Canor PH 2.10 Röhren-Phonovorverstärker

Canor PH 2.10 Röhren-Phonovorverstärker

Aladdins Röhren-Phono

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Canor PH 2.10 – Aladdins Röhren-Phono

Obwohl ich mich sehr für Phonovorstufen interessiere und im Laufe der Zeit selbst einige Verstärker gehört, beschrieben und besessen habe, hatte ich die Firma Canor bis dato nicht auf meinem Zettel. Es wurde höchste Zeit, das zu ändern …

Canor PH 2.10 Röhren-Phonovorverstärker

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In aller Kürze

Der „kleine“ Phonovorverstärker von Canor ist das Ergebnis eines langen Reifeprozesses. Was hier mit Beharrlichkeit und viel Know-how beim Bau von Röhrenverstärkern umgesetzt wurde, hat ein wundervolles Klangbild zur Folge.

Canor PH 2.10 Navigator


Meine Unkenntnis lässt sich einfach erklären: Canor stammt aus dem Osten Europas, genauer aus Prešov in der Slowakei, und ist erst seit 2020 wieder in Deutschland verfügbar. Das war die Marke schon früher einmal, zunächst (vor 2007) allerdings unter dem Namen „Edgar“. Die Firmengründung geschah Anfang der 1990er Jahre, der erste eigene Röhrenvollverstärker lässt sich im Jahr 1995 verorten. Mehr als 25 Jahre im HiFi-Business zu bestehen, das ist schon eine Leistung. Sie ist vor allem auf das Geschick von Mitgründer, Geschäftsführer und Chefentwickler in einer Person Zdeňek Březovják zurückzuführen sowie auf professionelle Fertigungsabläufe und hochqualifizierte Mitarbeiter. Westeuropäische Hersteller haben Canor bereits vor einiger Zeit bemerkt und lassen dort Komponenten für ihre eigene Produkte fertigen. Canor hat also schon eine Reputation aufgebaut und besitzt sehr viel Erfahrung insbesondere in der Röhrentechnologie.

Canor PH 2.10 Röhren-Phonovorverstärker
Die optimalen Tonabnehmer-Abschlüsse werden komfotabel und präzise durch eine Menüführung aufgerufen.

Der PH 2.10 ist die neue, kleinere der beiden Phonovorstufen im Sortiment und nutzt das gleiche Gehäuseformat wie Vollverstärker und CD-Player. Das schafft Synergien und preisliche Vorteile. Die Produkte des Herstellers sind über die Jahre in ihrer Grundkonzeption gleichgeblieben, konnten dabei immer weiter optimiert werden und reifen. Ein Schlüsselfaktor für die Beständigkeit ist außerdem die Kontrolle über alle wesentlichen Fertigungsprozesse. In Westeuropa hatte man zur selben Zeit die Fertigungsprozesse radikal verschlankt und ausgelagert, um die Kosten zu reduzieren. Wie erinnern uns noch an die knallharten „Sanierer“ beispielsweise in der Automobilindustrie, deren Maßnahmen in der Konsequenz zu massiven Qualitätseinbußen führten. Vor diesem Hintergrund ist die Beständigkeit der mittelständischen Firma aus dem kleinen Städtchen Prešov sehr beachtlich! Mit einem Preis von 3850 Euro ist Canors stattliche Phonovorstufe bestimmt kein Einsteigergerät, sondern platziert sich selbstbewusst in der „Business Lounge“ der analogen High-End-Preziosen.

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Canor PH 2.10 Röhren-Phonovorverstärker
Aufgeräumt, logisch angeordnet und hochwertig umgesetzt, so präsentiert sich dre Canor PH 2.10

Vollformat

Beim Auspacken fällt der samtige Stoffbeutel auf, in dem der Canor PH 2.10 eingehüllt ist. Das unterstreicht die Wertigkeit der Komponente deutlich besser als ein schnöder Plastiksack. Gleich darauf erstaunt mich beim Anheben das stattliche Gewicht von 14 Kilogramm, das vor allem dem stabilen Stahlblechgehäuse zu verdanken ist. Der U-förmige Gehäusedeckel kommt mit einer schwarzen, metallisch schimmernden Lackierung daher, was dem PH das gewisse Etwas verleiht. Die eloxierte Aluminium-Frontplatte kann wahlweise in Silber oder Schwarz geordert werden. Das unverwechselbare Canor-Design mit der geschwungenen Display-Leiste und dem massigen Drehknopf in der Mitte verhilft zu einem übersichtlichen und zeitlosen Look. Im Vergleich zum PH 1.10 hat man hier auf den Leuchtkranz um den Drehknopf verzichtet, und es gibt weniger Funktionstasten, was auf einen reduzierten Ausstattungsumfang im Vergleich zum großen Bruder schließen lässt.

Canor PH 2.10 Röhren-Phonovorverstärker
Warmup, Shutdown … Canors PH 2.10 entscheidet selbst, wann seine Kolben bereits sind, Anweisungen zu befolgen. Schließlich sollen seine vier Schwungmacher das leisten, was auf der Verpackung steht: Schwung und Atmosphäre machen. Und die Lebensdauer erhöht die Muße natürlich auch.

