Fredric Dannen
Fredric Dannen – Hit Men

Fredric Dannen – Hit Men

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Fredric Dannen – Hit Men

 

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Über das Böse

 

Wer den Schaden hat, muss bekanntlich für den Spott nicht sorgen. Der Musikbranche zum Beispiel geht es nicht nur beispiellos schlecht, sie hat auch ein ganz miserables Image. Dass eine Musik-CD im Laden 20 Euro kosten soll, ist Konsumenten heute kaum mehr zu vermitteln. Auch dass eine Plattenfirma die „Rechte“ am Werk eines Künstlers besitzen darf, wirkt auf viele Musikfreunde pervers. Also kaufen sie keine CDs mehr, sondern bevorzugen ein halblegales Filesharing, wenn nicht gar den kostenlosen Zugriff auf obskure Anbieterseiten. Werden sie für illegale Downloads juristisch zur Rechenschaft gezogen, bestätigt sie das nur in ihrer Überzeugung, dass alle Plattenfirmen Gangstersyndikate seien. Diesen Ruf hatten die Plattenfirmen übrigens schon immer. Schließlich startete die Musikindustrie in der Blütezeit der amerikanischen Mafia. Die frühen Plattenbosse betrogen mit Autorenrechten, unterliefen Gewerkschaftsvorgaben, fälschten Abrechnungen und vertrösteten die Musiker auf Tantiemen, die nie kamen, weil man kurzerhand alle Ausgaben der Firma als Künstler-Vorschüsse verbuchte. Gerüchte über die bösen Machenschaften der Plattenfirmen gibt es genug.

Fredric Dannen
Fredric Dannen – Hit Men

Das Buch Hit Men von 1991 liefert handfeste Fakten. In aufopferungsvoller Recherche hat Fredric Dannen ermittelt, mit welcher Skrupellosigkeit die große amerikanische Musikindustrie über Jahrzehnte hinweg Millionen von Dollar erpresst, erschlichen und wieder verbraten hat. Man erfährt vom Mafia-Label Roulette, das auch über Leichen ging, vom Disco-Label Casablanca, das in Verschwendungssucht verpuffte, vom Miss-Management von Columbia, das Amerikas älteste Plattenfirma in die Arme von Sony trieb.

Man liest von größenwahnsinnigen Plattenbossen, ihren internen Machtkämpfen und Einschüchterungsversuchen, ihren betrügerischen Geschäftspraktiken und ihrer unermüdlichen Fähigkeit, sich im hell strahlenden Licht erfolgreicher Künstler zu sonnen. Wer die Kaste der Top-Manager ohnehin verachtet, findet hier neue Nahrung für seinen Hass. Die Musikindustrie war schon immer eine ideale Bühne für talentierte Betrüger, Blender und Aufschneider.

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Leider ist Fredric Dannens so schockierendes wie unterhaltsames Buch auf Deutsch nur noch antiquarisch erhältlich. Falls es einmal zu einer Neuausgabe kommen sollte, dann wahrscheinlich schon mit dem Untertitel: „So war einst die Plattenbranche“.

 

 

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