Audia Flight FLS20
Mit dem SACD-Player FLS20 präsentiert Audia Flight einen Toplader mit Haltung.
Es hat gedauert. Eigentlich war der SACD-Player aus der FLS-Serie schon vor Jahren angekündigt – damals, als der FLCD Three S frisch auf dem Markt war und sich ziemlich schnell in die Gunst der Szene spielte. Doch dann kam, was kam: Pandemie, Lieferengpässe und der große Knall – wortwörtlich. Denn mit dem Brand im japanischen AKM-Werk im Oktober 2020 war klar: Die geplante Schaltung für den neuen Player war Makulatur. Die beliebten Wandlerchips, auf die viele High-End-Hersteller setzten, waren von heute auf morgen vom Markt verschwunden. Was schon eng war, wurde über Nacht unmöglich. Bei Audia Flight hatte man da längst vorgearbeitet. Die Laufwerke – ursprünglich aus der Produktion von D+M – waren bereits bestellt, die interne Planung war weit fortgeschritten. Das Projekt stand auf der Startrampe. Doch ohne passende Wandlerchips? Keine Chance. Ein Nachrüsten kam nicht in Frage. Also wurde das Konzept komplett neu aufgezogen. Man hätte auch einfach vertagen oder verwässern können – aber das ist nicht der Stil von Massimiliano Marzi und Andrea Nardini. Der FLS20 wurde von Grund auf neu gedacht. Und was jetzt vorliegt, ist ein SACD-Player mit Charakter – durchgearbeitet, nicht durchgerutscht. Einer der zentralen Punkte, die bei der Neuentwicklung in den Fokus rückten: das Laufwerk. Genauer gesagt die mechanische Beruhigung des Systems. Für die Italiener ist klar: Vibrationen sind der natürliche Feind jeder präzisen Auslesung. Wer es wirklich ernst meint mit digitaler Hochbit-Wiedergabe, muss hier ansetzen – nicht nur bei Wandlern und Ausgangsstufen. Die Lösung im FLS20 ist eine schwimmende Lagerung des gesamten Laufwerks. Keine simple Dämpfung, sondern eine gezielt kontrollierte Entkopplung. Aufwendig – aber eben nicht verzichtbar. Und sie funktioniert: Der Player liest präzise, arbeitet leise, bleibt stabil.

Masse macht Musik
Das Gehäuse trägt seinen Teil dazu bei. Nicht nur optisch, sondern auch konstruktiv: Das Gewicht des FLS20 resultiert nicht bloß aus der massiven Frontplatte oder den mechanischen Reserven des Toplader-Deckels. Es ist das Ergebnis einer klaren Philosophie: Wer Stromversorgung ernst nimmt, muss Masse bauen. Drei Ringkerntrafos – einzeln abgeschirmt und streng getrennt: einer für die analoge Stufe (80 W), einer für die digitale Sektion (85 W), und ein dritter (15 W) für die Logiksteuerung. Dazu gesellen sich vier diskrete Spannungsregler und zehn äußerst rauscharme Netzteilstränge für die digitalen Bereiche. Das Schaltungsdesign selbst trägt die Handschrift von Audia Flight: vollsymmetrisch, mit Class-A-Stromrückkopplung, kurzen Wegen und einem Mono-DAC-Konzept auf Basis des ES9038Pro – je ein Chip pro Kanal. Der Taktgeber stammt von Crystec (CCHD-950), ebenfalls hochwertig, ebenfalls low-noise. Anschlussseitig bleibt man offen: vier Digitaleingänge, vier Ausgänge, zwei analoge Outputs.

Die Qual der Wahl
Und klanglich? Der erste Eindruck ist kein Zufall: Die Handschrift von Audia Flight zieht sich auch hier durch. Die Kombination aus tonaler Wärme, körperreichem Mittelton und analytischer Auflösung ist keine spontane Laune des Designs, sondern gewachsen – auch über die Lautsprecher der Schwesterfirma Alare hinweg. Der FLS20 schließt daran an. Wer den FLCD Three S kennt, erkennt die Linie – aber mit mehr Tiefgang, mehr Ruhe, mehr Format. Auch spannend, da für mich tatsächlich eine neue Erfahrung: Die schaltbaren Digitalfilter wirken hier ungewöhnlich deutlich. Nicht, weil sie spektakulär eingreifen würden – sondern weil der Player insgesamt so verzerrungs- und rauscharm arbeitet, dass selbst feine Unterschiede hörbar werden. Und wenn dann noch feinfühlige und durchlässige Lautsprecher wie meine aktiven Lyravox Karlos zur Klangreproduktion genutzt werden, dann wird es umso auffälliger, in welche Richtung die jeweilige Filterung geht. Ursprünglich waren diese Differenzen gar nicht intendiert, man war selbst ein Stück überrascht, was man da entwickelt hatte. Und welche Einstellung passt nun am besten? Kommt aufs Material an. Und aufs Ohr. Nehmen Sie sich die Zeit und probieren Sie es aus.

