Elbphilharmonie Hamburg

Hörsäle der Welt: Elbphilharmonie Hamburg

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Elbphilharmonie Hamburg

Der Profi-Musiker Stefan Gawlick ist weltweit unterwegs und kennt fast jeden großen Konzertsaal. In dieser Serie berichtet er über Akustik und andere Eigenarten berühmter Häuser – im Auditorium und auf der Bühne.

Eine neue Referenz soll entstehen

Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein neues Auto. Jahrelang simulieren Sie am Computer, bauen einzelne Teilgruppen auf und testen sie auf Prüfständen, führen Materialprüfungen durch und so fort. Nach einigen Jahren ist es so weit: Alle vorhandenen Teile im weitgehend endgültigen Design werden zu einem ersten fahrbereiten Prototypen zusammengebaut.

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Was würden Sie jetzt tun? Sicher viele Testfahrten unternehmen, Messwerte sammeln, teilweise ändern, im Großen wie im Kleinen abstimmen, letzte Korrekturläufe durchziehen und dann, ja, erst dann den Wagen der Öffentlichkeit vorstellen. Und erst ab diesem Zeitpunkt auch fremde Menschen damit fahren lassen, ihn der Presse überlassen.

Bei einem Konzertsaal, der mindestens so komplex wie ein modernes Auto ist, verhält es sich etwas anders – erst recht, wenn aufgrund enormer Bauzeit und -kosten der öffentliche Druck ins Unermessliche gestiegen ist. In diesem Fall ist bereits der Moment der ersten Probefahrt des Prototypen der Schritt in die Öffentlichkeit. Was das für die Nerven der Konstrukteure bedeutet, mag ich mir gar nicht vorstellen.

Denn einen Saal kann man nicht „unöffentlich“ abstimmen, da jeder Saal mit Publikum anders klingt als ohne. Mit einem großen Orchester anders als mit einem kleinen oder mit einem Streichquartett oder gar nur einem Solisten. Man benötigt also einen regulären Konzertbetrieb mit all seinen Facetten, um den Saal erst richtig kennenzulernen – und dann die klanglichen Feinheiten abzustimmen. Das ist üblich, jeder der großen modernen Säle musste durch eine solche Findungsphase, ob er jetzt KKL oder Gasteig heißt. Und auch die Berliner Philharmonie war nach ihrer Renovierung in den 1990er Jahren nicht gleich wieder „fertig“.

Deshalb sollte man alle Kommentare zur Akustik der neuen Elbphilharmonie mit der entsprechenden Vorsicht und Nachsicht genießen. Ich gehe davon aus, dass sich dieser faszinierend schöne Saal in ein oder zwei Jahren noch einmal deutlich anders anhören wird.
Und sicherlich auch die Aufnahmen aus diesem Saal, die noch nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Aber wie denn auch – Orchester und Tonmeister müssen ihn erst kennenlernen. Die bereits veröffentlichten Aufnahmen klingen eher flach, unausgewogen, nach schlecht integrierten Stützen. Also gönnen wir der Sache etwas Zeit.

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Ich habe leider noch kein Konzert in der Elbphilharmonie gespielt, aber Proben. Und ich habe Proben gehört – im leeren Saal, was natürlich auch nur die halbe Wahrheit ist. Im Laufe des kommenden Jahres werde ich meine ersten Konzerte dort absolviert haben und dann mehr sagen können. Jetzt aber kann ich schon ein paar erste Eindrücke bieten.

Der erste Klangeindruck auf der Bühne und im Saal: eine selten gehörte Durchsichtigkeit und Auflösung. Für die Bühne ist das erst einmal gut, weil man wirklich alle Kollegen hören und dadurch alle zum Zusammenspiel relevanten Informationen leicht bekommen kann – leider auch die weniger wichtigen aus dem Saal. Putzt sich jemand in der neunten Reihe die Nase, klingt es fast, als säße er neben einem.

Aus dem Saal bietet sich ein ähnliches Bild: Auf einem guten Platz (ich bin nicht allzu viel herumgewandert) hört man wirklich alles. Bei komplexer moderner Musik ist das grandios, da kein noch so zartes Detail im noch so großen Tumult untergeht. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Orchester derzeit Mühe haben, zwölf bis zwanzig erste Geigen zu einer Gruppe zu verschmelzen. Faszinierend auch, wie viel Lautstärke der Saal verträgt. Er macht selbst bei hohen Pegeln nicht „dicht“, es wird einfach nur lauter, bleibt aber durchsichtig.

Ich bin gespannt, was sich noch tun wird in der Elbphilharmonie. Wie die Akustiker es beim sicher anstehenden Feinschliff schaffen werden, die Schwächen des Saales zu reduzieren, ohne die phänomenalen Stärken zu beschneiden. Schon jetzt ist er aber einer der aufregendsten und schönsten Säle der Welt.

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Elbphilharmonie Hamburg
Platz der Deutschen Einheit 4
20457 Hamburg

 

www.elbphilharmonie.de

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