Esoteric N-01XD

Esoteric N-01XD Netzwerkplayer/DAC

Tiefenwirkung

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Esoteric N-01XD Netzwerkplayer/DAC – Tiefenwirkung

Die erste Note, der erste Raum, der erste Eindruck – von der Startlinie weg zeigt der Esoteric N-01XD, dass er zu den ganz Großen gehört. Das gilt sowohl physisch als auch klanglich. Aus meiner üblichen kurzen Funktionsprüfung für Testgeräte wird mit dem japanischen Netzwerkspieler/DAC umgehend eine stundenlange Hörsitzung.

Esoteric N-01XD

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In aller Kürze

Der Esoteric N-01XD ist ein Weltklasse-Netzwerkspieler und Wandler mit präziser Raumabbildung und unnachahmlich musikalischem Fluss. Der diskret aufgebaute Stereo-DAC basiert auf dem Monoblock-Wandler Grandioso D1X.

Esoteric N-01XD


Mit gut 26 Kilogramm Gewicht ist der N-01XD der „massivste“ Netzwerkspieler und Wandler, der mir bisher untergekommen ist. Da passt es gut, dass seine höhenverstellbaren Füße patentiert sind und für besten Stand sorgen. Auch der Rest ist haptisch erstklassig. Die markentypische Aluminiumfront ist dick wie ein Panzerschrank, die angephaste Ober- und Unterseite der Front sowie die im großzügigen Radius angesetzten Übergänge zu den Seitenplatten stehen dem in nichts nach. Die Frontplatte ist übersichtlich gestaltet, lediglich vier Drucktaster plus elektronischem Ein/Aus-Schalter sind neben dem Display und einer USB-A-Buchse für externe Datenspeicher zu sehen. Tatsächlich reichen diese Bedienelemente, um mit dem Esoteric arbeiten zu können. Für die Netzwerkspielerfunktion wird die „Esoteric Sound Stream“-App benötigt. Die kommt mir gleich sehr vertraut vor. Esoteric hat sich nämlich dafür eine Lizenz von Pixel Magic Systems aus Hongkong besorgt, die sich mit ihren Streamern der Marke Lumin einen guten Ruf erarbeitet haben und auch bei diesen die App unter eigenem Namen einsetzen. Somit erklärt sich die Bedienung für mich auf Anhieb, auch wenn in der ansonsten ausführlichen deutschen Bedienungsanleitung die App nicht beschrieben wird.

Esoteric N-01XD
Viele Marken besitzen ein „Gesicht“. Doch kaum ein Hersteller dürfte derart linientreu vorgehen wie Esoteric in seiner Top-Liga: Man kann den mächtigen Streamer nur in Details vom nah verwandten DAC oder dem zugehörigen SACD-Spieler unterscheiden. Die hohe Stirnlinie resultiert übrigens aus der Zweiteilung des Gehäuseinneren, wie wir gleich sehen werden.

Der gute erste Klangeindruck bezieht sich auf unterschiedliche Musikgenres von Rock über Pop und Jazz bis hin zur Klassik. Steigen wir mit letztgenanntem Genre in die genauere Beschreibung meiner Eindrücke ein. Die Einspielung der Orchesterwerke des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams vom Royal Liverpool Philharmonic Orchestra unter Andrew Manze ist nicht nur musikalisch, sondern auch klanglich eine mir wohlbekannte Aufnahme. Die Orchesterfassung der ursprünglich für Gesang komponierten Serenade to Music lässt mich tief in die Musik eintauchen. Ich weiß, solche Aussagen lesen Sie immer mal wieder, daher will ich es konkretisieren: Die Tiefenstaffelung von Streichern, Holz- und Blechbläsern ist in diesem hochauflösenden 24-bit/96-kHz-Qobuz-Stream exakt nachvollziehbar. Dabei verwischt der Klang der Instrumentengruppen nicht mal in den feinsten Nuancen. Ich kann die einzelnen Instrumente im Konzertsaal klar an ihrer Position erfassen und wähne mich an meinem Hörplatz akustisch direkt hinter dem Dirigentenpult. Neben der Exaktheit der räumlichen Wiedergabe präsentiert mir der Esoteric natürliche Klangfarben, wie ich sie aus orchestralen Live-Erlebnissen kenne und erinnere. Es gibt sehr gut auflösende Netzwerkspieler, die mich räumlich überzeugen, und es gibt den Esoteric, der trotz aller Details dem musikalischen Fluss immer den Vorrang gibt. Die oft fließenden, wellenartigen Streicherarrangements von Ralph Vaughan Williams gibt der N-01XD mit größter Empathie für den Klangkörper an die angeschlossene Wiedergabekette weiter. Das Ergebnis dieser Eindrücke ist ein immersives, fast süchtig machendes Klangerlebnis. Selbst unterhalb von Zimmerlautstärke bleibt diese großartige Bühne im Hörraum bestehen, und ich spüre dieselben Emotionen, die ich schon bei höherer Amplitude erleben durfte und die bei mir sanfte englische Hügellandschaften, Hecken und schmale Hohlwege vor dem inneren Auge entstehen lassen.

