Eis auf Ex

Kolumne: Eis auf Ex

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Eis auf Ex

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

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Zu welcher Generation gehören Sie? Generation X, Y oder Z? Generation Golf, Generation Me oder Generation What? Wo stehen Sie im Leben? Wo Ihr Nachbar? Fragen über Fragen. Früher war die Selbstverortung einfach. Da war man Beatles- oder Stones-Anhänger. Popper oder Punk. AStA-Langhaarstudent oder Neonazi ohne Haare. Heute finden viele weder die Beatles noch die Stones gut. Stattdessen touren „Die Lochis“ durchs Land, eine Band namens „Acht Eimer Hühnerherzen“ besingt das „Mittelmaß“ und Donald Trump streitet sich mit Axl Rose über die Verwendung von „Paradise City“ bei Wahlkampfterminen. Popper haben sich in ihre letzten Habitate zurückgezogen, Segelclubs und Buffetzelte bei Dressurreitderbys. Die einst von Punks an der Hamburger Hafenstraße gegen „Bullenbefall“ ambitioniert vernagelten Kneipen werden heute von Besuchern aus Bielefeld auf Yelp und Tripadvisor in Rubriken wie „Top 10 Punk Bars“ bewertet. Und die Nazis … die hören eventuell sogar Beatles, Stones und Lochis und sind eigentlich nur ums Land besorgte Freidenker – in der Soziologie als „Vogelschiss“-Theorem bekannt.

Wie findet man Orientierung in einer Welt, deren Grenzen verschwimmen, zwischen Beat und Mittelmaß, zwischen Lochi und Nazi, zwischen billigbierkippendem Altpunk und allwetterjackentragendem Bielefelder? Soll man sich den Personalausweis unter die Haut operieren lassen? Ein Auto fahren, das lenkt und denkt? Das neue iPhone kaufen, nur weil der Akku beim alten so schnell alle ist und obwohl klar ist, dass das vom Hersteller genauso gewollt ist? Warum schreit keiner laut auf, wenn das Lebensmotto der Faulen (spät kommen, früh gehen) plötzlich als progressive Lebenseinstellung (Work-Life-Balance) durchgeht? Der Nachwuchs, der sich mit dieser wirren Welt auseinandersetzen sollte, hat das Handy vor der Nase und die Kopfhörer auf den Ohren, die ein 14-jähriger Influencer auf Youtube empfohlen hat. Er leidet schon mit 16 Jahren an Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen, hat mit 17 Arthrose in den Daumen und mit 18 so schlechte Augen wie die Großeltern.

Vielleicht weiß die sogenannte Generation Maulwurf aber auch einfach nur, wie’s geht. Revolution durch Ignoranz. Einfach mal ausprobieren: frische Musik aufs neue iPhone, den Antischall-Kopfhörer aus dem Youtube-Video aufgesetzt, mit gesenkten Augen durch die City. Im Ohr „Eis auf Ex“ von Acht Eimer Hühnerherzen. Trump, AfD, Axl Rose, Die Lochis – alles weit, weit weg. Herrlich. Zwinker-Smiley.

PS: Unnützes Wissen, Teil 4: Den berühmten Begriff „Generation X“ hat nicht, wie viele annehmen, der kanadische Autor Douglas Coupland mit der Veröffentlichung seines gleichnamigen Buches 1991 geprägt. Fotograf Robert Capa (Lebensmotto: „Die Wahrheit ist das beste Bild“) verwendete die prägnante Bezeichnung bereits 1953 als Titel für eine Bildreportage über junge Menschen, die im Nachkriegsamerika aufwuchsen. Heute sind mit „Generation X“ allerdings die um 1970 Geborenen gemeint, in Deutschland auch als „Generation Golf“ bekannt.

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