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Donna Summer - Love To Love You Baby

Donna Summer – Love To Love You Baby

1975

Donna Summer – Love To Love You Baby

Zum Progrock gehören Tempowechsel, Klassik- und Jazzanklänge, umfangreiche Instrumentalteile und überraschende Instrumente. Weil das alles zusammen kaum in einen Drei-Minuten-Song passt, gibt es den Longtrack.

Das Musical Hair hatte 1968 in einer deutschen Version seine Premiere in München (Haare). In einer der Hauptrollen: die damals 19-jährige LaDonna Gaines, die extra für diesen Job aus den USA gekommen war. (Mit zur Premierenbesetzung gehörten übrigens auch Ron Williams und Su Kramer.) (La)Donna Gaines’ erste Single wurde logischerweise „Wassermann“, eine deutsche Fassung von „Aquarius“. Weil sie weitere Angebote bekam (für Bühne, Film, Musikstudio), blieb die Amerikanerin in Europa und heiratete hier einen Herrn Sommer. Bald kam sie auch mit dem Keyboarder Giorgio Moroder und dem Gitarristen Pete Bellotte in Kontakt. Die beiden arbeiteten in ihrem Münchner Studio an einem neuen Tanzsound mit viel Elektronik.

Es war 1975, als Donna Summer die Zeile „I’d love to love you“ durch den Kopf ging – inspiriert vom französischen Erotik-Hit „Je t’aime“. Moroder und Bellotte machten aus dieser Zeile einen Song – oder besser einen Anti-Song. Denn „Love To Love You Baby“ besteht nur aus diesem kurzen Dauerrefrain, ein paar gesprochenen Worten und ein bisschen drum herum (funky Gitarrenvamps, E-Piano, Synthesizer, Bass, Schlagzeug). Das Entscheidende war dabei die Erotik – Donna Summers Hauch- und Stöhngeräusche. Angeblich stellte sie sich dabei vor, Marilyn Monroe zu sein, die vor der Kamera Ekstase „spielt“. Die Drei-Minuten-Aufnahme entstand eigentlich als Demoversion. Sie wurde dann aber doch in einigen Ländern veröffentlicht – mit mäßigem Erfolg.

Donna Summer - Love To Love You Baby

Als Moroder nach einem amerikanischen Lizenzlabel für seinen Song suchte, geriet er an Neil Bogart (Casablanca Records). Dieser Produzent war berüchtigt für seine wilden Sex- und Drogenpartys, in die er ein Vermögen steckte. „Love To Love You Baby“ war auf diesen Partys so beliebt, dass Bogart vorschlug, Moroder solle eine Langversion davon machen. Als Donna Summer davon erfuhr, fürchtete sie erst, enorm viel neuen Text schreiben zu müssen. „Keine Sorge“, sagte Moroder, „wir werden improvisieren. Lass es einfach nur sexy klingen.“ Summer erzählte: „Wir haben das Licht abgedreht und ein paar Kerzen angezündet, und ich habe all diese Ooohs und Aaahs dazu gemacht.“ Angeblich lag sie dabei flach auf dem Boden.

Im Longtrack (16:48) gibt es neue instrumentale Melodien und Klangfarben (Klavier, synthetische Flöte, synthetische Geigen). Der Originalsong bildet dabei Anfang und Ende, allerdings ein wenig aufgemotzt. Als er bei 3:30 wie gewohnt ausgeblendet wird, bleibt überraschend die E-Bass-Figur übrig – die anderen Instrumente treten nach und nach dazu. Nach einer Steigerung und einem Bruch (7:18) kommt auch die Stimme wieder, und in den nächsten 90 Sekunden folgt (in jeder Hinsicht) der Höhepunkt – das Stöhnen steigert sich zum Kieksen und Schreien. Einen interessanten Break (der Beat setzt aus) gibt es bei 10:06: Der Synthesizer soliert zu einem Riff. Und ab 13:06 hören wir noch einmal den kaum veränderten Originalsong.

Donna Summers progressiver Dance-Longtrack (die komplette A-Seite ihres zweiten Albums) gab den Startschuss für Disco-Welle und Maxisingle und später für House und Drum’n’Bass. Einige Radiostationen boykottierten ihn allerdings wegen seiner sexuellen Konnotation. Bei der BBC hat man nachgezählt und kam auf 23 „Orgasmen“ im Song.

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