Bricasti Design M3

Bricasti Design M3 D/A-Wandler

Downsized? Really?

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Bricasti Design M3 – Downsized? Really?

Alles eine Frage des Standpunktes. Was für Bricasti ein Downsizing ist, käme für die meisten anderen Hersteller einer Bezwingung des Mount Everest gleich. Ist damit jetzt schon alles verraten? Ja und nein … also: der Reihe nach.

Bricasti Design M3

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In aller Kürze

Der Bricasti M3 spielt mit jeder digitalen Quelle und treibt jedes nachfolgende Gerät an. Die Qualität ist in allen Bereichen schlichtweg großartig, weshalb man ihn fast als günstig bezeichnen könnte. Preis um 5850 € (optional: Fernbedienung um 600 €, Kopfhörerverstärkung um 600 €, Netzwerkeinbindung um 1300 €)

Bricasti Design M3 Navigator


Der Name „Bricasti Design“ ist in Deutschland nur eingefleischten Tonschaffenden ein Begriff. Und auch von denen hat die Mehrheit eher von Bricasti gehört, als mal eine der Maschinen gesehen, geschweige denn bedient zu haben. Ihren Anfang nimmt diese Geschichte bei einem Studiostandard, der zum Synonym einer Gerätegattung wurde. Wohl keine anderen digitalen Hallprozessoren haben die Studios dieser Welt so dominiert wie Lexicons 480L und 960L. Beides zu ihrer Zeit sündhaft teure Geräte, deren weißblaue Tischfernbedienung (das eigentliche Gerät steckte in einem 19-Zoll-Gehäuse) auf dem Mischpult ein eindeutiges Zeugnis vom Erfolg des Studios ablegte. Neben einem Pult von SSL oder Neve war dieses Outboard wichtigstes Statussymbol der Tonregie. Und zugleich klangliches Gold. Denn zuvor war es keinem Hersteller gelungen, einen Hall zu schaffen, der zuverlässig in dieser Qualität arbeitete. Entweder drückte der Effekt jedem Klang einen allzu typischen Stempel auf, was manchmal gewünscht, mindestens ebenso oft allerdings extrem störend ist. Denn in den meisten Fällen wünscht man sich einfach nur eine Öffnung des Raumes unter Beibehaltung sämtlicher Klangparameter. Oder es lag an der Hallfahne – kein anderer Hall vor Lexicon schaffte es, eine so feine, zum Ende hin nicht „zerbröselnde“ Hallfahne zu produzieren. Auch wenn das meist in einem so leisen Bereich passiert, dass wir ihn nicht mehr aktiv wahrnehmen, wirkt es sich dennoch auf unser Empfinden der Musik aus. Man kann nicht sagen, wo der Fehler liegt, spürt aber, dass etwas nicht stimmt.

Bricasti Design M3
In der Vollausstattung ist der M3 nicht nur ein superber DAC und Gelegenheits-Netzwerkspieler, sondern besitzt auch einen symmetrischen Kopfhörerverstärker der Oberklasse. Er empfiehlt sich damit als „die eine“ Komponente in der Anlage, die „alles Digitale“ abdeckt.

Warum müssen Sie jetzt so viel über Lexicon-Hallgeräte lesen, wo es hier doch um einen Digital-Analog-Wandler gehen soll? Diese Frage ist einfach beantwortet: Die beiden Bricasti-Gründer Brian Zolner und Casey Dowdell arbeiteten lange Zeit als die maßgeblichen Entwickler dieser Studiopreziosen bei Lexicon, ehe sie sich im Jahre 2004 auf eigene Füße stellten. Damit dürften sie eine Kompetenz im Bereich der digitalen und analogen Audioelektronik bewiesen haben, die man in der HiFi-Welt nur selten antrifft.

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Während das Design deutlich Anleihen bei früheren Mark-Levinson-Geräten macht (ML gehört wie Lexicon zum Harman-Konzern), geht man im Innern deutlich eigene Wege. Die Packungsdichte des M3-Wandlers ist – auch seinen kompakten Maßen geschuldet – enorm: getrennte Linearnetzteile für analoge und digitale Sektionen, sogar kanalgetrennte Versorgung für die beiden Ausgangsstufen, eine komplett diskret aufgebaute Lautstärkeregelung. Die Wandlung übernehmen bestens beleumundete Analog-Devices-Chips (AD1955), sämtliche Digitalfilter wurden laut Bricasti – einer der wenigen Hersteller, denen man das auch unbesehen glauben mag – vollständig selbst programmiert.