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Esoteric N-01XD
Stattliche Anschlussmöglichkeiten inklusive Zugang für USB-Massenspeicher und separate Erdung. Die Word-Clock-Anschlüsse verraten uns zwei Fakten: Da es einen „Out“ gibt, besitzt der N-01XD einen Premium-Taktgeber, den seine Entwickler für würdig befinden, andere Geräte damit zu speisen. Dass er auch einen „In“ besitzt, beweist jedoch gleichzeitig, dass sie es im Zweifel noch besser können.

Um an die Musikdaten aus dem Stream zu kommen, benötigt der Esoteric ein Netzwerkkabel, drahtlos geht es nicht. In Anbetracht der Betriebssicherheit bei hochauflösenden Streams ist das eine sinnvolle Entscheidung und letzten Endes aus meiner Sicht für jeden Besitzer technisch umsetzbar. Womit wir auf der Rückseite des Esoteric-Netzwerkspielers/Wandlers angekommen wären. Neben der Netzwerkbuchse und dem Kaltgeräteanschluss finden sich hier hochwertige, fest mit dem Gehäuse verschraubte Anschlüsse. Eingangsseitig nimmt der Esoteric PCM und DSD (bis zu 22,5 MHz bzw. DSD 512) entgegen. Die höchste Auflösung ist über den USB-, den Netzwerkanschluss sowie den proprietären ES-Link zuspielbar. Hierüber lassen sich vom passenden Esoteric-Laufwerk zum Beispiel die DSD-Daten einer SACD übertragen. Die übrigen Schnittstellen (AES EBU über XLR, S/PDIF optisch und koaxial) sind anschlussbedingt auf maximal 24 bit/192 kHz bei PCM sowie 2,8 MHz bei DSD begrenzt. Auch MQA-Daten können dekodiert werden. „Roon ready“ ist der Japaner natürlich auch.

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Innenansichten, Teil 1: Im Top-Teil des Top-Geräts findet die Signalverarbeitung statt. Wenn Sie genau hinsehen, entdecken Sie an den räumlich getrennten Signalausgängen die beiden kanalgetrennten FPGA-Wandler. Dazwischen liegen Streamer, Eingangswandler und der silbern gekapselte Taktgeber. Links davon liegen die beiden Platinen für die Aufbereitung der filigranen digitalen und analogen Kleinströme. Weiter geht’s unten …

Die beiden BNC-Buchsen ermöglichen eine Clock-Verbindung. Dabei kann der N-01XD entweder als Master (mit 44,1 kHz und 48 kHz Referenzfrequenz) oder als Slave (mit bis zu 10 MHz am Eingang) synchronisiert werden. Die USB-Buchsen auf der Rückseite nehmen neben dem Signal eines angeschlossenen Rechners auch Datenträger wie Sticks oder Festplatten auf. Letztere werden dann nicht nur Abspielgerät, sondern Musikserver für das eigene Netzwerk. Analog wird das Signal symmetrisch via XLR und unsymmetrisch via Cinchbuchse ausgegeben. Die Qualität der verbauten Buchsen ist auch hier über jeden Zweifel erhaben.

