Lindemann BL-10

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Diese Hightech-Box in minimalistischem Design geht anders als andere mit der Energie Ihres Verstärkers um. Das beigepackte Spezial-Stativ entlockt der Lindemann BL-10 herrlich leichtfüßige und großformatige Klänge.

Falls Sie noch überlegen: Ja, die zwei Kleinen sind echt, keine Plüschtiere. Und nein, was die beiden so erstaunt beäugen, ist weder ein zweckentfremdeter Bügeltisch noch ein Wäscheständer. Bei dem grazilen Edelstahl-Gestell unter der Lindemann BL-10 handelt es sich vielmehr um ein sensationell effektives Stativ, an dessen Konzeption sich Norbert Lindemanns ungewöhnlicher Ansatz bei der Entwicklung seines hervorragenden Kompaktlautsprechers vortrefflich ablesen lässt.Die allermeisten Lautsprecherständer (und -gehäuse) trachten bekanntlich danach, durch viel Masse unerwünschte Resonanzen zu bedämpfen bzw. über Spikes in den Boden abzuleiten. Das ist zweifellos ein löbliches Anliegen. Die Frage ist nur, ob bei dieser Prozedur nicht ein großer Teil der erwünschten Schwingungen – denn ein Lautsprecher ist nichts anderes als ein System zur Erzeugung von Schwingungen, die wir als Musik wahrnehmen – ebenfalls bedämpft und abgeleitet wird.
Schwere, eventuell zusätzlich mit Sand befüllte Standfüße scheinen mir in der Tat den darauf platzierten Boxen eine Menge ihrer Feinstinformation und Lebendigkeit zu rauben, wie der Wechsel auf einen guten Ständer in Leichtbauweise immer wieder zeigt.
Mein an ein Kamerastativ erinnernder, modifizierter Solidsteel SS-7 zum Beispiel kitzelt fast jedes mal mehr aus Kompaktboxen heraus als deren massive Original-Podeste – selbst wenn Letztere erheblich teurer sind. Manchmal geht dieser Effekt so weit, dass ein Monitor auf seinem hauseigenen Unterbau vergleichsweise wie mit angezogener Handbremse musiziert.
Auch die Lindemann- Boxen habe ich mit hohen Erwartungen zunächst auf meinen italienischen Dreibeiner bugsiert – und wurde vom Resultat prompt enttäuscht. Es klang zwar keineswegs furchtbar, aber irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Was ich hörte, war enorm präzise, aber gleichzeitig seltsam fahl – keine Spur von der Strahlkraft und Substanz, die eine Kompakte für 6900 Euro pro Paar definitiv besitzen sollte.
Es hat schon einen tieferen Sinn, dass die BL-10 grundsätzlich zusammen mit ihren feinen Edelstahl-Beinchen ausgeliefert wird, die übrigens im genannten Preis enthalten sind. Kaum habe ich die elastisch federnde Konstruktion mit der Box verschraubt, explodiert diese förmlich vor Energie und straft ihre Größe Lügen. Welch endlos räumliche Weiten tun sich da plötzlich auf! Von der bis aufs i-Tüpfelchen stimmigen Tonalität, der musikalischen Spannkraft und dem mustergültigen Timing ganz zu schweigen. Keine Frage: Dieser ohrenscheinlich perfekt auf die BL-10 abgestimmte Ständer ist ein Muss.
Wie funktioniert er? Bei den Lindemann-Lautsprechern – neben der BL-10 gibt es noch die zwei Standboxen BL-25 und BL-30 – dreht sich alles darum, so wenig wie möglich der vom Verstärker angelieferten Energie zu absorbieren. Ziel ist, sie nicht zu speichern oder zu vernichten, sondern sie direkt in akustische Signale umzusetzen. Darum die dünnen Metallstreben, und darum auch keine „ableitenden“ Spikes, sondern Füße aus Instrumentenholz mit Keramikkugeln, die vom Untergrund abkoppeln. Norbert Lindemann drückt es so aus: „Die Energie soll im System bleiben, statt in den Boden verloren zu gehen.“