Rückseitig findet man den Netzanschluss mit Netzschalter sowie Cinch-Eingangsbuchsen für den alternativen beziehungsweise gleichzeitigen Anschluss von je einem MC- und MM-Tonabnehmer. Ein Paar Cinch-Ausgangsbuchsen und ein Erdungsanschluss komplettieren die Anschlussmöglichkeiten. Auf den symmetrischen XLR-Ausgang des PH 1.10 verzichtete der Hersteller beim PH 2.10. Der „Kleine“ verfügt zudem über keine zweite MC-Übersetzungsstufe, sondern begnügt sich mit der – aus meiner Sicht – sehr praxisgerechten 70-dB-Verstärkungsstufe. Dadurch reduzieren sich auch die Bedienknöpfe auf die Auswahl der Verstärkung, Stummschaltung (Mute) sowie Dimmung der Anzeigehelligkeit. Nach dem Einschalten aus dem Standby-Modus über den frontseitigen Druckknopf startet der Canor die 45 Sekunden andauernde Vorheizprozedur seiner Röhren und signalisiert dies über eine blinkende LED im Display. Die eigenwillige und markante Anzeige besteht aus extra großen gelb-orangenen LED-Pixeln, die hervorragend auch aus der Ferne ablesbar sind und in ihrer Leuchtstärke in fünf Stufen gedimmt oder ganz abgeschaltet werden können. Nach dem Aufwärmen schaltet der Canor mit einem satten „Klack“ den Transformator frei, und vom rechten Display-Rand läuft der CANOR-Schriftzug ins Blickfeld … Wow, meine Aufmerksamkeit ist ihm nun gewiss! Innerhalb der folgenden 20 bis 30 Sekunden wird die Spannung langsam hochgefahren und anschließend der voreingestellte Eingang, die zugehörige Verstärkung (70 dB für die MC- bzw. 46 dB für die MM-Stufe) und abschließend die Eingangsimpedanz oder -kapazität angezeigt. Die Impedanzwerte lassen sich zwischen 10, 20, 40, 80, 150, 300, 600 und 1200 Ohm auswählen, die Kapazitäten sind nur für die MM-Stufe zwischen 50, 150, 270, 370, 520, 620, 740 und 840 Picofarad wählbar.

Bildergalerie
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Ein Blick ins Gehäuse offenbart, dass es dort sehr aufgeräumt und beinahe luftig zugeht. Ein Stahlblech gliedert das Innere in zwei Sektionen, die Bauteile sind so maximal voneinander isoliert. In der einen Hälfte residiert die Spannungsversorgung und der Ringkerntransformator mit seinem vakuumimprägnierten Kern. Die andere Hälfte beherbergt die Röhren-Verstärkerstufen. Die MC-Signale werden mithilfe eines Step-up-Transformers von Lundahl auf die erforderliche Spannung der MM-Verstärkerstufe hochtransformiert. Per Relais werden die Abschlusswiderstände zugeschaltet und können recht feinfühlig auf den gewünschten MC-Tonabnehmer angepasst werden. In der MM-Verstärkerstufe erfolgt die Signalverstärkung mit jeweils zwei Doppeltrioden 12AX7 und 12AT7. Das verspricht eine effiziente und möglichst rauschfreie Signalaufbereitung und soll insbesondere dem Klang zugutekommen. Die Röhren werden vorab bei Canor in einem aufwendigen Messverfahren mittels eines selbst entwickelten Messsystems namens „Aladdin“ vermessen, katalogisiert und für die jeweiligen Geräte ausgewählt, damit ein möglichst optimaler Betriebspunkt gewährleistet ist. Blaue Metallhütchen mit Federn, die sanft auf die Röhren drücken, sollen Mikrofonie-Effekte unterdrücken. Der Canor arbeitet dabei ohne Über-alles-Gegenkopplung mit einer rein passiven RIAA-Entzerrung. Bei der Platinenbestückung und sogar beim Layout verwendet Canor eigene Verfahren, zum Beispiel die sogenannte CMT-Technologie. Dabei werden Platinenbereiche um die Leiterbahnen weggefräst, um Blindverluste in der Signalübertragung zu minimieren. Insgesamt ist die Konzeption des Canor PH 2.10 also auf hohe Störungsarmut und verlustfreie Signalverstärkung ausgelegt. Wesentliche Punkte sind hier das stabile Gehäuse, ein vibrationsarmer Transformator, die hochwertigen Bauteile in einem aufwendigen Platinen-Layout und nicht zuletzt die damit optimalen Randbedingungen für eine möglichst klangstarke Röhren-Vorverstärkerstufe.

Canor PH 2.10 Röhren-Phonovorverstärker
Mehr braucht’s nicht für einen perfekten Vinyl-Klang.