Luft zum Atmen
Hörbar wird das etwa bei einem direkten Vergleich zwischen CD und SACD am Beispiel der Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch, eingespielt vom Mandelring Quartett und veröffentlicht bei Audite. Die SACD-Fassung dieser hochkarätigen Aufnahme wirkt sonorer, atmender, mit deutlich mehr Raum zwischen den Stimmen.
Die Musik entfaltet sich offener, fast wie in einem größeren Saal. Die CD-Version hingegen wirkt fokussierter, dichter. Gerade bei aggressiveren Passagen – Tutti-Attacken, angerissenen Saiten – zeigt sie ihre rauere, fast modernere Seite. Weniger Glanz, mehr Kante. Dass sich diese Unterschiede so deutlich nachvollziehen lassen, liegt nicht nur an der exzellenten Arbeit des Audite-Teams – die Aufnahme selbst zählt zur Oberklasse in Sachen Kammermusikproduktion. Sondern eben auch am FLS20, der in der Lage ist, solche Differenzen nicht nur zu zeigen, sondern sie wirklich greifbar zu machen. Er spielt SACD nicht „besser“, sondern einfach anders – detailreicher, weiter. Und er holt aus der CD heraus, was in ihr steckt, ohne zu glätten oder zu beschönigen.

Aber mal ehrlich: Braucht es das eigentlich noch – CD-Player? Oder gar SACD-Player? In Zeiten, in denen Streaming längst den Ton angibt, klingt das für viele wie ein Anachronismus. Musik jederzeit, überall, in „CD-Qualität“ oder sogar als HiRes – warum sollte man sich da noch mit physischen Scheiben befassen? Die Antwort beginnt dort, wo das Marketing aufhört. Laut GfK-Studie aus dem Frühjahr 2023 lagern in deutschen Haushalten rund 460 Millionen Audio-CDs – viele davon mit Sammlerwert, einige in klanglich exzellentem Zustand, und nicht wenige mit Aufnahmen, die bei Streamingdiensten überhaupt nicht oder nur als verlustbehaftete Versionen verfügbar sind. Die CD ist kein Nischenformat – sie ist nach wie vor präsent, auch wenn sie im Neugeschäft keine große Rolle mehr spielt. Und SACD? Bleibt eine Randerscheinung, zweifellos. Aber eine mit Substanz. Denn während Streamingplattformen wie Qobuz, Tidal & Co. zunehmend auf Upgrades und Neu-Masterings setzen – mit teils fragwürdiger Herkunft –, bleiben viele SACDs nahe am originalen Masterband. Eine Qobuz-Managerin räumte im Gespräch auf der HIGH END München ein, dass die Labels bei der Anlieferung von HiRes-Material „nicht selten schwanken, was das eigentliche Quellmaterial betrifft“. Man nehme, was da sei. Besonders im Pop-/Rock-Bereich sind das oft aufgepumpte Reissues oder digitale Re-Remixe mit unklarer Produktionshistorie. Hinzu kommt: Streaming lebt von der flüchtigen Geste. Wer tiefer einsteigen will, wer sich Zeit nehmen will fürs Hören – wer also Musik nicht nur konsumieren, sondern erleben will –, der wird bei CD und SACD immer noch fündig. Nicht, weil es retro ist. Sondern weil es wirkt.

