddeutschland beschränkt.

Claus Jäckle, Jahrgang 1965, ist gelernter Industrieelektroniker und gründete seine Firma 1996 – übergangslos nach seinem ersten Job und blauäugig, was Marketing angeht, erzählt er. Seine Erstlingswerke waren eine Hybrid-Endstufe und ein mit dem Jordan-Breitbänder bestückter Laut­sprecher. Über Röhren kontra Transistoren denkt Jäckle immer noch pragmatisch, wie auch seine aktuellen Gerätschaften beweisen. Die Devise lautet: beides, wenngleich sich in letzter Zeit doch ein gewisser Vintage-Einfluss bemerkbar macht, liegen abgesehen vom Ersatzteil-Bestand im Lager doch verdächtig viele Röhren auf den Werkbänken herum … Was fast die peinlich genaue Ordnung in Unordnung bringt.
Ordnung muss bei AcousticPlan auch dort herrschen, wo die Geräte – am liebsten in ruhigen Nächten – tatsächlich entstehen, nämlich auf dem Tisch des Entwicklers. Der ordnet dem Hörergebnis einen höheren Rang zu als der Messtechnik, die freilich nie zu vernachlässigen sei; wenn es rauscht oder brummt, wird der Fehler verbissen bekämpft, bis die amtlichen Messgeräte und Jäckle zufrieden sind. Letzterer sitzt dazu genauso häufig am Com­puter wie am Lötkolben. Hochmoderne Schaltungs­simulation, perfektes Platinenlayout und saubere Dokumentation sind essenziell und machen den Profi aus. Letztlich will Claus Jäckle dann aber die realen Messwerte am Gerät oder am Prototypen sehen und – da sind wir bei den symphatischen Vorteilen der Manufaktur – natürlich baut der Chef selbst. Seine kunstvollen Freiverdrahtungen macht Claus Jäckle grundsätzlich alleine, außerdem prüft und hört er jedes Gerät, das die Werkstatt verlässt. Und natürlich kümmert er sich auch intensiv um Spezialfälle wie etwa den MagAmp, der nach seiner Fertigstellung präzise Justagen benötigt. Auch alle Platinen (mit Ausnahme jener des Digimaster) wer­den im Haus bestückt, die hier helfenden ruhigen Hände gehören Sergej Andreev, einem langjährigen Mitarbeiter, dessen Physiker-Hintergrund klar für Überqualifikation spricht.

Übrigens beruht auch die außergewöhnliche Digitaltechnik von AcousticPlan auf eigenen Entwür­fen; eine Seltenheit bei Kleinherstellern, die spezielles Know-how oft zukaufen müssen oder schlicht Bau­gruppen „umverpacken“. Mit Wandlerchips und Mik­roprozessoren ist Jäckle nämlich ebenso vertraut wie mit den zickigen Verstärkertrafos des MagAmp, ein einzigartiges Lundahl-Design, das nunmehr in Konstanz in praktisch neu entwickelter Form gebaut wird und erstaunliche Hörerlebnisse garantiert. Natürlich mit der bei AcousticPlan üblichen blauen Front, für die ein Zulieferer sogar ein eigenes Eloxal-Bad bereithält, übrigens auch für den körperlich kleinen, aber klanglich ganz großen Digimaster, in dem Claus Jäckle seine eigene, upsamplingfreie Digitaltechnik und eine Röhren-Ausgangsstufe kombiniert. Zugege­benermaßen ist der Autor dieses Berichts beim The­ma Digimaster nicht völlig objektiv, ist er doch stolzer Besitzer dieses D/A-Wandlers, dem man eine kaum schlagbare Preis-Klang-Relation bescheinigen muss.
Was in diesem Zusammenhang das brandaktuelle Thema DSD angeht, so zeigt sich Jäckle völlig offen; immerhin hat der Digimaster schon immer problem­los HD-Files verarbeitet, womit auch DSD nicht allzu viel im Wege stehen dürfte. Fallen CD-Player für ihn angesichts der „computerisierten“ Entwicklung bald flach? Nein – versprochenerweise geht die Produktion des AcousticPlan-CD-Players mit seiner außerge­wöhnlichen Technik – unter anderem: Röhren plus Ausgangsübertrager – weiter, womöglich winkt auch noch ein neues Modell am Horizont.

Und die vielen Röhren auf den Werkbänken? Da muss doch noch mehr im Busch sein … Zumal mit den Verstärkern von Line Magnetic auch schon der Vintage-Style ins Haus schneite? Er sei diesbezüglich, so Claus Jäckle, „am Nachden­ken“. Allerdings müsse sich eine reine Röhrenlinie ja von seinen anderen Geräten unterscheiden – also beispielsweise schwarze Fronten besitzen. So richtig aus der Reserve zu locken ist der ruhige Hobbytau­cher und Hochsee-Segler bei diesem Thema (noch) nicht. Aber wenn die Farbe schon feststeht …
Schwarz ist auch ein auffallendes, ziemlich großes Gerät mit drei Zeigerinstrumenten. Es rührt aus der Beschäftigung mit fremderregten Vintage-Treibern und den Line-Magnetic-Lautsprechern her, für die AcousticPlan als Händler fungiert; die nötigen Feldspulen-Stromversorgungen gibt es fertig aus dem LM-Elektronik- oder dem Acoustic­Plan-Programm. Oder auch nach Bedarf eigens angefertigt, sogar mit Rückgriffen auf bewährte alte Technik. Immerhin spielen „field coil power supplies“ eine wichtige klangliche Rolle, was die erwähnte schwarze Stromversorgung mithilfe eines röhrengestützten Netzteils (für den Jensen-Bass) und zweier weiterer Stromversorgungen für LM555 und LM597 dokumentiert.

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Und wie soll es weitergehen mit der Manufak­tur? Sie soll – BWLer, bitte weghören – „eigentlich nicht wachsen“. Es soll eine echte, handwerklich orientierte Manufaktur bleiben. Dieses im mil­den Bodensee-Gründerväter-Klima abgegebene Bekenntnis kommt von Herzen. Und es bedeutet übersetzt: Claus Jäckle ist es recht so, wie es jetzt ist. Er will selber machen. Er will jedes Gerät selber prüfen, selber hören. Er will erreichbarer Ansprechpartner bleiben. Und sich kümmern. Seinen Lager­bestand kennen, alles selbst entwickeln. Womög­lich ist diese Denkweise viel moderner und der Zukunft weit angepasster, als man heute glaubt. Es ist höchste Zeit, die Dinge infrage zu stellen. In der wunderschönen Konstanzer Altstadt, die viel (Technik-)Geschichte kommen, aber auch gehen gesehen hat, sollten so ketzerische Gedanken erlaubt sein.
Was ist echte Qualität im althergebrachten Sinne? Wir sollten alle darüber nachdenken.

www.acousticplan.de

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