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Audio GE Teddy

Audio GE Teddy Classic

Musst mich liebhaben

Audio GE Teddy Classic

Kennen Sie die Audio GE Teddy? Nein? Das sollten wir schnellstmöglich ändern. Hinter dem knuddeligen Namen verbirgt sich ein geradezu verboten musikalischer Standlautsprecher – mit einfachen, dafür wohldosierten und abgestimmten Zutaten, die eine weitere Stärke hervorbringen: einen extrem verführerischen Preis.

Audio GE Teddy

In aller Kürze:
Audio GE schnürt mit der Teddy ein herausragendes, über Jahrzehnte gewachsenes Komplettpaket aus Präzision und tonaler Richtigkeit – zu einem Preis, der eigentlich verboten gehörte …

Audio GE Teddy


Drehen wir die Uhr um ein Jahr zurück. Thorsten Fennel vom Vertrieb The Orange Audio – er importiert unter anderem die Lautsprecher von Albedo – stupste mich auf einen hierzulande völlig unbekannten Hersteller, mit dem er damals noch „locker im Gespräch“ war. Ich sollte mir die Teddy bei meinem Besuch auf der Audio Video Show in Warschau unbedingt mal ansehen und – noch viel wichtiger – anhören. Doch wie das so ist: Auf der Riesenshow gab es 1001 Dinge zu entdecken, und ich vergaß sein Anliegen. Abends, als wir in gemütlicher Runde in der Hotelbar über die Erlebnisse des Tages plauderten, zeigte ich den Kollegen ein Foto von einer Kette mit mir völlig fremden Zutaten, die mich schier umgehauen hat. Sie ahnen natürlich den nicht sonderlich überraschenden Twist …

Audio GE Teddy
Da steht sie in ihrer ganzen Pracht. Teddy Classic misst lediglich 90 Zentimeter in der Höhe, wirkt durch ihren Formfaktor jedoch vergleichsweise „raumfassend“. In unserem Hörraum (um 42 m2) fiel die Standbox trotzdem nicht sonderlich auf. Akustisch hatte sie das Zimmer allerdings vollständig im Griff.

Es war eine jener (leider viel zu seltenen) Begebenheiten, bei denen man auf dem Weg von A nach B durch die Flure einer Hotelmesse eilt und plötzlich einen „Sound“ vernimmt, der einen wie ein Hochleistungssauger ins Zimmer zieht. In dem Raum spielte eine hüfthohe Standbox mit wundervollem Furnier, die von einem Rada Valkyrie 36 angetrieben wurde. Falls Ihnen das nichts sagt: Es handelt sich um einen bezahlbaren integrierten Röhrenverstärker, der wie die Teddy aus Litauen stammt. Das kleine Gespann streamte gerade einen Titel von Dead Can Dance („The Carnival Is Over“, Into The Labyrinth) und hatte den vielleicht 16 Quadratmeter messenden Raum dermaßen gut im Griff, dass man beim Betreten sprichwörtlich in die Musik eintauchte. Was mir neben der großen Abbildung und der Musikalität des Gespanns sofort auffiel, war die unglaublich breite, zugleich aber gestochen scharfe und geradezu befremdlich fokussierte Bühnenabbildung des Lautsprechers. Und so kam es, dass ich eine Anlage für knapp 5000 Euro zu meinem persönlichen Showhighlight küren durfte – was heute nicht mehr oft vorkommt.

Sie können sich vorstellen, dass eine derartige Vorgeschichte meine Erwartungen an die Audio GE Teddy ins Unermessliche trieb. Entsprechend aufgeregt zupfte ich die Standboxen aus ihren Kartons, als sie vor einigen Wochen in der Redaktion eintrafen. Dabei erlebte ich gleich eine erste Überraschung: Die Teddy kam mir derart leicht vor, dass ich sie allein und ohne größere Mühe oder gar technische Hilfsmittel in den Hörraum trug. Später stellte sich heraus, dass einer der Lautsprecher immerhin 18 Kilogramm wiegt. Durch ihren dankbaren Formfaktor und die riesige Reflexöffnung am Gehäuseboden lässt sich die Teddy aber derart gut greifen, dass sie sich wie eine Feder anfühlt.

