McForster

Kolumne: Nicht MC Forster, sondern McForster

Nicht MC Forster, sondern McForster

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

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Neulich an einer dieser Litfaßsäulen vorbeigekommen, die von innen hoffnungsvoll erstrahlen wie ein Leuchtturm in stürmischer Winternacht. Auf der einen Seite Werbung von McDonald’s, auf der anderen von Mark Forster. Neuer Lieferservice für Hamburger, neues Album Liebe. Manch einer mag sich denken: Wie praktisch, Royal TS frei Haus, und: Wie schön, Forster singt von Liebe, Liebe ist wichtig. Dachte man aber nicht, weder das eine noch das andere. Zum einen: Ein Royal TS verliert in seiner braunen Papiertüte nanosekündlich an Esprit, von den Pommes ganz zu schweigen – man will nicht wissen, in welchem Zustand sich ein Royal TS nach einer Fahrt im Lieferwagen befände. Zum anderen: Der Litfasssäulenmarkforster war ein Mark Forster zu viel. Ein bärtiges Baseballkappenlachen too much (sorry fürs Abrutschen ins englische Vernacular, eine natürliche Abwehrreaktion des Sprachzentrums nach dem abgelaufenen Forster-Jahr).

Ja, 2018 war sein Jahr. Voice of Germany, Voice Kids, Voice Senior, Sing meinen Song … Mark Forster war im Fernsehen präsent wie zuvor vielleicht nur Rudi Carrell. Netflix-Abonnenten mögen jetzt still in sich hineinlächeln, dem gemeinen Glotzengucker aber konnte es beim Herumzappen passieren, und es passierte, dass Forster einem gleichzeitig auf mehreren Kanälen entgegenlachte. Bei Verstehen Sie Spaß? saß er auf dem Sofa, bei Inas Nacht auf dem Tresen, bei Late Night Berlin mit Klaas Heufer-Umlauf als Juror von The Worst of Germany im Ledersessel. Zum Start von 2019 dann Liebe. Wer bei Amazon nach Musik sucht, die eher nichts mit dem Kanon von Mark Forster zu schaffen hat, sagen wir von James Brown oder Jethro Tull, bekommt dennoch Liebe empfohlen. Brutale Welt der Marketing-Algorithmen. Finale Markforsterisierung der Gesellschaft.

Denn natürlich ist das Litfasssäulenkombimenü aus Liebe und Lieferservice vom Plakat-Karma perfekt zusammengestellt. Beides ist ja eine konformistische Karikatur einer anderen, echten Erfahrung: eines frischen Hamburgers bzw. eines tatsächlich freshen Ghetto-Künstlers. Man schaue sich nur die Musikvideos des ehemaligen Jura- und BWL-Studenten aus der Pfalz an. Wie Mark Forster in ewiger Wiederholung frontal vor der Dogma-Wackelkamera Rapper-Moves kopiert, mit lauwarmem Versmaß („Jetzt zieh nicht so ne Fick-dich-Fresse, ich versprech’s dir heilig, dass ich mich besser“) und mit stets gleichem Kinderschokoladelächeln schnellst verdaulichen Pop liefert – das ist nicht MC Forster, sondern McForster.

PS: Unnützes Wissen, Teil 5: McDonald’s bedient weltweit täglich 68 Millionen Kunden. Pro Sekunde gehen 75 Burger über den Tresen. Wäre McDonald’s ein Staat, er stünde auf Platz 90 der größten Wirtschaftsmächte der Welt. Mark Forster hat von seinen bisher vier Alben mit den Titeln Karton, Tape, Liebe sowie Bauch und Kopf bald fünf Millionen Tonträger verkauft. Wäre Mark Forster ein eigener Staat, dann wäre dieser eventuell berühmt für seine Ferienhaussiedlungen, in denen halb Deutschland über Silvester Urlaub macht, um Käseraclette zu essen und auf der Playstation The Voice of Germany zu spielen.

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