Dieses Konzept setzt sich bei der Gehäusekonstruktion fort. Die Wände des in Deutschland gefertigten Lautsprechers bestehen aus drei Schichten: innen sowie außen Multiplex- Holz und in der Mitte eine Korkschicht. Im Grunde haben wir es bei der BL-10 also mit zwei Gehäusen ineinander zu tun, zwischen denen keine starre Verbindung existiert. Dieser leichte, jedoch steife Sandwich-Aufbau bewirkt, dass der intern zusätzlich mittels dreier Streben versteifte Korpus kaum Energie speichert und trotzdem eine hohe innere Dämpfung besitzt. Eine in zwölf verschiedenen Farben erhältliche, unempfindliche Linoleumschicht bildet die Oberfläche des Schallwandlers; lediglich Front und Rückseite sind stets in Grau gehalten. Selbstredend wird auch in seinem Innenraum die geringstmögliche Energie-Absorption angestrebt. Twaron-Watte bedämpft selektiv nur mittlere und hohe Frequenzen, während der Grundtonbereich unbedämpft bleibt.
Eigene Wege geht Norbert Lindemann auch bei der Chassis-Bestückung. Der 158-mm-Tiefmitteltöner von Accuton wird speziell für die BL-10 mit einer dickeren Keramikmembran und einem größeren Magneten als der Serientreiber versehen. Dies ermöglicht eine untere Grenzfrequenz von weniger als 50 Hz, obwohl das Chassis nur auf ein Volumen von 7,5 Litern arbeitet. Zudem übergibt der Beinahe- Breitbänder erst bei knapp über vier Kilohertz an eine Kalotte von Eton mit keramikbeschichteter Magnesiummembran. Eine trickreiche Frequenzweiche mit elliptischen Filtern, die in einer eigenen Kammer residiert und nur mit edelsten Komponenten bestückt ist, sorgt für minimale Phasendrehungen und ein vorzügliches Zeitverhalten.
Genau wie die Innenverdrahtung aus Lindemanns eigenem „Kind of Blue“-Lautsprecherkabel sind auch die Nextgen-Klemmen von WBT unter der rückwärtigen Bassreflexöffnung kryogenisch behandelt.
Selbstverständlich ist ein solches Aufgebot an erlesenstem Hightech für einen Entwickler anspruchsvoll in der Handhabung und hat seinen Preis. Aber der Aufwand lohnt sich, wie man sofort merkt, wenn man die BL-10 auf ihrem filigranen Ständer hört.
Es muss etwas dran sein an der Sache mit dem ungehinderten Energiefluss, denn Norbert Lindemanns kleiner Lautsprecher klingt phänomenal offen und unmittelbar. 83 dB Wirkungsgrad sehen auf dem Papier zwar nach arg wenig aus, aber ich hatte nie den Eindruck, sonderlich laut hören zu müssen, bis die Acht-Ohm- Box „aufwacht“. Außerdem wirkt sie bisweilen sogar flinker als viele ihrer Konkurrentinnen mit mehr Effizienz. Wie jeder Mini stößt sie natürlich früher an Bass und Lautstärkegrenzen als größere Schallwandler, aber schließlich ist sie für kleinere Räume gemacht. Und wenn ihr tolles Edelstahl- Podest sie (im doppelten Sinne) unterstützt, blühen ihre unteren Lagen in geradezu unerhörtem Maße auf.
Außer seinem Hochton, der für meinen Geschmack ein winziges bisschen zu viel auf sich aufmerksam macht, wüsste ich überhaupt nichts an diesem traumhaft ausgewogenen Monitor zu beanstanden und würde, wenn ich „seinen“ Klang weiter beschreiben wollte, letztlich nur über die vorgeschaltete Elektronik reden. Sollte ich mit zwei Worten zusammenfassen, wie die Lindemann BL-10 klingt, würde ich sagen: absolut durchlässig.

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www.lindemann-audio.de

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