Opeth Sorceress

Longtrack: Opeth, 2016

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Opeth – Strange Brew auf Sorceress

Seine Band Opeth durchlaufe eben gewisse „Phasen“, meinte Mikael Åkerfeldt einmal.

Anfangs (ab 1989) waren die Schweden eine echte Death-Metal-Band gewesen – mit tiefen, verzerrten Sounds und wüsten Growl-Gesängen. Dann testeten sie nach und nach die Grenzen des Genres aus, verwendeten auch einmal eine akustische Gitarre, ein Klavier oder melodischen Gesang. Das Album Damnation (2003) war ein erster Testlauf ganz ohne verzerrte Gitarren und ohne Growl-Vocals. Das Album Watershed (2008) verwendete (vorerst?) zum letzten Mal Death-Metal-Elemente. Mit Heritage (2011) wurden Opeth zur eklektischen Progrock-Band – die einen freute es, die anderen fanden’s schrecklich. Schon auf dem Album Sorceress (2016) wurden auch die Progrock-Momente seltener: Die Presse nannte Opeth nun eine Retro-Band. Jeder Rezensent erkannte ein halbes Dutzend alter, klassischer Rockformationen, an die ihn die Musik erinnerte. Am Ende wurden wohl 100 verschiedene Bandnamen assoziiert. Mikael Åkerfeldt sagte einfach: „Wieder einmal haben wir einen Schritt vorwärts gemacht. Oder zur Seite. Oder rückwärts.“

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Opeth Sorceress

Der exemplarische Progrock-Track auf Sorceress heißt „Strange Brew“. Ein passender Stücktitel, denn die einzelnen Teile kontrastieren heftig in Lautstärke, Sound und Dynamik. Für einen Longtrack ist der Song recht kurz (8:44) – er wirkt aber durch die vielen Brüche und Kontraste deutlich länger. Die (je nach Zählung) etwa sechs bis 12 verschiedenen Abschnitte bewegen sich zwischen sanften, schwebenden Klängen (der Fan meint: „klar wie Morgenluft“) und harten, mit Metal-Elementen unterfütterten Rock-Passagen (der Fan meint: „das rifft, röhrt, rockt und schreit wie von der Tarantel gestochen“). Die Tempo- und Soundwechsel sind effektvoll konzipiert – ein Progrock-Stück vom Reißbrett. Anfangs schwebt der Gesang auf sphärischen Gitarren und Tönen wie von Klavier und Vibrafon. Nach einem sanften Übergang (ab 1:36) geht das Gewitter los (2:08): eine schnelle Keyboard-Figur im krächzenden Acid-Sound, metallige Gitarren, donnernde Drums, Hammondorgel, Riffs. Später (ab 3:38) heult die Sologitarre über einem Vamp im Dreivierteltakt. Die Stimme kommt mit neuer Melodie dazu, die Begleitfiguren ändern sich. Formal wiederholt wird in diesem Stück nur der schwebende Anfangspart (ab 5:10). Danach (ab 6:45) erlebt das Instrumentalmotiv daraus eine Übersetzung in schweren Rocksound, der Gesang greift das Motiv leicht verändert auf („A voice in the rain“) und wiederholt es viele Male – ein vom Beginn her lang vorbereiteter Höhepunkt. Die Coda (ab 8:11) klingt wie ein hohes Echo. Sie erinnert stark an ähnliche Stückausklänge bei Steven Wilson.

Wovon handelt „Strange Brew“? Das lässt sich – wie so oft bei dieser Band – schwer sagen. Es geht irgendwie um böse Gedanken, dunkle Schatten, seelische Abgründe, schwarze Ängste. Die zweite Songzeile hat die Band auf ein T-Shirt drucken lassen: “I keep to the shadows until it’s dark”. Textlich haben sich Opeth von ihren Death-Metal-Anfängen nie so richtig emanzipiert.

Opeth (2016)
Sorceseress

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