Sonoro Orchestra Slim Gen. 2
Die neue Orchestra Slim verdichtet feinste Lautsprechertechnologie und Wohlklang in einem extrem kompakten Gehäuse.
Seit 2006 baut Sonoro Musikelektronik mit hohem Anspruch an Bedienfreundlichkeit, solide Verarbeitung, Design und Klangeigenschaften. 2023 gab es einen weithin unbemerkten Marken-Relaunch, mit dem das anfänglich fast ausschließlich aus All-in-one-Geräten bestehende Portfolio schrittweise in Richtung High-End-Audio erweitert wurde – die beliebten (Web-)Radios bleiben natürlich auch weiterhin im Programm. Die neusten Iterationen schmücken sich mit dem Namenszusatz „Gen. 2“, so auch der kleinste Regallautsprecher Orchestra Slim. Optisch ist die neue Version kaum von ihrem Vorgänger zu unterscheiden. Firmengründer Marcel Faller erklärte mir während einer Firmenpräsentation, dass das ikonische Braun-Design Vorbild sei. Als ehemaliger Besitzer einer 308-S-Kompaktanlage dieses Herstellers fallen mir direkt gemeinsame Merkmale wie die abgerundeten Kanten, geneigte Oberflächen oder die seidenmatt-schwarze Farbgebung auf.

Schon bei der Installation bemerkte ich die extrem solide Konstruktion der Gehäuse. Wie mir Content- und Marketing-Manager Jens Weisheit auf Anfrage mitteilte, bestehen die Wände aus 18 Milllimeter dickem HDF, die Schallwand ist sogar 25 Millimeter stark. In der Ebene oberhalb des Mitteltieftöners sorgen Verstrebungen für zusätzliche Steifheit. Das grenzt bei so einem, aufgrund der geringen Dimensionen per se rigiden Korpus an Overkill und zeigt, wie konsequent das Thema Gehäuseresonanzen behandelt wird. Um Resonanzen auch im Gehäuseinneren keine Chance zu lassen, bilden die Oberseite und Schallwand sowie die Bodenplatte und Rückwand jeweils rechte Winkel, die über einen 5-Grad-Drehwinkel verbunden sind. So werden in der Y- und Z-Achse parallele Flächen vermieden, was zur Reduzierung stehender Wellen beiträgt. Lediglich die Seitenwände sind parallel ausgerichtet, durch ihren geringen Abstand bilden sich stehende Wellen erst ab ca. 500 Hertz. Die in zwei Lagen eingebaute Dämmwolle schafft Abhilfe oberhalb dieser Frequenz.
Weiterhin führt die geneigte Schallwand dazu, dass die Schallerzeugungsebenen des flach bauenden Hochtöners und des tieferen Bassmitteltöners im Timing angeglichen werden. Das gewährleistet, zumindest wenn die Ohren des Musikliebhabers auf horizontaler Ebene mit den Lautsprechern sind, die zeitgleiche Ankunft der Schallwellen beider Chassis. Die abgerundeten Kanten der Schallwand vermeiden Beugungseffekte.

Die mit hochwertigen Bauteilen bestückte Frequenzweiche (BiFi- und MKP-Kondensator im Hochton-, MKT im Tieftonbereich, Luftspulen) trennt den Übertragungsbereich bei 2800 Hertz. Dem Hochtöner, ein Air-Motion-Transformer, wurde zur Optimierung der Abstrahlcharakteristik ein Waveguide maßgeschneidert. Durch Berechnungen und mithilfe von mehreren per 3D-Drucker erzeugten Prototypen wurde die ideale Form gefunden. Angetrieben wird die gefaltete Membranfläche von einem kräftigen Neodym-Magneten. Unterhalb der Trennfrequenz kommt der neue Tiefmitteltöner zum Einsatz. Im Gegensatz zum PE-beschichteten Papierkonus des Vorgängers besteht die Membran der Gen. 2 aus einem Papier-Bambus-Komposit mit Kevlarverstärkung.
Ein solider Aludruckguss-Korb und der üppige Ferritmagnet vervollständigen den wertigen Eindruck. Der neue Treiber bedingte die geringfügige Vergrößerung des Gehäusevolumens – Ziel dieser Entwicklung sei die Verbesserung der Tiefbasswiedergabe und Bühnendarstellung, so die Entwickler. Das Single-Wire-Terminal aus Metall ist passgenau eingelassen und mit vier Torx-Schrauben verankert. Die soliden Polklemmen versorgen Bananenstecker, Kabelschuhe und blanke Drahtenden.
