Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer

Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer

Zum Thema Phonoentzerrer scheint längst alles gesagt. Genuin Audio schafft es trotzdem, mit einer so originellen wie kompromisslosen Neuinterpretation zu überraschen.

Genuin Audio Pearl – Vom Fuchs und der Perle

Zum Thema Phonoentzerrer scheint längst alles gesagt. Genuin Audio schafft es trotzdem, mit einer so originellen wie kompromisslosen Neuinterpretation zu überraschen.

Fotografie: Ingo Schulz

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Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer

Der Phonoentzerrer Genuin Audio Pearl ist das jüngste Werk eines der erfahrensten Entwickler des Landes: Walter Fuchs. Seit bald einem halben Jahrhundert ist Fuchs im Tonstudio und als Konstrukteur analoger und digitaler Audiotechnik unterwegs. In dieser Zeit heimste er reichlich Lorbeeren auf eigene Kappe ein (Markenname: SAC), war aber auch regelmäßig als „hired gun“ für renommierte einheimische und internationale Marken tätig. Für das Projekt Pearl bekam er vom Auftraggeber Thomas Wendt, Gründer und Chef der jungen Marke Genuin Audio, Carte blanche. Auf Deutsch: Er durfte sich austoben. Das hat er dann auch getan – allerdings auf seine eigene, spezifisch Fuchs’sche Weise.

Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer

Als eigenständiges Gerät ist der Phono-Pre Pearl der jüngste Zuwachs in der stetig wachsenden Produktpalette von Genuin Audio. Als neugierigen Blicken entzogene Platine gibt es ihn allerdings schon ein Weilchen, denn er basiert auf dem eingebauten Entzerrermodul aus dem hauseigenen Plattenspieler Drive. Nun kommt er als zweiteiliges Gerät, aufgetrennt in Signalverarbeitung und Netzteil, auf den Markt. Der optische Auftritt ist betont, um nicht zu sagen aufreizend unspektakulär. Zwei mittel- bis leichtgewichtige Aluminiumkisten in Kompaktformat, an denen so überhaupt nichts das Preisschild von 4900 Euro rechtfertigen mag. Weder finden sich hier exzessive Fräsarbeiten aus zentnerschweren Aluminiumblöcken, noch hat Herr Fuchs Edelmetalle, geschweige denn sammelwürdige Röhren verbaut.

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Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer

Doch wer aufmerksam hinsieht, erkennt die Zeichen. Per Knopfdruck lässt sich ein Subsonic-Filter aktivieren – eine eminent nützliche, heutzutage kaum noch anzutreffende Funktion. Ein weiterer Knopf an der Front schaltet zwischen MM- und MC-Verstärkung um. Gleichzeitig finden sich an der Rückseite je ein mit „MM“ und ein mit „MC“ beschrifteter Eingang. Da werden doch nicht etwa zwei eigenständige Verstärkerzüge unter der Alu-Haube stecken? Und wieso ist eigentlich der MC-Eingang als symmetrischer XLR-Anschluss ausgeführt, der MM-Input dagegen mit Cinchbuchsen bestückt? An der Unterseite des Entzerrergehäuses finden sich opulente Einstellmöglichkeiten für Verstärkung, Impedanz und Kapazität. Und das Netzteil – es wiegt so schwer in der Hand, das kann doch nur … ja, das ist die gute altmodische Ringkern-und-reichlich-Siebkapazität-Bauweise. Sehr gut.

Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer
Beim Netzteil gibt es eine Gleichspannungsunterdrückung für die Netzspannung zu entdecken sowie ein Netzfilter, das bereits im Bereich von 1 kHz arbeitet. Die eigentliche Stabilisierung der Betriebsspannung für den Pearl, auch hier sind 40 000 µF eingesetzt. Die Betriebsspannung weist am Ausgang (achtpolige Buchse) einen Restbrumm im Mikrovoltbereich (< 25 µV) auf. Der Transformator ist für 250 Watt ausgelegt und intern mit einer zusätzlichen Schirmwicklung versehen.

