Hörsäle der Welt, Philharmonie de Paris

Hörsäle der Welt: Philharmonie de Paris

Die neue Philharmonie de Paris, auf dem Gelände der Cité de la Musique liegt zwischen den alten Markthallen, Mehrfamilienhäusern und der Périphérique, als sei sie vom All aus dorthin geschleudert worden.

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Philharmonie de Paris

Der Profi-Musiker Stefan Gawlick ist weltweit unterwegs und kennt fast jeden großen Konzertsaal. In dieser Serie berichtet er über Akustik und andere Eigenarten berühmter Häuser – im Auditorium und auf der Bühne.

Nach Peking ist nun auch in Paris ein Raumschiff gelandet. Die neue Philharmonie auf dem Gelände der Cité de la Musique liegt zwischen den alten Markthallen, Mehrfamilienhäusern und der Périphérique, als sei sie vom All aus dorthin geschleudert worden. Egal von welcher Seite man sich ihr nähert: Sie wirkt immer großartig, fremd, faszinierend, verstörend. Und das ist es wohl, was wirklich große Architektur ausmacht.

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Ein Nachteil des Saales, um mit der Meckerliste anzufangen, ist das Umfeld. Leider gibt es hier nicht so viele gute Restaurants wie in anderen Gegenden der französischen Hauptstadt. Gastspiele im Salle Pleyel, dem Théâtre des Champs Elysées oder der Opéra Bastille sind kulinarisch weitaus erfreulicher.

Als Musiker betritt man den Komplex durch einen simplen Seiteneingang und muss sich diversen Sicherheitskontrollen unterziehen, die sich nicht nennenswert von denen am Flughafen unterscheiden. Die Gänge hinter der Bühne sind weitläufig, verwirrend und nach wie vor nur partiell beschriftet – irgendwann erreicht man dann aber doch den Bühnenbereich. Auf der Hinterbühne ist eine Menge Platz für Instrumentenkästen, Ersatzteile, Getränke oder Fernorchester. Auf der Bühne ist dann allerdings jede Irritation vergessen. Dieser schwebend-weiche, runde, verspielte Raum entzieht sich im ersten Moment dem Fassungsvermögen. Zu viele Materialien, Farben, Formen treffen hier aufeinander.

Als wir in der Pariser Philharmonie zum ersten Mal im Mai 2015 spielten, lag die Eröffnungsfeier der noch nicht lange zurück. Nach einigen Verzögerungen am Bau (das kommt also nicht nur in Berlin oder Hamburg vor) hatte man die Arbeiten auf Weisung von oben schnellstmöglich abgeschlossen – mit genau den Folgen, die man sich jetzt ausdenken kann. In den Lampen an der Decke steckten noch nicht die mittlerweile installierten LED-Strahler, sondern konventionelle Scheinwerfer, die den Bühnenraum unerträglich aufheizten.

Auch die Bühnenmaschinerie war noch nicht ganz fertig: Man hatte auf das Gestell einfach einzelne Bühnenelemente geschraubt, eine Höhenverstellung war noch nicht möglich. Und die ganze Konstruktion war so instabil, dass es den Hornkollegen jedes Mal das Mundstück aus dem Gesicht wackelte, wenn ich an den Pauken auch nur etwas lauter wirbelte. Auch dieses Problem ist allerdings Geschichte, mittlerweile funktioniert alles, wie es soll.

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Der Klang dieser Halle ist nichts weniger als faszinierend. Denn genau wie die Form folgt er nicht den üblichen Mustern, mit denen man als Musiker zu arbeiten gelernt hat. Normalerweise hört man aus der Tiefe des Raums einen Nachklang, der sich von der Rückwand zurück auf den Weg zur Bühne macht, und aus dem man in der Regel recht genau heraushören kann, wie es auf der Bühne klingt. Die Mischung ist in „normalen“ Sälen immer irgendwie gleich. Hier in Paris kommt es sehr darauf an, wo auf der Bühne man sitzt, denn die unregelmäßigen Formen des Saales werfen unterschiedlich gewichtete Informationen zurück. Für die Musiker ist das verwirrend und spannend zugleich.

Im Saal klingt es exemplarisch durchhörbar, allerdings nicht so seziererisch wie in der Elbphilharmonie. Der Zuhörer bekommt in der Philharmonie de Paris eine gute und zeitgemäße Mischung des Klangs serviert, die vielleicht nicht einen solchen Wohlfühlcharakter wie Amsterdam oder Wien bietet, dafür deutlich universeller ist und auch bei einem Schostakowitsch nicht gleich die akustischen Segel streicht.

 

www.philharmoniedeparis.fr

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Musiktipps

Aufnahmen mit konzertsaaltypischem Klang:
Aufnahmen aus der Philharmonie de Paris sind kaum vorhanden, da der SFR nicht oder nur selten mit Labels kooperiert. Zudem ist das dort residierende Orchestre National de France (ONF) keines der angesagten Aufnahmeorchester.

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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