Minakami Das vermutlich einzige HiFi- und Jazz-Restaurant Deutschlands findet sich in Berlin.

MINAKAMI Restaurant Berlin

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MINAKAMI klingt lecker!

Das vermutlich einzige HiFi- und Jazz-Restaurant Deutschlands findet sich in Berlin.

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Gastrotipps in FIDELITY? Nur wenn es zu Entrecôte und Tempranillo auch tatsächlich Hifideles auf die Ohren gibt. Genau das ist im kürzlich eröffneten Restaurant Minakami in der Berliner Kantstraße der Fall. Während dort der Gaumen bei feiner japanischer Küche mit dezentem französischem Einschlag – Motto: Japanese Fusion Kitchen – voll auf seine Kosten kommt, kümmert sich eine veritable High-End-Anlage ums akustische Wohlergehen. Zugespielt wird wahlweise vom Wadia-CD-Laufwerk oder vom Studio-Plattenspieler aus dem Hause EMT. Die Verstärkung obliegt handgefertigter Röhren- und Transistorelektronik. Und die Lautsprecher? Über die ließe sich ebenso gut in einem Kunstmagazin schreiben. Der Mann hinter dem Minakami-Konzept „Genuss für die Sinne“ ist Hoai Nam Ngo, kurz: Nam. Der aus Vietnam stammende Gastronom mit einem Faible für Jazz, Vinyl und High-End-Audio ist in Berlin kein Unbekannter. Bis Anfang 2012 servierte er in seinem im Westberliner Stadtteil Wilmersdorf gelegenen Lokal Lang Nuong vietnamesische Spezialitäten. Und schon damals war die zweite Attraktion neben der Küche die nicht nur für Restaurant-Verhältnisse imposante Musikanlage. Plattenspieler, Röhrenverstärker und Hornlautsprecher – Ähnliches traf und trifft man an öffentlichen Orten meines Wissens nur in Südkorea an.

               

Nach der Schließung des Lang Nuong mussten Berliner Feinschmecker und -hörer über ein Jahr lang darben (warum bloß spielt guter Klang in der gehobenen Gastronomie absolut keine Rolle?). Doch das Warten hat sich gelohnt, denn mit dem Minakami will Nam nahtlos an das bewährte Konzept „Essen & Lauschen“ anknüpfen. Mit einigen nicht unwesentlichen Änderungen.

Erster Unterschied: der Ort. War das in einer unauffälligen Seitenstraße gelegene Lang Nuong noch Treffpunkt für Insider und Stammgäste, dürfte mit der Lage in der geschäftigen, gastronomisch passenderweise stark asiatisch geprägten Kantstraße auch die sogenannte Laufkundschaft einkehren. Zweiter Unterschied: der Look. Der Hausherr hat dem Minakami ein edles, weltstädtisches Lounge- Ambiente verordnet. Das Interieur ist in warmen Erdtönen gehalten, man sitzt an rustikal-minimalistischen Massivholztischen auf einfachem, aber bequemem Holzgestühl – und hat die Küche im Blick, die ganz modern als offener Kochbereich freien Blick auf das Treiben zwischen Robata-Grill und Sushi- Theke bietet.

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Damit zum dritten signifikanten Unterschied zum Lang Nuong. Die Küche ist das Reich von Michio Minakami (links im Bild). Nam hält große Stücke auf den Küchenchef und hat sein Lokal nicht von ungefähr auf dessen Namen getauft. Der 66-jährige Japaner zaubert neben den landestypischen Rohfisch-Spezialitäten eigene Kreationen abseits aller Udon-Nudel- und Tempura-Klischees. Die japanische Basis ist mitunter noch erkennbar, viel interessanter sind aber die fortgeschrittenen Feinschmecker-Kniffe von Minakami-san. Dem Autor ist indes bisher noch kein Kabeljaufilet mit Aprikosensauce serviert worden. Oder ein mit Foie Gras und Orangenschalen verfeinertes Entrecôte. Wer da ein gehobenes Preisniveau vermutet, liegt nicht falsch. Dem entspricht allerdings auch die Qualität der Zutaten und der Aufwand bei der Zubereitung. Ganz zu schweigen vom Geschmack.

               

Die Speisekarte kommt (leider) ohne Dessert-Teil aus, dafür kann sich die Weinauswahl sehen lassen. Feine Weine sind Nams Leidenschaft, und dass etwa Riesling ausgezeichnet zu asiatischer Küche passt, hat sich ja schon seit längerem herumgesprochen … Weinkenner dürften im Minakami jedenfalls voll auf ihre Kosten kommen. Aber vielleicht soll ja die Anlage die Nachspeise ersetzen. Der Musikbereich beginnt hinter der Schauküche und nimmt etwa ein Viertel der Gesamtfläche des Minakami ein. Hier breitet sich die opulente Anlage fast über die gesamte Breite des langgestreckten Restaurant-Raums aus. Was an Gerät aufgefahren wird, ist vom Feinsten – neben der erwähnten Wadia-Kombi aus CD-Laufwerk und D/A-Wandler vor allem die Vintage-Plattenspieler EMT 948 und Luxman PD444 sowie die ebenso riesige wie rare Röhrenvorstufe Brakemeier Anzai. Und doch verblasst all das hinter den Lautsprechern, die es so ein zweites Mal nicht zu erleben gibt: ein Stereo- Paar Dreiwege-Einheiten, basierend auf dem technischen Prinzip des Karlson-Couplers. Gebaut hat sie, ebenso wie die passenden Leistungsverstärker, der Berliner Klaus Schulze. Die hochglanzpolierten, über die gesamte Länge geschlitzten Metallröhren für Hoch-, Mittel- und Tiefton, an deren hinteres Ende jeweils die passenden Lautsprechertreiber angeflanscht sind, wirken filigran, sind aber für hornähnliche Dynamik gut und fluten das Lokal souverän mit Musik. Im Tiefbass helfen zwei konventionelle Subwoofer mit, deren cafétischgroße Membranen und oberschenkeldicke Reflexöffnungen in jedem kleineren Raum Angst und Schrecken verbreiten würden. Das ganze Ensemble gibt sich im akustisch gelungenen, angenehm bedämpften Raum aber als feinsinnig aufspielende Tafelmusiktruppe, die am liebsten klassischen Jazz zu Gehör bringt.

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Es gibt aber nicht nur Musik von Konserve. Wie schon im Lang Nuong sollen auch im Minakami regelmäßig Jazz-Ensembles auftreten. Den Musikern steht dafür die Bühne zur Verfügung, vor deren Rückwand die Anlage installiert ist und auf der auch größere Formationen als das klassische Jazztrio Platz finden. Verglichen mit ähnlichen Lokalitäten in Asien, wo Sammler mit Vorliebe üppige Hornkonstruktionen schaulaufen lassen, mutet das Minakami regelrecht heimelig an. Dafür ist dieses HiFi-Lokal ein durch und durch stimmiger Ort, der die imposante Technik nicht in den Vordergrund drängt und trotzdem über Schauwerte verfügt. Wenn sich jetzt noch mehr Gastronomen von der Harmonie von gutem Ton und gutem Essen inspirieren ließen – es wäre bestimmt kein Fehler.

www.minakami-jfk.de

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