Monkey Banana

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Monkey Banana, der Name dieses Lautsprechers ist so dermaßen lächerlich, dass er sofort im Hirn haften bleibt. Da ist es dann schon fast egal, dass der eigentlich hochseriöse, vollaktive Monitor ausgerechnet in Knallrot daherkommt.

Nur mal schnell „monkey-banana.de“ in die Adresszeile getippt, und der Bildschirm leuchtet in Kreisch-Orangerot,steht de facto in Flammen. “Color your studio”, steht da, oder: “Red is the new black.” – Also ehrlich, Angst vor prallen Farben haben diejenigen, die hinter diesen Lautsprecher stecken, definitive nicht.

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Schöner hören

Monkey Banana also. Trotz des höchst verdächtigen Namens stecken offenbar ganz vernünftige Leute hinter der Marke. Schwaben gar. Mit Monkey Banana gelang vor ein paar Jahren der Einstieg in die Profi-Beschallung, genauer gesagt ins Monitoring, die Firma entwickelt und produziert also Werkzeuge für den Toningenieur hinterm Mischpult. Und der will doch immer alles ganz genau wissen.
Das wollen viele Highender auch, wünschen sich fürs Zuhause das gleiche „Werkzeug“ wie die Studioprofis. Und Monkey Banana haben Tools im Programm, die dermaßen preisgünstig sind, dass sogar der notorisch klamme High-End-Nachwuchs aufhorchen sollte. Ach, Rot ist nicht so ganz Ihr Ding? Nun, es gibt die Dinger auch in Schwarz.

Turbo? Gib acht!

Vier Monitor-Modelle bietet Monkey Banana an. Alle heißen erst einmal „Turbo“ (was der Namensgebung endgültig die Narrenkappe überstülpt), die nachfolgende Zahl verrät jeweils den Durchmesser des Tieftöners: 4, 5, 6 und 8 ist da zu lesen; die 10 ist für den Subwoofer der Serie reserviert. Die Schlauberger unter uns wissen sofort, dass es sich bei den Zahlen natürlich nur um Zoll handeln kann. Und so unersättlich, wie wir nun mal sind, haben wir gleich das größte Modell bestellt, den Monkey Banana Turbo 8. Denn mit einem Durchmesser von 8 Zoll – rund 20 Zentimeter – lässt sich schon ganz anständig Luft bewegen. Zudem liefern die eingebauten Endstufen für Tief- und Hochtöner stabile 80 bzw. 30 Watt, was auch für ambitionierte Pegel ausreichen sollte.

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Unruhe auf den billigen Plätzen

Die Power reicht aus: Unmittelbar nach der Ankunft in der FIDELITY-Redaktion machen die beiden knallroten Kompaktlinge Bekanntschaft mit dem hauseigenen Musikserver und DeeJay IS am iPad. Der sichtlich vergnügte Tablet-Jockey surft quer durch die zigtausend Titel umfassende Sammlung, über die Redaktionsflure erklingt ab sofort eine wilde Musikmischung, die fast ausschließlich mit Strom zu tun hat: von The B-52s über The Cure bis hin zu Kraftwerk. Ein paar Tage lang geht das so, immer wieder hin und her. Mal tönt es aus dem Besprechungsraum, mal aus dem Büro des DJs, in dem auch Boxerdame Wilma ihr Körbchen hat, und schließlich aus dem Hörraum, wo doch eigentlich die „richtigen“ Lautsprecher hingehören. Andererseits sollte dem Turbo 8 sein Standort doch halbwegs wurscht sein, oder? Ein Abhörmonitor muss doch auch unter widrigen Bedingungen sein Bestes geben (können). Tut er aber nicht. Wenn die Bedingungen schlecht sind, klingt kein Lautsprecher dieser Welt optimal. Ein tipptopp aufgeräumter (Schreib-)Tisch etwa, wie wir ihn dem Kollegen Roland Kraft vorgeschoben haben (siehe kleines Bild), erzeugt mit seiner großen glatten Oberfläche direkt vor den Lautsprechern ungünstige Schallreflexionen, die das Originalsignal überlagern und den guten Klang torpedieren. Das ursprünglich saubere Signal verschmiert und neigt zum Plärren. Ein maximal unaufgeräumter Schreibtisch wiederum, wie er beispielsweise beim Autor zu finden ist, sorgt mit vielen unterschiedlichen, kleinteiligen Oberflächen (Tastaturen, Notizblöcke, Kaffeetassen, Schreibzeuge, das übliche Kreativ-Chaos halt) für eine halbwegs akzeptable Reflexionsverteilung. Das klingt tatsächlich schon viel besser, sieht allerdings auch, na ja: „kreativ“ aus. Akustisch damit durchaus vergleichbar ist die typische Nahfeld-Abhörsituation im Tonstudio. Dort schicken die Monitore ihren Schall über Tausende von Knöpfen und Reglern des Mischpults hinweg.
Am allerbesten klingt der Turbo 8 aber – obwohl als Nahfeldmonitor tituliert – auf einem guten Ständer, frei im Raum stehend. Cool wirkt zum Beispiel ein Kamerastativ mit montierter „TV-Platte“ von Manfrotto. Wir scheuen uns auch nicht, die Klangregler auf der Rückseite zu benutzen; sie kontrollieren bei 10 kHz die „Crispyness“ und bei rund 100 Hz den „Wumms“ des Turbo 8.

