Im analogen Klassenzimmer
Auch 2026 veranstaltete die Analogue Audio Association wieder ihr „Analog Forum“, eine High-End-Messe der etwas anderen Art.
In einem typisch westdeutschen Nirgendwo zwischen Autobahnkreuzen, grünen Wiesen, Feldern und einem schimmernden Weiher liegt das Moerser Van der Valk Hotel. Dieses schmucke Kleinod mit leicht verwinkelten Gängen und großen Sälen ist seit 2023 Austragungsort des Analog Forum Moers, jener kleinen, feinen Hersteller- und Händlermesse, die von der Analogue Audio Association nun bereits zum 37. Mal veranstaltet wurde.

Aus einem kleinen Nerdtreffen in den Nullerjahren hat sich eine veritable Messe entwickelt, die sich nicht nur den großen Neuheiten im Laufwerks- oder Tonarmbereich widmet, sondern in einem „Händlerdorf“ auch an all die kleinen Helferlein denkt, die das analoge Leben erst lebenswert machen: Von der Plattenbürste über die Waschmaschine, von kleinen Übertragern bis hin zu großen Filterleisten, vom Kopfhörerständer bis hin zum LP-Regal – hier konnte sich das analoge Gemüt austoben, ohne gleich ein neues Masselaufwerk in Auftrag zu geben. Nicht zu vergessen daneben auch die vielen Vinyl-Händler, die dieses Mal tatsächlich eine wunderbare Bandbreite von der audiophilen Neupressung bis hin zur schrägen avantgardistischen Gebrauchtscheibe abdeckten.
Stürmischer Andrang
Auch wenn Moers nun alles andere als zentral auf der bundesrepublikanischen Landkarte liegt, war doch bereits eine halbe Stunde vor der Eröffnung eine veritable Schlange vorwiegend älterer Herrschaften vor dem Hotelfoyer auszumachen, die möglichst früh ein Ticket ergattern wollten. So kam es bereits in den ersten 60 Minuten zu vollen und auch bisweilen überfüllten Hotelzimmerchen, während man sich auf den engen Fluren an das Kinderschiebespiel „Rush Hour“ erinnert fühlte. Davon ließen sich aber weder Aussteller noch Besucher aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Dirk Räke von Transrotor frohlockte mir gegenüber im Fahrstuhl: „Herrlich dieser Andrang, das Beste, was uns passieren konnte.“

Als messeerfahrener Besucher wusste man natürlich, was in einem solchen Falle zu tun ist – man begibt sich zunächst in die Nebenräume und weniger gut besuchten Stockwerke. Und so wohnten der Kollege Barnbeck und ich zunächst der in diesem Jahr erstmals stattfindenden Preisübergabe für das analoge Lebenswerk bei. Man kommt nicht umhin, der Jury der AAA zur Auswahl zu gratulieren, hat man doch mit Jochen Räke, Rolf Gmein und Alfred Rudolph drei Urgesteine auserkoren, die nicht nur seit Jahrzehnten unermüdlich im Dienste der perfekten Musikwiedergabe werkeln, sondern auch seriöse Familienunternehmen etabliert und sich in schwierigen Zeiten auf keine schnelllebigen exotischen Experimente eingelassen haben.
Erst Koffein, dann Anlagen
Nach einem ordentlichen Koffeinpush auf der sonnenüberfluteten Hotelterrasse ging es dann erneut in das Getümmel auf den Hotelfluren, das sich am frühen Nachmittag aber bereits über das gesamte Hotelgebäude verteilt hatte. Ein erster Weg galt dem Vintage-Raum, einer langjährigen Institution auf dem Analog Forum. Auch dieses Jahr hatte man wieder besondere Preziosen ausgewählt, die demonstrierten, wie modern und zeitlos gepflegte 40 bis 50 Jahre alte Geräte klingen können. Zugespielt wurde von einem Thorens TD-125 mit Micro-Seiki-Tonarm und einer Revox A77 MKIV aus dem Nachlass von Otto Braun, verstärkt von einer Vor-End-Kombi aus Luxmans CL350 und M150, wiedergegeben von Lautsprechern ebenfalls aus dem Nachlass von Otto Braun mit Corona-Plasma-Hochtönern. Es war eine in sich stimmige Kette, die äußerst involvierend klang, und so verwunderte es auch nicht, dass der Vintage-Raum durchgehend gut besucht war.

