Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

FIDELITY zu Gast bei … Audio Note UK

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Audio Note, Dämpfung ist alles oder: Wie klingt eigentlich Wachs?

Zu Besuch bei Audio Note UK in Partridge Green, Brighton

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Der Frühflug ist pünktlich. England begrüßt das FIDELITY-Team mit untypisch strahlendem Sonnenschein. Sonnig ist auch das Lächeln von Audio-Note-UK-Boss Peter Qvortrup, der Herrn Schulz und mich mit einer Mercedes-S-Klasse in London-Gatwick abholt, die hierzulande längst ihren Gnadensprit samt H-Kennzeichen verdient hätte. Bei Audio Note UK fungiert so ein Gefährt als steuergünstiger Dienstwagen. Und das ist beileibe nicht das einzige Detail, das bei der High-End-Manufaktur in West Sussex anders als bei vielen Mitbewerbern gelöst wird.

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Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018

Von außen wirkt das nach Jahren der Aufsplitterung in dezentrale Standorte vor nicht allzu langer Zeit bezogene Firmengebäude in Partridge Green nahe des Seebades Brighton, nicht einmal eine Autostunde von der Metropole London entfernt, erstaunlich unspektakulär: ein vergleichsweise niedriges Backsteinensemble in einem kleinen Industriegebiet, mit bescheidenem Firmenemblem an der Eingangstüre. Nur die rund um den Firmensitz parkenden Mercedes-Youngtimer, mit denen Audio Note die Mobilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherstellt, deuten an, dass hier einer der britischen Platzhirsche in Sachen hochwertige Musikwiedergabe residiert. Ein durchaus innovatives Unternehmen, bei dem nicht nur der Chef tagtäglich die hohe Kunst des kreativen Querdenkens zelebriert.

Peter Qvortrup ist eigentlich Däne, lebt aber seit Jahrzehnten auf der Insel – und bleibt angesichts des bald bevorstehenden Auszugs des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union betont gelassen. Dass Qvortrup dennoch laut darüber nachdenkt, Teile der Produktion in EU-Länder zu verlagern – bis dato werden die meisten Komponenten der Audio-Note-Produkte am britischen Firmensitz selbst gefertigt, nur ganz wenig muss zugekauft werden –, verrät den Pragmatiker, der mit seiner Firma schon manchen Sturm überstanden hat.  Dass Qvortrup wirtschaftswissenschaftliche Werke liest wie andere Leute die Tageszeitung, ist greifbares Indiz für eine Unternehmerpersönlichkeit, bei der Instinkt und Cleverness mit fundiertem Wissen Hand in Hand gehen.

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Dazu kommt eine klare Linie beim Produktportfolio: Audio Note UK setzt konsequent auf Röhrentechnik, die nicht nur in den Verstärkern, sondern unter anderem auch in den Ausgangsstufen der CD-Player und in den Phono-Übertragern zum Einsatz kommt. Warum es besser klingt als bei den zuhauf auf den Markt geworfenen chinesischen Billig-Röhrengeräten, die man für ein paar Euro bei den einschlägigen Internet-Portalen kaufen kann? Peter Qvortrup lächelt, während er in ein Curryhuhn-Sandwich beißt – und lädt statt einer einfachen Antwort zu einem Rundgang durch die im Vergleich zum vorherigen dezentralen Domizil signifikant auf das etwa Dreifache gewachsenen Firma ein. Die Besichtigungstour wird zur virtuellen Achterbahnfahrt ins komplexe Audio-Universum des Peter Q., in dem durchweg erstaunliche Fertigungstechniken Anwendung finden und das von ein paar sehr bemerkenswerten Wesen mit immensem Fachwissen bevölkert wird.

