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Test Naim Audio Supernait 2

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Test Naim Audio Supernait 2 – Altmodisch kann so schön sein!

 

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Es gibt sie noch, die guten Dinge: Naim Audio stürzt sich derzeit ins moderne Feld der Streamer und Multi-Room-Lösungen, besinnt sich aber mit dem ganz traditionell aufgebauten Supernait 2 auf seine Wurzeln: zwei richtig gute analoge Kanäle in nur einem Raum.

 

naimNein, der D/A-Wandler im alten Supernait war beileibe nicht schlecht. Keineswegs! Und dennoch konnte man sich fragen, was denn so ein Ding in einem traditionellen Vollverstärker zu suchen hatte. Vielleicht war es aber auch genau richtig so, weil der Supernait überhaupt nicht traditionell sein sollte? – Ich jedenfalls habe lange Zeit mit dem Supernait gehört, seinen Wandler nie benutzt und mich immer gefragt, wie es wohl klänge, wenn das Geld nicht in so vielen Extras, sondern nur in der eigentlichen Schaltung steckte. Gerade bei einer Firma, die in ihren Vorstufen noch nicht einmal ein Netzteil duldet, war eine Kombination aus Vollverstärker und Wandler schon verwunderlich. Der Klang des Supernait gab den Herrschaften aus Salisbury indes recht: Feiner und farbiger als seine Vorgänger und gleichzeitig mit dem rechten „Naim-Punch“ ausgestattet, konnte sich der Supernait in die Herzen und Wohnzimmer vieler Musikliebhaber spielen.

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Alles dran, was ein Vollverstärker braucht. Konsequenterweise fehlen also digitale Anschlüsse

Nun steht der Nachfolger auf der Bühne und steuert zurück in die Zukunft. Beim Supernait 2 wurde nicht nur auf den Wandler, sondern auch auf die Tapeschleife einschließlich der typischen zweiten Tastenreihe verzichtet. Letztlich stellt er also die zeitgemäße und auf das Wesentliche konzentrierte Version eines traditionellen Naits dar, und wir dürfen gespannt sein. Nicht zuletzt auch, weil sich das Schaltungskonzept seiner Endstufe mit seiner Komplementärschaltung von den üblichen Naim-Endstufen deutlich unterscheidet. Auch steckt hier die bei Naim neue DR-Technologie (Discrete Regulator) im Netzteil.

Um den Supernait 2 richtig gründlich und von allen Seiten betrachten zu können, wurden uns vom Vertrieb noch mögliche Upgrades mitgeliefert: das edle Netzkabel Power-Line und eine Adrenalinspritze in Form des externen HiCap DR-Netzteils. Das lässt nun Raum für vielerlei Spielereien: Nait pur, Nait mit Power-Line, Nait mit HiCap DR und normalen Kabeln und letztlich noch die Versuche, ob das Power-Line am Verstärker oder am Netzteil mehr bringt.

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So ist das bei Naim: Jedes Gerät ist nur Teil eines komplexen Systems aus verschiedensten Ausbauoptionen

 

Solide Technik

Zunächst aber der fällige Blick auf den Supernait 2. Äußerlich ist bis auf das Fehlen der zweiten Tastenreihe alles beim Alten geblieben. Auf der Rückseite die üblichen Verdächtigen: Eingänge in DIN und Cinch, Buchsen für die Ansteuerung von Subwoofern, weiteren Endstufen, Anschlüsse für externe Netzteile. Der Neue ist also wie sein Vorgänger ein besonders offenes Konzept.

naimIm Inneren hat sich deutlich mehr verändert. Anstatt eines D/A-Wandlers, der – obwohl durchaus gut – von vielen Kunden wohl nicht genutzt wurde, da die hauseigenen Streamer und CD-Player diesbezüglich bestens versorgt sind, konnte nun mehr Geld und Platz in die Stromversorgung fließen. Als Ergebnis erfreut sich nun auch der neue große Vollverstärker der „DR“ getauften Netzteiltechnologie. Hinter diesem Kürzel steht „Discrete Regulator“, was letztlich bedeutet, dass die Spannungsregler in diesen Schaltungen vollständig diskret aufgebaut und nicht durch integrierte Schaltungen realisiert sind. Laut Messschrieben, die Naim uns schickte, wird so im Mittel ein um 15 Dezibel reduzierter Noisefloor erreicht.

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Die Lautstärkeregelung geschieht ganz traditionell über eine Schleifbahn. Nach Ausflügen ins Lager der Widerstandsnetzwerke, die in den smarten All-in-one-Geräten auch weiterhin verwendet werden, ist Naim zum guten alten Potentiometer zurückgekehrt – wenn es Platz und Budget zulassen. Denn ein solches Poti kann auch für reichlich Ärger sorgen, wenn man im Vorfeld eine akribische Selektion unterlässt. Bei Naim braucht man sich als Kunde allerdings zum Thema Bauteilequalität keine Sorgen zu machen. Kaum ein anderes Produkt erreicht eine derart lange Verweildauer bei seinen Besitzern – nicht ohne Grund!

