Norddeutsche HiFi Tage NDHT 2020 im Hotel Holiday Inn Hamburg

Norddeutsche HiFi-Tage 2020

Gute Laune und tolle Vorführungen in Hamburg

Ein letztes Mal …

Am ersten Februarwochenende fanden die Norddeutsche HiFi-Tage 2020 (NDHT) in Hamburg statt. Die Show zog zahllose Besucher an, die bisweilen beträchtliche Wegstrecken auf sich nahmen, um die größte Hotel-Messe der Republik zu erleben … zum letzten Mal in der vertrauter Umgebung.

Es ist wie pure Magie. Gemeint ist dieses kurze Vakuum, dieser Augenblick absoluter Ruhe am Samstag Morgen. Unmittelbar vor Beginn der Show. Plötzlich wirken die Flure und Gänge sauber, das hektische Treiben der Last-Minute-Erledigungen versiegt. Auf geradezu mystische Art haben ungesehene, ungehörte Staubsauger für Ordnung gesorgt. Aus den Zimmern ertönen die zarten Klänge warmlaufender HiFi-Systeme, während sich in der Lobby die ersten audiophilen Frühaufsteher sammeln. Die Ruhe vor dem Sturm.

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Außenstehende und Besucher, die an beiden Messetagen durch die erlauchten Hallen des Holiday Inn am Billwerder Neuen Deich schlenderten, konnten sich wohl kaum vorstellen, was für ein heilloses Gewusel dort noch Stunden vor der Veranstaltung herrschte. Da wurden Europaletten von A nach B gewuchtet, HiFi-Racks montiert und endlose Kabelknoten entflechtet. Ganze Berge leerer Gerätekartons zierten die Flure und nicht wenige Aussteller verbrachten die gesamte Nacht mit Abstimmung und Feintuning ihrer Ketten. Stets begleitet vom Staccato leiser Flüche: „Wo ist denn dieses $@§%-Kabel?“, „Das klang doch gestern ganz anders“, „Wer hat den Phasenprüfer?“ oder ganz beliebt: „Ich weiß genau, dass ich das [unverzichtbares Teil der Vorführ-Kette] gestern eingepackt habe!”

FIDELITY hat die Ruhe weg

Wie üblich sind wir bereits am Freitag angereist. Von München nach Hamburg, das ist mit dem PKW schon ein gehöriger Schleif. FIDELITY war wie gewohnt mit eigenem Stand vor Ort, im allgemeinen Aufbautrubel war es aber eine vergleichsweise überschaubare Aufgabe, eine gefühlte dreiviertel Tonne Magazine, Bücher und Gummibärchen aus dem Kofferraum in den Eingangsbereich des Hotels zu befördern. Anschließend hatten wir reichlich Gelegenheit, dem farbenfrohen Treiben zuzuschauen.

Norddeutsche HiFi Tage NDHT 2020 im Hotel Holiday Inn Hamburg

Wolfgang Borchert, ehemaliger Inhaber des überregional bekannten Ladengeschäfts HiFi Studio Bramfeld, hob die Norddeutsche HiFi-Tage vor beinahe zwei Jahrzehnten aus der Taufe. Mittlerweile wurde die Show als eigenes Unternehmen ausgegründet und liegt in den erfahrenen Händen seiner Tochter Ivonne Borchert-Lima und ihres eingespielten Teams. Und das Konzept trägt Früchte: Nicht nur, dass die Show mittlerweile über 100 Zimmer mit mehr als 400 Marken füllt und zu den bestbesuchten Endverbraucher-Veranstaltungen des HiFi-Jahresplans zählt. Seit zwei Jahren haben die Norddeutsche HiFi-Tage mit den Stuttgarter Süddeutsche HiFi Tage (SDHT) einen Ableger bekommen, der sich gut entwickelt. Wir vernahmen übrigens ein leises munkeln, dass noch weitere Standorte folgen könnten.