Audio GE Teddy
Ein Grund für ihren dezenten Auftritt könnten die stilvollen Furniere sein, in denen der Lautsprecher angeboten wird. Unsere Variante zählt zu den helleren Optionen. Das Terminal ist in zeitgenössischem „Single Wire“ ausgeführt – einfach und doch die optimale Lösung.

Die zweite Überraschung war weniger prickelnd: Weil er gerade griffbereit und betriebswarm war, schloss ich die Audio GE an Aaviks hervorragenden I-580 an. Das Gespann musizierte allerdings derart müde und bassbefreit, dass ich zunächst an einen technischen Defekt dachte. Ein Blick aufs Terminal der Teddys klärte die Situation: Es handelt sich um Acht-Ohm-Lautsprecher – und damit scheint der Aavik nicht wirklich gut klarzukommen. Ein Workaround war schnell gefunden: Im Rack, direkt neben dem 580, parkte zufälligerweise der Line Magnetic LM-88IA (Test in FIDELITY Nr.°69) mit dedizierten Acht-Ohm-Abgriffen. Der Röhren-Integrierte war kaum eingeschaltet, da wiederholte sich bereits das Aha-Erlebnis von der Warschauer Messe. Die Teddy füllte unseren Hörraum schlagartig mit voller Bandbreite und marschierte dermaßen nach vorn, dass wir sie am liebsten festgebunden hätten.

Zeit für einen kurzen Ausflug nach Litauen. Hinter den Produkten (oder besser: dem Produkt) von Audio GE steht ein Herr namens Gediminas Racevicus. Der studierte Elektroingenieur ist familiär vorbelastet: Sein Vater war Komponist, professioneller Pianist und leitete als Tontechniker die Studios der nationalen TV- und Radio-Sendeanstalten. Schon in frühester Jugend landete Racevicus daher beinahe wöchentlich in Ballet- und Opernaufführungen. Oder anders gesagt: Der Klang einer großen Bühne wurde ihm in die Wiege gelegt. Entsprechend knifflig fand er es trotz seines akademischen Hintergrunds und moderner Simulationsmöglichkeiten, einem Lautsprecher den „richtigen Klang“ beziehungsweise eine authentische Bühnenabbildung beizubringen.

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Die Treiber sind erlesener Standard: Der 26 cm durchmessende Tiefmitteltöner (links) stammt von ScanSpeak …

Es handelt sich also im Grunde genommen um ein Hobbyprojekt, das Racevicus im Verlauf von stattlichen 20 Jahren zu einem immer ausgereifteren Produkt formte. Er entschied sich für eine Zweiwege-Konstruktion mit Treibern von ScanSpeak, deren Übergangsfrequenz sich dank weniger Bauteile vergleichsweise gut beherrschen lässt. Die beiden Treiber und seine Acht-Ohm-Weiche montierte er in immer wieder neue, zunehmend ausgefeilte Gehäusekonstruktionen. Man sieht es der Teddy nicht an, doch wird sie im Inneren von einem schräg eingesetzten Holzpaneel in zwei Sektionen gegliedert. Das dient allerdings weder zur akustischen Trennung der Wege oder zur Versteifung des Gehäuses (was freilich dennoch der Fall ist), sondern ist Teil einer „Quasi-Transmissionline“, wie mich Thorsten Fennel vom Orange-Audio-Vertrieb aufklärte. Natürlich gibt es keine „halbe“ Transmissionline, doch ist die an einer Seite offene Trennwand auf Geometrie und Volumen des Lautsprechers abgestimmt. Und das bewirkt eine Arbeitsweise der erstaunlich großen, nach unten abstrahlenden Bassreflexöffnung, die mit einer „TLine“ vergleichbar ist. Das Ergebnis sind markerschütternde, aberwitzig schnelle und vor einen rabenschwarzen Hintergrund gezeichnete 33 Hertz untere Grenzfrequenz.

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… die 2,5-cm-Hochtonkalotte wird von Jentzen zugeliefert.

Der Rest der Konstruktion darf als Antithese zum immer größeren Aufwand in der Lautsprecherkonstruktion gelten. Die 26-Zentimeter-Papiermembran für Bass und Mitten teilt sich ein Innenvolumen mit dem 2,5-Zentimeter-Seidenhochtöner. Wie ein Klopftest bestätigt, sind Dämmung und Dämpfung im Gehäuseinneren bestenfalls rudimentär. Die Teddy steht auf je vier Füßen, die biestig spitz zulaufen. Das leitet Schwingungen effektiv ab, dürfte einem Parkettboden aber ziemlich zusetzen. Das Terminal ist mit hochwertigen LS-Klemmen realisiert. Das einzige Feature, das es sonst zu erwähnen gilt, sind die wundervollen Echtholzfurniere von Mittel- bis Dunkelbraun, in denen die Teddy angeboten wird. So simpel kann die Rezeptur für einen fantastischen Lautsprecher sein, wenn alles da sitzt, wo es hingehört.

