Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Krell Illusion und Duo 175 XT

Krell Illusion und Duo 175 XT – Good New Times

Früher war alles besser? Wirklich?? Dann sehen wir uns doch mal Krells Illusion und Duo 175 XT an.

Man braucht noch nicht einmal die aktuelle politische Diskussion zu betrachten, wenn es um das Heraufbeschwören der Guten Alten Zeit geht. Nein, diese Idée fixe des vermeintlich Besseren, das leider vergangen ist und der Schlechtigkeit der Moderne Platz machen musste, gibt es in so ziemlich jedem Bereich. Na gut, in fast jedem. Ich kenne niemanden, der sich nach den guten alten Methoden des 19. Jahrhunderts zurücksehnt, wenn er sich beim Zahnarzt in einer Wurzelbehandlung befindet. Ansonsten aber hat der verklärende Blick nach hinten die Sicht nach vorne fest im Griff. Früher gab es bessere Musiker, Tonmeister, Lautsprecher, Verstärker, Kameras, Objektive, Autos, Politiker, Menschen und so fort. Sogar die Zukunft war früher besser.

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Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Wenn man jeden einzelnen Punkt allerdings einer genauen Prüfung unterzieht, bleibt von diesen Ideen oft recht wenig übrig. Betrachten wir beispielsweise alte Objektive, die doch angeblich eine unnachahmliche Bildwirkung erzielen, zu der heute kein Objektiv mehr in der Lage sein soll, dann folgt spätestens bei einem Foto mit der Sonne im Bildausschnitt die Ernüchterung, da man vor lauter Flares und Ghostings das eigentliche Motiv kaum noch erkennt. Oder wie sieht es bei der Tontechnik aus? War wenigstens da früher alles besser? Zumindest ein entscheidender Faktor, der viele weitere bedingt, war früher besser: der Kunde. Er war nämlich noch bereit, für eine gute Aufnahme gutes Geld zu bezahlen, und sich nicht die Files kostenfrei hin und her zu schieben.

So ist die Technik heute besser, die Tonmeister sind besser ausgebildet. Wegen des gestiegenen Kostendrucks fehlt bei vielen Aufnahmen allerdings ein entscheidender Faktor: die Zeit. Gab es vor 25 Jahren meist noch einen ganzen Tag für die Klangeinstellung, hat das Thema heute nach höchstens einer Stunde abgehandelt zu sein, damit man die wertvolle Studiozeit nicht mit so etwas Nebensächlichem wie Klang vergeudet. Es muss Content produziert werden, den man verkaufen kann, Takes müssen her und nicht ein etwas durchsichtigeres oder wärmeres Klangbild. Dass einige Aufnahmen heute dann auch anders klingen als früher, wird gerne den Tonmeistern angelastet, was – wie jetzt klar ist – am Ziel vorbeischießt. Und einige sorgfältig erstellte Produktionen zeigen, dass heute ein Klang möglich ist, von dem man vor 20 oder 40 Jahren nur träumen konnte.

Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

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Was hat das alles mit Krell zu tun? Nun, da müssten ja auch die alten Verstärker der Marke, die noch unter der Federführung des Gründers entstanden, heute geschätzte und gesuchte Sammlerstücke sein, während die aktuellen Modelle nur eine bedingte Daseinsberechtigung haben. Ich persönlich hatte früher mit Krell immer so meine Probleme. Kraft hatten sie seit jeher, das war nie ein Thema. Für mich waren diese Verstärker allerdings immer zu sehr „hörbar“, ihre Art, mit der Musik umzugehen, zu präsent. Deshalb interessierte ich mich nach einigen Versuchen auch nicht mehr für diese Marke, die fortan einen sicheren Platz in meiner „American-Show-Hifi“-Schublade hatte. Viele Jahre nach meiner letzten Krell-Erfahrung landen nun also wieder aktuelle Vertreter dieser Firma bei mir, und ich gebe gerne zu, mir andere Testobjekte mehr gewünscht zu haben.

