Norddeutsche HiFi Tage 2019 Hotel Holiday Inn Hamburg

Norddeutsche HiFi Tage 2019 in Hamburg

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Norddeutsche HiFi Tage 2019

Was macht den Reiz highfideler Hotelmessen aus? Warum wachsen Veranstaltungen wie die Norddeutschen HiFi Tage (NDHT) seit über einer Dekade mit teilweise zweistelligen Steigerungsraten und wieso, weshalb, warum konnte der Boom fünfzehn Jahre überdauern?

Über diese Frage haben wir einen guten Teil unserer knapp 800 Kilometer weiten Anfahrt gebrütet und diskutiert. Für uns selbst können wir das Mirakel einfach klären: Nirgends sonst können wir als Pressvertreter einfacher und geballter Tuchfühlung zur Branche aufnehmen, uns mit Entwicklern und Vertrieben austauschen beziehungsweise Infos zu Neuheiten und Produkten einsammeln.

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Aber vielleicht sollte ich das Pferd nicht von hinten aufzäumen, sondern vorn beginnen: Früher, und damit meine ich den Zeitraum vor 2004, war die HiFi-Welt einfacher strukturiert. Damals gab es Händler-Events, die beispielsweise samstags von neun bis achtzehn Uhr einzelne Marken in den Fokus nahmen und die Köpfe dahinter vorstellten – „Meet And Greet“ bei Kaffee und Mineralwasser, eine Handvoll Geräte, Hörvergleiche, ein halbstündiger Workshop … guter Stoff für eine eintägige audiophile Bildungsreise. Außerdem dominierten die IFA und die Highend den Jahresplan. Das war’s dann aber auch schon!

Die beiden Branchenmessen haben sich seither verändert. Die Berliner Funkausstellung nahm ab 2006 „Weiße Ware“ (Waschmaschinen, Kaffeevollautomaten etc.) ins Portfolio auf, was in der traditionsbewussten Unterhaltungsindustrie für gehörige Entrüstung sorgte (das Wort „Shitstorm“ war damals zum Glück des Messebetreibers noch nicht erfunden). Und die HiFi-Unternhemen lagen mit ihrer Aufregung richtig. Die weltweit beachtete Funkausstellung verwandelte sich in eine Show für Heimelektronik und Haushaltswaren – das hatte der Veranstalter auch so beabsichtigt. HiFi? Bis auf wenige Ausnahmen Fehlanzeige!

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Die Highend indess zog von Frankfurt nach München und startete ihren allmählichen Transformationsprozess zur bedeutendsten B2B-Messe der Branche. Die Show ist damit bis heute erfolgreich, abenteuerlustige Endverbraucher fremdeln aber mit der zunehmend geschäftsorientierten Messeatmosphäre und den sich daraus ergebenden Situationen.

Zurück blieb eine Lücke, in die schließlich Hotelmessen wie die NDHT, SDHT, WDHT und viele weitere hineinstießen. Die Norddeutsche HiFi Tage markierten dabei gewissermaßen den Anfang. 15 Jahre ist es bereits her, dass Wolfgang Borchert, damals noch alleiniger Inhaber seines HiFi Studio Bramfeld, die Veranstaltung zum ersten Mal organisierte. In ihren Anfängen fand die beschauliche Mini-Messe noch im Schnelsener Novotel im äußersten Nordwesten Hamburgs statt. Das schnelle Wachstum erzwang jedoch schon bald eine Veränderung und so erfolgte bereits 2009 der Umzug ins Holiday Inn, direkt an den Elbbrücken. Wobei „Wachstum“ noch eine blanke Untertreibung ist: Saftige 401 Aussteller, Vertriebe und/oder Marken konnten wir auf den diesjährigen Raumplänen zählen. Nageln Sie uns nicht fest, es können auch 402 gewesen sein. “Mini-Messe” kann man das schon lange nicht mehr nennen. Um alles zu sehen, musste man dieses Jahr deutlich über 100 Türklinken drücken.

