High End 2022 in München, Teil 3 (Elektronik)

Verstärker, Quellen und alles dazwischen ...

Solide Produktpflege

Carsten Barnbeck stürzte sich in Messegetümmel und ging auf die Jagd nach Elektronik und Zubehör. Entdecken Sie mit uns die spannendsten Produkte der High End 2022 in München.


Hier geht es zu den anderen Teilen unserer großen Messenachlese:

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Teil 1 (Analog)

Teil 2 (Lautsprecher)

Teil 3 (Elektronik)

Teil 4 (Zahlen, Anekdoten)

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Wir haben es vor der High End 2022 in München bereits geahnt und konnten absehen, wie das durchschnittliche Messegespräch ablaufen würde: Angesprochen auf Veröffentlichungstermine ihrer Produktneuheiten zogen praktisch alle Hersteller die Augenbraun hoch, atmeten tief ein und setzten an zu „Wollt ihr die ganze Geschichte oder reicht eine Kurzversion?“

Dabei bereitet der bekannte Teil der Corona-bedingten Lieferkrise vielen Produzenten mittlerweile weniger Probleme, als wir dachten. Irgendwo lassen sich scheinbar immer ein paar DAC-Chips, DSP oder vergleichbare Komponenten auftreiben. Wer highendige Streamer in vergleichsweise überschaubaren Stückzahlen produziert, kann sich vergleichsweise einfach einen „gesunden“ Lagerbestand anlegen. Zudem beginne Asahi Kasei – das Werk der Japaner war vor geraumer Zeit eine Brand zum Opfer gefallen – allmählich wieder mit der Produktion, wie wir erfuhren. Vollkommen anders sieht es dagegen bei Materialien aus, die man ungern tonnenweise im Lager bunkert. Aluminium etwa. Und während uns die Entwickler nahzu aller Hersteller über explodierende Rohstoffkosten berichten, stöhnen direkt daneben die Logistiker, die gern das ein oder andere zu Containerpreisen anmerken wollten.

Die aktuellen Umstände “belasteten” unsere Messegespräche jedoch verblüffend wenig. Und das lag nicht (nur) daran, dass die meisten Aussteller durch die erste echte Großveranstaltung seit drei Jahren aufgeputscht waren. Viele High End-Manufakturen haben ihre Produktion ohnehin in heimischen Gefilden, was ihre Klagen über Containerpreise und Co. mindert.

Qualität statt Quantität

Trotzdem müssen wir postulieren, dass die High End 2022 in München nicht die Show der Elektronik war. Wer sensationelle technologische Neuerungen erwartet hatte, ging leer aus. Darüber kann man sich aber auch freuen: Streamer und DACs mit 24/192 scheinen auf lange Sicht das Maß aller Dinge zu bleiben, was der vergleichsweise kurzlebigen Digitaltechnik allmählich eine beständige Basis gibt. Neue Tonformate sind ebenfalls nicht in Sicht. Stattdessen stieß man allerorten auf die Verfeinerung bekannter Rezepturen, auf Upgrades, kleinere Versionen bewährter Maschinen oder auf Kombination verschiedener Komponenten unter einem Gehäusedeckel. Ganz normale „Hege und Pflege“ also.

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Da wir die beiden ersten Teile unserer großen Messenachlese(n) im gewohnten Rahmen abgehandelt haben, drehen wir den Spieß diesmal um und realisieren unsere elektronischen Entdeckungen als eine Art Foto-Lovestory.

Viel Spaß beim Schmökern und Genießen!