Bricasti Design M3
Vier Digitaleingänge, Netzwerk und die hochwertigen RCA- und XLR-Abgriffe. Alles, was das Herz begehrt. Der runde „Pinöpel“ links von der LAN-Buchse ist ein „Circuit Breaker“, besser bekannt als Reset-Taster.

An der Bedienung des M3 könnte allerdings noch etwas gefeilt werden, wurden doch einige Studiostandards auf ein Gerät für den Consumer-Markt übertragen, die sich hier als nicht sonderlich sinnvoll erweisen. Wie bei Studiohardware üblich, wählt man Funktionen über Taster aus und ändert die Parameter dann mittels Drehencoder. In diesem Fall wäre es allerdings einfacher, wenn man sich durch mehrfaches Drücken der „Input“-Taste einfach durch die verschiedenen Eingänge klicken könnte. Zudem wäre es hilfreich, wenn der M3 von einer gewählten Funktion nach einigen Sekunden von selbst wieder zur Lautstärkeregelung zurückspringen könnte – derzeit muss man immer wieder aktiv zurückschalten. Für ein Studio wunderbar, zu Hause eher unpraktisch. Gleichwohl: Man hat diese zwei, drei Kniffe nach einigen Tagen im Griff. Und doch könnte das Unternehmen diese Unbequemlichkeit in der Software des M3 sicherlich leicht beheben. Und wenn sie schon dabei sind, vielleicht auch eine App-Bedienung implementieren …

Der Bricasti tritt im Test-Setup gegen zwei bestens eingeführte Gegner an: den Avocet III von Crane Song und Mergings NADAC. Verkabelt ist die ganze Anlage mit Vovox, es herrscht also Chancengleichheit.

Bricasti Design M3
Getrennte Netzteile für Analoges und Digitales, sauberer Innenaufbau und dieser eigenartig vertrauten Aluminium-Regler aus schwarz eloxierter Metallfront. Man könnte meinen, dass sich die Bricasti-Entwickler von der Optik eines berühmten Amerikaners inspiriert wurden – für den sie früher tätig waren.

Künstler, mit denen mich eine Zusammenarbeit verbindet, höre ich besonders gerne, und so habe ich mich sehr auf die neue Einspielung des Dritten Violinkonzerts von Péter Eötvös gefreut (Harmonia Mundi). Dass auch noch Isabel Faust mit von der Partie ist, macht die Sache nur noch schöner. Schon in der langen Einleitung durch die Solovioline lässt der M3 die Dimensionen des Aufnahmeraums deutlich werden. Absolut faszinierend wird es, wenn nach einer guten Minute das Schlagzeug hinten im Orchester einsetzt und auf einem logisch eindeutig nachvollziehbaren Platz steht. Die Relationen von Größe und Abstand sind intakt, was sowohl für den Bricasti als auch für die Arbeit der Tonmeister spricht. Der M3 gewährt zudem einen glasklaren Blick auf die Fingerarbeit der Solistin. Man hört jedes Geräusch auf dem Griffbrett so deutlich und doch organisch in den Klang integriert, dass man meint, die Aufführung sehen zu können. Nach einigen Vergleichen wird klar, dass der M3 auf Augenhöhe mit dem Merging NADAC spielt, was angesichts seiner Preisklasse ein ziemliches Kompliment darstellt.

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Bei Mahlersinfonien mit dem San Francisco Symphony Orchestra verblüfft der M3 immer wieder mit einer absolut unbestechlichen Raumeinteilung und offenbart damit auch sein Feingespür für Maßstäbe. In der Vierten Sinfonie gelingt bei Laura Claycombs überaus stabilem Sopran die Waage zwischen einer minutiösen klangfarblichen Darstellung, ohne die Spitzentöne (die in diesem Werk allerdings auch nicht so hoch liegen) im kältesten tonmeisterlichen Licht darzustellen. Das ist gekonnt!

Bricasti Design M3
Einfach – aber mehr braucht’s nicht.

