Silvercore Daland Phonovorverstärker

Silvercore Daland im Test

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Silvercore Daland – Der Anlage(n)tipp

High End mit Gegenwert: Bei Silvercore investiert der Audiophile in Silber – und in die Kunst, daraus Musik zu machen.

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Seit sich so gut wie alles programmieren lässt, seit sogar Verstärker mit einem Firmware-Update Leistung zulegen, wird es zunehmend schwieriger, Außenstehenden das Prinzip High End zu vermitteln. Es fehlt nämlich immer öfter der buchstäblich greifbare Gegenwert. Nach wie vor gehen substanzielle Geldbeträge über die Ladentheke, doch dann stecken unter den gefrästen Aluminiumdeckeln programmierte Chips. Vielleicht noch dicht mit SMD-Bauteilen bestückte Platinen. Technisch mag das ja alles seine Richtigkeit haben, aber – finden Sie das nicht auch irgendwie unbefriedigend?

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Silvercore Daland Phonovorverstärker

Auftritt Christof Kraus. Der gelernte Architekt und Designer hat in den 1980er Jahren sein Hobby HiFi zum Beruf gemacht. Statt sich allerdings in die Zunft der Gerätehersteller einzureihen und geduldig auf seinen Durchbruch zu warten, wählte er die Chance der Spezialisierung und begann, Trafos zu wickeln. Keine gewöhnlichen, sondern solche mit Silberdraht. Für das Edelmetall entschied sich Kraus aus klanglichen Gründen. Silber, so sagt er, brächte einen detailreicheren Hochton als Kupfer und klänge gleichzeitig sauberer, runder und weicher. In Silvercore-Geräten wird 4N-Silber verwendet, also solches mit einer Reinheit von 99,99 %. Christof Kraus lässt sich seinen Silberdraht eigens in der gewünschten Qualität und den benötigten Dicken ziehen. Das sei dann auch der für das hörbare Ergebnis entscheidende Faktor, denn Silber in Goldschmied-Qualität, wie es sich der ambitionierte Bastler besorgen kann, sei anders legiert und reagiere ungünstig auf Biegebelastung – was dann auch den Klang beeinträchtige.

Silvercore Daland Phonovorverstärker

Heute ist die kleine Leipziger Manufaktur Silvercore auf dem Gebiet der höchstwertigen Übertrager eine Hausnummer. Hier kann man sich ebenso gebrauchsfertige, in hübsche Gehäuse verpackte MC-Übertrager bestellen wie maßgeschneiderte Bauteile für die eigene Serienfertigung in Auftrag geben. Gleichzeitig hat Silvercore auch komplette Verstärker im Angebot. Das nagelneue Testobjekt Daland, eine puristische Vorstufe mit einem MM- und einem MC-Phonoeingang sowie einem Hochpegelanschluss, ist allerdings etwas Besonderes. Hier hatte Christof Kraus, der bei seinen Konstruktionen eigentlich immer auf Röhren setzt, „Lust, mal was anderes zu probieren“, wie er sagt. Die Daland ist eine Vorstufe ohne Röhren, dafür mit den feinsten silbergewickelten Spulen, Ein- und Ausgangsübertragern aus dem hauseigenen Programm. Sie kommen allesamt aus den teuren „Pro“-Baureihen, in denen die Kerne aus nanokristallinem Material gefertigt sind. Aber nicht nur die Induktivitäten sind ein Fest fürs Auge. Kraus entschied sich offenbar für die Maxime „Alles vom Feinsten“, und so kommen als Operationsverstärker die kostspieligen Typen OP27 und OP37 von Analog Devices zum Einsatz. Auch beim Lautstärkepoti wurde nicht geknausert: Im Daland steckt ein auf vier Kanälen (entsprechend dem vollsymmetrischen Aufbau) Einzelwiderstände schaltendes Exemplar. Das tut es mit einer Anfassqualität, dass man sich das Gerät allein wegen dieses satten Klickens auf den Nachttisch stellen möchte.

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Silvercore Daland Phonovorverstärker

Die Musik spielt beim Silvercore Daland ganz klar im Phonozweig. Der Entzerrer ist als LCR-Netzwerk aufgebaut. Diese Methode der Phonoentzerrung gilt als der gängigeren passiven RC-Bauweise klanglich überlegen. Christof Kraus nennt konkret die über den gesamten Frequenzbereich gleichbleibende Belastung der Schaltung und die daraus resultierende Vermeidung von Phasendrehungen als Vorzüge. Das käme der akustischen Raumabbildung zugute.