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Zur Einstimmung legt der charismatische Audio-Note-Lenker Qvortrup ein paar Röhren auf den Tisch des Besprechungsraumes. Die Sammlung ist riesig. Wie riesig, erfährt das FIDELITY-Team erst nach und nach. Was da auf dem Tisch liegt, ist jedenfalls „New Old Stock“ vom Feinsten. So mancher Sammler und Röhren-Fan bekäme beim Anblick der wie neu wirkenden Trioden aus den 1920er Jahren wohl feuchte Hände und feuchte Augen. Für Qvortrup, seine Ingenieure und Techniker sind die zum Teil fast hundert Jahre alten Preziosen dagegen Analyseobjekte: Was war damals schon sehr gut? Und was lässt sich beispielsweise durch die gezielte Verwendung moderner Materialien und Fertigungsmethoden so verbessern, dass der Klang davon hörbar profitiert? Das seltene Metall Tantal spielt laut Qvortrup eine wichtige Rolle, denn es ist ein signifikanter Bestandteil der bei Audio Note entwickelten und hergestellten Bauteile. Peter Qvortrup erklärt, dass er viel Geld ausgeben musste, um verschiedene „Rezepte“ für den Bau von Tantal-Widerständen zu entwickeln. Bei deren Qualität will der Vollsortimenter nicht von Zulieferern abhängig sein. Vom Tantal verspricht sich das Team nach umfangreichen Versuchsreihen einen „volleren, dichteren Klang“. „Nur in der Theorie klingen Widerstände gleich“, betont Qvortrup und fügt hinzu: „Den Unterschied kann man nicht messen, aber leicht hören.“

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Der Eindruck, dass in dieser Ideenschmiede anders gearbeitet wird, dass so mancher gängige Ansatz in Sachen Entwicklung, Produktion und Marketing hinterfragt und dann auch gerne konsequent verworfen wurde und wird, setzt sich beim Spaziergang durch das verblüffend weitläufige Firmengebäude fort. Fließbänder sucht man hier zwar vergebens, weil sie bei den in West Sussex produzierten Stückzahlen auch nicht viel Sinn hätten. Dafür stößt man permanent auf Indizien für eine immense Fertigungstiefe. Da stehen etwa halbfertige Transformatoren neben einer sehr hochwertigen (und entsprechend kostspieligen) Wickelmaschine für Trafospulen Spalier, die in höchster Präzision Drahtlage neben Drahtlage platziert.

In einem anderen Raum stapeln sich Platinen aus verschiedenen Materialien, sogar aus dem in der Audioszene wohlbekannten Panzerholz, das hier freilich anders genannt wird und auch etwas anders zusammengesetzt ist. Manchmal bezeichnet Peter Qvortrup die Konkurrenz im Audiosektor nur halb im Scherz als „Spielzeugfirmen“. Weil sie „viel reden und wenig machen“ und weil sie bisweilen nur schicke Gehäuse um ein Konglomerat von zugekauften Einzelteilen schneidern und das aus Qvortrups Sicht bestenfalls durchschnittliche Ergebnis dann als bahnbrechende Eigenkonstruktion anpreisen.

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Bei Audio Note UK tragen auch unter dem Deckel fast alle Bauteile das schlichte „AN“-Logo – und das FIDELITY-Team kann dabei zuschauen, wie sie aus dem entsprechenden Rohmaterial gefertigt werden. Im Zentrum steht dabei immer der Klang. So zeigt der Technische Manager Darko Greguras beispielsweise eine Auswahl von Platinen mit unterschiedlichem Trägermaterial  und verschiedenen Schaltungslayouts: „Von den Messwerten her sind die alle gleich, der Klang ist aber grundverschieden“, doziert Greguras lächelnd und deutet an, dass das Schwingungsverhalten des Platinengrundstoffes direkten Einfluss auf die klanglichen Eigenschaften nimmt. So nebenbei: Einen Störabstand von bis zu 140 Dezibel kann man in Partridge Green noch messen (!) – da haben anderswo die Analysegeräte längst kapituliert.