Meine Frage nach dem Impedanzverlauf wurde mit der Übermittlung eines umfangreichen Messprotokolls beantwortet. Die Impedanzkurve sinkt nicht unter 5 Ohm (bei 220 Hz) und verläuft, obwohl nicht linearisiert, vom üblichen Höcker im Bereich der Trennfrequenz abgesehen relativ ausgeglichen. Auch weniger potente Verstärker werden wahrscheinlich nicht so schnell die Segel streichen. Wobei meiner Erfahrung nach gerade kleine Monitore durchaus üppige Leistung zu goutieren wissen. Die Bedienungsanleitung empfiehlt 50 bis 140 Watt.
Der Frequenzschrieb zeigt einen ausgeglichenen Übertragungsbereich bis über 25 Kilohertz. Der Bassbereich fällt ab 100 Hertz ganz sanft bis etwa 40 Hertz, um dann steil abzufallen. Dieser ausgedehnte Tiefton ist für einen derart kompakten Lautsprecher beachtlich. Der sanfte Abfall zeigt, dass er perfekt auf sein vorgesehenes Habitat, sprich kleinere Räume bis vielleicht 25 Quadratmeter, abgestimmt ist. Die Interaktion mit dem Raum gleicht den Bassbereich aus. Das funktioniert in der Praxis hervorragend. Für den Fall, dass eine wandnahe Aufstellung gewünscht oder unvermeidlich ist, liegen Schaumstoffstopfen für die Bassreflexrohre bei, die die Tieftonwiedergabe zähmen.
Miriam Benning, Senior PR-Manager des Unternehmens, wies mich darauf hin, dass es sich bei den Testobjekten um fabrikneue Exemplare handelt, die eine Einspielzeit von etwa 25 Stunden benötigen. Also mussten meine betagten Focal-Monitore weichen, und die Orchestra Slim wurde Teil der Vintage-Kette in meinem Homeoffice. Der enorme Qualitätsunterschied zwischen den damals 1200 DM teuren Lautsprechern und den noch uneingespielten Sonoros für 999 Euro war gewaltig, der Entwicklungsfortschritt von 35 Jahren unüberhörbar.
Nach einer guten Woche wanderten die Orchestra schließlich in den Hörraum. Auf Ständern von Solidsteel platziert, befanden sich die Hochtöner genau auf Ohrhöhe. Die Mindestabstände zu den Wänden konnte ich großzügig überschreiten. Meine Befürchtung, dass die Lautsprecher ohne Wandunterstützung im Tiefton zu schlank aufspielen, verflüchtigten sich. Im Gegenteil: Das solide Bassfundament erstaunte mich, schien es doch unmöglich aus diesen winzigen Kisten kommen zu können. Die wenig ausgeprägte Räumlichkeit und das nicht homogene Zusammenspiel der Treiber deuteten darauf hin, dass der Einspielvorgang noch nicht abgeschlossen war. Nach einer weiteren Woche permanenten Betriebs öffnete sich das Klangbild und der AMT spielte mit dem Mitteltieftonchassis aus einem Guss.
Die Orchestra Slim erzeugte in meinem 24 Quadratmeter großen Raum eine Klangfülle, die ihre Physis Lügen strafte. Um die elegante Schönheit nicht sofort zu verschrecken, fütterte ich sie mit geschmeidiger, klinisch sezierend aufgenommener Fahrstuhlmusik. Cassandra Wilsons Another Country trieft vor Perfektion und gehört deswegen zu meinem Standardrepertoire. Das vielfältige Obertongeflirre diverser Perkussionsinstrumente und Griffbrettgeräusche offenbart eindeutig, ob der Hochtöner sich über die Maßen in Szene setzt. Eine Eigenschaft, die gelegentlich AMTs zugesprochen wird. Jedoch zu Unrecht, es kommt auf die geschickte Implementierung an, die dem Sonoro-Team hervorragend gelungen ist. Der Hochtonbereich glänzt mit seinem Detailreichtum und differenzierten Klangfarben, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Der Übergang zum Mitteltonbereich erfolgt vollkommen bruchlos. Die Stimme der Sängerin steht plastisch im Raum, der ruhig, aber akzentuiert gespielte E-Bass drückt mit einer erstaunlichen Autorität aus den Lautsprechern. Diese Kontur und Straffheit im Bassbereich hätte ich den relativ kleinen Membranen nicht zugetraut.