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Die NDHT erstecken sich über große Teile des weitläufigen Hotelkomplexes und belegen die obersten drei Etagen des Holiday Inn, dessen hoher Wohnturm auf eigenartige Weise an einen Getreidespeicher erinnert. Außerdem füllen sie auf weiteren vier Etagen den Seitenflügel namens „Bridge Inn“ mit seinen endlosen Fluren. Das mag noch einigermaßen überschaubar klingen, mein subjektiver Eindruck schwankte dieses Jahr jedoch zwischen „Verdammt, sind das viele Räume!“ und „Um Himmels willen, ich schaffe sie nicht alle!“ – die zweite Einschätzung sollte sich bewahrheiten, was aber nicht weiter schlimm war, da wir uns mit drei Kollegen strategisch verteilen konnten.

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Daher unser Tipp: Bringen Sie unbedingt an beiden Tagen viel Zeit mit. Kommen Sie früh und machen Sie keine weiteren Termine! Die Messe hat samstags acht und sonntags sechs Stunden geöffnet (jeweils ab zehn) und sie werden die vierzehn Stunden auch benötigen, wenn Sie auch hier und dort in Ruhe eine der zahllosen Anlagen anhören möchten.

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Spontan und zugegebenermaßen einen Hauch zu spät hatten wir uns nur wenige Wochen vor der Show entschlossen, zum ersten Mal selbst mit einem kleinen Stand teilzunehmen. Der Ansporn dafür kam vom Veranstalter, der uns darauf hinwies, dass wir uns an einer Spendenaktion zugunsten des “Friends CUP Förderverein e.V.” beteiligen können, der Obdachlose mit einer warmen Mahlzeit versorgt.

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Das haben wir natürlich gern getan, und kamen so auf den Gedanken, einen Teil unserer Verkaufserlösee an die Aktion abzuführen. Für das eingespielte Veranstalter-Team stelle unsere Last Minute-Teilnahmee keine Herausforderung dar. Ivonne Borchert-Lima, die seit einigen Jahren die Geschicke des väterlichen Unternehmens leitet und die Norddeutschen sowie Süddeutschen HiFi-Tage organisiert, ist mittlerweile ein Vollprofi. Sie verpasste uns eine Stellfläche direkt am Haupteingang des Hotels.

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Wie ausgewechselt

Es gibt da ein ganz bestimmtes Gefühl der Verwunderung, des Erstaunens und der Verblüffung, dass nur kennen kann, wer schon einmal als Aussteller auf einer Messe war. Gemeint ist jener Moment, in dem sich das unfassbare Aufbauchaos plötzlich in den Zustand jener geordneten Ausstellung begibt, die Besucher zu sehen bekommen, die in den frühen Stunden des ersten Messetags durch den Eingang strömen: Die Teppiche sind frisch gesaugt, kein Schnipsel Papier liegt in den Gängen, alle Flyer und Messehefte liegen noch in ordentlichen Stapeln an den Ständen und bilden keine seltsamen Muster auf dem Fußboden. Es ist einfach unvorstellbar, was für ein Drunter und Drüber in diesen Fluren und in den vielen der Hotelräumen noch vor wenigen Stunden, teils sogar nur vor Minuten geherrscht hat.

Dieser Zustand löst in mir ein merkwürdiges Gefühl der Ruhe aus, in dem die Hektik, der Aufbautrubel und die Gedanken an all das, was man vergessen haben könnte mit einem mal verflogen sind.

Diese Ruhe währte am vergangenen Wochenende aber nur für einen kurzen Augenblick. Denn bereits eine Stunde vor der offiziellen Öffnungszeit strömten hunderte Menschen durch die riesige Drehtür zur Lobby des Holiday Inn und fluteten das Erdgeschoss. 6500 Besucher sollten sich im Verlauf des Wochenendes insgesamt einfinden.

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Der erste Besucherstrom verschwanden zielstrebig in die Vorführräume der großen Säle des ersten und zweiten Stockwerks. Hier gastierten neben B&W Marken wie Musical Fidelity, Triangle, Burmester, FinkTeam, IsoTek, Audio Physic und X-Odos, T+A oder Naim und Focal und natürlich Dynaudio. Wer als Aussteller einmal einen dieser exklusiven Räume ergattert hat, hält daran fest und so wissen die Wiederholungstäter unter den Besuchern ganz genau, welche Vorführungen sich besonders lohnen. Die Hörqualität in den großen Salons war durchweg gut bis exzellent. Eine ganz besondere Performance hatten sich Canton und Phonosophie einfallen lassen: In ihrem Gemeinschaftsraum gab es abwechselnd Cello-Livekonzerte gefolgt von hervorragender Retortenmusik.