Zum gemeinsamen Warmlaufen und Kennenlernen packe ich erst einmal die mit 27 Kilogramm für Krell-Verhältnisse recht leichtgewichtige Endstufe aus und integriere sie in meine Abhöranlage im Studio. Ein Schnitt, ein paar Mixe und ein Master müssen erstellt werden und bieten eine gute Gelegenheit, der Duo 175 XT einmal genau auf die Finger zu sehen. Nach den ersten Takten Musik bemerke ich – nichts. Und genau das hätte ich nicht erwartet. Eine deutliche Signatur, kräftiger Bass, kantiger Punch, all das hatte ich auf meinem Vorurteilszettel, und nichts davon wird bestätigt. Die Duo verstärkt einfach nur und hält sich ansonsten komplett zurück. Wenn ein Gerät in dieser sehr neutralen Studioumgebung nicht selbst in Erscheinung tritt, ist das – um es ganz klar zu sagen – eine immense Leistung, die kaum hoch genug gelobt werden kann. Vorausgesetzt natürlich, dass man neutral arbeitende Komponenten mag.

Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Die Geschmäcker sind verschieden, daher gibt es hier auch kein „richtig“ oder „falsch“, es kommt letztlich nur darauf an, was bei einem persönlich „wirkt“. Davon ausgehend, dass man eine umkommentierte Wiedergabe seiner Musiksammlung bevorzugt oder einen Sound mit den Lautsprechern ins Wohnzimmer holt, braucht man also Verstärker, die „geradeaus“ agieren. So wie diese Krells. Denn diese Reinheit ist die Gewährleistung dafür, dass man wirklich hört, was von den Tonmeistern konserviert wurde. Mein Lieblingsbeispiel hierzu ist ein sehr teurer und in der High-End-Welt hoch angesehener Kopfhörer, den ich einmal hier hatte. Er klang wunderschön, jede Aufnahme wurde mit ihm zu Gold, jede Stimme zu Honig. Dann versuchte ich einmal kurz, mit ihm eine frische Aufnahme zu tracken und zu mixen … puh! Ein normales Glockenfilter im Equalizer bei zehn Kilohertz wurde erst hörbar, als ich es mit satten zehn Dezibel in den Mix schob. Bei meiner normalen Studioabhöre klang da der Mix schon schlicht kaputt. Ein kleiner AKG für nur 100 Euro zeigte schon bei einem halben Dezibel, dass sich etwas ändert. Natürlich muss man im Wohnzimmer nach Feierabend keine verlässlichen Informationen bekommen, es kann auch ausreichen, wenn es einfach nur schön ist. Allerdings ist es doch gut, wenn man weiß, woran man ist.

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Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Zurück zur Duo 175 XT. Ein Blick unter die Haube verrät das modulare Konzept, das dem Wunsch des US-Marktes nach highendigen Surroundanlagen Rechnung trägt. Ganz neu ist dieser Weg im Hause Krell nicht, schon die KAV-Serie bewies seinerzeit diese Flexibilität. In der Duo 175 XT sitzen nun hinter den gekapselten Ringkernen lediglich zwei Verstärkerzüge, die Kühlung eines solchen auf hohe Packungsdichte ausgerichteten Konstrukts übernehmen Lüfter auf der Rückseite. Bevor Sie bei diesem Punkt genauso zusammenzucken, wie ich es tat: Ich konnte sie kein einziges Mal hören. Selbst nicht im Studio, in dem der Grundgeräuschpegel unter jedem Wohnzimmer liegt und der Verstärker in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz residiert.

Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Die genannten Verstärkerzüge sind indes eine Neuentwicklung, auf die man bei Krell ziemlich stolz ist. Die hohe Verlustwärme eines richtig starken Class-A-Verstärkers passt natürlich nicht in einen in der siebenkanaligen Variante sehr vollen Verstärker. Auch wollte Krell mit der überdurchschnittlichen Materialalterung durch dauerhaft hohen Ruhestrom solcher Schaltungen Schluss machen – der schöne Klang eines Verstärkers ohne Übernahmeverzerrungen stand allerdings schon im Lastenheft. Wie sollte das Class-A-Prinzip also domestiziert werden? Bei dieser Schaltung geht es ja im Prinzip um die Vermeidung von Verzerrungen, die entstehen, wenn Transistoren bei Signalen „aufwachen“, also von „Sperren“ auf „Leiten“ umschalten. Die brachiale Methode, diesem Umstand beizukommen, ist das klassische Class-A-Konzept: Die Transistoren laufen einfach die ganze Zeit unter Volllast. Mit logischen Konsequenzen für Materiallalterung, Stromrechnung und Raumklima. Dass die meisten dieser Verstärker zwar wundervoll klar und perlend, jedoch nur selten am unteren Frequenzende autoritär klingen, steht noch auf einem anderen Blatt.

