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ELAC Miracord 80

Elac Miracord 80

Legenden leben länger

Elac Miracord 80 – Legenden leben länger

Ein wenig schlanker ist er geworden, der neue Elac Miracord 80. Bei gleicher Grundfläche fehlen zwar nur zwei Zentimeter in der Höhe, doch wirkt der Neue deutlich eleganter als sein Vorgänger Miracord 90. Oder liegt’s doch am edel-schwarzen Kleid aus hochglänzendem Lack, passend zum Aluminium des Plattentellers gewählt? Oder am technischen Look des filigranen Carbon-Arms?

ELAC Miracord 80

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In aller Kürze

Spielfreudig-entspannte sowie erfrischend entschlackte Neuauflage von Elacs Top-Dreher. Mit Upgrade-Netzteil dürfte er noch besser werden.

ELAC Miracord 80


Erst der zweite Blick offenbart die konstruktiven Neuerungen, an denen sich beide Generationen unterscheiden lassen: Verschwunden ist der wuchtige Knubbel zur Drehzahljustage, den nur ehemalige Technojünger vermissen dürften. Da diese sehr eingeschränkte Zielgruppe weiterhin ihrem Zwölfzehner treu bleibt, entfernten die Entwickler die „Pitch Control“ – dem eleganten Erscheinungsbild kommt diese Maßnahme durchaus zugute. Der Motor, den man mittels Zentrierspinnen doppelt entkoppelte, musste ebenfalls umziehen. Statt wie beim 90er prominent die komplette linke vordere Ecke zu belegen, wanderte der Antrieb nach links in den Hintergrund. Amerikanische Kraft wich im 80er taiwanesischer Präzision und Sanftmut, und damit wurde auch das vorher so dominante Motorlager mit den charakteristischen gelben Zentrierspinnen obsolet. Statt fest zentriert zu sein, ruht der Antrieb nun auf kleinen Gummidämpfern, mit denen Vibrationen ebenso effektiv ferngehalten werden. Geblieben ist der straff sitzende Flachriemen, der bei unserem Testmuster anfänglich etwas Abrieb um das Pulley hinterließ. Doch das gab sich nach wenigen Stunden Einspielzeit. Dann passte die Riemenspannung, und der Miracord 80 zog sauber und stoisch seine Runden. Um eventuelle Schwankungen der Drehzahl zu kompensieren, überwacht ein Mikroprozessor samt optischem Geber die Rotationsgeschwindigkeit und regelt im Bedarfsfall unhörbar nach. Zusammen mit der Tellermasse von fünfeinhalb Kilo und dem fast reibungsfrei laufendem Tellerlager ergibt sich ein System mit perfektem Gleichlauf.

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ELAC Miracord 80
Sinneswandel: Auch wenn die Designsprache im Prinzip die gleiche geblieben ist, hat sich der Charakter des Miracord 80 gegenüber dem Vorgänger grundlegend gewandelt – man könnte sagen, er ist gereift. Elac hat ihn funktional auf das Wesentliche eingekocht. Verschwunden ist das mächtige Motorlager und der runde Pitch-Regler, der 80er ist nun eine intelligent entschlackte Musikmaschine.

Damit bietet der Elac Miracord 80 alle Qualitäten des von mir damals hochgelobten Vorgängers. Einziger Wermutstropfen ist für mich das beiliegende Steckernetzteil, das zwar den nötigen Strom an die Klinkenbuchse des Miracord liefert und dessen Kabel sich am Plattenspieler arretieren lässt. Die Kabellänge von knapp einhundertzwanzig Zentimeter ließ mir aber etwas wenig Spielraum bei der Aufstellung: Wer seinen Plattenspieler auf einer Wandhalterung betreibt, muss zu klanglich suboptimalen Verlängerungen greifen. Oder besser gleich zur passenden hauseigenen Vorstufe Alchemy. Diese wandelt nicht nur die Tonsignale auf passendes Niveau, sondern stellt gleichzeitig die Versorgungsspannung für den Miracord parat. Statt über die gewöhnliche Klinkenbuchse des Netzteils findet die Alchemy über eine Buchse des deutschen Spezialisten Lumberg Anschluss. Leider waren die Pressemodelle der Vorstufe bis in den Oktober hinein ausgebucht, und so konnte sie für unseren aktuellen Test leider nicht mehr berücksichtigt werden.

