Mc Intosh MA 7000

Was muss ein amerikanischer Vollverstärker bieten, der sich Topmodellnennt? Wie wäre es damit: Er muss extremsten Betriebsbedingungenstandhalten. Und dabei betörend musizieren. Ja, geht das denn?

Wagen wir ein Ratespiel: Blau hinterleuchtete Leistungsanzeigen? McIntosh! Eckige schwarze Glasfronten? McIntosh! Windschnittige, mit Designpreisen überhäufte Lifestyle-HiFi- Komponenten mit 20 passend zur Einrichtung wählbaren Gehäusefarben? Alles, aber auf keinen Fall McIntosh! So vorsichtig man mit Begriffen wie Legende oder Kult umgehen sollte – im Fall des US-amerikanischen Unternehmens treffen beide ohne Vorbehalt zu. Da wären die rekordverdächtigen 63 Jahre Firmengeschichte seit der Gründung 1949. 1969 beschallten McIntosh-Verstärker das Woodstock-Festival. Seit den 1960er Jahren tauchen die fotogenen HiFi-Geräte regelmäßig in Hollywood- Produktionen auf, von Bettgeflüster mit Doris Day und Rock Hudson bis The Departed mit Jack Nicholson. McIntosh ist, anders kann man es nicht sagen, fester Bestandteil des kollektiven Bewusstseins von Audiophilen aller Länder und Generationen.

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Allerdings: Einem Einsteiger in die Welt der anspruchsvollen Musikwiedergabe würde ich deswegen noch lange keinen Mac empfehlen. Denn er könnte dessen unaufgeregte Reife missverstehen. Und das wäre fatal. So ein McIntosh-Vollverstärker etwa ist von geradezu mustergültig einsteigerfreundlicher Zugänglichkeit. Beispiele gefällig? Der einzige rote Knopf an seiner Front ist der Einschaltknopf. Die Beschriftungen aller Taster und Drehknöpfe erstrahlen im Betrieb in perfekt ablesbarem Grün. Alle Anzeigen leuchten hell, doch keine blendet. Wer all das für selbstverständlich hält, der muss sich einen weltfremden Idealisten nennen lassen: HiFi-Designer ticken für gewöhnlich anders.

Selbst wer im Umgang mit HiFi-Träumen geübt ist, tut sich schwer, einem McIntosh nicht auf Anhieb zu verfallen. Trotz der außerordentlich dominanten physischen Präsenz strahlt etwa das hier vorgestellte Vollverstärker- Flaggschiff MA7000 eine unerwartete Wärme und Freundlichkeit aus, die umgehend vergessen lässt, dass wir (mein hilfsbereiter starker Nachbar und ich) eben noch über die 44 Kilo Lebendgewicht geflucht und ein zweites Paar Tragegriffe an der Geräterückseite schmerzlich vermisst haben. Sobald das Ding auf dem hoffentlich stabilen Regalboden ruht, möchte man nur noch Musik hören. Und den blau hinterleuchteten Leistungsanzeigen beim sanft bedämpften Zappeln zusehen.

Der MA7000 ist ein Topmodell wie aus dem Bilderbuch. Groß, schwer, schwarz. Sein offen zur Schau gestellter Modul-Aufbau ohne eine alles zudeckende Haube verleiht ihm die Anmutung einer veritablen Musikmaschine. Das kantige, seit Jahrzehnten unveränderte Design ist zugegebenermaßen rustikal, wirkt aber erstaunlicherweise auch in modernen Umgebungen nicht fehl am Platze. Man könnte sagen: Der Amerikaner will gesehen und bewundert werden. Ihn in Regale oder gar, wie in den USA gerne praktiziert, in Wandinstallationen zwängen, die nur die Front sichtbar lassen? Banausen!

McIntosh gehörte noch nie zu den Puristen, und so ist auch der MA7000 mit vielem ausgestattet, was das Leben seines Besitzers angenehmer macht. Zum Beispiel mit einem Kopfhörerausgang, selten geworden in Zeiten, da alles, was über Hochpegelverstärkung hinausgeht, in separat zu erwerbende Einzelgeräte ausgelagert wird. An Eingängen herrscht kein Mangel, neben Hochpegelquellen findet auch ein Plattenspieler Anschluss, allerdings nur mit Magnetsystem. Betreiber von MCTonabnehmern lösen die Situation souverän mithilfe eines passenden Übertragers, der das schwache Signal hochtransformiert.