Das technische Konzept der Genuin Audio Pearl basiert auf einer zweistufigen Aktiv/passiv-Entzerrung, für die der Entwickler eine Abweichung von der RIAA-Kurve von lediglich 0,3 dB reklamiert (gemessen bei 1 kHz). Eine Servoschaltung verhindert, dass Gleichstromanteile am Ausgang unangenehm in Erscheinung treten. Besondere Sorgfalt wird auf die Ausführung des symmetrischen Signalwegs gelegt sowie auf die Verwendung bester Bauteile. Fuchs selektiert an kritischen Stellen Widerstände und Kondensatoren auf Toleranzen von maximal einem halben Prozent. Das Resultat soll eine überragend störgeräuscharme Verstärkung selbst leisester Tonabnehmer sein. Auch für die Kanaltrennung führt Walter Fuchs nach eigener Einschätzung superlative Werte an, wohl wissend, dass das Medium Schallplatte hier seinen wunden Punkt hat, aber hey, die Pearl könnte eben, wenn sie dürfte.

Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer
Das Innenleben des Pearl offenbart seinen kanalgetrennten Aufbau sowie eine Kondensatorbank (Kapazität 80 000 µF). Bei den schwarzen viereckigen Blöcken handelt es sich um die selektierten Kondensatoren für die RIAA-Entzerrung. Bereits vor dem Selektieren haben sie eine Toleranz von lediglich 1 % – ein sehr guter Wert für Kondensatoren.

Der symmetrische Input ist nicht bloß eine freundliche Geste an die kleine Gemeinde der Betreiber von XLR-terminierten Tonarmen. Dieser Eingang ist explizit und ausschließlich Moving-Coil-Systemen vorbehalten. MM-Tonabnehmer müssen an den Cinch-Input. Ja, wieso das denn? Weil, so erklärt der Entwickler, Magnetsysteme allzu oft kein wirklich symmetrisches Signal an den Ausgangsbuchsen abliefern, da deren Gehäuse gerne über einen der vier Ausgangspole geerdet werden. Was elektrisch eine ganz andere Nummer ist als MC-Tonabnehmer, die ein sauberes „echt symmetrisches“ Signal generieren, das dann idealerweise in einem erdfrei beschalteten Vorstufeneingang mündet, der allein das Differenzsignal verarbeitet. Nur unter diesen Bedingungen ließen sich die klanglichen Vorzüge der symmetrischen Quelle mit nachgeschalteter perfekt symmetrischer Signalverarbeitung voll nutzen. Also finden sich in der Pearl tatsächlich zwei komplett eigenständige Schaltungszüge für MC und MM. Das erklärt dann auch den Umschalter an der Front, der über ein gekapseltes Relais zwischen beiden Inputs hin- und herschaltet.

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Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer

Ich ziehe den Hut vor Fuchs’ konsequenter Herangehensweise. Allerdings mit einem leisen Bauchgrummeln. Denn in der Praxis sind die wenigsten Tonarme mit XLR-Steckern terminiert. Das symmetrische Ausgangssignal liegt zwar in den meisten Fällen (die große Ausnahme sind Tonarme von Rega) auch an Cinch-Steckern an. Da sich dort aber zwei physisch vollkommen unterschiedliche Kontakttypen finden (Mittelpin und umlaufender Kragen), erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von nicht gleichartigen Störungen, die von der dem symmetrischen Prinzip eigenen Gleichtaktunterdrückung nicht mehr ausgelöscht werden können. Anders gesagt: Cinch-zu-XLR-Adapter sind komfortabel, elektrisch aber eigentlich Unsinn – und sie werden trotzdem allzu oft zum Einsatz kommen. Bleibt zu hoffen, dass mehr Betreiber hochwertiger MCs ihren Phonokabeln die technisch doch eigentlich zwingende XLR-Terminierung gönnen.

Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer

Mein MC-Tonabnehmer Lyra Kleos fühlt sich am Genuin Audio Pearl auf Anhieb pudelwohl. Die DIP-Schalter für die Anpassung von Verstärkungsfaktor, Impedanz und Kapazität belasse ich allesamt in Stellung 0. Damit „sieht“ der Generator des Kleos einen Eingangswiderstand von zwei Kiloohm. Die Verstärkung beträgt in dieser Konfiguration 59 dB. Dass maximal 73 dB möglich wären, um extrem leise Tonabnehmerexoten praxisgerecht zu verstärken, ist übrigens eine echte Ansage. Das ist ohne ernsthaften konstruktiven Aufwand kaum zu schaffen.

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Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer
An der Geräteunterseite kann man die Verstärkung für MM und MC abschmecken. Darüber ist die Belegung der XLR-Buchsen abgedruckt.

