Album-Doppel Beatles Pizzarelli

Album-Doppel: Beatlemania in Amerika

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Beatlemania in Amerika

Album-Doppel – Es gibt nicht nur Coverversionen von Songs. „Gecovert“ werden auch Plattenhüllen. Das gecoverte Cover: Ist es witzige Anspielung, respektvolle Verehrung, Parodie – oder hat es einen tieferen Sinn?

Anfang 1964 war es so weit: Beatles-Alben erschienen nun auch in den USA! Gleich zwei waren es im Januar, eines auf dem Label VeeJay, ein anderes auf Capitol. Dann im Februar: der erste Auftritt der Band in einer amerikanischen Fernsehshow – 73 Millionen Menschen sollen zugesehen haben. Ebenfalls im Februar: die ersten Livekonzerte in den USA, vor 8000, vor 10 000 Besuchern. Nun war die „Beatlemania“ nicht mehr zu stoppen. Das Wort von der „britischen Invasion“ ging um. Plötzlich geriet die scheinbar unerschütterliche Welt des amerikanischen Entertainments ins Wanken und kapitulierte vor dem Eroberungszug der Pilzköpfe. Sogar mit der amerikanischen Jazzszene ging es bergab. Der Klarinettist Buddy DeFranco erzählte: „Es gab keine Gelegenheiten mehr, wo wir spielen konnten. Theater schlossen, Clubs schlossen, Radioprogramme wurden eingestellt. Es war für uns unmöglich zu verstehen, warum die Musik der Beatles so populär war – und warum durch sie so viele große Musiker arbeitslos wurden.“

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Album-Doppel Beatles Pizzarelli
The Beatles: A Hard Day’s Night (EMI 0946 382413 24)

Auch die amerikanische Produktionsfirma United Artists wollte von der Beatlemania profitieren. Man schlug vor, einen Film über das englische Quartett zu machen – in der Hoffnung, sich auf diese Weise die Rechte an einem Soundtrack-Album mit neuen Beatles-Songs zu sichern. Schon im April sollten die Dreharbeiten sein. Lennon und McCartney mussten sich also von ihrem gemütlichen englischen Arbeitstempo verabschieden und für den Film neue Songs praktisch am Fließband erfinden. Neun Stück schafften sie bis Drehbeginn. Als der Filmtitel feststand, schrieb John Lennon noch rasch den Theme Song: „A Hard Day’s Night“. Am Ende fanden sieben der Songs eine Heimat im Film – sie bildeten dann die A-Seite der gleichnamigen Langspielplatte. Weitere sechs Stücke packte man auf die B-Seite. Von den insgesamt 13 neuen Kompositionen stammten zehn von Lennon, drei von McCartney. Der Film spielte übrigens mehr als das 60-Fache seiner Kosten ein.

“Jazzer” in der Krise

Einer der Filmsongs, „Can’t Buy Me Love“, erschien schon im April 1964 als Single und setzte sich an die Spitze der US-Charts. Kurzzeitig belegten damals fünf Songs der Band die ersten fünf Plätze, zeitweise waren im April sogar 14 Beatles-Stücke in der amerikanischen Hitparade notiert. Auch „A Hard Day’s Night“, der Titelsong des Films, wurde eine Nummer eins. Der amerikanische Souljazz-Pianist Ramsey Lewis hatte mit seiner Version des Stücks im Folgejahr immerhin noch einen Top-30-Hit. Die amerikanischen Jazzmusiker stürzten sich auf die neuen Beatles-Songs – was blieb ihnen in ihrer Krise auch anderes übrig? „Can’t Buy Me Love“ mit seiner 12-taktigen Strophenform ist ja ohnehin fast ein Blues. Die Organistin Shirley Scott und die Sängerin Ella Fitzgerald nahmen diesen Song schon 1964 ins Programm. Und aus McCartneys „And I Love Her“ machten Jazzsängerinnen ein „And I Love Him“.

Album-Doppel Beatles Pizzarelli
John Pizzarelli Meets The Beatles (BMG-RCA 74321 61432 2)

Die Verbindung zum Film wird am Plattencover von A Hard Day’s Night schon deutlich. Je fünf Porträts der vier Musiker sind hier nebeneinander gereiht wie Einzelbilder eines Filmstreifens. Die Fotos machte Robert Freeman, damals der Hausfotograf der Beatles, der die Covershots für eine ganze Reihe früher Beatles-Alben lieferte. Wie fast jedes Beatles-Cover hat auch dieses zahlreiche Imitationen, Anspielungen und Parodien angeregt – bis hin zu den Bangles und dem Soundtrack-Album von High Fidelity. Unter diesen Bild-Hommagen befindet sich (natürlich) auch ein amerikanisches Jazzalbum. Gleich 20-mal sieht man John Pizzarelli auf dem Cover seines jazzigen Beatles-Tributs – dem Mann mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Warum auch? Er spielt – wie sein Vater Bucky Pizzarelli, der noch mit Benny Goodman arbeitete – eine sehr flotte Swinggitarre. Und nicht nur das: Er ist auch ein ordentlicher Sänger, ein Jazz-Crooner – Nat King Cole und Frank Sinatra gehören zu seinen Vorbildern. Ein einziges der zwölf Stücke auf John Pizzarelli Meets The Beatles ist als bloßer Instrumental aufgenommen.

Bigband-Unterstützung

Pizzarellis Basis-Besetzung folgt dem Modell des klassischen Nat-King-Cole-Trios: Piano, Gitarre, Bass – nur dass hier nicht der Pianist, sondern eben der Gitarrist singt. Diese reine Trio-Besetzung hört man in dem exzellent arrangierten und gespielten „I’ve Just Seen A Face“. Einige der Balladen sind dagegen mit großem Streichorchester (einigermaßen geschmackvoll) untermalt, etwa „Long And Winding Road“ und „Here Comes The Sun“. In anderen Stücken tritt eine komplette Bigband hinzu und sorgt für einen swingenden oder souligen, erdigen oder bluesigen Groove. Stücke wie „Get Back“ und „Oh Darling“ bekommen dabei eine überzeugende Charakterkorrektur. Namhafte Bläser wie Harry Allen, Ken Peplowski und Scott Robinson setzen mit ihren Improvisationen zusätzlich kleine Sahnehäubchen auf. Der renommierte Don Sebesky schrieb die Arrangements und leitete die Ensembles. In „When I’m 64“ ist er sogar am Akkordeon zu hören. Vom Beatles-Album A Hard Day’s Night sind immerhin drei Stücke vertreten – genau die drei, die McCartney schrieb. „Can’t Buy Me Love“ und „Things We Said Today“ swingen hier souverän im nostalgischen Bigband-Sound – das hat schon was.

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