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Innenansichten, Teil 2: In der unteren Gehäusehälfte sehen Sie das „grobmotorische“ Gegenstück. Gleich vier Ringkerntrafos – auch hier erkennt man schon die strikte Trennung der Kanäle – sorgen für ausreichend Leistung im Rücken aller Schaltungen. Man beachte wundervolle Details wie die Griffe an der schirmenden Metallwanne. Die machen es sicher zur reinsten Freude, den 27-Kilo-Brocken zu montieren.

Bei dem aufgerufenen Preis finde ich das beiliegende Netzkabel in Baumarktqualität übrigens wenig angemessen, auch wenn die Bedienungsanleitung ausdrücklich darauf hinweist, dass beim Tausch des Kabels Brandgefahr bestehe! Ich habe mir trotzdem erlaubt, ein großes HMS-Netzkabel für den Bericht zu nutzen.

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Was verraten uns die höhenjustierbaren, resonanzschluckenden Füße? Richtig geschlussfolgert: Stellen Sie das Gerät mit einer Wasserwaage auf!

Unlängst ist das 1999er Album Unsolved der US-Formation Karate wiederveröffentlicht worden, das ich seinerzeit auch ganz gerne in Vorführungen auf Messen gespielt habe. Der von Jazz-Elementen beeinflusste Indie-Rock der Amerikaner um Frontmann Geoff Farina kommt vor allem im Stück „This Day Next Year“ kraftvoll, akzentuiert, dynamisch und handwerklich gekonnt daher. Während Schlagzeug und Bass ein lässig geshuffeltes Rhythmusbett legen, lässt Farina mit seiner unverzerrten E-Gitarre schwebende Arpeggien durch den holzig klingenden Aufnahmeraum wabern. Die große Stärke des Esoteric liegt auch hier in der Verbindung von feinsten Details, räumlicher Präzision und musikalischem Fluss. Während das Fell der Snare den Kessel leicht anregt, gerade genug, um einen tonalen Aspekt ins Klanggeschehen einfließen zu lassen, sirren die ebenfalls mit einem Stick gespielten Becken frei und mit allem erlaubten Ausklingen oberhalb der perkussiven Einheit. Die Basstrommel ist wie das ganze Set natürlich aufgenommen, erzeugt Druck, aber eben nur so, wie es im Aufnahmeraum auch klingt.

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Esoteric N-01XD

Für diese absolut hohe Klangqualität sind mehrere Aspekte verantwortlich. Fangen wir mit dem Aufbau an. Im Inneren des N-01XD gibt es zwei Ebenen. Eine beherbergt die lineare Stromversorgung mit vier Ringkerntransformatoren und damit unabhängigen Netzteilen. Die andere Ebene enthält die Signalverarbeitung und Transportlogik. Das Netzteil liefert einzeln aufbereitete Versorgungsspannungen für jeden Audiokanal, für die digitale Schaltung und für die Netzwerkfunktionalität. Wesentliche Bestandteile des „Master Sound Discrete DAC“ sind die hochwertige Masterclock, ein dedizierter Upsampler-Chip, der alle Daten als DSD an die kanalgetrennten Wandler weitergibt, sowie eine Pufferschaltung hinter dem Tiefpassfilter, der das Signal sehr niederohmig an den Ausgängen zur Verfügung stellt (Cinch: 15 Ohm, XLR: 40 Ohm). Gleichzeitig hat die Ausgangsschaltung eine eindrucksvolle Anstiegszeit von 2000 V/µs. Zusammen mit den verwendeten Ausgangskondensatoren sorgt das für eine schnelle, präzise Ansprache, was die Hördurchgänge mehr als bestätigt haben. Sowohl der Upsampler und DSD-Konverter als auch die beiden Delta-Sigma-Wandler sind FPGA-Chips, die von den Esoteric-Entwicklern mit den entsprechend angepassten Wandler-Algorhythmen gefüttert wurden. Ein technisch aufwendiger aber auch (klanglich) absolut eigenständiger Weg, den nur wenige Mitbewerber mitgehen. Chips von der Stange nutzt Esoteric also nicht, hier ist alles quasi „custom shop“!