Bei Audio Note UK sei es üblich, eine Neukonstruktion „mit einem weißen Blatt Papier“ zu starten und zunächst über die möglichen Konfigurationen einer Schaltung nachzudenken, noch ehe der Lötkolben angeheizt werde. „Die anderen schauen ins Schaltplan-Buch und greifen am Schluss zu einem lasergetrimmten Modul von der Stange, um möglichst große Stückzahlen zu verkaufen“, sagt Qvortrup. Ein Ansatz, der sich mit dem selbst gestellten Qualitätsanspruch bei Audio Note UK nicht vertragen würde. „Wir sind eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung, die auch Endprodukte verkauft“, umreißt Qvortrup selbstbewusst sein unternehmerisches Credo.

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Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass jedes Bauteil, jede Schaltung, jedes Layout permanent auf dem Prüfstand steht, ob sich nicht etwas verbessern lässt, ob eine Veränderung an entscheidender Stelle nicht positive Auswirkungen auf das Klangerlebnis hat. So ziehen sich etwa durch die groß dimensionierten Stromversorgungseinheiten ausnahmslos Silberkabel möglichst hohen Reinheitsgrades, weil diese, simpel formuliert, dem Stromfluss weniger Widerstand entgegensetzen. Service-Ingenieure wie James Healey prüfen die Endergebnisse nicht einmal, sondern vielfach – und treten bei ernsthaften Problemen, selbst wenn diese sich zunächst nur zart andeuten, sofort auf die Bremse. Soll der Endkunde doch etwas bekommen, das das Prädikat „perfekt“ verdient – von der kleinen Zero-Einsteigerkombi bis zum titanischen Ongaku-Vollverstärker, der inzwischen fast nur noch den Namen mit dem usprünglichen Modell gemeinsam hat. Jahrzehntelange Optimierungsarbeit hat hier deutliche Spuren hinterlassen, hat der Röhrenschaltung unter anderem das Kupfer aus- und Silber hineingetrieben.

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Zur Erinnerung: Die Anoden des Ongaku werden von einer Spannungsverdoppler-Schaltung versorgt. Eine typisch englische Zweifachtriode vom Typ CV4068 ist über einen Audio-Note-Koppelkondensator mit einer Doppeltriode 6463 verbunden. Die Verbindung von Treiberstufe und Endröhre geschieht per Zwischenübertrager‚ die Treiberstufe arbeitet auf die Primärwicklung des Zwischenübertragers – ein Einfall von Andy Grove, durch den der Audio-Note-Entwicklungschef eine hohe Bandbreite erreicht. Dieser Übertrager braucht auf der Sekundärseite keinen Widerstand‚ sondern arbeitet auf die quasi unendliche Impedanz des Gitters der Endröhre. Auf die Eingangsstufe ist man besonders stolz, denn hier werkelt eine Telefunken 6463 – „New Old Stock“ aus dem formidablen Audio-Note-Röhrenlager. Mit der Ruhe ist es beim FIDELITY-Team vorbei, als wir in Begleitung zur Inspektion genau dieses Lagers unters Dach steigen dürfen, dahin, wo die echten Schätze zu finden sind: Hinter einer stabilen Gittertür lagert eine nachgerade gigantische Röhrenkollektion, dem Vernehmen nach weit über 100 000 Stück, die Peter Qvortrup mit sichtlichem Stolz präsentiert.

Was hier fein säuberlich sortiert in großen Stapeln originalverpackt zu finden ist, sichert nicht nur die Ersatzteilversorgung der Audio-Note-Geräte auf viele Jahrzehnte, es ist auch eine ideale Basis, um neue Ideen zu erproben oder ganz alte Designs auf ihr Zukunftspotenzial abzuklopfen. Natürlich gibt es hier 300B- und KT88-Röhren unterschiedlichster Provenienz – auch viele nie aus den ursprünglichen, inzwischen in Ehren vergilbten Schachteln ausgepackte Originale aus der Zeit, da Röhren noch der Gipfelpunkt der Verstärkertechnik waren. Darunter etliche Typen, die einst für den militärischen Einsatz entwickelt wurden. Daneben findet sich aber auch manches, was nur Insider kennen. Und das bei Audio Note UK auf seinen möglichen Einsatz wartet. Von der klitzekleinen 6111WA, die in der Ausgangsstufe des kleinsten CD-Players des Hauses, des CD Zero, für Wohlklang sorgt, bis zur Osram DA 60 aus britischer Produktion, die eher selten den Besitzer wechselt. Weil der Löwenanteil des bekannten Weltbestandes wohl in Partridge Green auf dem Dachboden liegt … Die Osram-Röhre agiert in etwa auf dem Leistungsniveau der ungleich bekannteren 300B.

