Elac Vela FS 407

Elac Vela FS 407 im Test

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Kieler Klangsegler

Behutsam und in steter Detailarbeit entwickelt Elac seine Lautsprechermodelle fort. Den Generationswechsel erkennt man selten auf Anhieb. Diesmal ist alles anders. Hier kommt Elac Vela.

Solange ich denken kann, war der Name Elac für mich gleichbedeutend mit eleganten, modernen Lautsprechern made in Germany. Sie stachen in den HiFi-Abteilungen der Kaufhäuser aus der Masse der Mitbewerber heraus und machten mit technischen Leckerbissen wie 360°-Bändchenhochtönern oder Gehäusen aus Aluminiumprofilen richtig was her. Dann kam das Jahr 2016, und Elac feierte 90. Geburtstag. Zum Jubiläum brachten die Kieler einen Plattenspieler auf den Markt. Beides machte mir klar, wie wenig ich über eins der ältesten deutschen Unternehmen der Audio-Branche wusste. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Wasserschalltechnik (Stichwort: Echolot) das Hauptgeschäft der Electroacustic GmbH.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg musste man nach neuen Betätigungsfeldern suchen und sattelte auf Plattenspieler um. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon zu Beginn der 1950er war Elac einer der Marktführer im Bereich Tonabnehmer und sollte im Verlauf der folgenden 30 Jahre an die vier Millionen Plattenspieler bauen. 1984 erfand sich das Kieler Unternehmen dann ein drittes Mal neu und stieg in den Lautsprecherbau ein.

 

Kiel, Wasserschall, Echolot …

Mit diesem Wissen im Hinterkopf nehme ich das Testobjekt namens Elac Vela FS 407 gleich ganz anders wahr. Kiel, Wasserschall, Echolot – bilde ich mir das bloß ein, oder atmet die den italienischen Namen Vela (auf Deutsch: „Segel“) tragende Box nicht einen Hauch Meeresbrise? Zumal mir der Hersteller nacheinander zwei Paar schickt, das erste in frischem Ostseehimmelblau lackiert, das zweite seemöwenweiß. Elacs respektable 35 Jahre Erfahrung im Lautsprecherbau sieht man der kleineren der beiden Standboxen aus der Vela-Familie auf Anhieb an. Ein sich nach hinten neigendes Gehäuse mit trapezförmigem Grundriss und einer extraschmalen Schallwand so zu konstruieren, dass der Betrachter auf Anhieb sagt: „Schick!“ und nicht nur „Schlank!“ – da müssen die Proportionen perfekt sitzen. Die weich gerundeten Kanten und das perfekt ausgeführte Hochglanzfinish – lackiert wird im eigenen Haus – machen die Vela 407 zu einem absolut zeitgemäßen Klangmöbel.

Die Elac Vela ist ein Hingucker

Ein echter Hingucker ist die keilförmige untere Abschlussplatte des Lautsprechergehäuses. Sie ist Akustik- und Designelement zugleich, denn sie bildet auch einen von zwei Bassreflexauslässen der Standbox. Hier findet eine Umlenkung der Tieftonenergie aus dem unteren Ende des Gehäuses nach hinten statt. Neben der tollen optischen Wirkung steckt dahinter ein handfester technischer Sinn: Der Fußboden soll weniger angeregt, die Integration in den Raum vereinfacht werden. Unter die Bassreflexbasis wird vor Inbetriebnahme eine größere, ebenfalls trapezförmige Platte aus schwarz pulverbeschichtetem Stahl geschraubt. Die sorgt zuverlässig für Standsicherheit. Vier Spikes gehören zum Lieferumfang, dankenswerterweise mitsamt Untersetzern – auf empfindlichen Bodenbelägen ein Muss.

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Leider bieten die Spikes keine Kontermöglichkeit, was bei unebenen und womöglich noch trittelastischen Böden gelegentliches Nachjustieren erfordern dürfte. Die verbauten Treiber entstammen selbstverständlich der eigenen Entwicklung und Fertigung. Im Mitteltiefton glänzen in jeder Box zwei 150 mm durchmessende Aluminium-Inverskalotten mit der charakteristisch facettierten Prägung für erhöhte Steifigkeit. Sie überdecken die eigentlichen Lautsprecherkonusse aus Zellstoff. Beide Lagen sind punktuell miteinander verklebt. Diese ausgeklügelte Zweischicht-Bauweise ergibt steife und leichte Membranen, die für eine hohe obere Grenzfrequenz gut sind und dort, im Kilohertz-Bereich, nicht mit unschönen Partialschwingungen auffällig werden.