Genug der musikalischen Schmeicheleinheiten. Mal sehen, wie die Sonoro mit komplexerem Material und ausgeprägtem Tieftonanteil zurechtkommt, was kleine Lautsprecher am schnellsten an ihre Grenzen führt. Doch auch die Slapbass-Attacken von Marcus Miller meistert die Sonoro souverän, solange man es mit der Lautstärke nicht übertreibt. Die Wiedergabe klassischer Musik zeichnete sich durch prächtige Klangfarben und überzeugende Räumlichkeit aus, Liveauftritte wurden mit glaubhafter Lebendigkeit in den Hörraum projiziert. Dass den kompakten Schallwandlern keine Tiefstbassanteile und brachiale Pegel zu entlocken sind, war zu erwarten. Die Physik lässt sich nicht austricksen, obwohl das Sonoro-Entwicklungsteam ihre Grenzen erstaunlich weit ausgedehnt hat.
Sonoro ist es gelungen, mit der Orchestra Slim (Gen. 2) einen ohnehin hervorragenden Lautsprecher auf ein neues Niveau zu liften. Glücklicherweise musste am ohnehin perfekten Design nichts verändert werden. Das Resultat ist ein Lautsprecher, der im besten Sinne alltagstauglich ist: Er fügt sich problemlos in die räumliche Situation ein, ist bezüglich der Zuspieler nicht wählerisch (obwohl er deren Qualitäten deutlich aufzeigt) und spielt jedes Musikgenre überzeugend. Die Verarbeitung ist makellos und stünde auch Kollegen aus höheren Preisregionen gut zu Gesicht.
Info
Lautsprecher Sonoro Orchestra Slim Gen. 2
Konzept: passiver Kompaktlautsprecher im Bassreflexgehäuse
Bestückung: 5,25“-Tieftöner im stabilen Druckgusskorb (kevlarverstärkter Papier/Bambus-Komposit-Treiber); in Waveguide eingebetteter gefalteter Air-Motion-Transformer mit Neodym-Antrieb, Membranfläche ca. 85 cm2 (Hochtöner)
Gehäuse: HDF (Hochdichte Faserplatten) mit Innenmatrix
Empfohlene Verstärkerleistung: ab 50 W
Lastimpedanz: 4 Ω
Frequenzbereich (@ −6 dB): 45 Hz bis 32 kHz
Empfindlichkeit (2,83 V RMS, 1 m): 86 dB
Übergangsfrequenz: 2800 Hz
Lieferumfang: Bedienungsanleitung, Sicherheitshinweise, Lautsprecherabdeckung, Schaumstoffstopfen für Bassreflexrohr
Ausführung: Mattschwarz, Mattweiß
Maße (B/H/T): 18/32/26 cm
Gewicht: 7 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: um 1000 €
Kontakt
sonoro Audio
Hammer Landstraße 45
41460 Neuss
Telefon +49 2131 8834141
Mitspieler
CD-Player: Electrocompaniet EMC 1 MKV
Analoglaufwerk: TW Acustic Raven GT2
Tonarme: TW Acustic Raven 10.5“ und 9.5“
Tonabnehmer: Skyanalog Reference, Clearaudio Concerto V2, Excalibur Platinum
Verstärker: Electrocompaniet EC 4.8, Electrocompaniet EC AW250R, Lab 12 Melto2
Lautsprecher: Audio Physic Spark auf Solidsteel SS-5
Stromversorgung, Kabel: IsoTek Aquarius, Syncro und Optimum, AudioQuest Yukon und NRG-Z3, Zavfino Gold Rush, 2 x Kimber 8TC, WBT
Zubehör: bFly-audio Octopus und PolarX, Audio Physic VCF V Magnetic plus, Lehmannaudio Stage 1 Plattenmatte, TW Turntable Mat, Sonic Voice, Nessie Vinylmaster













