Münchener HiFi-Tage 2026
Die Versuchung liegt natürlich nahe. Kaum zieht die HIGH END nach etwas mehr als zwei Jahrzehnten von München weiter nach Wien, entsteht eine neue HiFi Messe in der Stadt …
… und schon beginnt die Gerüchteküche zu blubbern. Ersatzveranstaltung? Lückenfüller? Audiophiles Rebound-Date? Nein. Die Münchener HiFi-Tage sind keines von alledem. Sie verfolgen ein deutlich anderes Konzept. Während die HIGH END traditionell in erster Linie eine Branchen- und Händlermesse ist, bei der am Ende auch Endverbraucher willkommen sind, drehen die Münchener HiFi-Tage das Prinzip um: Hier stehen von Anfang an die Musikliebhaber selbst im Mittelpunkt. Nähe zum Publikum, direkte Gespräche, unkomplizierte Begegnungen zwischen Herstellern, Vertrieben und Hörern – genau darum geht es.

Die Premiere fand am 14. und 15. März 2026 im Hotel Le Méridien direkt am Münchener Hauptbahnhof statt. Ein bewusst gewählter Rahmen: statt anonymer Messehallen wohnzimmerähnliche Räume, kurze Wege, überschaubare Dimensionen. Wer schon einmal durch die endlosen Gänge großer Fachmessen gewandert ist, weiß das schnell zu schätzen. Die Münchener HiFi-Tage waren keineswegs riesig, ja man könnte sie fast schon als intim bezeichnen. Und genau darin lag vielleicht ihr größter Reiz. Besucher kamen erstaunlich nah an die Aussteller heran, Gespräche entstanden, und nicht selten stand man plötzlich mitten zwischen Entwicklern, Vertriebsleuten und neugierigen Hörern – gewissermaßen auf Tuchfühlung.

Überhaupt fiel die Atmosphäre sofort auf. Die Stimmung war überraschend gelöst, fast heiter, und die Veranstaltung wurde vom Publikum ausgesprochen gut angenommen. Schon nach kurzer Zeit bildeten sich an beiden Showtagen kleine Menschentrauben vor vielen der Räume, in die man sich mit etwas Geduld hineinschlängeln musste. Manchmal brauchte es ein paar Minuten Wartezeit, um überhaupt hineinzugelangen. Ein Problem, das Veranstalter üblicherweise sehr gern haben.

Auffällig war auch das Publikum selbst. Wer regelmäßig HiFi-Veranstaltungen besucht, kennt das vertraute Bild: Der typische Besucher ist männlich, technisch interessiert und jenseits der fünfzig. Eine Beschreibung, die – mit anderen Vorzeichen – auch auf manchen Singleplattformen nicht unbekannt ist. In München zeigte sich jedoch ein anderes Bild. Das Publikum wirkte spürbar jünger, und es waren erfreulich viele Frauen unterwegs. Die Szene wirkte insgesamt offener und lebendiger als auf vielen klassischen Branchenevents.

Auch bei den Ausstellern zeigte sich ein interessanter Mix. Überraschend viele kleinere oder weniger bekannte Hersteller waren vertreten, während die ganz großen Namen eher in der Minderheit waren. Zu den prominentesten Vertretern gehörte die Audio Group Denmark mit ihren Marken Aavik, Ansuz und Børresen, die ihren großen Hörraum exzellent im Griff hatten.

Raidho präsentierte sich mit detaillierten „Workshops“ als etablierter Lautsprecherhersteller. Ebenso Avantgarde Acoustic mit seinen brandneuen Opus-1-Hornsystemen. Darüber hinaus gab es jedoch vor allem viel Neues zu entdecken. Wer sich Zeit nahm, durch die Räume zu wandern, konnte an vielen Stellen spannende und teils bisher wenig bekannte Konzepte kennenlernen.

Im Raum von WB Manufacture etwa standen handgefertigte Röhrenverstärker aus Schweden, gebaut nach einer bewusst schnörkellosen technischen Philosophie. An anderer Stelle präsentierte AP Elektroakustik seine ungewöhnlichen teilaktiven Lautsprecherkonstruktionen, die sich konzeptionell deutlich von vielen Serienprodukten abheben.

Thales zeigte präzise gefertigte Plattenspieler und Tonarme, darunter die bekannten tangentialen Konstruktionen. Rowen aus der Schweiz wiederum führte neben seiner Elektronik auch Lautsprecher (Sonox) vor, die sich optisch und konstruktiv angenehm vom üblichen Messealltag abhoben und erfrischend anders wirkten.

Spannend war auch das Wiedersehen mit Starke Sound aus Kalifornien. Das Unternehmen, gegründet von einem Team aus Ingenieuren und Designern, verfolgt einen technisch eigenständigen Ansatz bei Verstärkern und Lautsprechern und fällt dabei auch durch eine vergleichsweise moderate Preisgestaltung auf – was in dieser Leistungsklasse nicht selbstverständlich ist. Nicht minder interessant war S&V-Audio (Storgaard & Vestskov) aus Dänemark, ein noch relativ junges Unternehmen, das mit ambitionierten Elektronik- und Lautsprecherkonzepten antrat.

Daneben gab es natürlich noch viele weitere interessante Stationen. Esoteric etwa präsentierte edle Digitaltechnik aus Japan, und mit AudiaZ war auch ein Hersteller vertreten, der sich mit besonderen Lautsprecherlösungen jenseits der bekannten Pfade beschäftigt.

Diese Auswahl kann dabei nur einen kleinen Eindruck vermitteln, denn gerade die Vielzahl kleinerer Marken machte einen großen Teil des Reizes dieser Messe aus.
Einen wesentlichen Anteil an der gelungenen Atmosphäre hatten zweifellos die Organisatoren. Ivonne Borchert-Lima und ihr Team haben sichtbar viel Herzblut in die Premiere gesteckt. Alles wirkte hervorragend organisiert, die Abläufe funktionierten reibungslos, und die gute Laune des Teams übertrug sich schnell auf Aussteller und Besucher. Es fehlte an nichts – außer vielleicht an ein paar zusätzlichen Quadratmetern in den besonders beliebten Vorführräumen.
Unterm Strich hinterließen die ersten Münchener HiFi-Tage einen ausgesprochen positiven Eindruck. Die Messe war überschaubar, persönlich und lebendig. Genau diese Mischung machte ihren Charme aus. Statt anonymer Hallen gab es Gespräche, Begegnungen und überraschende Entdeckungen. Eine Veranstaltung, die deutlich zeigte, dass eine HiFi-Messe nicht unbedingt riesig sein muss, um spannend zu sein. Oder anders gesagt: München hat eine neue audiophile Adresse erhalten. Und nach dieser Premiere darf man sich ziemlich sicher schon jetzt auf die nächste Ausgabe freuen.






























































