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Zehn Miniklinkenbuchsen zeigen, welch hohen Wert die Amerikaner der Systemintegration zubilligen. Der Vollverstärker kann über die passenden Kabel sowohl mit den hauseigenen CD-Playern und Tunern kommunizieren als auch weitere Verstärker befehligen. Das erklärt die mitgelieferte Systemfernbedienung, die eindeutig zu viele Knöpfe hat, um damit nur einen Amp zu steuern. Eine absolute Seltenheit verbirgt sich hinter den fünf kleinen Drehknöpfen an der Front des MA7000. Der Vollverstärker besitzt doch tatsächlich eine Klangregelung! Und was für eine: keine simplen Regler für Höhen und Bässe, sondern einen schön kontrolliert einsetzbaren Equalizer, mit fünf vorgegebenen Frequenzbändern und einem großzügigen Regelspielraum von ± 12 dB. Das kann ein nützliches Werkzeug ergeben, weniger zum Aufpeppen blasser Aufnahmen als ganz grundsätzlich für gezielte Eingriffe bei ungünstiger Raumakustik. Mit dem 30-Hz-Regler etwa lassen sich Bassresonanzen in Zaum halten oder im Gegenteil Defizite kompensieren. In überakustischen Räumen wiederum, wo an das Auslegen von Teppichen oder andere dämpfende Maßnahmen aus innenarchitektonischen Gründen nicht zu denken ist, kann ein Linksdreh an den 1500-Hz- und 10-kHz- Reglern Wunder wirken.

Hinter der Retro-Front des großen Integrierten findet sich Transistortechnik solidester Ausführung. McIntosh führt stolz Schlagworte wie ThermalTrak, Autoformer und Sentry Monitor ins Feld – doch wie der Kenner alsbald beruhigt feststellt und der Novize rasch lernt, setzen die US-Amerikaner andere Prioritäten, als die technologische Speerspitze zu erobern.

Im MA7000 arbeiten bewährte McIntosh-Ingredienzen und behutsam implementierte Neuerungen Seite an Seite. So gelten etwa Trafos im Ausgang von Transistorverstärkern geradezu als Markenzeichen von McIntosh. In diesem Fall sind die vermeintlichen Übertrager gar keine, vielmehr stecken zwei Autoformer im Chassis – Trafos mit nur einer Wicklung ohne galvanische Trennung, aber mehreren Anschlüssen, die jeweils für eine bestimmte Lautsprecherimpedanz ausgelegt sind. Der Zweck ist, den Verstärker von der Lautsprecherlast zu entkoppeln und ihn unabhängig vom angeschlossenen Schallwandler immer auf den optimalen elektrischen Abschluss arbeiten zu lassen. Entsprechend finden sich an der Verstärkerrückseite Anschlüsse für Lautsprecher mit zwei Ohm, vier Ohm und acht Ohm Impedanz. Hinter „ThermalTrak“ verbergen sich Leistungstransistoren mit integriertem Temperatursensor. Da Stromfluss, Temperatur und lineare Arbeitsweise zusammenhängen, soll eine präzise Überwachung so nahe wie möglich am Ort des Geschehens Verzerrungen minimieren. McIntosh betont gleichzeitig auch die optimierte Effizienz der Verstärkerschaltung, die in vergleichsweise niedriger Erwärmung des ganzen Geräts resultiert, was nicht nur die Betriebssicherheit erhöht, sondern auch den Stromverbrauch senkt.

„Sentry Monitor“ schließlich nennt sich ein System von Schutzschaltungen, die selbst unter näher nicht genannten „extremsten Betriebsbedingungen“ Verstärker und Besitzer vor Unbill schützen. Berücksichtigen wir auch den Clipping-Schutz „Power Guard“, dann ist das schon eine Menge Sicherheit in einem Gerät. Aber es gilt ja auch, eine nicht unbeträchtliche Investition zu schützen. Womit wir dem Kern der McIntosh-Philosophie schon ziemlich nahe gekommen wären. Der MA7000 ist ein Verstärker für den Tag, an dem sich ein neues Kriterium in unsere Kaufentscheidungen schleicht: Werthaltigkeit. Wahlweise auch Langlebigkeit oder Endgültigkeit, was aber im Kern auf dasselbe hinausläuft. Die Zeit der Provisorien ist vorbei, wir haben genug gesehen und gehört, aus verschwommenen Traumbildern hat sich nach Jahren des Suchens und Probierens eine klar umrissene Vision herausgeschält: Damit will ich alt werden. Vielleicht sogar: Darüber freuen sich auch noch meine Erben. Der MA7000 bringt alle Voraussetzungen mit, um dieses Idealbild zu erfüllen. Kein modischer Schnickschnack als Sollbruchstelle. Keine in wenigen Jahren obsolete Digitaltechnologie. Mit 250 Watt Leistungsreserven für alle Lebenslagen. Und: Es ist ein McIntosh.

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Am Ende entscheidet aber der Klang. Und da gilt: Einerseits dürfen keine Wünsche offen bleiben. Wir befinden uns mit diesem Vollverstärker im Gegenwert eines kaum gebrauchten Kleinwagens schließlich auf High-End- Territorium, und da werden in den einschlägigen Disziplinen Auflösung, Räumlichkeit und Dynamik keine Schwächen verziehen. Andererseits ist wirklich großes High End immer auch charakterstarkes High End. Was aber ist der Charakter von McIntosh?