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Im Lagerraum nebenan bekommen die Freunde hochwertiger Kondensatoren Herzrasen. Wondercaps, Black Gates und vieles mehr, was nicht nur in der DIY-Szene der Elektronik-Freaks einen guten Namen hat, in Schlaraffenland-Quantitäten, dazu einiges, was die Selbstbauer nicht für Geld noch gute Worte bekommen würden, weil es aus der großen Sammlung exklusiver Audio-Note-Eigenentwicklungen stammt: Man bestellt in Partridge Green nicht beim Zulieferer, man greift bei Bedarf einfach ins Regal. Manchmal allerdings nur, um eine Vorlage für einen deutlich verbesserten Röhren-Nachbau zu haben. Peter Qvortrup verfügt unter anderem über eine Sammlung von etwa 40 Trioden aus den 1920er Jahren. Längst gibt es in der Firma ein Messgerät zur metallurgischen Analyse. Damit wurde auch die „Meshanode“ der Osram-Röhre getestet. In der Audio-Note-Neufassung wird sie mit Molybdän bedampft. „Das sollte viel besser als das Original klingen“, zeigt sich Peter Qvortrup überzeugt.

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Ist der Prototyp fertig, wird gehört. Immer wieder. Bis das Endergebnis tatsächlich den Ansprüchen entspricht. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei Dämpfungsmaßnahmen. „Wenige Faktoren verschlechtern den Klang so massiv wie unerwünschte Vibrationen“, betont Entwicklungschef Andy Grove, was der für das Europageschäft zuständige Entwickler Andy Whittle, der eigentlich aus dem Lautsprecherbau kommt, mit eigenen Erfahrungen unterstreicht. Was unkontrolliert vibriert, kann nicht gut klingen. Und das gilt in den Augen der Audio-Note-Crew für alle, aber auch wirklich alle Bauteile. Was dies in der Realität bedeutet, wird dem FIDELITY-Team spätestens in der Trafo-Endfertigung klar: Ist so ein Strom-Umsetzer fertig – die Dicke der Lamellen liegt dank innovativer Herstellungstechnik bei 0,2 Millimeter –, wird er in ein spezielles Wachsbad getaucht, um den Drahtwicklungen jegliches Eigenleben auszutreiben. „Verschiedene Wachsarten klingen auch unterschiedlich“, verrät Andy Grove mit einem feinen Lächeln. Dass der Abtropftisch unter den Trafos wie eine (leicht verunglückte, weil zu lang gebackene) Pizza aussieht und wie ein russisches Chemielabor riecht, zeugt von der intensiven Versuchstätigkeit.

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Als gegeben vorausgesetzt wird bei Audio Note UK nichts, auch das Bestehende hinterfragen die Spezialisten um Peter Qvortrup immer wieder – mit Erfolg. Dennoch wird in Partridge Green mit einer Seelenruhe gearbeitet, die ihresgleichen sucht; und selbstverständlich gehören dazu auch regelmäßige Teepausen hinter den Gebäuden.

Die Tonabnehmerfertigung ist ein Kapitel für sich: MC-Spulen in vergleichsweise wenigen Lagen werden in einem stets geschlossenen Raum unter dem Mikroskop von Hand gewickelt und gelötet, der „Output“ bei Preziosen wie dem Io Gold ist bei der reinen Handarbeit, die hier betrieben wird, als eher homöopathisch zu bezeichnen. Klar, dass das Thema „Fremdfertigung für andere“ sich unter diesen Prämissen mehr oder weniger von selbst erledigt.

