FIDELITY Wissen: Connect-Streaming
Mit Qobuz ist nach Spotify und Tidal ein dritter Anbieter auf den „Connect“-Zug aufgesprungen und wurde damit noch interessanter – nicht nur für Klangfetischisten. Aber Hand aufs Hertz: Wissen Sie überhaupt, was die proprietäre Diensteinbindung vom Connect-Service unterscheidet? Wir erklären es – so kompakt wie möglich.
Der Anfang war kompliziert: Wer ab den späten 2000ern Webstreaming über seine Anlage hören wollte, startete den PC und verlegte eine össelige Strippe quer durchs Wohnzimmer. Für Wagemutige gab es weitere Kompromisslösungen, die in der Summe aber vor allem Geld verbrannten. Kaum verwunderlich, dass der kometenhafte Erfolg von Sonos in die gleiche Zeit fiel. Die erschwinglichen Komponenten brachten in ihrem Betriebssystem Zugänge zu allen Musikanbietern mit. Man startete seinen neuen Sonos, öffnete die Smartphone-App, gab den Spotify- oder Deezer-Login ein, und schon konnte es losgehen – und das mit einer soliden Bedienoberfläche. Die war unübersehbar von Apple inspiriert und wurde ihrerseits zum Strickmuster für Marken wie Bluesound, Teufel/Raumfeld oder Cambridge Audio.
Mit der direkt eingebundenen Applikation war auch klanglich der Königsweg gefunden. Hersteller konnten sich die APIs (Programmschnittstellen) der Streamingdienste schnappen und sie für die Bedürfnisse ihrer Netzwerkspieler optimieren: Egal ob bei der Checksummen-Kontrolle (Suche nach Übertragungsfehlern) oder bei Aspekten wie Up- und Oversampling (Anpassung des Audio-Rohmaterials an den verbauten D/A-Wandler) – alles sollte wie geschmiert laufen.
Doch bald zeigten sich erste Risse. Durch ständige Änderungen in ihrem Portfolio (wachsende Bandbreiten, neue Strukturen in der Datenorganisation) strapazierten die Streaminganbieter die Nerven und Budgets vieler HiFi-Hersteller. Praktisch im Wochentakt mussten und müssen die ihre Apps und Betriebssysteme updaten, um Features wie HiRes-Audio, dynamische Playlisten oder Podcasts am Laufen zu halten. Das verursacht enorme Supportkosten. Die Folge: Hersteller lassen den wunderbar arbeitenden Streamer vorzeitig auslaufen und bringen lieber ein neues Modell. Als logischer Knackpunkt gesellt sich hinzu: Praktisch keine API unterstützt multiple Nutzer. Hat Vati einmal sein Passwort eingegeben, ist sein Account für jeden Mitnutzer im Haushalt zugänglich und die wohlorganisierte Musiksammlung verwandelt sich in Chaos. Die Streaminganbieter nervt indes ein völlig anderer Aspekt: Die Remote-Apps folgen der Corporate Identity der Hersteller. Cambridge Audio hält alles in Blau/Weiß, Lumin bevorzugt ein augenschonendes Mittelgrau. Spotify wollte den Herstellern vor einigen Jahren allen Ernstes seine giftgrüne Optik aufzwingen, was bereits an den Fähigkeiten vieler Netzwerkspieler scheiterte – für optische Spielereien besitzen Audiokomponenten nicht ansatzweise genügend Arbeitsspeicher.
Und so war Spotify auch der Anbieter, der sich die Connect-Spielweise einfallen ließ: Statt einer vollständigen Applikation wird nur noch eine winzige Schnittstelle im Streamer installiert, die seine „Spotify Connect“-Fähigkeit im Netzwerk ausweist. Startet man die App auf dem Computer oder Smart Device, wird der Streamer als Wiedergabegerät erkannt und angezeigt. Wählt man die HiFi-Komponente als Audio-Ausgang, sendet die App eine Legitimation an die Server des Dienstanbieters, und schon wird der Streamer mit der gewünschten Musik beströmt.

Das bringt neben Zukunftssicherheit weitere Vorteile: Während das Smart Device bei Apple AirPlay oder Google Play-Fi permanent Daten schaufelt, was die begrenzte Akkukapazität strapaziert, ist das Smartphone bei Connect eine reine Fernbedienung und darf in den Standby. Der Datenaustausch läuft allein zwischen Streamer und den Servern des Anbieters ab. Außerdem kann die App-Oberfläche viel besser an Bedürfnisse und Portfolio des Webdienstes angepasst werden, und Updates fallen kaum ins Gewicht. Schließlich können auch noch beliebig viele Accounts über ein- und denselben Netzwerkspieler streamen – nacheinander, versteht sich.
Gibt es auch Nachteile? Hier kann man bestenfalls anmerken, dass man den Anbietern ausgeliefert ist. Sollten die etwa auf die Idee kommen, Werbung in ihre Apps einzubinden, muss man damit leben oder umsteigen. In klanglicher Hinsicht funktioniert Connect hervorragend, denn alle proprietären Veredelungsfähigkeiten und Klangregler der Wiedergabegeräte bleiben über deren Gerätesoftware erhalten.