Die Legende besagt: McIntosh ist wie Harley Davidson. Kein Temperamentsbündel, dafür beim niedertourigen Cruisen so unerreicht wie süchtig machend. Es muss wohl wirklich nur eine Legende sein, oder aber die Amerikaner haben ihrem größten Vollverstärker eine Abstimmung außerhalb der Reihe verpasst. Tatsache ist: Musik hören mit dem MA7000 ist überaus entspannend, und zwar gerade weil an feinsten Details kein Mangel herrscht, Räume bei Bedarf meilenweit hinter die Lautsprecherebene projiziert werden und die Dynamik im Groben wie im Feinen fehlerlos dargestellt wird. Charakterzüge sind auch zu erkennen, allerdings als Abrundung und nicht als dominante Faktoren. Zum einen ist das Klangspektrum überragend homogen. Kein Frequenzbereich fällt aus dem Rahmen, es tun sich weder Energielöcher auf noch haben die Konstrukteure geschmacksverstärkende Pegelschummeleien eingeschmuggelt. Zum anderen ist der musikalische Fluss unwiderstehlich. Für jene, die den Fluss wörtlich nehmen: Mississippi, nicht Bergbach. Die Ruhe und die Kraft, Wildwasser nur, wenn es ausdrücklich gewünscht wird, dann aber mit überragender Kontrolle über die entfesselten Elemente.

Adib Khavari, dessen Vertrieb Audio Components McIntosh seit langem in Deutschland betreut, ist voll des Lobes über die US-amerikanische Elektronik. Der schon 2009 vorgestellte MA7000 sei gar ein regelrechter Bestseller, was Khavari nicht zuletzt der Allürenfreiheit der grundsätzlich bodenständigen Technik zuschreibt: Das Gerät liefere seine Leistung verlässlich ab, nichts knackt, nichts brummt, nichts rauscht, Lautsprecherunverträglichkeiten seien nicht zu verzeichnen. Sehr gerne werde der große Amerikaner mit den dynamischen Wandlern von Bowers & Wilkins aus England kombiniert, aber auch mit den Elektrostaten der US-Marke Martin Logan – beides wie McIntosh ganz große Namen und bekannt für schlüssig durchkonstruiertes, „erwachsenes“ High End.

Audio Components legt dem MA7000 übrigens ein Netzkabel der Sonderklasse bei. Es kommt ebenfalls aus den USA vom Spezialisten Shunyata und sorgt mit seiner ausgetüftelten Bauart, der Verwendung extrem reinen Kupfers und hochwertigen Steckern für eine standesgemäße Verbindung mit dem Stromnetz. So kann sich der stolze Besitzer angesichts des Rundumsorglos- Pakets entspannt zurücklehnen, die akustische Show genießen und das Thema Verstärker für ganz lange Zeit als erledigt betrachten. Womit wir wieder beim Allerwichtigsten wären: der Musik.

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Die gleichsam in Stein gemeißelte Dreidimensionalität der Bühnendarstellung ist wahrlich eine Paradedisziplin des Amerikaners. Die passende Musik dazu: Peter Gabriels jüngst erschienenes Album New Blood. Den abgründigen Titel „Intruder“ in Gabriels genialem Orchester- Arrangement zu hören, und zwar mit angemessen erhöhtem Pegel und getragen von der lässigen Souveränität des MA7000, jagt wohlige Schauer über den Rücken und den Adrenalinspiegel in die Höhe. Was nicht heißen soll, der große Mac wäre kein Universalist. Bei Klassik kommt ihm die erwähnte Homogenität zugute, die das ganze komplexe Geräuschbeiwerk, das beim Spiel akustischer Instrumente entsteht, makellos in den Gesamtton einbettet und so den Blick aufs große Ganze der Interpretation lenkt, statt mit herauspräparierten Nebengeräuschen vom Wesentlichen abzulenken. Steht dagegen Jazz auf dem Programm, gibt es dreidimensional in den Raum gestellte Musiker zu bewundern. Am Beispiel eines sirrenden Beckens führt der MA7000 die ganze Abstimmungskunst seiner Konstrukteure vor und lässt sich bei tendenziell warmem Klangcharakter kein Fitzelchen an Obertönen entgehen.

Zum Schluss fallen mir wieder die „extremsten Betriebsbedingungen“ aus der Bedienungsanleitung ein. Welche mögen das sein? McIntosh hat ja auch noch eine Armada von Vor- und Endverstärkern im Programm. Sind die für noch extremere als extremste Betriebsbedingungen geschaffen? Geht es denn noch besser?

www.audio-components.de

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