Audio GE Teddy
Entwickler Gediminas Racevicus legte sich bereits früh auf diese Treiberkombination fest und gestaltete seine Frequenzweiche und vor allem das Gehäuse um die Chassis herum.

Ein Wort noch zur Produktpolitik von Audio GE: Grundsätzlich bietet der Hersteller nur einen Lautsprecher an, den neuerdings aber in mehreren Ausführungen. Wir sprechen hier und heute ausschließlich über die Teddy Classic für knapp 3000 Euro/Paar. Auf vielfachen Wunsch von Händlern und Vertrieben tastete sich Gediminas Racevicus an eine Luxusversion der Box heran, stattete sie mit highendigen Treibern aus und noblen, handselektierten Weichenbauteilen. Da Einzelteile und vor allem die Selektion und Abstimmung von Hand mühselig sind, ist die Teddy Gold nicht nur einfach etwas kostspieliger, sondern kostet mit 9000 Euro das Dreifache des Originals. Aussagen zum Klanggewinn kann ich nicht treffen, da mir bislang noch keine Teddy Gold in freier Wildbahn begegnet ist. Dazwischen konstruierte der Ingenieur ein weiteres Modell namens Teddy Silver, das sich technisch an der Gold orientiert, dessen Gehäuse und Bassmembran aber merklich schmaler bzw. kleiner ausfallen – auch das eine Wunschbestellung der Vertriebspartner, da nicht jeder Kunde die vergleichsweise bullige Classic aufstellen kann. Der Preis: rund 7000 Euro. Ich ließ mich durch die gewachsene Auswahl nicht beirren, wollte genau den Lautsprecher im Hörraum haben, der mich in Warschau so faszinierte.

Audio GE Teddy
Hier nochmal ein Blick aufs Terminal. „Handmade“ ist in dieser Preisklasse eine Ansage – die Lautsprecher werden übrigens in ebenfalls handgefertigten Holzkisten geliefert.

Also zurück nach Ismaning. Eine Woche habe ich dem Gespann zum Warmspielen, Akklimatisieren und „Eingrooven“ gegeben – das gehört bei einem fundierten Test einfach dazu. Und doch muss ich sagen, dass die Teddy ihre Form am Line Magnetic bereits nach zehn Minuten gefunden hatte. Bei glühenden 36 Grad Außentemperatur benötigen Verstärker und Membranen offenbar nicht viel Zeit, um warmzulaufen und geschmeidig zu werden. Abgesehen von der musikalisch packenden, zugleich unglaublich schlüssigen Spielweise der Kette (der Experte würde von Phasenrichtigkeit sprechen) packte mich auch in unserem Hörraum die extreme Bühnenabbildung der Anlage. Und ich meine damit wirklich: extrem!

Ein Beispiel, an dem sich dieser Eindruck solide illustrieren lässt, ist Chelsea Wolfes „Crazy Love“, das man auf dem Album Abyss finden kann. Die gedoppelten, schön breit im Panorama verteilten Akustikgitarren werden von der Teddy wie eine Wand aufgefächert. Fast erscheint es, als spanne sich die Bühne über einen lückenlosen Halbkreis auf. Die Stimme steht mit ihrem eigenartig kalten, leicht blechernen Hall im Zentrum, und zwar derart fokussiert, konzentriert und im Größenbezug so natürlich, dass man sie kaum mit der „Wall of Sound“ der Gitarren in Bezug setzen mag. Die meisten anderen Lautsprecher – selbst merklich kostspieligere – bekommen nur eins von beidem wirklich gut hin. Auch hinsichtlich Feindynamik und Klangabstimmung gibt sich die Teddy keine Blöße: Fein und transparent offenbart sie alle Details von Wolfes geisterhaftem Gitarrenspiel, reproduziert breitbandig und ohne jede Färbung. Die Stimme wird klar und durchsichtig abgebildet, wirkt (die Aufnahme will es so) kalt und hell, ohne aber zu schneiden oder zu beißen.

