Nubert X-8000 RC

Nubert nuPro X-8000 RC

Eine Frage der Einstellung

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Nubert nuPro X-8000 RC – Eine Frage der Einstellung

Nüchtern und betont schlicht designt, dafür aber vollgepackt mit zweckmäßiger Digitaltechnik. Die Nubert nuPro X-8000 RC meistert den Spagat aus technokratischer Sachlichkeit und musikalischer Finesse.

Nubert X-8000 RC

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In aller Kürze

Die Nubert nuPro X-8000 RC besticht nicht, sie überzeugt. Einmal eingerichtet, bietet sie volle Bandbreite, satte Dynamik und vor allem eine langzeittaugliche No-Nonsense-Attitüde.

Nubert X-8000 RC


Nuberts nuPro X-8000 RC präsentiert sich als etwas mehr als einen Meter hoher Quader in Schleiflack-Schwarz. Die Chassisrahmen und Schrauben verbergen sich unter bündig eingesetzten, mattschwarzen Kunststoffringen. Auch sonst findet sich abgesehen vom diskreten Display keinerlei Schmuckwerk am Gehäuse, das von seiner grundlegenden Geometrie ablenken würde – nein, auch nicht die Nubert-typischen auskragenden Schallwandlippen. Die Erscheinung der X-8000 RC ist so dezent und unauffällig, wie es bei einer Standbox mit zwei 20er-Bässen eben möglich ist.

Nubert X-8000 RC
Die fetten Sicken an den 20er-Bässen lassen ordentlich Hub zu. Das optische Versprechen von Tiefgang und Dynamik wird absolut eingehalten.

Das dürfte auch der Zweck der Übung gewesen sein, schließlich ist die Aktivbox als Maßnahme zur Entschlackung des heimischen HiFi-Ökosystems gedacht, als Gegenentwurf zum althergebrachten Stereo-Sammelsurium aus Laufwerken, DACs, Vor- und Endstufen, die an „ihrer“ Wand profane Unterhalter wie Fernseher oder Spielekonsolen nur widerwillig willkommen heißen. Neben den vier Endstufen mit je 210 Watt Leistung ist deshalb ein D/A-Wandler ebenso an Bord wie Wireless-Konnektivität über den Nubert-eigenen X-Connect-Standard.

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An und für sich ist der Betrieb mit immerhin zwei Kabeln vorgesehen: Eins führt von der Quelle zur Master-Box, ein weiteres verbindet Letztere mit dem als Slave designierten Lautsprecher. Dank einer ganzen Reihe von Eingangsoptionen ist es dem Lautsprecher dabei ziemlich egal, ob es sich beim Zuspieler um einen Streamer, den per USB angeschlossenen PC oder einen CD-Player handelt. Ebenso lässt sich aber auch einfach das Smartphone per Bluetooth koppeln, der AptX-HD-Codec kümmert sich dann um die Entschlüsselung. X-Connect erlaubt es zudem, auf die Verbindungsstrippe zu verzichten und somit den Kabelsalat – bis auf die Stromkabel – vollends zu eliminieren. Die Latenzzeit zwischen den beiden Kanälen liegt laut Nubert unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, und die Beschränkung auf 2.1-Stereo bei der Koppelung bringt mit sich, dass die Funkbrücke auch HiRes-Musik bis hin zu 24 bit/192 kHz übertragen kann. Für das letzte Quäntchen Klangqualität empfiehlt Nubert freilich die Verbindung über das beigelegte Koax-Kabel.

Nubert X-8000 RC
Statt der üblichen Spikes setzt die nuPro X-8000 RC auf dämpfende Gummifüße, was sie auch bei der Aufstellung zu einem Sorglos-Lautsprecher macht.

X-Connect kann aber noch eine Menge mehr: Beispielsweise lässt sich mit dem Transceiver nuConnect trX oder dem Verstärker nuConnect ampX das Musiksignal von den Aktivboxen aufnehmen und an Lautsprecher in einem anderen Raum oder auf dem Balkon weiterreichen. Oder aber man schließt den nuConnect trX an einen AV-Receiver an und steuert damit zwei aktive Rear-Lautsprecher kabellos an. Mit Soundbars und Kompaktmodellen bietet die nuPro-Linie auf jeden Fall schon mal die Grundzutaten für ein kabelloses Heimkinosystem.