Sollte ich den Klang des Genuin Audio Pearl mit nur einem Wort charakterisieren, dann wäre das: leidenschaftlich. Ich habe mich durch Vinyl aller Genres gehört, von historischen Supraphons bis Yello, und dabei immer das Gefühl gehabt, außergewöhnlich engagiert angespielt zu werden. Man hätte die jeweilige Performance sicher mühelos zerpflücken, hier den schnellen und druckvollen Bass, da die Aufdröselung von Klangfarben preisen können. Aber den Pearl kennzeichnet besonders die tolle Integration all dieser Qualitäten. Was dann in der Summe den Hörer packt, ist ein mitreißendes musikalisches Temperament. Das aber ohne Effekte auskommt, ohne Vordergründigkeiten wie euphonische Geschmacksverstärker, die nicht selten doch bloß Defizite maskieren.

Eine musikalisch enorm unterhaltsame wie aufnahmetechnisch großartige Produktion ist die bei Berlin Classics erschienene Aufnahme der für Klavierquartett arrangierten Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky, die das Fauré-Quartett im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Ja, das ist so wild, wie es sich anhört. Die vier Musiker loten dynamische Grenzen aus, gehen spieltechnisch in die Extreme und lassen keine Gelegenheit aus, mit nichts anderem als Klavier, Geige, Bratsche und Cello einen maximal effektreichen orchestralen Breitwandsound zu simulieren. Die Aufnahme ist pickepackevoll mit allem, was eine Anlage bis ans Äußerste fordert. Für den Pearl ist das ein Fest. Kaum hörbare Pianissimi stellt der Entzerrer präzise in den Raum, und wenn gleich darauf Eruptionen des Konzertflügels folgen, behält alles seinen Zusammenhang, herrscht vollkommene Übersicht über das Geschehen. Wenn die drei Streicher in höchster Erregung den „Gnom“ oder das „Ballett der Küken in ihren Eierschalen“ nachstellen, dann überträgt Fuchs’ Entzerrer die Spannung so unmittelbar in den Hörraum, dass es den Hörer regelrecht in seinen Sessel drückt. Besonders diese Qualität hebt den Pearl deutlich über im Vergleich gehörte Vorverstärker der 2500- bis 3000 Euro-Klasse heraus. Da ist, jetzt mal flapsig formuliert, richtig Leben in der Bude.

Hier soll sich keiner vom schlichten Äußeren täuschen lassen. Walter Fuchs hat in den Genuin Audio Pearl seine ganze Erfahrung gesteckt und ein kleines Meisterwerk geschaffen, dessen Musikalität süchtig machen kann. Glückwunsch, Bravo, Zugabe!

Wir meinen

Das Meisterwerk von Walter Fuchs punktet mit kompromissloser Umsetzung eines symmetrischen Signalwegs. Ein mitreißend musikalischer Phonoentzerrer in Studioqualität.

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Genuin Audio Pearl Phonoentzerrer Navigator

 

Info

Phonoentzerrer Genuin Audio Pearl
Funktionsprinzip: Phono-Entzerrer und -Vorverstärker mit symmetrischem MC- und unsymmetrischem MM-Zweig
Eingänge: 1 x Phono MC (XLR), 1 x Phono MM (Cinch)
Ausgänge: 1 x Line symmetrisch (XLR), 1 x Line unsymmetrisch (Cinch)
Besonderheiten: ausgelagertes Linearnetzteil, schaltbares
Subsonicfilter (16 Hz), Übersteuerungswarnleuchte, Eingangsimpedanz
wählbar 125-2000 Ohm, Verstärkung wählbar 37-74 dB, Kapazität (MM)
wählbar 47-285 pF
Ausführung: Aluminium silber gebürstet
Abmessungen: (B/H/T): 21/7/26 cm (Pearl), 17/7/32 cm (Netzteil)
Gewicht: 2,4 kg (Pearl), 4,1 kg (Netzteil)
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 4900€

 

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Kontakt

Genuin Audio
Byhlener Straße 1
03044 Cottbus
Telefon +49 355 38377808

 

www.genuin-audio.de

 

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Mitspieler

Plattenspieler: bauer audio dps 3
Tonarm: bauer audio Tonarm
Tonabnehmer: Lyra Kleos
Phonovorverstärker: bauer audio Phono
MC-Übertrager: Consolidated Audio Kupfer, Nanocore Silber
CD-Player: Electrocompaniet EMC-1 UP, Meridian 508/24
Vollverstärker: Silbatone JI-300B Mk III
Vorverstärker: Naim Audio NAC 202, NAPSC, Silvercore Daland
Endverstärker: Naim Audio NAP 200
Kabel: Naim Audio, HMS, Fadel Art, Chord, Music Line
Zubehör: Selbstbau-Rack, Granitbasen

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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