Whest ThreeSignature

Test: Whest Three Signature

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Whest Three Signature – Stilsicher

Gute Cartoonisten erzählen mit ein paar Strichen eine ganze Geschichte. Gute High-End-Entwickler zaubern Top-Klang mit einer Handvoll Bauteilen

Ginge es nach der Anzahl von Schrauben, mit denen der Deckel dieser Phonostufe befestigt ist, dann meint es dieser Engländer verdammt ernst. Mit dem Verstecken, meine ich. Dabei hätte er das gar nicht nötig: Eine Glashaube wäre angesagt, denn immerhin ist das eine der schönsten, saubersten und superakkurat durchgestyltesten Platinen, die ich jemals gesehen habe. Aber es hilft und nutzt ja nix: Wenn es um Signale im Mikrovolt-Bereich geht, dann ist Abschirmung alles. Und das muss man James Henriot beileibe nicht erst erklären, denn der Mann baut einfach nichts anderes als Phonostufen, Phonostufen und Phonostufen. In Stereo, Dual-Mono, Dual-Netzteil-Mono, Dual-Netzteil-Stereo und Dual-Dual-was-auch-immer. Und wer so etwas macht, der liebt Phonostufen und weiß sicher alles darüber.

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Mit seinem brandneuen Modell Whest Three Signature präsentiert uns Henriot das, was er unter der unteren Hälfte seiner Produktpalette versteht: ein Trafokästchen plus ein 25 mal 25 Zentimeter kleines Kistchen, dessen Unterseite mit einem abschraubbaren Deckel versehen ist. Darunter sitzen Dipschalter zur Impedanz- und Verstärkungseinstellung, wobei die Three Signature an sich ausreichende Optionen bietet. Wer allerdings niedrigere Werte als 100 Ohm benötigt, der muss sich laut Manual Rat vom Hersteller holen, da die Lastwiderstände im Gerät via Dipschalter parallel geschaltet werden können, um praktisch beliebige Werte zu erzielen.
Natürlich verwendet der Engländer einen ausgelagerten Netztrafo, um keine Wechselspannungs-Störfelder in die Schaltung zu induzieren. Hierbei soll es sich um ein spezielles Modell handeln, das extra für eine möglichst saubere Versorgung entworfen wurde; solche Trafos besitzen normalerweise (auch) eine bessere Schirmung zwischen Primär- und Sekundärwicklungen. Zwei Kabel gehen hinüber zum Verstärker, der einen voll diskreten Schaltungsaufbau besitzt und seitens der Stromversorgung reichlich Aufwand betreibt: Siebkondensatoren satt, dazu eine ganze Phalanx von Spannungsreglern. Damit lässt es Henriot dann aber scheinbar auch gut sein mit integrierten Schaltungen. Die eigentliche Verstärkungsarbeit vertraut er weitgehend Einzelhalbleitern an, was sich am Eingang des Whest Three Signature in einem Baustein manifestiert, bei dem es sich entweder um einen feinen Doppel-FET oder doch um einen Op-Amp handeln könnte – so genau weiß man das nicht, da sich die Phono-Manufaktur hier sprichwörtlich mit einer Farbschicht bedeckt hält.
Ein Freund hoch komplexer Schaltungen scheint Henriot jedenfalls nicht zu sein, da seine RIAA-Entzerrung ansonsten auf sage und schreibe acht Transistoren beruht, zwei davon kräftige Exemplare, die als symmetrischer Ausgangstreiber arbeiten und so auch Koppelkondensatoren zum folgenden Gerät überflüssig machen. Die RIAA scheint mir vom passiven Typ zu sein und die verwendeten Bauteile sind de facto nicht aus der Grabbelkiste, was bei einem solchen Gerät ja auch nicht zu erwarten ist.
Ebenfalls nicht erwartet hätte ich eine Verstärkerschaltung, wie sie hier vorliegt. Die ist nämlich alles andere als „modisch“ und verzichtet völlig auf jene überbordende Komplexität, die man heute meist antrifft. Früher galt ja bei hörerfahrenen High-End-Elektronikern, dass einfache Strukturen prinzipiell besser klingen. Heute benötigt man für 20 Dezibel Verstärkung schon mal roundabout 50 (SMD-)Transistoren oder ein Dutzend OpAmps, die zusammen das kosten, was man früher für einen einzigen anständigen, rauscharmen Doppel-FET zahlen musste. Aber, sorry, ich schweife womöglich ab, übertreibe zynisch und bin sicher auch nicht mehr ganz auf der Höhe der Lehrmeinung …
Im Teamwork mit einem EMT JSD6 und 470-Ohm-Abschluss bewies der Whest dann auch klanglich, dass Mr. Henriot nicht zu jenen zählt, die mithilfe von Applikations-Handbüchern und einer Router-Software langweilige Chips aufeinander stapeln. In puncto Dynamik blieb kein Auge trocken, in Sachen Räumlichkeit habe ich selten Besseres gehört und in Bezug auf eine ausgeglichene, dennoch farbige Tonalität gibt es keinerlei Abstriche zu machen. Aber genug mit den üblichen Beschreibungs-Platitüden, das ist nur die halbe Miete, denn diverse Top-Phono-Amps sind in der Pflicht mindestens genau so gut. Will sagen, hier reiht sich der Whest Three Signature – was ohnehin erstaunlich ist – ein zwischen ganz großen Könnern vom Schlage eines Einstein The Turntables Choice oder eines EAT E-Glo. Damit wird er seiner Preisklasse bereits gerecht.