Möglich ist also einiges, doch im Kern will die nuPro X-8000 RC ein klassischer HiFi-Lautsprecher für den Heimgebrauch sein, also sollen uns die Multiroom- und Heimkinotalente an dieser Stelle nicht weiter kümmern. In der Rolle des akkuraten Musikwiedergabegerätes nehmen sich die Nubert-Aktiven jedenfalls durchaus ernst – und werden offenkundig auch von anderen ernst genommen: Wie Rüdiger Steidle, bei Nubert für das Marketing verantwortlich, nämlich zu erzählen weiß, kommen Lautsprecher der nuPro-Serie wegen ihrer neutralen Abstimmung und der zahlreichen Klangeinstellungs- und Raumanpassungsoptionen mitunter auch in Tonstudios zum Einsatz.

Nubert X-8000 RC
Profi-Touch: Das reichhaltig bestückte Anschlussfeld bietet unter anderem auch einen symmetrischen Eingang.

Zunächst einmal ignoriere ich jedoch die ganze DSP-Zauberei, stelle die Lautsprecher im Hörraum auf und verkabele sie miteinander sowie mit dem Cambridge-Streamer CXN V2, um zu sehen, ob sie bei aller Konfigurierbarkeit auch Plug-and-Play-tauglich sind. Bis 30 Grad abseits der Hauptachse sollen die nuPro X-8000 RC ein intaktes Klangbild liefern, wobei Nubert ein leichtes Einwinkeln auf den Hörplatz empfiehlt. Natürlich will ich es besser wissen, und so probiere ich alle Winkel selbst durch, um am Ende zum gleichen Ergebnis zu kommen: Gerade in den Raum abstrahlend bauen sie eine schön breite Bühne auf, die bei leichtem Einwinkeln aber nicht wirklich beeinträchtigt wird. Wohl aber gerät nun die Bühnenmitte definierter, klarer positioniert. Ich winkele die X-8000 RC jetzt mal richtig stark ein, nur um zu sehen, was passiert. Bei dieser Aufstellung scheinen alle Instrumente minimal klarer fokussiert, aber die Bühne greift seitlich nicht mehr wirklich über die Lautsprecher hinaus. Zudem zieht der Hochtöner nun einen Hauch mehr Aufmerksamkeit auf sich, als mir angemessen erscheint. Also wieder zurück in die vom Klangdoktor verordnete leicht eingewinkelte Kompromiss-Positionierung.

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Als Eichmaß für eine stabile Bühnenmitte diente mir übrigens vor allem „My Name Is Carnival“ von Youn Sun Nahs Album Same Girl. Wie im Original von Jackson C. Frank performt sie das Stück nur von einer Gitarre begleitet, doch könnte die Interpretation anders kaum sein: Während Frank durchgehend in seinem brüchig-melancholischen Singsang verbleibt, fängt Youn Sun Nah sachte an, baut ihren Stimmpegel dann jedoch nach und nach zu einem geradezu bedrohlich energiegeladenen Spektakel auf. Und gerade wenn man sich wundert, welche Stimmgewalt die zierliche Koreanerin zu entfesseln vermag, legt sie noch eine Schippe drauf, und dann noch eine. Das ist normalerweise für zwei, drei, vier Gänsehautschübe gut – die sich hier auf Anhieb jedoch nicht so recht einstellen wollten. Angesichts der üppigen Membranfläche hatte ich halb erwartet bzw. befürchtet, vielleicht nicht unbedingt Brüllquader, aber doch eher, sagen wir, spaßorientierte Lautsprecher vor mir zu haben. Doch weit gefehlt – in der Tat geht mir hier gerade Bass ab, das Klangbild wirkt etwas dünn und anämisch. Zeit für die integrierte Raumeinmessung.

Nubert X-8000 RC
Die beiden nuPro X-8000 RC sind physisch identisch. Das Steuerkreuz für die Menünavigation ist dementsprechend auf beiden Lautsprechern vorhanden, die Master-/Slave-Rollen sind frei designierbar.

Während das Bedienkreuz am Lautsprecher über ein komplexes Menü den Zugriff auf diverse Klangeinstellungen wie einen Fünfband-Equalizer oder Bass- und Mid/High-Regler (jawohl, der wirkt nicht auf den Hochton, sondern primär auf den Präsenzbereich) gewährt, lässt sich die Raumeinmessung mit Hilfe der kostenlosen Steuerungsapp bewerkstelligen. Apropos Hilfe: An dieser Stelle muss ich schnell meinen Kollegen um fünf Minuten seines Lebens bitten, denn anders als ich besitzt er ein iPhone, und die Raumkorrektur unterstützt leider nur iOS-Geräte. Zum Glück lässt Nubert Android-Nutzer aber nicht völlig im Regen stehen – für 36 Euro könnte ich ein Aufsteckmikrofon ordern und die Messprozedur somit auch selbst erledigen.