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Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Eine elegantere Möglichkeit besteht nun darin, eine „Floating-Bias-Schaltung“ einzurichten. Dabei wird an einem Messpunkt im Eingang des Verstärkers der zu erwartende Leistungsbedarf ermittelt und der Ruhestrom entsprechend angeglichen. Eigentlich eine gute Idee, die auch bei einigen Verstärkern ziemlich gut funktioniert, Krell jedoch nicht weit genug ging. Bei der Duo wird daher in der „iBias“ getauften Schaltung am Lautsprecherausgang das Feedback der angeschlossenen Schallwandler gemessen, also nicht der zu erwartende, sondern der tatsächliche Leistungsbedarf ermittelt. Laut Krell soll das die wirklichen Gegebenheiten eines arbeitenden Systems viel besser darstellen. Denn grau ist alle Theorie des rosa Rauschens und der Sinustöne … So soll es laut Krell möglich sein, den Verstärker ohne nennenswerte Leistungsverluste überaus weit im Class-A-Bereich arbeiten zu lassen.

Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Woran es auch immer liegt – die Duo 175 XT hat sich bei mir binnen weniger Augenblicke einen Platz im Herzen erspielt. Obenrum herrscht völlige Klarheit und die Class-A-typische Kantenfreiheit, untenrum jedoch verschiebt die Krell die Grenzen dieser Schaltung und gibt bei gleich welcher Musik und welchem Lautsprecher auch immer keinen Millimeter nach. Nie konnte ich erleben, dass dieser Verstärker hörbar an eine mögliche Grenze kam. Und das in einem Studio, in dem aufgrund der hohen Absorbtionswerte schon einiges an Leistung vonnöten ist, um eine normale Lautstärke zu erreichen.

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Dabei klingt die Duo nie nach Hubraum oder Masse – sie klingt schlicht und ergreifend nicht. Das ist auch der Grund, warum ich mich beim Schreiben ein wenig winde: Wie soll ich „nichts“ beschreiben? Zwangsläufig liefe jede Schilderung auf eine Dokumentation der angeschlossenen Geräte oder gehörten Aufnahmen hinaus. Daher kann ich der Duo 175 XT nur einen Charakterzug attestieren: Sie taugt nicht zum Heilmittel für klanglich aus dem Schritt geratenen Anlagen, kann nichts schönen, verkleinern oder vergrößern. Sie wird im Zweifelsfall alle Fehler, die vorher oder nachher passieren, einfach nur durchreichen.

Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Ein nettes Feature möchte ich nicht unerwähnt lassen: an ein Netzwerk angeschlossen, lässt sich die Duo 175 XT über die im Display angezeigte IP-Adresse anwählen, überwachen und konfigurieren. Und kann im Schadensfall sogar E-Mails mit detaillierten Schadensmeldungen verschicken.

Zeit für den Partner, den Vorverstärker Illusion. Fast bin ich froh, ein Haar in der Suppe finden zu können, wenn auch ein kleines: Das Verbindungskabel zwischen Vorverstärker und Netzteil ist doch ein wenig kurz geraten und kann je nach Rack zu Spannungen führen. Denn sicher möchte nicht jeder die beiden Komponenten aufeinander platzieren.

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Ansonsten gibt es erst einmal nichts zu bemängeln. Die Verarbeitung ist typisch hervorragend, an Anschlüssen wird alles geboten, was man üblicherweise brauchen könnte. Die zusätzliche hausinterne Version der Cast-Ein- und Ausgänge konnte ich in Ermangelung passender Spielpartner nicht ausprobieren. Auch bei Krell ist diese Schnittstelle den größeren Endstufen vorbehalten.

Das Netzteil ist doppelt ausgeführt, analoge und digitale Schaltungen der Vorstufe werden komplett getrennt versorgt. Die eigentlichen Verstärkerschaltungen der Illusion sind vollständig diskret und symmetrisch aufgebaut, auch die Lautstärkeregelung geht mittels eines Netzwerkes aus eng tolerierten Widerständen diesen Weg. Lediglich die Ansteuerung erfolgt digital.

