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Jazz Kissa - Buchbesprechung

Jazz Kissa

The Soul of Japanese Listening Culture

Jazz Kissa

Kaum jemand versteht es wie Japaner, augenscheinlich einfache Dinge durch bemerkenswerte Sorgfalt und Detailversessenheit zu Kunstobjekten zu erheben.

Jazz Kissa - Buchbesprechung

Das gilt für Gegenstände wie Essschalen und Schiebetüren ebenso wie für Konzepte wie etwa Jazz-Kissas. An sich schlicht Cafés, in denen Jazz gespielt wird, hat sich das vor etwa 100 Jahren entstandene Phänomen schnell zu einem Heiligtum des bewussten, konzentrierten Musikgenusses entwickelt. In einer Jazz-Kissa redet man nicht, man hört. Teils winzige Räumlichkeiten beherbergen bisweilen mächtige Systeme, die sorgsam auf die Umgebung eingerichtet sind. Statt automatisierter Playlists wird händisch bewusst kuratiertes Musikprogramm aufgelegt.

Jazz Kissa - Buchbesprechung

In Jazz Kissa fängt Katsumasa Kusunose in über 300 Abbildungen gekonnt die Stimmung solcher Hörtempel ein, während Devon Turnbull die Signifikanz dieser schwindenden Lokalgattung für Vergangenheit und Gegenwart erfasst und Letzteres in den Kontext eines in seinen Augen allmählich wiederkehrenden Interesses am Thema HiFi stellt. Zu keinem Zeitpunkt kommt jedoch der Eindruck auf, man hätte es mit einer kulturgeschichtlichen Abhandlung zu tun. Ganz im Gegenteil versteht sich Jazz Kissa klar als Bildband, als Werk zum Ansehen, Anfühlen und Genießen. Fotografien wechseln sich mit technischen Skizzen ab; die Technik an sich wird ebenso gefeiert wie die Einrichtung und die Musikauswahl. Beim Schmökern bekommt man den Eindruck, man könnte das Holz der Regale, das Vintage-Equipment, die Plattenhüllen geradezu riechen – gewürzt mit einem Hauch Nikka-Whisky und Zigarettenrauch.

Auszüge
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Der Sorgfalt, mit der die Hörlokale gestaltet und betrieben werden, trägt auch die spektakuläre Aufmachung Rechnung, wobei sich hier einmal mehr die für Japan typische Detailverliebtheit zeigt: Gedruckt ist der Band auf einem speziellen japanischen Papier, das in seiner Oberflächenbeschaffenheit an die Membranoberflächen eines Altec-A7-Lautsprechers erinnern soll; das textilbeschlagene Hardcover zeigt auf der Rückseite die geprägten Umrisse der entsprechenden Hornvorsätze. Als Tüpfelchen auf dem i ziert den Band ein Obi – er darf auf keinem Produkt aus dem Land der aufgehenden Sonne fehlen –, eine Papierschärpe, auf der die wichtigsten Informationen über das Buch zu finden sind.

Jazz Kissa - Buchbesprechung

Wer bereits einen Bezug zu Jazz-Kissas hat, wird sich hier auf Anhieb zu Hause fühlen; allen anderen wird dieser Band die Stimmung und Philosophie hinter den Hörcafés so gut vermitteln, wie es ohne Ton nur möglich ist.

Info

Katsumasa Kusunose, Devon Turnbull, „Jazz Kissa – The Soul of Japanese Listening Culture

Hardcover, 336 Seiten, um 120 €
ERG Media
ISBN: 978-90-835320-0-4 (Englisch)

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