Wer es liebt, mittels blinkender Lämpchen über den Betriebszustand informiert zu werden, dürfte jetzt enttäuscht sein: Die gibt es am 80er nicht. Nötig wäre die Lightshow sowieso nicht, da der Elac-Spieler die Solldrehzahl im Nullkommanix erreicht und unbeeindruckt seine Runden dreht. Die Geschwindigkeit wählt man über einen griffigen Drehschalter, der nun vorne links auf der Zarge montiert ist. Beim Vorgänger lag das Rad der Pitch Control noch unterhalb des Tonarms, was den Tonabnehmer je nach Vorsicht des Benutzers in latente Gefahr brachte. Doch die Kieler lernen stetig dazu, daher wundert es nicht, dass der Neunziger zwar das wuchtigere Gerät war, der Achtziger dagegen wesentlich klarer konzipiert wirkt. Man hat erfolgreich alles entfernt, was nicht unbedingt nötig war, um formidabel Musik hören zu können.

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Unbedingt nötig dazu ist und bleibt der Tonarm, der für den Achtziger komplett neu entwickelt wurde. Ein leichtes Carbonrohr nimmt nun mithilfe eines Bajonettverschlusses die Headshell auf, was Besitzern mehrerer Systeme und Autoren gleichermaßen erfreut. Der Arm ist so konstruiert, dass dem Besitzer eine maximale Flexibilität bei der Auswahl des präferierten Tonabnehmers ermöglicht wird. Einziges Kriterium ist hier die Gesamtmasse, weitere Parameter wie Nadelstellung (Azimut) oder Bauhöhe (vertikaler Spurwinkel) lassen sich durch Lösen und Justieren der jeweiligen Schräubchen problemlos auf den gewünschten Tonabnehmer einstellen. Ungemein hilfreich ist an dieser Stelle ein Blick in die Anleitung, da sich beispielsweise die kleinen Schräubchen der VTA-Justage nicht auf Anhieb erkennen lassen. Die Kompensation der Skatingkraft geschieht über ein kleines Gegengewicht, das klassisch an einem kleinen Galgen geführt wird. Für einen „Großserien-Hersteller“ wie Elac finde ich den Tonarm sehr filigran und aufwendig gefertigt, er macht eher den Eindruck eines kleinen analogen Überzeugungstäters als eines Volumenmodells aus der Serienfertigung.

Wer jetzt mag, darf seinen Miracord mit einer separat erhältlichen Haube gegen Staub und Wollmäuse schützen. Oder man legt direkt eine Platte auf, sobald die Einstellungsarbeiten erledigt sind. Warum ich ausgerechnet ein uraltes Technobrett von Adam Beyer aus dem Regal ziehe, lässt sich nicht eindeutig klären. Doch destilliert der Miracord eine klar durchzeichnete, staubtrockene Bassline aus dem stark gebrauchten Vinyl, die dem Druck des Vorgängers in nichts nachsteht. Doch Druck ist ja nicht alles im Leben, und der Techno liegt auch in den letzten Zuckungen seiner Existenz, also weiter mit Musik. Ernsthafter Musik. Auf dem Teller dreht sich Fritz Wunderlich noch stumm und still, doch in dem Moment, als die Nadel die Rille berührt, explodiert es förmlich zwischen den Heco BellaDonna-Lautsprechern. Das hauseigene System, das Elac von Clearaudio fertigen lässt, generiert dem homöopathischen Preis zum Trotz eine Dynamik, bei der kein Auge trocken bleibt. Mit feingeistigen MC-Abnehmern wird diese Nummer gelegentlich etwas anstrengend. Der Heldentenor aus Kusel benötigt ein stabiles Fundament, um sein Organ passend zu artikulieren. Dank Bajonettverschluss und einer zweiten Headshell kann ich wunderbar mit wechselnden Abnehmern experimentieren. Wo das Elac D96, im Paket mit dem Miracord zu überschaubaren dreihundert Euro Aufpreis erhältlich, an den Frequenzenden einen Tick milder, weniger autoritär agiert und auf leuchtende Farben und harmonische Stimmungen fokussiert, gewinnt der Achtziger mit noch edleren Abnehmern nochmals an Durchzeichnung und Antritt.