Der Canor liefert eine unüberhörbare Stille

Wenn ich eine Komponente meiner HiFi-Anlage gegen ein neues Gerät austausche, benötige ich normalerweise eine Weile, um mich an das neue Klangbild zu gewöhnen. Das gilt erst recht, wenn sich die neue Komponente um die winzigen und sensiblen Tonabnehmersignale kümmern muss – schließlich hat man die einzelnen Bausteine seiner Anlage über Jahre komponiert und abgestimmt. Beim Canor PH 2.10 hingegen war vom ersten Ton an eine wundersame Selbstverständlichkeit im Klangbild vorhanden. Die Ehre gebührte Pearl von Heather Nova. Mein Avid-Laufwerk mit Origin-Live-Tonarm und Tonabnehmer Lyra Kleos funktionierte auf Anhieb im Verbund mit der Röhren-Phonovorstufe. Die Widerstandswerte von 80 bzw. 150 Ohm erwiesen sich als passend, wobei mit 80 Ohm die ausdrucksstarke und wunderbar klare Stimme von Heather Nova besser ins Ensemble integriert schien. Bei 150 Ohm trat sie etwas dominanter in den Vordergrund. Mir persönlich gefiel die Darstellung bei 80 Ohm am besten, sodass ich in dieser Konstellation weiter gehört habe. Es war unüberhörbar und beeindruckend, wie viel Raum der Interpretin für ihre Gesangskunst gelassen wurde und dass die Instrumente daneben trotzdem formatfüllend links und rechts bis an die Lautsprecherpositionen und leicht darüber hinaus noch energiegeladen musizierten. Diese Energie kam auch bei dem famosen Stück „Curiosity“ von Long Distance Calling zur Geltung. Die deutsche Post-Rock-Band aus Münster spielt instrumentale Rockmusik, definiert sich also nicht über einen Sänger. Mich erinnert diese sehr rhythmische Instrumentalmusik mit Sprechanteilen teilweise an Pink-Floyd-Stücke, allerdings ohne die dominanten Sängerpersönlichkeiten wie David Gilmore oder Roger Waters. Die Canor-Phonovorstufe ist besonders bei den dichten Soundteppichen in der Lage, ein trotzdem feines Klangmuster zu übertragen, weil die Bühne nicht komprimiert ist und zwischen den Tönen Stille herrscht. Das Klangbild baut auf seiner inneren Ruhe und Störarmut zwischen den Tönen auf, sodass eine Orientierung für die Sinne auch in dichtem Sound leicht möglich ist.

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Canor PH 2.10 Röhren-Phonovorverstärker
Das Röhren Quartett des Canor versteckt sich unter den blauen Abdeckungen, die die Mikrofonieempfindlichkeit herunter setzten und gleichzeitig für eine gleichmässige Wäreabfuhr sorgen.

Bei London Grammars neuer Langspielplatte California Soil kommt Hannah Reid mit ihrer Stimme sehr präsent und körperhaft rüber, der Gesang klingt voll und rund aus, ohne jedoch weich zu wirken. Die Auflösung ist hoch, ohne Härte im Klangbild, vielmehr luftig und frei von Verzerrungen. Auf diesem Niveau und bei den feinen Signalen, die es zu verstärken gilt, hat die Reinheit des Netzes und auch die Qualität der Zuleitungen schon Auswirkungen auf den Klang. Hier empfiehlt sich, das beiliegende Standard-Netzkabel gegen ein höherwertiges auszutauschen. Es ist erstaunlich, wie man damit die Klangbalance im positiven Sinne noch etwas feintunen kann. Natürlich habe ich wechselweise auch andere Phonovorstufen zum Vergleich gehört; im Preissegment der Canor und darunter. Die Canor setzte sich zumindest in meinem Setup an die klangliche Spitze. Vor diesem Hintergrund geht der Verkaufspreis von 3850 Euro mehr als in Ordnung – der PH 2.10 ist damit eine vergleichsweise preiswerte Eintrittskarte in die High-End-Riege der analogen Überflieger.

Info

Phonovorverstärker Canor PH 2.10
Konzept: Phonoentzerrer mit Röhren-Ausgangsstufe für MM- und MC-Abtaster
Eingangsimpedanz MM: 50, 150, 270, 370, 520, 620, 740, 840 pF (Verstärkung 47 dB)
Eingangsimpedanz MC: 10, 20, 40, 80, 150, 300, 600, 1200 Ω (Verstärkung 71 dB)
Ausgangsimpedanz: 500 Ω
Eingänge: Cinch MM, Cinch MC
Ausgang: Cinch unsymmetrisch
Klirrfaktor MM/MC: < 0,2 %/1 V RMS
Subsonicfilter: 18 dB/Okt.
RIAA-Genauigkeit: 0,3 dB (20 Hz bis 20 kHz)
Geräuschspannungsabstand MM: ≤ 84 dBV (87 dBV – IEC-A)
Geräuschspannungsabstand MC: ≤ 80 dBV (82 dBV – IEC-A)
Röhrenbestückung: 2 x 12AX7, 2 x 12AT7
Netzanschluss: 230 V/50 Hz/70 VA
Maße (B/H/T): 44/12/41 cm
Gewicht: 14 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 3850 €

Kontakt

IDC Klaassen
Am Brambusch 22
44536 Lünen
Telefon +49 231 9860285

www.idc-klaassen.com

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www.canor-audio.com

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