Anfangsverdacht bestätigt

Die Messtechnik hat mittlerweile einen Anfangsverdacht bestätigt: In Nullstellung der Klangregler besitzt der Lautsprecher eine markante Mittensenke, die an eine Loudness-Schaltung erinnert. Stehen beide Regler hingegen auf Linksanschlag, also auf voller Minusstellung, schlägt der geneigte Highender zwei bis drei Fliegen mit einer Klappe: Der Frequenzgang ist nun messbar und hörbar ausgewogener, der Monitor klingt in den Mitteltonlagen präsenter und quasi nebenbei werden vor allem Tieftöner samt Amp entlastet. Was wiederum den „gefühlten“ Maximalpegel erhöht. Wenn sich jetzt der Hochtöner (nicht der Tieftöner, wie die Bedienungsanleitung empfiehlt) auf Ohrhöhe befindet, ist alles prima. Derart aufgestellt, teilt der Turbo 8 herrlich direkt und ungeschönt aus, bietet gleichwohl ein verblüffend stabiles und auch tief reichendes Fundament (aktive Entzerrung!) und empfiehlt sich damit nachdrücklich als Alternative zu üblichen HiFi-Lösungen. Knackigkeit, Stabilität und Präsenz dürften in dieser Preisklasse wohl unschlagbar sein. Denn für den Monkey Banana Turbo 8 werden nur 800 Euro fällig. Pro Paar!

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Pop & Rock: Zucker für die Affen

Einzig mit klassischer Musik oder akustischem Jazz tut man dem poppigen Schwaben keinen großen Gefallen. Sicher, der Turbo 8 stellt auch damit grundsätzliche „Raumverhältnisse“ dar, führt tonhöhen- und phasensicher durchs Programm, fächert Schallereignisse gut auf. Aber das „ganz große Ding“ – das, was mir bei Faurés Requiem die Nackenhaare aufstellt und bei Holsts Planeten („Mars“!) Angst einjagt – bleibt der Monitor letztlich schuldig. Mit rein akustisch eingespielten Titeln wirkt er ein wenig grob und körnig, mitunter schlicht überfordert, und je größer das Ensemble und/oder das Werk ist, umso deutlicher wird dieses Manko. Also schnell wieder zurück zu Rock, Pop, Electronix und Artverwandtem: Hier verkörpert der Monkey Banana Turbo 8 puren Rock-’n’-Roll-Style auf erstklassigem Niveau. Er ist eine echte Kampfansage ans Etablissement, denn – da wiederhole ich mich furchtbar gerne – wir reden hier von gerade einmal 800 Euro pro Paar, Amps und DACs inklusive. Und, wie ebenfalls schon bemerkt: Es gibt ihn auch in Schwarz. In Gelb hingegen nicht. Schade. Und in Passiv auch nicht. Gut so.

 

www.monkey-banana.de

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