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Neuheiten auf den Norddeutsche HiFi-Tage 2020

Die Bedeutung der Messe wird dadurch unterstrichen, dass immer mehr Hersteller die Gelegenheit nutzen, explizite Produktneuheiten vorzustellen. AVM lud gar zur offiziellen Pressekonferenz, auf der es Informationen über eine Handvoll Produkte gab. Darunter das neue All-In-One-Flaggschiff Ovation CS 8.3. Vor allem am Netzwerkteil ihres beliebten Alleskönners haben die Malscher geschraubt. „X-Stream“ nennt sich die neue Engine. Neben erweiterten Steuermöglichkeiten für iOS und Android kann sie von allem etwas mehr: Roon, HiRes-Streams, Spotify Connect, Airplay2, Multiroom etc. Rausgepustet werden die musikalischen Frequenzen über zwei 500 Watt leistende Endverstärker.

Ein weiteres Highlight fanden aufmerksame Beobachter am Stand von Transrotor. Wir wussten es schon vorher, durften aber nichts verraten: Jochen Räke hatte sich bereits vorm großen SME-Knall – die Briten haben im November 2019 sämtliche OEM-Partnerschaften aufgekündigt –mit einem eigenen Tonarm umgetrieben. Und nun ist er da. Transrotors erstes eigenes Ärmchen ist ein hochglanzpolierter Brocken, der optisch wundervoll zu den Drehern aus Bergisch Gladbach passt. Zudem weist er ein paar technische Finessen auf, die Räke an anderen Tonarmen immer vermisst hat hatte. Ganz fertig ist der Systemträger allerdings noch nicht. Der geplante Veröffentlichungstermin liegt „irgendwo im Zeitraum“ (Mitte Mai) um die gecancelte HighEnd 2020.

Premiere-Feeling kam auch am Stand von IDC Klaassen auf. Dort zeigte das FinkTeam seine neue KIM, die man wohl als kompakten Ableger der Borg charakterisieren könnte. Technisch und konstruktiv geht die Kompakte allerdings ihre eigenen Wege.

Ihr sollt Hören!

Doch so merkwürdig es klingen mag: Auch wenn man sie überall entdecken konnte, standen die Geräteneuheiten auf den Norddeutsche HiFi-Tage 2020 nicht im Vordergrund. Nicht für uns und auch nicht für die Besucher. Den meisten Anwesenden ging es darum, Anlagen und Systeme zu erleben, die man sonst nirgends hören kann. Fast jeder der über 100 Räume wurde aktiv bespielt und es ist mittlerweile fast aussichtslos geworden, sie alle in Ruhe “abzuarbeiten”. Das sorgt für ein kleines Problem, dass man als prinzipbedingt akzeptieren muss: Um so viel wie möglich zu sehen halten sich die meisten Neugierigen nur kurz in den Zimmern auf. Fast überall herrscht daher reges Kommen und Gehen. Nach einigen Vorführungen hat man sich aber an das Gewusel gewöhnt und kann sich auf die Ketten einlassen.

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Einige Aussteller verlegten sich daher auf die Strategie geschlossener Räume. Jeweils zur halben Stunde ging’s los, wer zu spät kam, hatte Pech und stand vor der verschlossenen Tür. Die Besucher von Avantgarde Acoustics Vorführung konnten der erhabenen Duo so in aller Ruhe lauschen und konnten ihre Fragen direkt an Firmeninhaber Holger Fromme wenden. Sollten Sie zu den Unglückseligen zählen, die nie reingekommen sind, können Sie sich damit trösten: Wir auch nicht.

Das Groß der Aussteller fuhr im Kontrast dazu offene Veranstaltung: Türe auf, Musik laufen lassen. Praktisch im Durchgehen konnte man sich so einen Eindruck von der Anlage machen oder von Platz zu Platz wandern, um herauszufinden, wo der optimale Sweet-Spot liegt. Die Demonstration von Lyravox‘ aktiver Kompakt-Neuvorstellung Karlina wirkte dadurch wie ein sympathisches Happening.

Persönliche Note

Hotelmessen wie die NDHT sind Segen und Fluch zugleich. Ein wahrer Segen, weil oft auch die kleinen Hersteller vor Ort sind, die man auf den großen B2B-Messen nicht antreffen kann. Außerdem steht hier der Kundenkontakt und nicht das Business im Vordergrund. Hier und da geht es so traut daher, dass man sich bisweilen vorkommt wie auf einer Familienfeier mit netten Verwandten. Ein Fluch hingegen, weil es oftmals beengt zugeht und man vor allem zu den Stoßzeiten am Samstag regelrecht durch die langen Flure geschoben wird.