Doch die Wahrheit ist, dass ich jetzt eine Woche vor diesem verdammten Ding saß und krampfhaft versuchte, meine Kinnlade wieder nach oben zu bringen. Versuchen wir mal, einigermaßen drastische Worte an Hannibal Lektor vorbei zu schmuggeln. Also, Freunde: Das ist die verdammt noch mal beste Phonostufe, die ich bis dato gehört habe. Mit Abstand, übrigens. Und man kann wirklich nicht behaupten, ich hätte zum Vergleichen nur billigen Müll zu Hause und würde deswegen auf jeden Blender hereinfallen.
Messen wir die Glaubhaftigkeit der Präsentation an der räumlichen Perspektive, an der Art und Weise, wie virtuelle Klangkörper mit vibrierender Energie gefüllt werden und der Fähigkeit, fesselnde Spannung in jeden einzelnen Ton zu packen, dann offenbart dieser Phonoamp höchst faszinierende Eigenschaften, die man in dieser Kombination – wohlgemerkt völlig unabhängig vom Preis – nur alle Jubeljahre zu hören bekommt. Zu bekritteln habe ich deshalb rein gar nichts, ganz im Gegenteil. Und ich bezweifle ganz stark, dass dieses unscheinbare Kästchen meine heiligen Hör-Hallen wieder verlässt. Doch Mr. Henriot hält ja noch „größere“ Modelle bereit, kaum zu fassen! Mit denen, soviel ist sicher, will und werde ich mich befassen.

 

Whest ThreeSignature
Phono-Vorverstärker

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Eingänge: 1 x Phono MM / MC umschaltbar
Ausgänge: 1 x Main Out symmetrisch (XLR) 1 x Main Out unsymmetrisch (Cinch)
Besonderheiten: Trafo ausgelagert, Einstellungen von MC-Impedanz- und Verstärkungseinstellung auf der Geräteunterseite via Dip-Schalter, Impedanz 100 Ω bis 47 kΩ in acht Schritten, MM Gain 42−46 dB, MC Gain 50-72 dB
Maße (B/H/T): 24/5/22 cm
Gewicht. 3,5 kg
Garantie: 2 Jahre
Preis: 2990 Euro

Gaudios KG
Brandhofgasse 11
A-8010 Graz
Österreich
Telefon 0043 (0)316 337175

 

www.gaudios.info

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