Chassis aus eigener Fertigung

Da diese Chassis bei Bedarf große Hübe ausführen und dabei jede Menge Luft bewegen müssen, wurde die Konstruktion des Treibers so ausgelegt, dass der rückwärts abgestrahlte Schall auf möglichst wenig Widerstand stößt. Gleichzeitig haben die Elac-Ingenieure die Sicke unter die Lupe genommen und ihr eine von innen nach außen variierende Dicke verpasst. So soll sie abhängig von Membranhub und -frequenz zu allen Bedingungen passende Eigenschaften entwickeln und entweder volle Bewegungsfreiheit garantieren oder definiert bremsen. Der JET-Hochtöner kommt in der nunmehr fünften Generation zum Einsatz. Dieser Tweeter ist Elacs ganzer Stolz. Mit seiner hauchdünnen Folienmembran, die ziehharmonikaförmig gefaltet ist und damit auf kleinem Raum eine enorme wirksame Fläche aufbieten kann, verbucht er unschlagbare akustische Vorteile. Denn je geringer die Masse und je kleiner die Bewegung, desto geringer die Verzerrungen.

Und da kann tatsächlich keine konventionelle Hochtonkalotte der Welt mit dem JET mithalten. Die feinen Chassis stecken in einem Gehäuse aus MDF. Es ist intern vielfach versteift, alle Treiber teilen sich aber das gesamte verfügbare Volumen. Die Frequenzweiche weist den beiden Tieftönern unterschiedliche Arbeitsbereiche zu. Von 30 bis 450 Hertz schwingen sie im Gleichtakt, dort verabschiedet sich dann der untere Treiber und überlässt seinem Kollegen die darüber liegenden knapp zweieinhalb Oktaven. Die Weiche trennt mit relativ flachen 6-dB-Filtern. Da macht sich die Qualität der hauseigenen Chassis bemerkbar, die sich keine Merkwürdigkeiten erlauben, die ihnen womöglich mittels aufwendiger und wirkungsgradfressender Filter wieder mühsam ausgetrieben werden müssten.

Bi-Wiring-Terminals

Die Anschlüsse sind in Form von Bi-Wiring-Terminals ausgeführt. Herausnehmbare Blechbrücken verbinden die zwei Buchsenpaare – und herausnehmen sollte man sie auch geschwind, denn im Signalweg einer so feinen Box wollen wir kein Blech, und sei es noch so schön vergoldet. Kurze Kabelstückchen sind ein guter Anfang, ordentliche Adapter, gern auch selbstgelötet, ein großer klanglicher Fortschritt. Sofern nicht tatsächlich ein Bi-Wiring-Kabelsatz zur Verfügung steht. Wenn ich auf eins richtiggehend neugierig war, dann war das der Hochton der Vela FS 407. Denn einen JET-Tweeter, auch bekannt als AMT (Air-Motion-Transformer), hat man nicht alle Tage im Haus. In der Elac-Implementierung enttäuscht er die Erwartungen insofern nicht, als er sich einer 2000-Euro-Box (Stückpreis) angemessen benimmt. Er verleiht der Vela Biss und Attacke und selbstverständlich ein hervorragend differenzierendes Auflösungsvermögen.

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Die JETs der Elac Vela beweisen ihr Können

In meinem Hörraum muss sich jedes Gerät als allererstes der Gretchenfrage stellen: Wie hältst du’s mit klassischen Instrumenten? Anhand von Aufnahmen von Cello und Violine, die zusammen bis auf echten Tiefbass das hörbare Spektrum ziemlich umfassend abbilden, lässt sich eine Lautsprecher-DNA schon hervorragend entziffern. Dann noch eine Klavierplatte für die Impulswiedergabe, und einem aussagekräftigen Zwischenzeugnis steht nichts im Weg. Mein Leib-und-Magen-Testcellist ist der Norweger Truls Mørk. Dessen unvergleichlich energiegeladene Tonerzeugung kann Momente reinsten Glücks bewirken – wenn die Audiokette mitspielt.

