Dynaudio Xeo 3

Der Slogan „Entdecke die Möglichkeiten!“ ist leider schon vergeben. Schade, zu Dynaudios Xeo-Lautsprechern würde er perfekt passen.

Die Begegnung mit Dynaudios neuen kabellosen Aktivlautsprechern verläuft in drei Phasen. Phase 1: Nett. Ich sah sie erstmals auf der diesjährigen Münchner HighEnd. Sehr geschickt wurden sie da präsentiert, weißer Teppich, weiße leere Rückwand, davor die kleinen Xeo 3 in Weiß auf ihren schlanken Ständern. Das Fehlen der Lautsprecherkabel nahm man sofort wahr, die dünnen schwarzen Netzstrippen waren eindeutig als solche erkennbar. Sehr schön gemacht, das alles. Weil es auch an der Musikwiedergabe nichts auszusetzen gab, speicherte der Kopf beim Verlassen des Ausstellungsraumes ab: Tolle Designgeschichte, Dynaudio-mäßig tipptopp ausgeführt, HiFi-technisch sicher nichts Weltbewegendes, aber, hey, echt schickZurück in Berlin. Ein Pärchen weiße Xeo 3 ist mitgereist. Insgesamt habe ich zwei Kartons, im großen die Zweiwege-Boxen, im kleinen separat verpackt (wieso eigentlich?) der Funktransmitter, ohne den natürlich nichts läuft. Die passenden Metallständer bestelle ich nach, die müssen sein, alles andere sieht nach Bastelei aus. In der Ruhe nach dem Messetrubel beginnt Phase 2: Einblicke.
Seit den 1980er Jahren, als Dynaudio mit den Künsten dänischer Schreiner warb, hat sich nichts verändert: Auch die in weißen Klavierlack gehüllten Xeo 3 sind makellos verarbeitet und schlicht eine Freude anzusehen und anzufassen. Gleiches gilt für die Metallständer, und dass der Funktransmitter in einem leichten Kunststoffkästchen steckt, wird nur der bemäkeln, dem der Zusammenhang zwischen Metall und Abschirmung nicht klar ist.

Werbung
Werbung

In den Boxen
stecken die typischen Dynaudio-Treiber. Den Hochton verantwortet eine große Seidenkalotte, für Bass und Mittelton wird ein Konus mit einer 12-cm-Membran aus dem harten, aber leichten Kunststoff MSP (Magnesium-Silikat-Polymer) verwendet. Eine rückwärtige Bassreflexöffnung hilft, aus dem kleinen Gehäuse – die eingebaute Elektronik nimmt schließlich wertvolles Volumen in Anspruch – ausreichend Bassenergie zu generieren.

Die Elektronik.
Hier wird es interessant. Parallel zur HiFi-Schiene ist Dynaudio seit geraumer Zeit im professionellen Studiobereich aktiv und hat sich dort mit Abhörmonitoren einen ausgezeichneten Ruf erworben. Mit der Aktivierung von Lautsprechern kennen die Dänen sich also aus. Die Xeo-Produktreihe, zu der noch eine Standbox gehört, könnte demnach mit Fug und Recht als erster Berührungspunkt beider Welten gelten.

Konkret:
Jedes Xeo-Chassis wird von einer 50 Watt leistenden Endstufe angetrieben. Weil die Module klein sein und kühl laufen müssen, kommen nur auf Chipformat komprimierte integrierte Verstärkerbausteine mit Schaltnetzteil in Frage. Die Technik dafür liefert Texas Instruments. Der Elektronik- Gigant hat sich frühzeitig in die Digitalverstärker- Technologie aus dem Hause TACT/Lyngdorf eingekauft, die Ende der 1990er Jahre bis in anspruchsvollste High-End-Kreise hinauf für Furore sorgte. Jetzt gibt es sie in Chipgröße – der perfekte Aktiveinschub für Lautsprecher. Bliebe die Schnittstelle zur Musikquelle. Hier kommt das Transmitterkästchen ins Spiel – und entpuppt sich im Handumdrehen als das Highlight des Xeo-Systems. Dynaudio hat nämlich alle drei in Frage kommenden Anschlussmöglichkeiten berücksichtigt: Analog, Digital und USB. Ob Digi-Porti via Miniklinke, Phonostufe oder Vorverstärkerausgang per Cinch, ob CD-Player oder Streamer optisch digital, oder auch der Computer per USB – alles ist möglich. Analoge Signale werden dabei in CD-Format (16 bit/44,1 kHz) gewandelt und unkomprimiert über den Äther geschickt.
Trotz der Vielfalt an Möglichkeiten stellt sich bei der Installation keine Verwirrung ein. Die wenigen unumgänglichen Einstellungen erfolgen am Lautsprecher über zwei Schiebeschalter (Zuordnung linker Kanal/rechter Kanal/Monosumme und Raum 1, 2 oder 3). Am Transmitter selbst lässt sich einer von drei möglichen Funkkanälen auswählen, die Lautsprecher bekommen die Wahl via Fernbedienung mitgeteilt. Über die wird auch der Eingang angewählt und die Lautstärke geregelt. Laut Herstellerangabe kann der Transmitter bis zu 100 Meter überbrücken. Das lässt vermuten, dass auch Einfamilienhäuser lückenlos abgedeckt werden, mangels eines solchen konnte die Angabe aber nicht überprüft werden. Was sich mit den Xeos sonst an Aufstellungsvarianten anstellen lässt? Da möge der Leser seine Fantasie spielen lassen. Wir widmen uns endlich dem Wichtigsten: dem Klang.

