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Lautsprecher

Anlage neben, oder zwischen die Lautsprecher?

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FIDELITY-Klingtipp #13 – Eine Anlage gehört neben und nicht zwischen die Lautsprecher

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

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Pro

Bei der Aufstellung eines Racks sollten mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Ganz wichtig ist die Wirkung der Augen auf unser Hören. So traurig es ist, müssen wir uns dieser Realität stellen: Wir hören, was wir sehen. Wie sinnvoll ist es also, beim Musikhören auch noch optisch die Anlage genau vor uns, also im Zentrum unserer Wahrnehmung zu platzieren? Eben …

Zwischen den Lautsprechern benötigen wir freien Raum, damit unsere Fantasie umherwandern kann. Wir brauchen Platz, damit eine Carnegie Hall, eine Royal Festival Hall oder eine Berliner Philharmonie vor unserem inneren Auge entstehen kann, während wir Benny Goodman, John McLaughlin oder Kirill Petrenko lauschen. Außerdem gibt es noch einen handfesten technischen Faktor: Was nützt es, wenn wir unsere wertvollen Komponenten vom schon optimierten Rack entkoppeln, kleine Dämpfer auf den Gehäusedeckeln platzieren, vielleicht noch einzelne Platinen schwingungstechnisch optimieren, wenn wir sie dann genau im Druckmaximum, also exakt zwischen den beiden Lautsprechern platzieren?

Genau, alles vergebliche Liebesmüh, wenn wir die Anlage an so einem unmöglichen Ort parken, nur um ein paar Meter Lautsprecherkabel zu sparen. Nicht zu vernachlässigen sind auch die Erstreflexionen in der Abstrahlung der Lautsprecher. Wenn genau im zu entwerfenden Klangbild die Geräte mit ihren Kanten und Oberflächen stehen, bilden sie durch Reflexion der Schallwellen virtuelle Schallquellen. Es kann also durchaus sein, dass eine Oboe plötzlich ganz woanders im Panorama sitzt, weil dummerweise eine große Endstufe gerade hier den Schall bricht. Ein paar Meter mehr Kabel sind also ein kleiner Preis angesichts der vielen Vorteile, die man offenbar genießt, wenn man die Anlage nicht altargleich zwischen den Lautsprechern, sondern an einer der Seitenwände platziert. Und wenn der Blick vom Sofa auf eine etwas weniger technisierte Landschaft fällt, kann man auch mit normalen Menschen ganz zwanglos plaudern.

Kontra

Erstreflexionen sind ein gutes Thema! Natürlich kann sich das Klangbild durch eine Anlage zwischen den Lautsprechern minimal verschieben. Doch das ist nichts gegen den Schaden, den ein großes Rack auf nur einer Seite anrichtet. Eines der wichtigsten Kriterien beim Bau von Regieräumen in High-End-Tonstudios ist absolute Symmetrie, damit das Stereopanorama sauber dargestellt werden kann. Denn Erstreflexionen, die unregelmäßig von den Seiten kommen, neigen dazu, die Präzision der räumlichen Abbildung zu verwischen; einzelne Schallereignisse werden nicht mehr auf den Punkt, sondern mit einer je nach Art der Reflexionen unterschiedlichen Aura dargestellt. Stellt man seine Anlage auf die Seite, müsste man – um so sauber abzuhören, wie im Studio produziert wird – eine zweite, exakt gleiche Anlage kaufen und sie an der gegenüberliegenden Wand aufbauen. Immerhin fällt dann auch der Preis für die längeren Kabel nicht mehr ins Gewicht. Welchen Sinn hat es also, immense Summen in möglichst sauber und präzise abbildende Geräte und Lautsprecher zu stecken, wenn schon die allererste Regel des Studiobaus missachtet wird?

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Zurück zum Druckmaximum: Hier geht es um Akustik, nicht um Optik. Im Schnittpunkt zweier Scheinwerferkegel ist es am hellsten. Akustik funktioniert allerdings völlig anders. Da spielen Schwingungsknoten, stehende Wellen, frequenzabhängige Nachhallzeiten und Ähnliches eine Rolle. Und wo ein Druckmaximum im Raum entsteht, hängt mit seiner Geometrie, nicht aber der Lautsprecherposition zusammen. Thema erledigt. Eine alte High-End-Regel heißt: „KISS“ – „Keep It Short and Simple“! Je kürzer und direkter alle Wege sind, umso geringer ist das Risiko, sich Fehler oder Störungen einzusammeln. Und ein kleines Rack zwischen den Lautsprechern ist der erste Weg, diese Regel zu beherzigen: Kurze und gleich lange Kabel, die zudem nicht parallel laufen. Ein übersichtlicher und klarer Aufbau, der beim Musikhören viel Freude bringen wird.

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