Wie der Name der Schaltung sagt, bilden hier Spulen (L), Kondensatoren (C) und Widerstände (R) das Netzwerk, das die Bassabsenkung und Höhenanhebung der Schallplatte wieder in den Ursprungszustand bringt. Die Abstimmung der Werte von Spulen und Kondensatoren zueinander sei besonders diffizil, betont Kraus. Er habe sich dafür entschieden, die Spulen groß zu dimensionieren und dafür die Kondensatoren kleiner zu halten – die teure Lösung, von der aber die Dynamik profitiere.

Silvercore Daland Phonovorverstärker

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Die Bedienung des Daland ist konsequent minimalistisch gehalten. Rechts neben dem geriffelten Drehknopf für die Lautstärkeregelung sitzt ein unbeschrifteter Druckschalter für die Quellenwahl. Rotes Licht signalisiert, dass Hochpegel aktiv ist. An der Rückseite steht ein XLR-Buchsenpaar für den Anschluss eines MC-Tonabnehmers bereit, ein weiteres ist für Magnetsysteme ausgelegt. Die Umschaltung zwischen beiden erfolgt per Kippschalter. Wessen Tonarmkabel nicht XLR-konfektioniert ist, der steckt einfach einen Cinch-zu-XLR-Adapter dazwischen.

Weitergehende Anpassungen sind im Geräteinneren via DIP-Schalter möglich. Hier lassen sich Werte nach Wunsch ordern. Das Testmuster war mit einem Eingangswiderstand von 47 Kiloohm als Basiswert konfiguriert, der sich schrittweise reduzieren ließ. Vier der acht Minischalter ermöglichten die Erhöhung der Kapazität um jeweils 100 Picofarad.
Im Anlagenregal beansprucht der Daland zwei Standflächen: eine für den Vorverstärker und eine für das ausgelagerte Netzteil. Da das LCR-Netzwerk nicht abgeschirmt ist, muss die Vorstufe tatsächlich maximalen Abstand zu Trafos und Netzleitungen halten, sonst drohen Brummeinstreuungen.

Silvercore Daland Phonovorverstärker

Anekdote aus dem Autorenalltag gefällig? Um der symmetrischen Bauweise der Silvercore-Vorstufe gerecht zu werden, setzte der Autor Himmel und Hölle in Bewegung und besorgte mehrere Endverstärker mit entsprechenden Anschlussmöglichkeiten. Nur um bei allen diverse Unpässlichkeiten festzustellen. Ein 20 Jahre alter, bestens beleumundeter Meridian-Amp offenbarte dringenden Servicebedarf, ein Paar für ihre Dynamik und Basskontrolle bekannte Schaltnetzteil-Monoblöcke spielte so müde, dass auch da etwas nicht stimmen konnte. Damit schlug die Stunde der Adapter, und der Leipziger Pre landete an meiner DIN-bestückten Naim-Endstufe. Und siehe da: Das war ein veritabler Glückstreffer. Von der Last befreit, die dazugehörige Vorstufe mit Strom zu versorgen, wuchsen der mir vermeintlich so vertrauten NAP200 regelrecht Flügel.
Der Silvercore Daland ist mühelos in der Lage, die Eigenschaften der vorgeschalteten Quellen vollständig an den Endverstärker durchzureichen. Im Tonarm meines dps-Laufwerks steckt das MC-System Lyra Kleos. Digitale Signale wandelte während des Testzeitraum der DAC Formula xHD von Acoustic Quality, kurz Aqua. Beides sind Quellen, die eine enorme Detailfülle und Dynamik liefern und die sich über das gesamte Frequenzspektrum keinerlei Schwächen erlauben. Wie viel davon an die Ohren des Hörers gelangt, bestimmt die dazwischengeschaltete Elektronik. Mit dem deutsch-englischen Verbund aus Silvercore und Naim kann man sich zufrieden im Hörsessel zurücklehnen. Trommeln punchen direkt in die Magengrube, Stimmen berühren mit feinsten emotionalen Modulationen, Räume öffnen sich zwischen und hinter den Lautsprechern und lassen diese verschwinden.

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Die Paradedisziplin des Phonozweigs ist sein enormes Auflösungsvermögen. Die Detailflut wirkt umso beeindruckender, als sie sich vor einem perfekt leeren Hintergrund aufbaut. Kein Rauschen weit und breit, und Brumm nur, wenn von irgendwo ein böser Trafo einstreut. Klassische Instrumente werden mit sämtlichen Nebengeräuschen der Tonerzeugung präsentiert und erklingen so mit einem Gänsehaut erregendem Realismus. Zumal Christof Kraus das mit dem sauberen Phasenverhalten und der Raumdarstellung ohrenscheinlich genau wie angekündigt hinbekommen hat. Räume spannen sich breit und tief auf, sodass Livemitschnitte zu einem besonderen Leckerbissen werden. Ich habe Wladimir Horowitz selten so plastisch im Moskauer Konservatoriumssaal sitzen und das ihn umgebende raschelnde, hustende, Türen zuschlagende Publikum die Raumdimensionen definieren gehört wie über den Leipziger Vorverstärker.