Ein anderer Teil des hereinströmenden Publikums wurde mit der Achillesferse der NDHT (und vieler anderer HiFi-Shows) konfrontiert: Die Aufzüge in die höher gelegenen Etagen sind regelmäßig Anlass für genervte Blicke auf die Uhr. Die Aufregung lohnt sich aber nicht – wer hinauf möchte ins 18. Geschoss, muss eben einmal warten und kann sich dann über die Treppen gemütlich etagenweise nach unten arbeiten.

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Mein erster Weg führte allerdings bereits eine halbe Stunde vor Eröffnung in den Ausstellungsraum von AVM. Dort verkündete Geschäftsführer Udo Besser einer kleinen Gruppe von Journalisten Details und Fakten zum neuen Ovation-Amp – eine Weltpremiere. Das neue Verstärker-Flaggschiff der Malscher besitzt neben unerhörter Konnektivität einen D/A-Wandler und ist mit Transistor- (A 6.3) oder Röhren-Ausgangsstufe (A 8.3) zu haben. Es spricht für die Bedeutung der NDHT, dass sie mittlerweile auch für exklusive Produktvorstellungen genutzt werden. Ähnlich sah es bei Accustic Arts aus, wo wir neue Prototypen eines Verstärkers und CD-Spielers sehen konnten oder am Stand von Technics, wo erstmals der neue „Einsteiger-Dreher“ SL1200 MK7 gezeigt und vorgeführt wurde.

Direkt im Anschluss an die kurze Pressekonferenz ging es zu den Warteschlange an den Aufzügen, die etwa 20 Minuten beanspruchten. Immerhin: Man lernt hier schnell Leute kennen und tatsächlich kam ich mit zwei Besuchern ins Gespräch, denen ich unsere Fragen vom Vortag stellen konnte: Warum seid ihr hier, was interessiert euch am meisten und was macht den Reiz solcher Hotelmessen aus? “Der Spaß an den vielen, oft leidenschaftlichen Vorführungen und die Möglichkeit, eigenes Material zu hören”.  Hier und dort, so zeige ihre Erfahrung, kann man sich auch mal einen Titel wünschen. Ob es einen Hersteller gebe, der sie besonders interessiere, wollte ich wissen. „Nö, ganz bestimmt nicht!“ – Die Antwort kann spontan und offenbarte norddeutsche Direktheit. Sie wollten sich einfach treiben lassen, seien ohnehin Stammgäste auf den NDHT und wüssten, dass man am Samstag unmöglich alles sehen kann. Insbesondere analoge Vorführungen hätten es ihnen angetan, neben Plattenspielern würden Sie sich freuen, auch mal eine Bandmaschine zu hören. Sowas erlebt man eben nicht alle Tage und da blieben sie dann auch schonmal etwas länger sitzen.

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„Sich einfach treiben lassen“ … daran muss ich im Nachhinein immer wieder denken und bin zugegebenermaßen etwas neidisch auf die beiden Herren. Kaum oben angekommen stürzte ich mich auf die ersten beiden Gänge und führte eilige Gespräche mit den Ausstellern. DALI, Mudra sowie Fischer&Fischer, hORNS, Cambridge Audio, Elac, Quadral, Scheu, Dr. Feickert, Manger, Esoteric, Input Audio und viele mehr fand ich auf den drei obersten Etagen des Wohnturms. Hören konnte ich hier und dort auch etwas. Besonders blieb mir die exquisite Vorführung bei Einstein im Gedächtnis – und das nicht nur wegen der prominent hinter dem Rack platzierten bildschönen Fender Telecaster. Ebenfalls zum Verweilen lud die gewohnt professionell moderierte Präsentation von Eternal Arts. Hier gab es die klangvollen Röhrenmonos OTL Mono-Bloc an Lautsprechern von Live Act Audio.