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ELAC Miracord 80
Schlank, aber kein Leichtgewicht: Die elegante Form des Miracord 80 kann leicht über die üppigen 5,5 Kilogramm Schwungmasse des Plattentellers hinwegtäuschen. Hinten links sitzt unauffällig der über Gummiringe entkoppelte Motor, der den wuchtigen Teller im Nu auf Solldrehzahl bringt.

Dem Elac gelingt das Kunststück, große Orchester mit einer fantastischen und in dieser Preisklasse selten gehörten Abbildung in der Breite aufzufächern. Die Herren Di Meola und De Lucia rücken ein gutes Stück auseinander, während sie ihre Nacht in San Francisco zelebrieren, während sich John Mc Laughlin wie gewohnt stabil in der Mitte behauptet. Der Miracord spielt dabei so leicht und beschwingt, dass die Platte gleich noch eine Runde drehen darf. Mich deucht, der Elac hegt eine veritable Vorliebe für Liveaufnahmen, besitzt ein superbes Gespür für Timing und konzentriert sich tendenziell eher auf emotionsgeladene Mitten, als auf übersteigerten Glanz und Bling-Bling zu setzen. Es mag extrovertierte Laufwerke geben als den Miracord, doch nur wenigen gelingt es, Musik gleich welcher Couleur derart organisch zu reproduzieren. Legenden leben halt länger. Möge der Miracord auf ewig bleiben.

Info

Plattenspieler Elac Miracord 80

Konzept: riemengetriebenes Masselaufwerk
Antrieb: servogesteuerter Gleichlaufmotor
Material: MDF-Zarge, Blenden aus Aluminium
Teller: 30-mm-Aluminiumteller
Drehzahl: 33 oder 45 U/min
Besonderheiten: kompatibel mit Elac Alchemy Phonopre PPA-2, optionale Abdeckhaube (200 €)
Tonarm: kardanisch gelagerter 10″-Carbon-Arm mit Alu-Headshell, effektive Masse 11 g
Ausführungen: Schwarz, Nussbaum geölt
Maße (B/H/T): 47/15/36 cm
Gewicht: 14 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: ab 2200 € (ohne System), um 2500 € (inkl. D96)

Tonabnehmer Elac D96

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ELAC Miracord 80

Konzept: Moving Magnet (MM)
Schliff: elliptisch
Auflagegewicht: 2,2 g
Ausgangsspannung: 3,3 mV
Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz
Preis: um 300 €

Kontakt

ELAC Electroacoustic GmbH
Fraunhoferstraße 16
24118 Kiel
Telefon +49 431 647740
www.elac.de

Mitspieler

Plattenspieler: Acoustic Solid Vintage
Tonarm: Acoustic Solid WTB 213
Tonabnehmer: Clearaudio Charisma V2, Ortofon Quintet Red
Phonovorverstärker: Acoustic Solid Phonovorverstärker
CD-Player: Sony CDP-XA 777ES Swoboda
D/A Wandler: Audiolab M-DAC Mini
Vollverstärker: Einstein The Tune, Magnat MA 900, NAD C 302
Endverstärker: Lehmann Black Cube Stamp
Lautsprecher: Audio Physic Seemon, Sonoro Grand Orchestra
Kabel: Guerilla Audio Netz-, Signal- und Lautsprecherkabel
Zubehör: Steinmusic, Simply Analog

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