Silvercore Daland Phonovorverstärker

Klangfarben transportiert der Daland akkurat. Man kann ihm zwar eine gewisse Höhenverliebtheit nicht absprechen, aber die steht ganz im Dienste des hautnahen Musikgenusses. Und ich hätte ja auch per Absenkung der Eingangsimpedanz mein analytisches Kleos zügeln können. Wollte ich aber nicht. Dieser anspringende, lebendige, mitreißende Phono-Sound war genau das, was ich jetzt brauchte.

Bass und Dynamik lassen nichts zu wünschen übrig. Die LP Toy des Schweizer Elektro-Duos Yello kam über den Silvercore-Pre mit souveränem Wabern, Wummern und Schnalzen, die Samples flogen durch den Raum, dass es eine Freude war. Hier und auch bei komplexen Orchesteraufnahmen zeigten sich zwei nur den besten Entzerrern eigene Qualitäten: durch nichts zu erschütternde Gelassenheit und niemals aufbrechender musikalischer Fluss.

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Und der Hochpegeleingang? Prinzipbedingt stellt der eine viel geringere technische Herausforderung dar als der Phonozweig, weswegen vor allem sein grundsätzliches Vorhandensein gewürdigt sein soll. Davon abgesehen: Der Daland ist ja ein modular aufgebautes Gerät. Ausschließlich Schallplatten hörende Interessenten können bei Silvercore auch nur die Phonoplatine ohne Pegelregelung als klassischen Vor-Vorverstärker ordern. Mit Lautstärkeregler und Hochpegelzweig in einem Gehäuse ergibt sich aber eine exzellente puristische Lösung für jene, die neben dem Plattenspieler noch einen guten D/A-Wandler besitzen und an diesen dann CD-Player, Streamer etc. digital andocken. Auf die Weise fällt die Beschränkung auf nur einen Hochpegeleingang gar nicht mehr ins Gewicht.

Silvercore Daland Phonovorverstärker

Noch bevor der erste Ton erklungen war, hatte mich Christof Kraus’ neue Vorstufe mit ihrer hochwertigen Konzeption und Verarbeitung beeindruckt. Eine derartige Qualitätsversessenheit ist, ich wiederhole mich da gerne, auch im High End keine Selbstverständlichkeit. Der ungemein schnelle, offene und musikalische Klang der Silvercore Daland machte mich schließlich vollends zum Fan. Dieses Gerät verdient die allerbesten Spielpartner und einen erfahrenen Besitzer, der Komponenten zu paaren und fein abzustimmen weiß. Dann kann Daland die letzte Vorstufe sein, die man anschafft. Weltklasse fürs Leben.

Wir meinen

Wenige, aber exquisite Zutaten und viel Erfahrung ergeben einen im allerbesten Sinn altmodisch-puristischen phonozentrierten Vorverstärker, der kaum Konkurrenz fürchten muss.

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Silvercore Daland Phonovorverstärker Navigator

 

 

Vorverstärker mit MM/MC-Entzerrer Silvercore Daland

Funktionsprinzip: vollsymmetrischer Vorverstärker mit LCR-RIAA und Hochpegeleingang, Silberübertrager
Eingänge: 1 x Phono MC (XLR), 1 x Phono MM (XLR), 1 x Hochpegel (XLR)
Ausgänge: 1 x Pre Out (XLR)
Besonderheiten: ausgelagertes Linearnetzteil, MC-Eingangsimpedanz und Kapazität nach Kundenwunsch per DIP-Schalter anpassbar
Maße (B/H/T): 45/12/39 cm (Netzteil 12/12/21 cm)
Gewicht: 11,3 kg, (Netzteil 2 kg)
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 7500 €

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Mitspieler

Plattenspieler: bauer audio dps 3
Tonarm: bauer audio Tonarm
Tonabnehmer: Lyra Kleos
Phonovorverstärker: bauer audio Phono
CD-Player: Electrocompaniet EMC-1 UP, Meridian 508/24
D/A-Wandler: Aqua Formula xHD
Vollverstärker: Silbatone JI-300B Mk III
Vorverstärker: Naim Audio NAC 202, NAPSC
Endverstärker: Naim Audio NAP 200
Kabel: Naim Audio, HMS, Fadel Art, Chord, Music Line
Zubehör: Selbstbau-Rack, Granitbasen

 

www.silvercore.de

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FIDELITY-Nr44-Titel

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