Eine Besonderheit des Analog Forum war von Anbeginn, dass Newcomer und Kleinsthersteller ihr Portfolio feilbieten können, während man selbstverständlich auch die allbekannten Platzhirsche im Programm hat. So überraschte nicht, dass bei Transrotor in Zusammenarbeit mit Manger oder bei Thorens in Zusammenarbeit mit TAD allerfeinste Analogkost geboten wurde. Beide Aussteller kennen sich natürlich mit den Tücken von Hotelmessen aus und boten auch diesmal ein grandioses Hörvergnügen. In Erinnerung sind mir hier vor allem die entspannten Reggae-Grooves geblieben, die Dirk Räke mehrmals auflegte. Eine Überraschung hatte Chris Feickert dabei, der seine Laufwerke nicht mehr mit Geithain-Lautsprechern vorführte, sondern seinen neuen Partner Sigberg Audio präsentierte. Die vollaktiven Sigberg Saranna passten wunderbar zum musikalischen Metal-Programm, das Chris Feickert mit geradezu diebischem Vergnügen vorführte. Wen wundert es, stammt der Entwickler der norwegischen Lautsprecher doch selbst aus der Metal- und Banger-Szene.
Auch Newcomer auf dem Analog-Forum 2026
Erfreulich auch die Newcomer auf der Messe. Alders & Lange hatten es allerdings relativ leicht, einen guten Eindruck zu hinterlassen, machten sie doch das Beste, was man mit einem kleinen Hotelraum machen kann: Sie führten ausschließlich mit Kopfhörern vor. Dies war freilich dem Umstand geschuldet, dass das junge Unternehmen einen Kopfhörerverstärker und einen Phonovorverstärker im Portfolio hat. Wie gut diese beiden Geräte miteinander harmonieren, konnte man auf einer Reihe gänzlich unterschiedlicher Kopfhörer an einer feinen Vinylauswahl hören. Bereitwillig stand der Chefentwickler Heiko Lange für alle Fragen zur Verantwortung. Wir waren dermaßen begeistert, dass wir gleich einen Testversand zur FIDELITY in trockene Tücher gewickelt haben.

Spannend war auch die weitgehend unbekannte polnische Manufaktur Divaldi, die erstmals auf einem Analog Forum vertreten war und mit etwas brachialeren Klängen einen selbstbewussten Erstauftritt hinlegte. Überhaupt muss man anmerken, dass die sonst auf Messen übliche PlingPling-ZirpZirp-Vorführmusik mit ätherischen Frauenstimmen kaum vertreten war; stattdessen dröhnten öfter brettharte Gitarrenriffs über die Flure, wobei gerne auch mal – etwa bei Ulber Audio – der Lautstärkeregler ganz nach rechts aufgedreht wurde. Wem das aber zu viel wurde, der hatte dann immer noch die Gelegenheit, bei dem ein oder anderen instruktiven Workshop – eine Tradition seit Anbeginn des Analog Forum – ein wenig Ruhe und vor allem analogen Wissensinput zu bekommen; sei es über DJ-Systeme, Grading-Verfahren oder Nadelträger.
… uuuuuund ein Hauch von Vorfreude
Und so endete dann am späten Sonntagnachmittag ein Event, das durchaus den Charakter eines Klassentreffens hatte. Man kennt sich, man hat Spaß zusammen, man lernt aber doch auch immer wieder neue Aspekte einer eigentlich altbekannten Sache kennen, und wenn dann die Sonne über den niederrheinischen Wiesen im Westen von Moers versinkt, freut man sich bereits auf das Forum im kommenden Jahr.




























