Echoes of Swing

Echoes of Swing – Blue Pepper

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Echoes of Swing – Blue Pepper

 

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Die Neuerfindung einer Ära

 

Die Swing-Ära war nicht nur eine Zeit der Bigbands, der Massenhysterie und der großen Ballsäle. Es gab daneben auch Small-Band-Swing – technisch feinnervige Combos, die die Raffinesse und den Drive der Orchester ins Kleine und Nuancierte übertrugen. Das Sextett von John Kirby zum Beispiel. Artie Shaws Gramercy Five. Benny Goodmans Trio, Quartett und Sextett. Oder das Raymond Scott Quintette. Mit nur einem, zwei, drei Bläsern eiferten diese Ensembles der Architektur der Bigbands nach: eng verzahnt, polyphon, diszipliniert, verblüffend virtuos. Der Small-Band-Swing prägte noch in der Nachkriegszeit die Clubs der 52nd Street. Die Revolutionen des Bebop entstanden aus diesem Experimentierfeld der Jazztechniken.

Echoes of Swing
Echoes of Swing – Blue Pepper
CD/ACT 9102-2

Der Bandname „Echoes of Swing“ mag gemütlich vorgestrig klingen. Aber was dieses Quartett anstellt, ist vor allem virtuos und intelligent. Nur mit Trompete, Altsax, Piano und Drums erwecken die vier den Geist des Small-Band-Swing zu neuem Leben. Sie tun das nicht stur akademisch, aber auch nicht mit harmloser Nostalgie, sondern mit der Freude an der eigenen Kreativität. Hier ein paar Takte à la Johnny Hodges, dort ein halber Chorus wie von Charlie Shavers – und der Charleston trifft nebenbei auf den Boogie. Die Soli beschränken sich meist auf eine einzige Strophe, die Stücke bleiben unter vier Minuten: Es sind dichte, dramatische, streng arrangierte Miniatur-Dramen. Gezielte Effekte, verschränkte Motive. Swing als Kunstmusik.

Echoes of Swing

Blue Pepper ist bereits das sechste Album der Quartettbesetzung. Das Thema diesmal heißt „Blau“, aber es geht nicht nur um den Blues. Natürlich spielt man Stücke von Bechet, Ellington, Waller, auch andere frühe Jazz-Klassiker wie „Blue River“ (1927) und „Blue Moon“ (1933). Aber es gibt auch ganz Unerwartetes, scheinbar Unpassendes, den Italo-Schlager „Azzurro“ von 1968 im Swing-Gewand oder Ellington/Strayhorns „Blue Pepper“ aus der Far East Suite oder gar eigene Song-Erfindungen der Musiker. Eines ist klar: Hier geht es nicht um historische Authentizität. Dieses Album verhält sich zur Swing-Ära vielmehr wie ein Roman zu einem Sachbuch. Es erschafft den Small-Band-Swing neu als historische Fiktion. Bebop lichtert um die Ecke, Colin T. Dawsons Stimme klingt nach Chet Baker, Stride Piano begegnet Trompetendämpfer. Die Plattenfirma verspricht „Good Time Jazz“, aber die „Good Time“, die solche Kreationen erlaubt, ist heute. Ein lustvolles Spiel mit der Geschichte. Großer Sport.

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Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 10 (6/2013)

 

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