An dieser Stelle komme ich nicht umhin, kurz über den Preis des Wandlers zu sprechen. Ja, die je nach Ausstattung sieben- bis achttausend Euro sind ein ordentlicher Schluck aus der Pulle, allerdings müssen wir uns vergegenwärtigen, was wir dafür bekommen: einen Weltklasse-DAC, den man auch gleich als Vorstufe für seine digitalen Quellen nutzen kann. Zudem einen Netzwerkplayer, da Roon, JRiver und Audirvana direkten Zugriff haben. Und dass der integrierte Kopfhörerverstärker locker auf dem Level einer externen Lösung von Lake People spielt, sei auch noch erwähnt. Bedenkt man also, dass sich mit dem M3 und einem Paar Aktivlautsprechern eine komplette Anlage realisieren lässt, sieht das Preisschild doch gleich etwas anders aus.

Abseits vom letztlich extrem subjektiven Musikhören nach Feierabend gibt es ein zuverlässiges Mittel, so ein Gerät einschätzen zu lernen: damit arbeiten und nicht weiter darüber nachdenken. Daher wandert der Bricasti nach ein paar Tagen aus dem Wohnzimmer ins Studio und darf dort unauffällig seinen Dienst tun. Sehr spannend ist es, wenn man ein paar Produktionen mit einem Gerät bis zur Zufriedenheit durcharbeitet und dann mit einem anderen weitermacht. Bleibt nach dem Wechsel nichts offen, ist es wohl ein guter Vertreter seiner Gattung. Fallen einem plötzlich noch einige Baustellen auf, bekam man wohl nicht jede nötige Information, die es braucht, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. In diesem Fall herrscht nach dem Umstieg zurück auf den bewährten Crane Song eitel Sonnenschein. Wenn ich das Spiel andersherum treibe, merke ich jedoch schnell, dass die Arbeit wohl doch noch nicht abgeschlossen ist. Vor allem geht es dann um Feinheiten wie die ganz präzise Anpassung einer Hallfahne (sic!), kleine Dopplungen, die sich durch Schnitte eingeschlichen haben können und die so fein sind, dass sie zuvor unbemerkt blieben. Das zeigt nicht, dass mir dieses Gerät besser gefallen muss, ist jedoch ein untrügliches Zeichen dafür, dass es schlicht mehr Informationen durchlässt.

Bildergalerie
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Ein Fazit zum Bricasti Design M3 fällt äußerst leicht und ist schnell formuliert. Bis auf nur ganz wenige Wandler, die zudem deutlich kostspieliger sind, hatte ich bisher nicht das Vergnügen, einen besseren Digital-Analog-Wandler zu hören. Über Geschmack lässt sich freilich schwer streiten, und so kann es durchaus sein, dass der M3 die Erwartungen einiger Highender enttäuscht, da er lieb gewonnene Effekte nicht liefern kann und will. Daraus ein Urteil über den Bricasti abzuleiten, sagt dann allerdings mehr über den Hörer als über den DAC. Denn rein technisch, von der „objektiven“ Audioqualität her, kann man diesem Gerät nicht im Ansatz am Zeug flicken. Deshalb gehört das Kreuz in unserem Navigator genau in die Mitte. Und es ist schade, dass man es dort nicht noch besonders tief einschlagen kann, verdienen diesen Platz doch wenige Geräte so sehr wie der Bricasti Design M3.

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Info

D/A-Wandler Bricasti Design M3
Konzept: D/A-Wandler mit integrierter Vorstufe; Kopfhörerverstärker und Roon-fähiger Streaming-Client optional
Digitalformate: alles inkl. DSD64 (AES/SPDIF) und DSD256 (USB)
Eingänge: AES/EBU, S/PDIF (koaxial/optisch), USB, Ethernet
Ausgänge: Line-Out (XLR und Cinch), Kopfhörer symmetrisch und unsymmetrisch
Sonstiges: analoge Lautstärkeregelung
Maße (B/H/T):36/6/27 cm
Gewicht: 4,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 5850 € (optional: Fernbedienung um 600 €, Kopfhörerverstärkung um 600 €, Netzwerkeinbindung um 1300 €)

Kontakt

Axmann Audiotechnik
Karl-Giesen-Straße 19
51467 Bergisch Gladbach
Telefon +49 2202 863271

www.silberkabel.net

www.bricasti.com

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