Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm

Bergmann Magne Plattenspieler – tangential genial

Schallplatten tangential abzutasten ist mitunter ein schwieriges Unterfangen.

Bergmann Magne – Tangential genial

Schallplatten tangential abzutasten ist mitunter ein schwieriges Unterfangen. Der dänische Hersteller Bergmann zeigt, dass es so einfach wie elegant geht.

Fotografie: Ingo Schulz

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Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm

Tonarme, die den Abnehmer tangential über eine Schallplattenseite bewegen, gelten als der Königsweg. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Lack- oder Kupferfolien, die bei der Herstellung analoger Schallplatten den Ausgangspunkt darstellen, in der Schneidemaschine ebenfalls tangential geschnitten werden. Das vermeidet Spurfehlwinkel und Abtastverzerrungen. Die Schwierigkeit besteht bei Tangentialtonarmen jedoch darin, dass sie möglichst reibungsfrei auf einer geraden Linie bewegt werden müssen, ohne eine nennenswerte zusätzliche Kraftkomponente auf die Rillenflanken der Schallplatte auszuüben.

Der Däne Johnnie Bergmann Rasmussen ist sicher nicht der Erste, der auf die Idee kam, einen kontinuierlichen Luftstrom, der aus kleinen Düsen einer hohlen Röhre entweicht, als Gleitlager zu verwenden. Trotzdem ist es nicht übertrieben zu sagen, dass er seit 2008 die elegantesten Lösungen für diese Konstruktion anbietet. Das derzeit preiswerteste Komplettpaket aus Dänemark besteht aus seinem Magne-Laufwerk samt dem dazugehörigen Tonarm. Als mir dieser für einen Test angeboten wurde, beschlichen mich zunächst gemischte Gefühle. Einerseits freute ich mich darauf, endlich einen Bergmann – für mich definitiv einer der schönsten Plattenspieler – hören zu dürfen. Andererseits habe ich bisher noch nie einen luftgelagerten Tangentialtonarm in Betrieb genommen. Und von Kollegen weiß ich, dass Vertreter dieser Tonarmgattung mitunter echte Mimosen sein können.

Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm

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Einfacher Aufbau

Wie sich schnell herausstellt, ist diese Sorge vollkommen unbegründet. Das liegt zum einen an der ausführlichen, leider nur in Englisch vorhandenen Bedienungsanleitung, sowie an den wirklich logisch nachvollziehbaren Schritten, die bis zum Erklingen des ersten Tons durchgeführt werden müssen. Als Erstes gilt es – wie bei jedem anderen Laufwerk auch – einen möglichst waagerechten und stabilen Aufstellungsort zu finden. Die drei höhenverstellbaren Standfüße des Bergmann Magne sind sehr hilfreich: Sollte sich die Stellfläche als uneben erweisen, hat man den Magne trotzdem flott „ins Wasser gestellt“. Nach Einfüllen der vorgeschriebenen Menge Lageröl setzt man den Subteller ein. Bei diesem fällt sofort auf, dass der Lagerdorn auffällig kurz ist und keine – wie auch immer geartete – Spitze besitzt. Das braucht er auch nicht, da der Teller im Betrieb von einem kaum merklichen Luftstrom nach oben gedrückt wird, sodass das Lager nur die Seitenkräfte aufnehmen muss. Die erforderliche Druckluft wird von einem mitgelieferten, recht großen Kasten erzeugt und durch einen transparenten Luftschlauch in die Rückseite des Laufwerks gepumpt. Im Inneren verteilt sich der Luftstrom auf das Lager und auf den Tonarm. Den Luftdurchsatz kann man getrennt sowohl für den Tonarm als auch für das Tellerlager regulieren. Man sollte sich aber gut überlegen, ob man an diesen Einstellungen etwas ändert. Johnnie Bergmann Rasmussen stellt diese Luftströme vor Auslieferung seiner Plattenspieler penibel auf die optimalen Werte ein.

Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm

Versteckte Technik

Im Inneren des von oben betrachtet beinahe quadratischen Laufwerksgehäuses verbirgt sich eine Menge Technik. Hier befindet sich unter anderem eine elektronische Motorsteuerung, die den Gleichstrommotor kontrolliert. Die Bedienelemente liegen rechts vorne am Gehäuse und sind genauso unspektakulär in das Chassis integriert wie die beiden dezent leuchtenden Dioden, die die gewählte Geschwindigkeit anzeigen: 33 und 45 Umdrehungen stehen zur Verfügung. Mithilfe zweier weiterer Taster und einer Stroboskopscheibe, die nicht im Lieferumfang enthalten ist, lässt sich die Geschwindigkeit feinjustieren. Dass sich Bergmann zumindest ein wenig an den Ideen von Tom Fletcher – dem Gründer von Nottingham Analogue – orientiert und bewusst einen relativ schwachen Motor ausgewählt hat, erkennt man daran, dass der Motor etwa eine halbe Minute benötigt, um den 6 Kilogramm schweren Teller in Schwung zu bringen. Dieser kommt ohne Plattentellermatte aus. Den nötigen „Grip“ zur Schallplatte besorgt ein mitgeliefertes Plattentellergewicht. Dass der Magne ein in jeder Hinsicht durchdachtes Laufwerk ist, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er aufstellungsunkritisch ist. Jedenfalls fühlte er sich auf meinem Beistelltisch aus massivem Holz hörbar wohl und verlangte nicht nach weiteren Trittschall-isolierenden Maßnahmen.

Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm

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Doch der eigentlich Star des Bergmann Magne ist natürlich der Tonarm, der durch denselben Kompressor wie das Laufwerk versorgt wird. Der ist zwar nicht völlig unhörbar, aber doch so leise, dass man ihn durchaus – wie auch hier – unter das Laufwerk stellen kann. Gleichwohl werden Perfektionisten ihn natürlich so weit wie möglich vom Hörplatz entfernt platzieren wollen. Bergmanns Tonarm ist ausgesprochen leicht einzustellen. Der Abnehmer wird in die beiden Halbzollbohrungen an der Headshell geschraubt. Die Justage des Überhangs erfolgt durch Verschieben des Tonarms in seiner Basis. Dazu müssen nur zwei Inbusschrauben gelöst und anschließend wieder angezogen werden. Die Einstellung der Auflagekraft erfolgt über das Gegengewicht, das mittels Silikondämpfer entkoppelt ist und auf dem recht langen Tonarmende aufsitzt. Auch das geht erstaunlich feinfühlig und trotzdem so flink wie die Justage der Tonarmhöhe. Es ist die reinste Freude, mit diesem Tonarm zu arbeiten. Heikel sind allein die sehr dünnen Kabel aus hochreinem Kupfer, die sehr schnell abreißen können. Sie sind zwar nicht fest mit dem Tonarmrohr verbunden – haben also „Spiel“ –, aber eben doch sehr dünn. Hier ist also etwas Fingerspitzengefühl erforderlich, möchte man sich nicht mit dem Anlöten neuer Kabelschuhe vergnügen.

Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm

Hausaufgaben gemacht

Leider konnte ich aus Zeitgründen nur das Zusammenspiel mit dem Ortofon Quintet Black ausprobieren. Das allerdings in voller Ausführlichkeit. Die routinemäßig durchgeführten Abtast- und Resonanztests bestätigen Bergmanns Tonarm hohe Qualität. Das Ortofon erreicht bei einer Auflagekraft von 23 Millinewton mühelos 70 µm Tiefenabtastfähigkeit. Der Resonanztest ergab kaum nennenswerte Amplituden, sodass ich keine spezifische Resonanzfrequenz ermitteln konnte. Bergmann gibt eine effektive Masse von 11 Gramm an, die den Tonarm als mittelschweren Vertreter seiner Art ausweisen. Er sollte also mit der Mehrzahl aller am Markt verfügbaren Tonabnehmer zusammenarbeiten können. Wie unkritisch dieser Tonarm in der Praxis ist, zeigt ebenfalls ein nicht ganz fairer Versuch: Ich habe seit Ewigkeiten die originale Filmmusik zu Superman – The Movie im Plattenregal, die nicht nur deutlich verwellt, sondern deren Mittelloch auch noch azentrisch gebohrt ist. Der Tonarm muss gehörig „arbeiten“, wenn er den Tonabnehmer unter Kontrolle halten will. Nicht selten kommt es vor, dass ungünstige Tonarm-System-Kombinationen hüpfen oder zumindest ein deutliches Jaulen zu vernehmen ist. Nichts dergleichen beim Bergmann! Der Tonarm gleitet praktisch schwerelos auf seinem Luftpolster hin und her und rauf und runter. Dabei kann man weder deutliche Bewegungen des Nadelträgers beobachten noch andere Störungen des Abtastprozesses hören – eine ganz und gar außergewöhnliche feinmechanische Glanzleistung.

Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm

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Weltklasseklang

Natürlich sagen derartige Experimente nicht viel über die klanglichen Eigenschaften einer Komponente aus. Sie geben allerdings Hinweise darauf, ob ein Hersteller seine Hausaufgaben gemacht hat. Und das trifft auf das Komplettpaket Bergmann Magne vollumfänglich zu. Da ich sowieso gerade in der Sparte Filmmusik unterwegs bin, geht es gleich weiter mit dem mehrfach oscarprämierten Komponisten John Williams. Star Wars – The Return Of The Jedi wird mit enormer Vehemenz und Autorität in Szene gesetzt. Die Raumdarstellung ist nicht nur groß, sie ist geradezu riesig und wirkt dabei dennoch glaubwürdig. Feinste Nuancen und Schattierungen, die bei diesem akustischen Spektakel gerne untergehen, werden so naturgetreu wie selbstverständlich in das Klanggemälde eingefügt.

Wenn großorchestrale Musik so gut wiedergegeben wird, dann weiß ich aus Erfahrung, dass auch kleinere Besetzungen, egal welcher Musikrichtung, mindestens genauso gut reproduziert werden. Als Beispiel mögen zwei Stücke von Kill Bill, Vol. 1 dienen. Die Darstellung der hörspielartigen Szene, in der O-Ren Ishii den versammelten Unterweltbossen nachdrücklich klarmacht, wer ab sofort bei den Yakuzas das Sagen hat, wird derart authentisch präsentiert, dass man unwillkürlich zusammenzuckt, wenn der abgeschlagene Kopf eines in Ungnade gefallenen Mitglieds auf den Tisch des Konferenzraumes knallt. Im Nachgang interpretiert der US-amerikanische Rapper RZA Ode To O-Ren Ishii mit einer derart direkten Rotzigkeit, dass mir nur ein Wort in den Sinn kommt: Masterbandqualität.

Ebenso beeindruckend wie beängstigend gelingt die Interpretation des Soundtracks zu Der Name der Rose von James Horner. Die bedrückende Atmosphäre in diesem Mittelalterkrimi wird von Anfang an mit einer Mischung aus Synthesizerklängen, mittelalterlichen Instrumenten und gregorianischen Gesängen kongenial musikalisch untermalt. Der Bergmann ruft bei mir sofort die Bilder des 1986 erschienenen Films hervor, sodass während des Hörens der Musik die beklemmende Stimmung dieses Films aufs Neue entsteht.

Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm

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Anstatt noch weitere überaus anregende Musikerlebnisse aufzuzählen, sage ich es lieber frei heraus: Der Magne mag zwar „nur“ das Einsteigerprodukt aus dem Hause Bergmann sein. Tatsächlich ist er nichts weniger als ein absoluter Weltklasseplattenspieler, dessen Design, Technik und vor allem auch dessen Klang ganz Preisklassen-unabhängig keinen Vergleich zu scheuen braucht.

Wir meinen

Eleganter Weltklasse-Plattenspieler mit luftgelagertem Tellerlager und Tangentialtonarm, dessen Design und Technik ebenso überzeugen wie sein Klang.

Bergmann Magne Plattenspieler mit luftgelagertem Plattenteller und Tangentialtonarm Navigator

 

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Info

Plattenspieler | Bergmann Magne
Funktionsprinzip (Laufwerk): mittelschweres Masselaufwerk mit Riemenantrieb
Besonderheiten: luftgelagertes Tellerlager, Plattenbeschwerer
Umdrehungsgeschwindigkeiten: 33 und 45 U/min
Gewicht Teller (inklusive Subteller): 6 kg
Gesamtgewicht (inklusive Tonarm): 18,5 kg
Maße (B/H/T): 50/17/45 cm
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: ab 9350 €

Kompressor
Gewicht: 5,4 kg | Maße: 19/18/30 cm

Tonarm
Funktionsprinzip: luftgelagerter Tangentialtonarm
Besonderheiten: fest installiertes Tonarmkabel, Anschlussbuchsen (Cinch, XLR, DIN) wählbar
Effektive Masse: 11 g (mittelschwer)
Zulässiges Tonabnehmergewicht: keine Angabe
Garantiezeit: 2 Jahre

Kontakt

WOD Audio
Westendstraße 1a
61130 Nidderau
Telefon +49 6187 900077

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www.wodaudio.com

www.bergmannaudio.com

 

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Mitspieler

Plattenspieler: Technics SL-120MK2, Technics SL-1200MK2
Tonarme: SME Series V, Technics EPA-120
Headshells: Audio Technica MG-10, Audio Technica MS-8, Technics
Tonabnehmer: Audio Technica AT-20SLa, Audio Technica AT-OC9/III, Dynavector DV-17DX (Karat), Goldring G-2200, Ortofon Concorde 30, Ortofon Quintet Black
Phonovorverstärker: Musical Fidelity MX-VYNL
Vorverstärker: Bryston BPS-25MC
Kopfhörer: Sony MDR-1 RNC
Aktivlautsprecher: Neumann KH 310 A

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