Bildergalerie
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Ein Hinweis noch zur „Esoteric Sound Stream“-App. Wenn Sie Musik streamen oder von einem NAS spielen, können Sie einzelne Stücke durch einfaches Anklicken sofort abspielen. Diese werden umgehend der aktuellen Playliste hinzugefügt. Wenn Sie ein Album am Stück hören möchten, müssen sie dieses einmal eine gute Sekunde mit dem Finger auf dem Tablet oder Smartphone berühren und über die dann angebotenen Optionen der Playliste hinzufügen. Wenn man sich einmal an diese Pflicht-Playliste der App gewöhnt hat, läuft das wie von selbst. Man muss es nur wissen. Und noch ein kurzer Hinweis: Die Entwickler der Streaming-App haben keine Lizenz für das Abspielen von WMA-Dateien von Microsoft erworben, sodass Windows-Nutzer ihre gerippte Musik gegebenenfalls neu rippen oder transkodieren müssen. Alle anderen Formate spielt der Netzwerkplayer klaglos ab.

Esoteric N-01XD

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Ich nutze abschließend den Digitaleingang des Esoteric und spiele Musik über eine optische Verbindung von meinem Luxman-CD-Laufwerk zu. In der Lade dreht sich Joe Lovato und sein Trio Tapestry mit dem Album Garden Of Expression. Ich kann den Eingang des Esoteric nicht über die Streaming-App wechseln, die nur die Musik aus dem Netzwerk verwaltet. Dazu muss ich einmal aufstehen und über den Input-Taster auf der Front den entsprechenden Digitaleingang anwählen. Das ginge auch über die passende Fernbedienung; die ist allerdings nicht im Preis mit drin und muss separat erworben werden! Der Weg zurück zum Stream funktioniert hingegen durch erneutes Starten der Playlist.

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Das Display signalisiert passend zum CD-Medium „PCM 44,1 kHz“. Das Saxofon von Joe Lovano hat realistische Ausmaße, es klingt weder vordergründig spitz noch zu prominent. Das ist einmal mehr ein Instrument in seiner natürlichen Klangqualität. Ich schalte schnell mal auf den ungleich günstigeren Wandler im Luxman D-N150 und nehme automatisch einige Reihen weiter hinten im Konzertsaal Platz. Vor allem im Diskant wird der Anschlag von Marylin Crispell ein wenig verrundet. Tonal ist das durchaus dem Esoteric ähnlich, doch die extrem gut aufgelöste räumliche Positionierung des Esoteric sowie seine exakte und gleichzeitig musikdienliche Dynamik bleiben auf der Strecke. Diese Qualitäten liefert der N-01XD nachvollziehbar selbst ohne den direkten Vergleich ans geneigte Hörerohr. Er gehört zu den exklusiven Geräten, die beim Eintreten in den Raum schon signalisieren: Höre mir gut zu, ich bin ein ganz Großer!

Info

Netzwerkplayer/DAC Esoteric N-01XD
Konzept: Netzwerkspieler und Wandler mit proprietärem, diskretem Wandler und Masterclock
Eingänge: ES-LINK via HDMI (für Esoteric-Komponenten), 1 x AES/EBU (XLR), 2 x S/PDIF koaxial, 1 x S/PDIF optisch, Wordclock (BNC), USB-B-Eingang für PC und LAN, 2 x USB-A-Buchse für externe Datenträger
Ausgänge: 1 x XLR, 1 x Cinch, Wordclock (BNC)
Wandler: diskrete FPGA-Chips mit max. 32 bit und 384 kHz
Formate: alle gängigen Tonformate inklusive MQA und DSD (22,5 MHz)
Dienste/Standards: Tidal, Qobuz, Spotify, Roon ready
Ausführung: Aluminium und Stahl
Maße (B/H/T): 45/16/43 cm
Gewicht: 26,3 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 22 000 €

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Kontakt

Aqipa GmbH
Medipark 2
83088 Kiefersfelden
Telefon +49 8033 4954990

www.esoteric.jp/en

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