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In der Endstufe verfolgt Naim für diesen Supernait wie schon bei seiner ersten Inkarnation ein eigenständiges Konzept: Im Gegensatz zu den reinen Endstufen des Hauses arbeitet hier eine aus PNP- und NPN-Transistoren aufgebaute Komplementärschaltung. Es kommen also Transistoren grundsätzlich gleichen Typs zum Einsatz, die sich lediglich durch die Dotierung ihrer drei „Schichten“ unterscheiden (+/-/+ und -/+/-). Die eine Sorte „kümmert“ sich dann um die positive, die andere um die negative Halbwelle des Signals. Damit bietet der Supernait allerdings auch ein anderes Verhalten bei komplexen Lasten (= Lautsprecher) als seine Endstufenkollegen – nicht besser oder schlechter, sondern nur anders. Daher melde ich leise Bedenken bei einer Kombination mit beispielsweise einer NAP 200 zum Bi-Amping an. Da man allerdings auch bei Naim kein großer Freund solcher Konfigurationen ist und es im lieber short and simple hält, dürften diese Bedenken also rein akademische Natur sein.

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Schritt nach vorn?

Den ersten Unterschied zu seinem Vorgänger und auch zu anderen Naim-Verstärkern demonstriert der Supernait 2 direkt nach dem Einschalten: Er ist leise. Das sonst so typische Rauschen im Lautsprecher fällt deutlich geringer aus als bisher. Mich als eingefleischten Klassikhörer freut das besonders, kann ich doch sicher sein, dass auch nicht das feinste Verklingen im Saal unter einen (Rausch-)Teppich gekehrt wird.

Bis hin zu den Kabeln stelle ich nun das gleiche Setup zusammen, mit dem ich den alten Supernait zuletzt bei mir hörte, und ich hole meine alten Aufzeichnungen hervor, um möglichst gut vergleichen zu können. Und wenn mich nicht alles täuscht, ist der jüngste Spross deutlich feiner in der Darstellung von Klangfarben und Obertönen geworden. Während dem Vorgänger etwa bei Beethovens Streichquartetten mit dem Takács-Quartett (DECCA CD) an manchen diffizilen Wendepunkten der Musik noch eine gewisse Hemdsärmeligkeit anhaftete, stellt Naims Jüngster auch minimale Veränderungen des Bogendrucks vor einem Richtungswechsel dar.

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Ist das für den Genuss der Musik wichtig? Eine Frage, die ich in diesem Zusammenhang immer wieder höre, und die daher ganz offensichtlich einer Beantwortung bedarf. Natürlich kann man ein Streichquartett auch bestens genießen, wenn einem diese Informationen vorenthalten bleiben. Dennoch bin ich der Meinung, dass es die Spannung deutlich erhöht, wenn ich dem Künstler in die Seele schauen kann – wenn ich also anhand kleinster Zeichen merke, was er gleich vorhaben wird, wie er die nächste Linie gestalten will. Das ist bei Sängern ebenfalls sehr deutlich hörbar und für mich ein wichtiger Bestandteil der Interpretation. Und letztlich wissen Musiker ja um diesen Umstand und arbeiten teilweise hart an der präzisen Ausarbeitung dieser kleinen Hinweise.

naimDie mögliche Schlussfolgerung, dass also eine extreme, messtechnisch perfekte Durchlässigkeit des Verstärkers zum Glück führt, geht meines Erachtens nach allerdings ebenfalls in die falsche Richtung. Denn auch hier kommt es, wie so oft, auf das richtige Maß an. Ein Zuviel an – vielleicht sogar noch schlecht eingebundenen – Informationen verstellt den Blick auf die Musik, ein Zuwenig belässt sie hinter dem Vorhang. Die Menge macht also mal wieder das Gift – oder das Glück.

Eine weitere Qualität des neuen Naims ist es, größer zu wirken, als er tatsächlich ist. Unabhängig vom Lautsprecher klingt es immer so, als hätte der Supernait 2 noch endlos Reserven. Meine kleinen, vom Lastverhalten her zwar gutmütigen, gleichzeitig aber sehr durstigen Spendors agieren an dem Engländer mit einer beglückenden Lockerheit. Das Ensemble von McCoy Tyner wird von einem so kraftstrotzend-lockeren Bass durch die Tracks gejagt, wie ich es an diesen kleinen Lautsprechern noch nicht erlebt habe. Und genau das ist sie, die typische „Naim Qualität“: Die Musik spielt immer agil, locker, erdig, natürlich, weshalb man nach wenigen Momenten nicht mehr auf die Anlage achten kann und sich der Musik hingibt. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Bei Geräten von Naim fällt mir das gewissenhafte „Testhören“ immer wieder sehr schwer.

Die räumliche Abbildung gerät dem Briten übrigens noch etwas besser als seinem Vorgänger. In der Breite vergleichbar, reckt sie sich nun deutlich weiter in die Tiefe des Raumes. Nach wie vor werden Schallereignisse nicht messerscharf umrissen, sondern mit einer kleinen Aura versehen. Dafür hat jeder Klang „Fleisch“, einzelne Klänge wirken daher immer griffig, körperhaft, lebensecht.