Audio GE Teddy
Kluge Platzierung: Die Bassreflexöffnung ist in Downfire-Anordnung untergebracht. So kann man die voluminös spielende Teddy vergleichsweise nah an der Wand platzieren. Die innere Abstimmung des Rohrs liegt an der Grenze zur Transmissionline … eine Trennwand im Gehäuse sorgt für eine geometrisch abgestimmte Schallführung.

Ein reiner Selbstläufer ist die Teddy allerdings auch nicht: Wie üblich (und weil es im Hörraum geht) gönnten wir der kleinen Standbox reichlich Wandabstand. Wenigstens 1,5 Meter in jede Richtung. Der Bass entfaltet so seine maximale Straffheit und Präzision. Das dürfte allerdings in den wenigsten Wohnzimmern und Hörräumen funktionieren. Dank Downfire-Reflexrohr kann man die Audio GE mit gutem Gewissen näher an die Wände rücken. Der Tiefton wird dadurch erwartungsgemäß etwas fülliger, verliert aber nur unmerklich an Feinzeichnung. Bei etwa 30 bis 40 Zentimeter ist das Maß dann aber voll, da nun auch die breite Bühne zu kollabieren beginnt. Auch von einer Positionierung zu weit in den Zimmerecken sollte man absehen. In die entgegengesetzte Richtung geht es jedoch: Da wir über eine hochpräzise Zweiwege-Box sprechen, lässt sich die Teddy durch Variieren der Basisbreite und Einwinkelung fast monitorhaft nah am Hörplatz „in Form“ bringen. Alles in allem also ein Schallwandler, mit dem gearbeitet werden sollte und der jedes bisschen Mühe und Sorgfalt beim Aufstellen mit mehr Präzision und Abbildungsschärfe dankt.

Audio GE Teddy
Hier sehen Sie – autsch! – ein Close-up der mitgelieferten Spikes. Die Stacheln machen die Basswiedergabe merklich „agiler“, Parkettliebhaber sollten aber einen Satz Bodenschoner einplanen.

Und zum Schluss noch ein unterstreichendes Wort zur Verstärkung. Natürlich haben wir uns mit der Röhre nicht zufriedengegeben. Weil sie gerade im Hörraum weilte, spielte die Teddy eine Zeitlang an Electrocompaniets wuchtiger AW 800. Sicher ist die exklusive Endstufe nicht der natürliche Spielpartner der günstigen Litauerin. Doch ich muss der Audio GE Teddy attestieren, dass sie den Qualitäten der Norwegerin durchaus gerecht wurde. Und auch die Teddy profitierte: Die vollständigen Qualitäten, die ihre ScanSpeak-Treiber beim Timing und der „Knorrigkeit“ im Tiefton besitzen, wurden uns erst in dieser Kombination bewusst. Kurzum: Dieser Lautsprecher ist zu Höherem geboren.

Audio GE Teddy

Info

Lautsprecher Audio GE Teddy Classic

Konzept: 2-Wege-Standlautsprecher mit „Quasi-Transmis­sionline“
Bestückung: 2,5-cm-Seidenhochtöner von Jentzen, 26-cm-Papiermembran für Tiefmittelton
Frequenzgang: 33 Hz bis 26 kHz
Wirkungsgrad (2,83 V/1 m): 89 dB
Impedanz: 8 Ω
Empfohlene Leistung: 120 W
Gehäusekonstruktion: Bassreflex bzw. „Beinahe-TLine“ mit Downfiring-Anordnung
Maße (B/H/T): 34/90/38 cm
Gewicht: 19 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpeis: um 3000 €

Kontakt

Fulda HiFi
Thorsten Fennel
Heinrichstraße 12
36037 Fulda

www.teddy.audio

Mitspieler

CD-Player: Audio Note CD 3.1x/II, Ayon CD-3sx
Netzwerkplayer/DAC: Aavik S-580 und D-580, Lumin X1, Cambridge Audio CX-N V2
Vollverstärker: Aavik I-580, Line Magnetic LM-88IA
Lautsprecher: Wilson Audio Sasha DAW, Audio Physic Spark, Epos ES14N
Verkabelung: WestminsterLab, AudioQuest
Racks: Finite Elemente, Solidsteel

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.