Sektion A: Verstärker

Unsere erste Erwähnung gilt Gryphons gewaltiger Apex. Die Endstufe – angeboten in mono oder stereo – ist nicht neu, sie war gemeinsam mit einigen ihrer kleineren Geschwister aber einer DER Showmacher. Obwohl wir hier über eine Art “Monumentalfilm der Verstärkerstechnik” sprechen, über eine Endstufe mit Immobilienstatus (>200 Kg), konnten wir sie in mehreren Vorführungen zu entdecken, so etwa an Audio Physics neuer Medeos. Die Dänen hatten scheinbar einen ganzen 40-Tonner voll Endverstärker angekarrt.
Und nochmal Skandinavien: Aavik zeigte einen der meistbestaunten Integrierten der Messe. Der Vollverstärker I-880 ist die erste Inkarnation der neuen 880-Serie. Enwickelt wurde der Hochkaräter von Michael Borresen und dem ehemaligen Gryphon-Chef Flemming Erik Rasmussen. Anders als bei der 500er-Linie weicht Aavik von der Class-D-Technik ab. Stattdessen bietet der 880er analoges Class-A mit beeindruckenden 2 x 200 Watt.
Uuuuuund nochmal Neues aus dem hohen Norden: Electrocompaniet zeigte die AW 800 M … und ja, die Zahl steht für die Wattleistung des erstaunlich kompakten Mono-Endverstärkers. Von der Größe sollte man sich aber nicht täuschen lassen: Im Paar bringen die 800er über 100 kg auf die Waage.
Mit dem Vollverstärker RA180 dürfte HiFi Rose eines der meistzitierten Ausstellungsstücke der High End 2022 in München gelungen sein: Der Vollverstärker zog mit seinen Zahnrädern, markanten VU-Metern und Schaltern alle Aufmerksamkeit auf sich. Die groben Eckdaten: Hybride Class-AD-Verstärkung mit 2 x 400 Watt (4 Ohm), integrierter Phono-Entzerrer (MM/MC) sowie vier weitere, rein analoge Zugänge.
Burmester stellte neben der Standbox B 150 den neuen Stereo-Endverstärker B 218 vor (rechts im Bild). Das Kraftwerk ist “die neue kleine” Endstufe der Reference-Linie und schließt bündig an die 909-Monos an. Die Gene der B 218 streben allerdings noch höher: Nach Herstellerangaben diente der Über-Mono 159 aus der Signature-Serie als Vorbild für den neuen Endverstärker.
Unser Preis für das beste Display an einer Analog-Komponente geht an den Audio Research I/50 Integrated … sie sehen es doch, oder?
Analogliebhabern dürfte bei diesem Anblick das Herz höher schlagen: Western Electrics 91E ist mit zwei 300B-Kolben ausgestattet und leistet standesgemäße 14 Watt an vier Ohm. Sofern man sich an Klirrwerten um die 10% nicht weiter stört, sind mit etwas Glück bis zu 20 Watt drin.
Lindemann stellte mit dem “Musicbook Combo” (hier der schöne Rücken) eine verführerische Kombination: Die Netzwerkspieler und D/A-Wandler des “Source” treffen auf die Wucht der passenden Endstufe “Power”. Um Temperaturprobleme zu vermeiden, halbierte Norbert Lindemann die Leistung des Verstärkers. Mit 2 x 130 Watt an 4 Ohm kann von Schwachbrüstigeit allerdings nicht die Rede sein …
Zuwachs in T+As HV-Familie: Der PSD 3100 HV ist eine Vorstufe mit integriertem D/A-Wandler und Netzwerkspieler – eine umfassende Kontrollstation für alle, die bereits ein potentes Laufwerk besitzen oder keins benötigen.
Parallel zu ihrem Vorstufen-Koloss stellten die Herforder die kleine Mono-Endstufe M200 vor, die stattliche 420 Watt an 4 Ohm leistet.
Denon stellte den jüngsten Ableger seiner 1000er-Baureihe vor: Der PMA-1700NE leistet 140 Watt (4 Ohm) und bietet Vollausstattung mit Phono (MM/MC), Streamer und D/A-Wandler inklusive DSD. Über seinen Endstufeneinfang lässt er sich auch als Teil einer Mehrkanal-Anlage einsetzen.