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Die Kraft der zwei Herzen

Das HiCap DR steigt nun mit in den Ring und verändert die Performance des Supernait 2 hörbar. Impulse kommen mit mehr Druck, laute Ereignisse wirken insgesamt selbstverständlicher. So steht beispielsweise das San Francisco Symphony Orchestra bei Gustav Mahlers achter Sinfonie (SFS Media) einfach etwas größer und mächtiger im Raum, die Tonanfänge namentlich der tieferen Instrumente wirken etwas geschärft. Die Große Trommel verrät nun noch nachdrücklicher ihre eigentliche Größe. Gleichzeitig meine ich, dass das letzte Ausschwingen von leisen Klängen im Raum nun minimal kürzer ist, dass allerfeinste Informationen ein wenig „rauer“ klingen. Vielleicht hört man in diesen extremen Bereichen doch, dass nun das Vorstufensignal einen weiteren und eventuell auch weniger störungsarmen Weg zurückzulegen hat: Von der Vorstufe geht es zum Netzteil und von dort wieder zurück zur Endstufe des Supernait. Das bedeutet also für die zarten Signale, sich zwei weiteren Kabeln, vielen weiteren Übergängen und dem Weg durch ein Netzteil zu stellen. Das ist – damit wir uns nicht falsch verstehen – keine offizielle Erklärung, sondern meine ganz persönliche, nicht von Messwerten untermauerte Theorie, mit der ich das Gehörte zu erklären versuche.

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So kann ich das HiCap DR in Kombination mit dem Supernait 2 allen Hörern von Pop, Rock, Soul oder ähnlicher Kost empfehlen. Als reiner Klassikhörer würde ich das Geld wohl eher in Diffusoren (jaja, ich und meine Raumakustik) oder – mit kleiner Zuzahlung – in einen Naim ND5 XS stecken.

Wenn es das externe Netzteil sein soll, bleibt ja immer noch das Spielfeld mit dem Netzkabel Power-Line. Gönne ich mir angesichts des durchaus ambitionierten Preises von immerhin 628 Euro nur ein Exemplar, bleibt die Qual der Wahl: Soll der Verstärker oder das Netzteil derart edel angeschlossen werden? Nach kurzen Vergleichen ist für mich in dieser Kombination klar, dass es am Netzteil etwas mehr Feinheit ins Geschehen bringt als am Nait. Allerdings finde ich persönlich das normale, serienmäßig mitgelieferte Naim-Netzkabel schon so gut, dass ich mir in dieser Verstärker-Preisklasse erst einmal ganz andere Sorgen machen würde. Will sagen: Das investierte Geld ist hier noch an anderen Punkten (Tonabnehmersystem, Lautsprecher, Akustik) deutlicher hörbar. Hat man aber bei den Geräten schon kräftig aufgerüstet und auch den Raum optimiert, kann ein Feinschliff über diese Kabel gerne erfolgen.

 

Purer Genuss

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Welcher Eindruck bleibt? Nach meinem Dafürhalten hat Naim mit dem neuen Supernait 2 einen wirklich erstklassigen Vollverstärker auf die Gummifüße gestellt, der ganz für sich eines der vollständigsten Produkte am Markt ist. Viele Anschlussmöglichkeiten, eine solide Verarbeitung und letztlich ein wundervoll natürlicher und doch präziser Klang verbinden sich zu einem Paket, mit dem ich sehr glücklich leben könnte. Mit diversem Zubehör lässt sich der Klang noch etwas verschieben. Für mich persönlich allerdings ist ein Supernait 2 „pur“ schon so gut, dass all das gar nicht nötig ist.

Ein weiteres Schmankerl ist übrigens der integrierte Class-A-Kopfhörerverstärker, der nun auch einen 6,3-Millimeter-Klinkenanschluss bietet. Er dürfte ob seiner Qualität und Stabilität auch an schwierigen Lasten so manche externen Spezialverstärker in die Arbeitslosigkeit schicken.

 

 

Naim Audio Supernait 2

Vollverstärker

Leistung (8Ω): 2 x 80 W

Eingänge: 6 x Hochpegel (1 x DIN, 1 x Cinch, 4 x DIN/Cinch parallel)

Ausgänge: 1 Paar Lautsprecher (4-mm-Buchsen), Kopfhörer (6,3-mm-Buchse), 2 x Line Out fix (DIN), 3 x Line Out variabel (2 x DIN, 1 x Cinch)

Besonderheiten: integrierte Versorgungsspannung für Naim Phonovorstufe, vorbereitet für diverse Upgrade-Optionen (z.B. externes Netzteil HiCap DR für 1648 €; Netzkabel Power-Line für 628 €)

Maße (B/H/T): 43,2/8,7/31,4 cm

Gewicht: 14 kg

Garantiezeit: 5 Jahre

 

 

www.music-line.biz

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 11 (1/2014)

 

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