Hörsäle der Welt - Die Glocke, Bremen

Hörsäle der Welt: Die Glocke, Bremen

Ein großes Glück für Musiker

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Die Glocke, Bremen

Lange hat es gedauert: Über viele Ausgaben hinweg habe ich einen meiner Lieblingssäle umschlichen, wollte nicht sofort mit einem der Highlights trumpfen, und obendrein mit einem Saal, den nur wenige Musikliebhaber kennen. Was sehr schade ist, denn dieser Glocke sollte jeder auch nur ansatzweise ernsthafte Musikfreund mindestens einmal sein Ohr geliehen haben.

Mitten im Zentrum der Hansestadt, auf der Domheide, liegt dieser wundervolle Saal mit seiner langen Geschichte. Im 15. Jahrhundert als Kapitelsaal gebaut, diente die ursprünglich achteckige Halle über Jahrhunderte hinweg als Ort für Sitzungen des Domkapitels und später auch für Gerichtsverhandlungen. Ob sich der Name der Halle aus der ursprünglich glockenartigen Form herleitet oder aber von der auf dem Dach montierten Glocke, die immer zu den Sitzungen rief – die Meinungen gehen hier auseinander.

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Diverse Male wurde die Glocke von Grund auf neu gebaut oder umgestaltet, im Jahre 1915 schließlich ebnete ein Großbrand sie komplett ein und machte somit den Weg für einen lang ersehnten Neubau frei. Ein Bremer Architekt lieferte den mit Stufengiebel und Backsteinfassade bestens ins Stadtbild passenden Entwurf, 1928 wurde die neue Glocke schließlich eingeweiht.

Hörsäle der Welt - Die Glocke, Bremen
Die Glocke, Bremen

Hinter der Bühne ist es leider eng und winkelig, diesem Saal verzeihe ich das aber sofort, denn das Erlebnis auf der Bühne ist jede Mühe wert. Mit seinen 1400 Plätzen ist der Große Saal gerade noch so klein, dass sich eine gewisse Nähe zum Publikum einstellt; allerdings auch schon so groß, dass sich selbst bei höheren Lautstärken nicht die Decke hebt. Ideal also für die allermeisten Erfordernisse.

Oft wird über das Saalinnere, über die grünen Wände und das schwarze Holz gelästert, allerdings können wir hier zum einen feinsten Expressionismus erleben, zum anderen bleibt unsere Epoche noch den Beweis schuldig, geschmackssicherer als die 20er Jahre durch die Zeit zu segeln.

Keine Diskussionen gibt es allerdings beim Klang. Hier gehen Detailtreue und Hall, Wärme und Durchhörbarkeit einen wirklich einzigartig beglückenden Kompromiss ein. Töne werden wohl nur vom Goldenen Saal im Musikverein zu Wien ähnlich sanft getragen. Als Musiker hat man das Gefühl, einen Klang im Instrument nur anstoßen und ein wenig den Fortgang kontrollieren zu müssen, den Rest erledigt der Saal. Kein Wunder, dass gerade Sänger sich darum reißen, in dieser Halle auftreten zu dürfen. Und es verwundert, dass hier nicht ständig CD-Produktionen stattfinden. Aber wahrscheinlich ist die Glocke mit ihren vielen Veranstaltungen schlicht zu gut gebucht, um sie für eine Aufnahme über mehrere Tage lahm zu legen.

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Wie auch immer, darf man hier spielen, ist es das große Glück für einen Musiker, denn die Glocke trifft in so vielen Bereichen, die einem den Job verschönern, voll ins Schwarze. Hohe Lautstärken sind hier möglich, der Grenzbereich des Saales wird allerdings sanft erreicht: Irgendwann wird der Klang etwas enger, legt aber im Pegel nicht weiter zu – was auch immer man am Instrument veranstaltet. Dabei driftet die tonliche Substanz nicht wie in so vielen Sälen ins Harsche ab. Nein, die Glocke bleibt immer charmant.
Genau wie die sie umgebende Innenstadt. Und die Nähe zum Meer. Hier stimmt alles.

Aufnahmen mit konzertsaaltypischem Klang

Da der Saal primär live für Konzerte genutzt wird, entstehen dort zwar hin und wieder Konzertmitschnitte, aber kaum CD-Produktionen.

 

www.glocke.de

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