Die Elacs setzen Mørk leicht hinter die Boxenebene. Sie lassen sein Cello dunkel-stählern strahlen und enthalten sich jeglicher euphonischer Kommentare. Auffällig ist auf Anhieb, wie frei der Aufnahmeraum mitschwingt. Ein guter Anfang. Deutlich stärker fordert die Hochtonwiedergabe der Geiger Gidon Kremer. Dessen Aufnahmen sind ein probates Gegengift für alle, die im Geigenton Seidigkeit zu erkennen meinen. Hier beweisen die JETs ihr Können, denn sie lassen Kremers geräuschvollen Bogenstrich nicht ins Kratzige kippen. Ganz im Gegenteil erlebe ich hier eine ausgesprochen feine und kultivierte Kammermusikdarbietung. Wieder fällt die exzellente Klangablösung und hervorragende Raumdarstellung auf, die so gar nicht zum kompakten Format der Elacs passen mag.

Showstück

Zum regelrechten Showstück gerät der Mitschnitt des Moskauer Konzerts von Wladimir Horowitz. Da platzierte die Tonregie den Jahrhundertpianisten tief im Saal des Moskauer Konservatoriums, wo er mit jedem Stück das beglückt mitfiebernde Publikum zu immer euphorischeren Liebesbekundungen verführte. Über die Vela FS 407 klingt diese legendäre Aufnahme makellos frei, offen und un-boxig. Und allmählich bestätigt sich hier auch der eher hinter- als vordergründige Klangcharakter der Kieler Schallwandler, die, wenn sie die Wahl haben, eher Distanz als Anmache präferieren.

Stilwechsel. Stan Getz hat zusammen mit Joao Gilberto die Platte The Best of Two Worlds aufgenommen, auf der der wahre Star die Sängerin Heloisa Maria Buarque de Hollanda, Künstlername Miúcha, ist. Miúcha dabei zuzuhören, wie mühelos sie durch die anspruchsvollen Kompositionen tänzelt – Anspieltipps: Track zwei, „Aguas de Marco“, und die sensationelle Darbietung von Cole Porters Standard „One of Those Things“ – ist die pure Freude. Der Bass gibt ihr ein schönes Fundament, die Percussion klickert und klackert und schackaschackert, und die Elacs lassen mal eben die Zeit stillstehen und den Zuhörer vom Leben an der Copacabana träumen. Entspannt grooven: können sie. Miúcha heiratete übrigens nach den Aufnahmen Joao Gilberto, ihre kurz darauf geborene Tochter ist die fast ebenso gut singende Bebel Gilberto. Wieder was gelernt.

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Die Elac Vela untenrum

Mit dem Album Mezzanine von Massive Attack erkunde ich den Grenzbereich am unteren Ende des Frequenzspektrums. Die Elac Vela FS 407 spielt tief, und sie spielt groß. Ich hätte keine Bedenken, sie in Räumen bis 40 Quadratmeter einzusetzen. Die Trockenheit und den Antritt von großen Papp-Bässen können die kleinen silbernen Tieftöner erwartungsgemäß nicht bieten, aber an Volumen und akustischem Gewicht mangelt es den kleinen Standboxen keinesfalls. Möchte man den Charakter der kleinen Velas in einem Wort zusammenfassen, dann wäre das wohl: Gelassenheit. Gepaart mit der exzellenten Offenheit des Mittel- und Hochtonbereichs ergibt das einen erwachsenen Schallwandler, dessen schlanke Statur auf keinen Fall unterschätzt werden sollte. Oder, um noch einmal in maritimen Jargon zu wechseln: Die Velas segeln sicher durch schwere Klanggewitter. Sie machen aber auch beim stillen Gleiten eine ausgezeichnete Figur. Was im Zusammenspiel mit der gelungenen Gestaltung einen in jeder Hinsicht ansprechenden Schallwandler ergibt.

Wir meinen

Das neue Kleid steht ihr gut. Mit der Evolution zur Vela ist die klassische Zweieinhalbwege-Standbox von Elac nicht nur eine Ohren-, sondern auch eine Augenweide

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Info

Standlautsprecher Elac Vela FS 407
Funktionsprinzip: dynamischer 2½-Wege-Lautsprecher, Bassreflex
Frequenzbereich: 30Hz – 50 000 Hz
Wirkungsgrad: 88 dB/W/m
Besonderheiten: Bodenplatte inkl. Spikes und Unterlegscheibe im Lieferumfang
Ausführungen: Schwarz Hochglanzlack, Weiß Hochglanzlack, Nussbaum Hochglanzlack, RAL-Lackierungen auf Anfrage
Maße (H/B/T): 100/23/27 cm
Gewicht: 19,1 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: 4000 €

Kontakt

ELAC Electroacustic GmbH
Fraunhoferstraße 16
24118 Kiel
Telefon +49 431 64774-0

 

www.elac.de

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