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Allergisch reagieren Qvortrup und Co. auf Anlagen, die nicht „markenrein“ sind: „Die Chance ist größer, einen Sechser im Lotto zu haben, als eine Kette aus den Komponenten verschiedener Hersteller zu kombinieren, die vernünftig klingt“, sagt Peter Qvortrup trocken und mit der Sicherheit eines Vollsortimenters, der um die Qualität seiner Produkte weiß.

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Wer den grundlegenden Gedanken umsetzt, kann jedes einzelne Kettenglied von der Quelle – bei Audio Note UK CD-Player oder Plattenspieler – bis zu den Schallwandlern von Audio Note beziehen und muss noch nicht einmal bei den Kabeln „fremdgehen“.

Wie das klingt, erfährt das FIDELITY-Team im Wohnzimmer des Qvortrup’schen Privathauses, wo in deckenhohen Regalen ungezählte LPs schlummern und diverse CDs sich stapeln, vom Kunstlied mit Peter Pears bis zur kruden Underground-Dubstep-Combo. Hier steht eine immer wieder neu konfigurierte Cost-no-Object-Kette, deren Klang sich – ganz egal ob aus digitaler oder analoger Quelle – durch hohe Präsenz, kräftige Klangfarben und ein solides Bassfundament auszeichnet. Und obwohl sich die Fläche der für die Basswiedergabe zuständigen Lautsprecherchassis in Grenzen hält, kommen selbst schräge Dub-Nummern mit gnadenlosen Computerbässen, die Firmenboss Qvortrup fast ebenso liebt wie klassische Musik, ungemein druckvoll und supersauber über die Rampe.

Dass hier in Geräten wie besagtem Vollverstärker Ongaku, verbunden mit dem großen Toplader-CD-Player CD-4.1x oder dem „mittleren“ AN-Plattenspieler AN-TT Two, fast durchgängig Röhrentechnologie zum Einsatz kommt, muss dem Audio-Note-Neuling eigens dazugesagt werden, denn Röhrenklang-Klischees entspricht hier praktisch nichts. Aus dem verblüffend durchschlagskräftigen Zweiwege-Lautsprecher AN-E werden Perkussionsimpulse mit immensem Punch, Stimmen mit überwältigender Natürlichkeit und große Orchester mit einer Breiten- und Tiefenstaffelung, die kaum zu toppen ist, in das Wohnzimmer des Whiskyliebhabers Qvortrup projiziert. Zur Demonstration dient etwa eine Aufnahme der Sechsten Sinfonie Gustav Mahlers, vom griechisch-russischen Dirigenten Teodor Currentzis mit dem Orchester MusicAeterna für Sony Classical eingespielt, aus Peter Qvortrups Sicht eine Produktion, bei der eine äußerst intelligente Interpretation mit überlegenem Klang einhergeht.

„Man muss sich im Klaren sein, dass alles einen Einfluss auf den Klang hat“, betonen Grove und Qvortrup beinahe unisono am Rande der entspannten Hörsitzung. Andy Grove erinnert außerdem daran, dass der Spaß an der Musik im Vordergrund stehen sollte, nicht die Auseinandersetzung mit nur bedingt aussagekräftigen Messergebnissen. Deshalb werden eben auch die „Trafowachse“, wie alles andere bei Audio Note UK, nach Gehör eingestuft. Selbst bei kleinen Details gönnen sich Qvortrup und Co. keine Nachlässigkeiten und keine „zweite Wahl“. Weil etwa die besten Textil-Ummantelungen für Geräteverbindungskabel in Deutschland zu haben sind, werden in regelmäßigen Abständen Halbfertigprodukte auf den Kontinent und Fertigprodukte zurück transportiert, gerne ganz persönlich von Audio-Note-Mitarbeitern statt mit einem profanen, möglicherweise nicht ganz sicheren Paketdienst.

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Wer angesichts zunehmender Digitalisierung des alltäglichen Lebens nun meint, Audio Note würde vor allem die Ewiggestrigen bedienen, irrt massiv: Zu den Neuentwicklungen zählt neben anderen spannenden „Devices“ auch eine Computer-Audiokarte, deren Vorserienmuster (bereits mit dem magischen Audio-Note-Logo auf dem Deckel) sich schon durch famosen Zweikanal-Klang und rasante Datenverarbeitung hervortut – und nach ersten Plänen für 199 US-Dollar das Stück den Besitzer wechseln soll. In Partridge Green hat die Zukunft des guten Klanges längst begonnen.