Sektion B: Quellen

Eines der attraktivsten Geräte der Messe: Mit dem CD 60 (im Bild oben) ergänzt Marantz sein neue 30er/40er-Familie um einen reinen CD-Spieler ohne Streaming oder DAC-Zugänge. Dank identischer Frontblende lässt er sich mit allen Geschwistern kombinieren. Der Purist bleibt preislich im dreistelligen Bereich.
Dass man mit Netzwerk-Isolatoren und Switches mehr aus jedem Streamer herauskitzeln kann, ist mittlerweile anerkannt. Melco setzt dieser Gattung die Krone auf: Der S10 trennt Switch und Netzteil in separate Gehäuse. Neben acht LAN-Ports gibt es auch zwei SFP-Anschlüsse fürs galvanisch isolierte Glasfaser-Netzwerk.
Und hier eine Kombis, die man eigentlich nicht übersehen konnte. Wadax fuhr seine große Reference-Serie auf. Falls Sie es ganz genau wissen möchten: Das Bild zeigt einen D/A-Wandler (o.l.) und einen Netzwerkspieler (o.r.). In der Reihe darunter die unverzichtbaren Netzteile der beiden Boliden.
Erst A, dann B: Innuos machte einen interessanten Hörvergleich. Das Netzteil des Servers “Statement” ist jetzt in einer “geboosterten” Version erhältlich. Um die räumlich-gelösten Vorzüge der neuen Versorgungseinheit zu demonstrieren, wurde es abwechselnd mit seinem Vorgänger vorgeführt, der ebenfalls im Handel bleibt. Die Unterschiede waren subtil, aber wahrnehmbar.
Parallel zum aufgebohrten Server zeigten die Portugiesen gleich drei neue Netzwerkspieler namens PulseMini, Pulse und Pulsar. Alle drei Geräte bringen die herausragende Steuerungssoftware des Statement in jede Anlage. Die Pulsar verfügt zudem über einen USB-Reclocker, der die Datenströme für den nachgeschalteten D/A-Wandler aufbereitet.

Sektion C: Zubehör und Sonstiges

WBT beseitigt ein Problem, dessen Existenz die meisten HiFi-Fans nicht einmals erahnten: Der Cinch-Anschluss habe enorme Toleranzen, wie uns Wolfgang Thörner erklärte. Optimaler Kontakt sei daher nicht immer gewährleistet. Die neue “Cinch-Pistole” der Essener (so haben wir das kleine Ding getauft) lässt sich arretieren. Drückt man ihren weißen oder roten Hebel herunter, fährt an der Spitze ein kleiner Bolzen heraus, der den Stecker verriegelt und fest mit der Buchse verbindet. Natürlich sind die Kontakte mit PlasmaProtect veredelt.
Inakustik stellte seinen neuen Stromfilter Reference Power Station AC-4500 vor. Das Gerät im HiFi-Gardemaß (45 cm) besitzt insgesamt sechs Abgriffe, die sich in zwei Filterstufen für analoge und digitale Komponenten gliedern. So unscheinbar die 4500 von außen wirken mag, innen ist sie die reinste Materialschlacht.
Chord Company hielt uns die neuen GroundARAYs unter die Nase: Die silbernen “Zapfen” werden an einen (oder mehrere) Anschlüsse von Komponenten gestöpselt. Dort zapfen sie HF-Stören ab und verwandeln sie in Wärme. Um eine große Bandbreite von Geräten abzudecken, werden die ARAYs mit Cinch-, BNC-, XLR- (male und female) sowie mit RJ45-Steckern (Netzwerk) angeboten. Gleich drei dieser Silberlinge stecken übrigens in der großen neuen Netzleiste PowerHAUS M6.
Diese beiden steuerbaren N5-Röhrennetzteile dienten im Raum von Voxativ als Blickfang. Die riesigen Kunstwerke sind ironischerweise vor allem für “Kleinstverbraucher” wie Router, Streamer oder NAS-Laufwerke gedacht.

Bildergalerie

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Weitere Infos zur Messe: www.highendsociety.de

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