Und damit zu Phase 3
unseres Arbeitsverhältnisses: Respekt. Die Funkstrecke steht wie eine Eins. Keine Ausfälle während des gesamten Testzeitraums. Nur als das per USB kontaktierte Macbook direkt neben dem Transmitter stand – da war dann kurzzeitig der WLAN-Empfang weg.

Werbung
Werbung

Als Soundkarte
am Rechner machen die Dynaudios eine gute Figur, ein wenig Zuwendung in Form guter USB-Kabel und eines audiophilen iTunes-Plugins schadet aber nicht. Roland Hoffmann von Dynaudio empfiehlt das USB-Kabel von Aqvox und die Abspielsoftware Pure Music. In der Tat klang es mit 08/15-Kabel und iTunes pur etwas müde – verglichen mit den Original-CDs über meine private Kette. Dann ging es per mitgeliefertes Toslink-Kabel an den optischen Digitalausgang meines CD-Players. Und ab da blieben keine Fragen mehr offen. Meine Herren, können die kleinen Xeos die Bude wackeln lassen!

Meine Dynaudio
Erfahrung rührt von einem Pärchen Kompaktmonitore Special One, das mir lange treue Dienste leistete, bis es vor sechs Jahren von Ayon- Standboxen abgelöst wurde. Mit den ersten digital zugespielten Tönen ist er aber wieder da: der Dynaudio- Zauber. Die gleiche Ausgewogenheit, die gleiche relaxte, aber nicht spannungslose Präsentation, die gleiche, jawohl, Natürlichkeit. Gleichzeitig ist da ein Mehr an dynamischem Biss, an Lockerheit, auch obenrum scheinen die kleinen Zweiwege-Monitore offener zu agieren als ihre bald ein Vierteljahrhundert alten Urahnen.
Sicher spielt dabei auch das Aktiv- Konzept eine Rolle. Die 50-Watt- Endstufen lassen ungeahnte Ex-zesse zu. Ich höre „The Rhythm of the Heat“ von Peter Gabriels Orchester-Album New Blood. Der Bassdruck geht direkt in den Magen, in meinem nicht sonderlich großen, gut bedämpftem Raum kommt kein Wunsch nach Standboxen auf. Das Klangbild steht wie gemeißelt, die Xeos fühlen sich auf den eleganten Ständern pudelwohl – niemals würde ich sie in ein Regal zwängen.

Klassik-gefällig?
Bitte, das konnten Dynaudios schon immer gut. Die legendäre Contour 1.3 selig war mir seinerzeit zu seidigsamtig bei Streichern, da wusste die Special One besser zu gefallen. Aktuelle Modelle sind aber wieder Ehrlichkeit pur (Moment, war da mal was? Dänen lügen nicht …?). Die Xeos machen mit Orchester ebenso großen Spaß wie mit Soloklavier, brillieren wieder mit Lebendigkeit und Klangfarbenreichtum, mischen sich nicht ein und sind doch immer mit einer Feinfühligkeit präsent, die rundum Spaß macht.
Die Dynaudio Xeo 3 ist eine hervorragende kleine Box, ob nun mit oder ohne Kabel. Sie zeigt, dass Aktivlautsprecher viel mehr Bedeutung bekommen sollten, das Prinzip hat technisch und damit klanglich nur Vorteile. Und zum Thema Funkübertragung: Sie funktioniert, die Güte der Quelle wird in keinster Weise nivelliert, dafür fallen sämtliche Kabelprobleme – optischer, elektrischer, finanzieller, zwischenmenschlicher Art – weg. Wenn das mal kein Argument ist.

 

Werbung
Werbung

www.dynaudio.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.

Weitere Beiträge
Dual CS 550
Test Plattenspieler Dual CS 550