Die Sache mit dem Tonband
Und dass die SACD aber nicht nur bei audiophilen Klassikproduktionen wirkt, zeigt ein ganz anderer Hörtipp – diesmal aus dem Vertrieb selbst. Jan Sieveking, der den Deutschlandvertrieb von Audia Flight betreut, schlägt vor, sich vor allem ältere analog produzierte SACDs vorzunehmen. Also solche, bei denen das Quellmaterial schon auf Band richtig gut war. Ich stutze erst – mit aktuellen Klassik-SACDs bin ich gut bestückt: BIS, Chandos, das Übliche. Aber dann finde ich in meiner Sammlung zwei Scheiben, die ich fast vergessen hatte: Elvis Presleys Hawaii-Filmmusik und Still Bill von Bill Withers – beide erschienen bei Mobile Fidelity Sound Lab. Und was dann passiert, ist eine kleine Zeitreise. Vor allem bei Elvis steht auf einmal ein Klang im Raum, der mich schlagartig in meine Kindheit katapultiert. So klangen die Tonbandaufnahmen, mit denen mein Vater Ende der Sechziger das Wohnzimmer beschallte. Der Raum, die Stimme, das Bandgefühl – alles da. Ich erzähle Sieveking davon. „Exakt das hatte ich erwartet“, sagt er nur. Und ja: SACD hat tatsächlich diesen Tonband-Touch – wenn das Quellmaterial stimmt. Und Bill Withers? Klingt, als hätte man eine makellose Vinyl-Erstpressung in digitaler Form vor sich – aber ohne das Knacken, ohne das Rauschen, ohne die Nebengeräusche, die man irgendwann doch leid ist. Warm, klar, voll. Einfach Musik.
Der FLS20 ist kein Showmaster – und das ist sein größter Vorteil. Keine inszenierte Opulenz, kein Bling-Bling. Stattdessen Sorgfalt, Substanz und ein technisches Konzept, das an den richtigen Stellen ansetzt: Stromversorgung, Laufwerksberuhigung, Aufbauklarheit. Audia Flight hat hier kein Gerät für den Massenmarkt gebaut, sondern eines für Hörerinnen und Hörer, die genauer hinschauen – und vor allem genauer hinhören. Wer SACD heute noch hört – und das ganz bewusst –, erwartet mehr als Komfort. Es geht um Tiefe, um Materialtreue, um die Möglichkeit, klangliche Unterschiede nicht nur zu ahnen, sondern tatsächlich zu erleben. Der FLS20 liefert genau das. Er zeigt, was auf der Disc steckt – und zwar ohne es zu überzeichnen. Ob bei audiophilen Klassikproduktionen, bei alten analogen Schätzen oder sogar bei gut gemasterten CDs: Der Player arbeitet mit, aber er spielt sich nicht in den Vordergrund. Er klingt nicht beliebig, nicht glattgebügelt, nicht aufpoliert, sondern nach dem, was ist.
Und das ist am Ende vielleicht die größte Qualität dieses Geräts: Es macht aus Musik wieder eine konkrete Erfahrung – räumlich, greifbar, verlässlich.
Info
SACD/CD-Player Audia Flight FLS20
Konzept: Toplader-SACD- & CD-Player
Ausgänge analog: 1 x XLR (symmetrisch), 1 x RCA (unsymmetrisch)
Eingänge digital: 1 x Toslink, 1 x AES/EBU, 1 x S/PDIF, 1 x USB
Ausgänge digital: 1 x Toslink, 1 x AES/EBU, 1 x S/PDIF, 1 x I2S
Frequenzbereich CD/SACD (±0,5 dB): 2 Hz bis 20 kHz/2 Hz bis 50 kHz
Harmonische Verzerrung (THD) + Rauschen: 0,002 %
Signal-Rausch-Abstand: 110 dB
Ausgangspegel: fix oder variabel
Maximale Ausgangsspannung: 2,5 V
Ausgangsimpedanz: 240 Ω
Stromverbrauch Betrieb/Standby: max. 180 W/< 1 W
Wandler: 2 x Sabre ES9038PRO 32-Bit-DAC
Taktgeber: Crystek CCHD-950 (Ultra-Low-Noise)
Laufwerk: schwimmend gelagert
CD-Puck: Carbon und Aluminium mit Elastomerschicht
Optional: Audia-Flight-Streamingmodul (demnächst erhältlich)
Gehäuse: Aluminium
Ausführung: Silber oder Schwarz
Maße (B/H/T): 45/13/36 cm
Gewicht: 21 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 17 900 €
Kontakt
Sieveking Sound
Plantage 20
28215 Bremen
Telefon +49 421 6848930
kontakt@sieveking-sound.de