Klanglich schlägt die Vorstufe Illusion in die gleiche Richtung wie die Endstufe Duo 175 XT. Als sie mit anderen Endstufen oder auch mit der eigenen Partnerin arbeitet, landen nur Worte wie „klar“, „schnell“, „durchsichtig“, „neutral“ oder „offen“ auf meinem Zettel. Der erste Eindruck der Schlankheit erweist sich nach längerem Hören als falsch. Sämtliche Signale bis in den tiefsten Frequenzkeller werden so klar kontrolliert und definiert, dass es zu keinen Überdeckungseffekten kommt, die oft als Wärme oder Fülle fehlinterpretiert werden. Eine klangliche Beschreibung läuft auch hier ins Leere: Wieder würde es sich um die Dokumentation der Peripherie handeln. Wenn Sie also wirklich einmal wissen wollen, wie Ihre Lautsprecher, Quellgeräte oder Aufnahmen klingen, ist das der Weg dorthin.

Zum Schluss habe ich mir noch mein liebstes Experiment gegönnt: nämlich diese Kombination mit dem Mark-Levinson-CD-Player ML 390s und meinen kleinen Spendor 3/5 verbandelt. Dies ist wirklich ein Setup, mit dem ich alt werden könnte. Die leichte klangliche Signatur des Players, die ich sehr mag, wird durchgereicht, jedoch nicht angereichert. Und die Lautsprecher spielen ihren ganzen Charme aus, ohne durch einen Mangel an Kontrolle an den Frequenzbanden aufzuweichen oder dank „großer Endstufe“ aufgeblasen groß zu klingen.

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Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker

Krells Verstärkerkonzept iBias geht auf: Selten habe ich die Kombination aus dem Besten zweier Welten in so konsequenter und klanglich erstklassiger Ausführung erlebt. Ein Schnapper sind diese Geräte zu den geforderten Preisen nicht, klanglich gehören sie unter den neutralen Verstärkern aber zum Besten, was man derzeit kaufen kann. Wie gut, dass sich die Zeiten doch ändern und nicht alles beim Alten bleibt.

Eine Information noch für Besitzer älterer Duo-175-Verstärker: Diese Geräte lassen sich problemlos auf die neue XT-Version mit neuer Treiberstufe und entsprechend geändertem Netzteil aufrüsten.

Wir meinen

Krell hat es geschafft: Klarheit, Kraft, Durchzug mit einer großen Portion Selbstverleugnung. Ein Maßstab für andere Verstärker, die neutral sein wollen.

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Krell Illusion Vorverstärker und Duo 175 Stereo Endverstärker Navigator

 

Info

Vorverstärker Krell Illusion
Konzept: Vorstufe mit externem Netzteil (Power Supply), symmetrischer Aufbau
Eingänge: 4 x RCA, 2 x XLR, 2 x Cast
Ausgänge: 3 x Hochpegel-Out (XLR, Cinch, Cast), 2 x Sub-Out (Cinch, XLR), 1 x Cinch-Tapeout
Ausführung: Schwarz/Silber
Ausstattung: Fernbedienung
Maße (B/H/T): 44/19/46 cm
Gewicht (Vorstufe und Power Supply übereinander): 20,8 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (5 Jahre nach Registrierung)
Preis: 18 000 €

Stereo-Endverstärker Krell Duo 175 XT
Konzept: Zweikanal-Endverstärker mit Class A-Schaltung und iBias-Leistungsautomatik
Leistung (8 Ω): 2 x 175 W
Eingänge: je 2 x Cinch und XLR, RJ 45 Ethernet Port (Remote), Trigger Input (12 V)
Ausgänge: WBT-Lautsprecheranschlüsse
Sonstiges: Rack-Montage-Kit (optional)
Ausführung: Schwarz/Silber
Maße (B/H/T): 44/18/53 cm
Gewicht: 27 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (5 Jahre nach Registrierung)
Preis: 9300 €

Kontakt

Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
Telefon +49 40 53320359

www.audio-reference.de

www.krellhifi.com

Mitspieler

Plattenspieler: Transrotor Apollon TMD mit SME 5, SME 3012 u. a.
CD-Player: Mark Levinson No. 390s
DAC: Merging Technologies
Vollverstärker: Lavardin IT
Vorverstärker: Crane Song Avocet
Endverstärker: Digitalendstufe auf ICE Power basierend, Accuphase P-4200
Lautsprecher: Spendor Classic 3/5, FinkTeam Borg, Wilson Audio Sasha DAW, Sky-Audio 2.2 System
Kabel: Vovox, AudioQuest, Audio Note

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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