Besonders schwierig wurde es dann bei Firmen wie beispielsweise Voxativ aus Berlin. Dort brauchte man gefühlt immer drei Anläufe, um rein in’s Zimmer zu kommen. Kein Wunder, deren Komponenten werden immer kleiner, immer bezahlbarer und gefühlt auch immer besser.

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Eine weitere echte Überraschung war der ehr unscheinbare Raum des Dreigestirns aus Aavik (Verstärker), Borresen (Lautsprecher) und Ansuz (Kabel). Derart großer Sound aus so kleinen Lautsprechern läßt einen baff staunen. Wer diesen Raum verpasst hat, sollte unbedingt die nächste sich bietende Gelengeit zum Hören nutzen.

Atmosphäre kommt trotzdem auf: Ein Teil der Aussteller ist in den oberen Etagen des Hotelturms untergebracht. Die liegen im 16., 17. Und 18. Geschoss des Gebäudes, von wo man eine wunderbare Aussicht über Hamburg genießen kann. Bei diesem Anblick lässt sich die Enge der unteren Hotelflure vergessen. Wenn die Lautsprecher vor den Panoramafenstern positioniert sind, das war etwa bei Einstein Audio der Fall, kommt ein geradezu highendiges Urlaubsfeeling auf. So kann man den Messetag in der Dämmerung des späten Samstagnachmittags entspannt ausklingen lassen und neben toller Musik die Aussicht auf die beleuchtete Hafenlandschaft genießen. Zumal wir in fast allen Räumen – und das nicht nur im Turm – den Eindruck hatten, dass die Aussteller ihre raumakustischen Hausaufgaben gemacht hatten. Trotz widriger Bedingungen (Stichwort “Trockenbau”) klang es in den meisten Räumen ausgewogen und stimmig.

Knifflige Quellenlage

Interessanterweise stolperten viele Vorführungen am Samstag in die Show hinein. Auch auf Messen versuchen immer mehr Vorführer, Musik via Streaming in den Raum beziehungsweise an die Messebesucher zu bringen. Als hätten sie sich nicht vorher ausrechnen können, dass ein Hotel-WLAN in die Knie geht, sobald einige Dutzend Anlagen zeitgleich HighRes-Files streamen. In ihrer Not wichen einige Vorführer auf Smartphone-Streaming via LTE aus. Wir erlebten mehr als einmal wackelige oder gar abbrechende Verbindungen zu Tidal, Qobuz und Co.

Die Verlockungen sind nicht von der Hand zu weisen: Der Streaming-Zugriff ermöglicht das Anlegen von Playlisten und erleichtert es, auf individuelle Musikwünsche der Besucher einzugehen. Im Verlauf der Show kehrten aber immer mehr Aussteller zu Old-School-Medien wie CD (Sie erinnern sich vielleicht noch) und Vinyl (kennt man auch noch, oder?) zurück – sofern sie nicht ohnehin von vornherein darauf gesetzt hatten. An einigen Ständen – etwa bei EternalArts – konnte man sogar Tonbandmaschinen hören.

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Standortwechsel

Unterm Strich waren die Norddeutsche HiFi-Tage 2020 wieder ein voller Erfolg: Eine hervorragend besuchte, durchweg angenehme Messe mit zahllosen tollen Vorführern. Die Vertreter der Hersteller hatten ein offenes Ohr für jeden Kommentar und jede Frage. Im kommenden Jahr steht der Messe allerdings eine einschneidende Veränderung bevor: Nach beinahe 15 Jahren in der trauten Umgebung des Holiday Inn werden die NDHT in einen neuen Standort im Süden Hamburgs umziehen. Es geht nach Harburg in das Privathotel Lindtner. Der sympathisch in die Jahre gekommene „Kornspeicher“ direkt an den Elbbrücken wird kernsaniert und steht daher nicht mehr zur Verfügung.

Es werden Wetten angenommen, ob die Show sich ihren Charme und Charakter auch in der neuen Umgebung bewahren kann. Unser Gefühl sagt aber: Die Borcherts machen das schon …

Norddeutsche HiFi Tage NDHT 2020 im Hotel Holiday Inn Hamburg

 

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www.hifi-tage.de

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