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Vom Gitarristen zum High-End-Entwickler: Die erstaunliche Karriere des Andy Grove

Audio Note (UK), Partridge Green, Brighton, Dezember 2018So ein bisschen sieht Andy Grove wie ein gut gereifter Rockmusiker aus: Vollbart, Brille und ein entschlossener Blick, aus dem kein kleines Maß an Durchsetzungsvermögen spricht. Dass Grove bei Audio Note UK den Titel „Chefentwickler“ trägt, ist kein Zufall, denn er ist seit seiner Jugend musikbegeistert. Und hatte auch nie Berührungsängste mit der Technik.

Zur Musik kam Andy Grove „mit 13 oder 14“, wie er sich erinnert. Der junge Gitarrist arbeitete zunächst mit den preiswerten Blackstar-Verstärkern, die man auch hierzulande für niedrige dreistellige Euro-Beträge bekommt, und kam irgendwann darauf, dass „Röhrenverstärker doch deutlich besser klingen“. Andy Groves Vater, im „richtigen Leben“ Ingenieur, pflegte die Restaurierung alter Möbel als Hobby. Bei einem Antiquitätenhändler entdeckte Andy Grove, im Schlepptau des Vaters unterwegs, auf einem Regal ein paar verstaubte Handbücher über Radiokonstruktion und bat seinen Vater, die angejahrte Fachliteratur für ihn gleich mitzukaufen. „Das war die Initialzündung“, sagt Grove. Das Thema interessierte ihn, er begann mit der Lektüre von Elektronikmagazinen und studierte nach der Schule folgerichtig Physik. „Die Musik nahm aber weiter einen wichtigen Platz in meinem Leben ein“, betont Andy Grove in der Rückschau.

Seine Großmutter sponserte ihm die Gründung einer eigenen Firma. In der Zeitung entdeckte Andy Grove eine Verkaufsanzeige für eine alte Trafo-Wickelmaschine. „Der Verkäufer hatte auch ein richtig großes Röhrenlager“, erzählt Grove. Kein Wunder, denn der Herr war früher Entwicklungsingenieur beim englischen EMI-Konzern gewesen. „Das war zu einer Zeit, als niemand mehr Röhren wollte“, so Grove.

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Unvermeidlich, dass sich die Wege von Grove und Peter Qvortrup irgendwann kreuzen würden. Zumal Andy Groves Bruder sich einen Ongaku-Vollverstärker bei Audio-Note-Vertragshändler John Patrick Baker kaufte, der die Röhren-Affinität Andy Groves mitbekam und ihm gleich empfahl, doch einmal telefonisch Kontakt zu Qvortrup aufzunehmen. „Das war 1991“, weiß Grove noch. Anfangs arbeitete er nicht mit Audio Note zusammen, „wir tauschten uns nur auf fachlicher Ebene aus“. Während des Studiums verdiente sich Andy Grove sein Geld mit der Reparatur und Optimierung von Gitarrenverstärkern: „Die mussten immer lauter werden“, umreißt er sein Aufgabengebiet.

Heute ist er, wie er sagt, froh darüber, „den ganzen beruflichen Kreislauf“ durchgemacht zu haben, denn er habe in jenen Jahren „ganz viel gelernt“. Andy Groves wichtigste Erkenntnis: „Alles, aber auch wirklich alles hat einen Einfluss auf den Klang.“ Und weil Messergebnisse darüber nicht immer die entscheidende Auskunft geben, setzt Andy Grove als Entwicklungschef auf ausgedehnte Hörvergleiche – auch mit Gitarrenrock im Player oder auf dem Plattenteller. Der Kreis schließt sich.

Hans von Draminski


 

www.audionote.co.uk

www.fair-audio-trade.de

 

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