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Verkürzter Sonntag

Ins Bridge Inn kam ich dann erst am zweiten Messetag und hatte heile Not, mir auch nur eine grobe Orientierung zu verschaffen. Wie bereits erwähnt, ist der Sonntag zwei Stunden kürzer als der Samstag und ich war erneut verblüfft, nein … erschrocken, wie viele Zimmer sich im Seitentrakt des Holiday Inn befinden. Einzelne Hersteller und Ausstellungen herauszuheben fiele mir aufgrund der kurzen Schnupperbesuche und der schieren Zahl an Ausstellern daher schwer.

Trotzdem verschaffte der Schnelldurchlauf einen guten Überblick zu den aktuellen Trends und Themen. So scheinen sich Aktivlautsprecher aller Formen, Größen und Ausführungen zum echten Brenner zu mausern: Kef war mit seiner LS50 Wireless und der neuen kompakten LSX vor Ort, Cabasse präsentierte die schnurlose Quasi-Komplettanlage “The Pearl”, der dänische Hersteller JERN präsentierte seine ultrarobusten (und sehr spannenden) Vollmetallschönheiten und am oberen Ende zeigte zum Beispiel Lyravox seine Aktiv-Kreationen, die man wohl eher als All-In-One-Anlage bezeichnen sollte. Auch Dynamikks! war da. Angesprochen auf den Röhrenverstärker in seiner Vorführung erklärte mir Inhaber und Entwickler Ulf Moning „Ach, ich dachte kurz vor der Messe, ich müsste mal was mit Röhre machen, also habe ich den hier gemacht.“ Schöner kann man es wohl nicht auf den Punkt bringen. Wir sollte auch nicht vergessen, dass auch Quadral und Elac im Wohnturm des Holiday Inn ihre neusten Aktiv-Kreationen zeigten.

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Am anderen Ende der Bandbreite greift der Analogboom immer weiter um sich. Plattenspieler konnte man an praktisch jedem (!) Stand entdecken. Analoge Vollsortimentler wie Transrotor nutzen die Gelegenheit natürlich für eine umfassende Werksausstellung. Am Stand von Clearaudio musste man derweil gar nicht lange suchen, um eine weitere exklusive Neuheit zu erspähen:
Mitten in der Vorführkette stand der neue Concept Active, ein genialer All-In-One-Dreher, der neben dem eigenen Entzerrer gleich noch eine integrierte Vorstufe mitbringt. Thorens zeigte derweil die bereits im Herbst vorgestellten Einsteigermodelle und erzählte uns von spannenden Dingen, die bald kommen werden. Auch das Zubehör bekam seine Chance. In einem Flur präsentierte MHW Audio so ziemlich jede Plattenwaschmaschine, die jemals konstruiert wurde, darunter auch die neue Ultraschalldusche Degritter.

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Sie sind noch dabei? Haben den Text bis hierhin verfolgt? Dann wollen wir Sie belohnen, indem wir die Fragen aus dem ersten Absatz beantworten: Über 2000 Wörter umfasst mein „kleiner“ Messebericht bis zu diesen Zeilen und ich könnte locker noch 5000 hinzufügen. Das sagt alles: Shows wie die Hamburger NDHT bieten mittlerweile von allem derart viel, dass man kaum weiß, wo man zuerst hingehen soll. Sie sind zur umfassenden Werksshow der HiFi-Branche geworden, bieten aber auch extreme Nahbarkeit und erlauben den Besuchern, sich von Entwicklern und Produktspezialisten alle Details und Feinheiten der Vorgestellten Geräte erklären zu lassen.
Kann man das anderswo erleben? Nein! Lohnt es sich, dafür auch im nächsten Jahr wieder die 800 Kilometer in den Norden zu fahren? Unbedingt! Fällt uns etwas ein, was das Team um Ivonne Borchert-Lima noch besser machen könnte? Solange sie nicht zu Aufzugsbauern umschulen nein!

Spruch der Messe: „Bleiben Sie ruhig draußen, da ist mehr Platz.“

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www.hifitage.de

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