Für alle, die ob der zahlreichen Einstellmöglichkeiten ständiges Rumgefrickel in der vielschichtigen Menüstruktur befürchten, sei an dieser Stelle Entwarnung gegeben: An der Fernbedienung befinden sich praktischerweise drei Preset-Tasten. Sind alle Klangeinstellungen zur Zufriedenheit des Hörers getroffen, lassen sie sich mit einem langen Druck auf die gewünschte Preset-Nummer abspeichern und danach jederzeit mit einem kurzen Druck wieder aufrufen. Dabei umfasst das Profil neben Equalizer und Klangreglern auch die Raumkorrektur, sodass man, wenn man neugierig ist (und ich war neugierig) mitten im Lied auf Knopfdruck den Direktvergleich zwischen ein- und ausgeschalteter Raumkorrektur anstellen kann.

Nubert X-8000 RC
Eine Quelle, zwei Nubert nuPro X-8000 RC und die Fernbedienung bilden bereits eine komplette Stereoanlage.

Einige App-Navigation und ein 30-sekündiges Testrauschen später zeigt der iPhone-Bildschirm die gemessene Druckkurven-Achterbahn im Bassbereich sowie die durchgeführte Korrektur. Intelligenterweise verzichtet das Rechenwerk darauf, den Tieftonpegel auf Biegen und Brechen überall auf das Referenzniveau zu heben – bei raummodenbedingten Auslöschungen wäre das ohnehin vergebliche Liebesmüh. Stattdessen wird der Frequenzgang ganz erheblich geglättet.

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Und den Unterschied hört man unmittelbar. Sofort steht Youn Sun Nahs recht „wet“ eingefangene Stimme satter, körperhafter, griffiger im Raum. Jetzt kommt die unbändige Energie, die die Sängerin hier einbringt, erst richtig zum Tragen, nimmt mich in den Griff und zieht mich in die Performance hinein. Und die Stimme der Vokalistin klingt dabei eben nicht zu fett. Sie kommt klar, schlackenlos, aber mit einer gehörigen Portion Durchsetzungsvermögen. Sehr viel besser – jetzt macht das Stück richtig Spaß.

Da das Datenblatt eine beeindruckende untere Grenzfrequenz von 26 Hz (−3 dB) angibt, fahre ich als nächstes schwereres Geschütz auf: die Sinfonie Nr. 3 in c-Moll von Camille Saint-Saëns. Streicher, Pauken und vor allem die Orgel kommen mit aller gebotenen Autorität, aber nie im Übermaß. Alles bleibt schön sauber und kontrolliert, auch bei fulminanten Passagen verwischt hier trotz opulenter Bassenergie rein gar nichts, ich kann mir jederzeit einen beliebigen Teil des großen Ganzen herauspicken und mich mal auf die Kontrabässe, mal auf die Holzbläser einhören.

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Dabei verkneifen sich die Nuberts nicht nur im Bass, sondern über den gesamten Frequenzbereich hinweg konsequent jeglichen Hang zur Übertreibung, vom tiefsten Keller bis hinauf zur Hörschwelle ist alles absolut präsent, aber an keiner Stelle nennenswert betont. Wenn überhaupt, dann halten sie sich im Grundton ein klein wenig zurück, wodurch sie insgesamt einen leicht trocken-nüchternen Klangcharakter annehmen. Die X-8000 RC wollen ganz offensichtlich keine künstlich klangfarbenverstärkenden Ohrenschmeichler sein, sondern professionell agierende Übermittler musikalischer Information – wir erinnern uns: Tontechniker schätzen die Serie.

Man sollte jedoch nicht den Fehler begehen, sie als streberhafte Spaßbremsen misszuverstehen. Den Einwand blasen sie allein mit ihren dynamischen Fähigkeiten und ihrer Pegelfestigkeit locker vom Tisch. Dankenswerterweise hat Blue Öyster Cult mit The Symbol Remains erst letztes Jahr ein neues Album herausgebracht, das sich vorzüglich für die Probe aufs Exempel anbietet. „The Alchemist“ ist eine wuchtige Progrock-Nummer, die an „The Necromancer“ von Rush denken lässt, sich beim Hauptriff deutlich am Phantom der Oper orientiert und in einem Solo kulminiert, das man so eher im Power-Metal-Bereich erwarten würde. Auch bei hohen Pegeln schütteln die Nuberts Schlagzeug wie die schweren Gitarrenakkorde locker aus den Membranen, während Eric Bloom mir in grimmig-bitterem Ton die düstere Vita des lyrischen Ichs entgegengrollt. Hier werden ganz klar die Nachbarn dem Hörvergnügen Einhalt gebieten, bevor die Lautsprecher auch nur ans Aufhören denken. Abgesehen vom reinen Schalldruck ist dabei vor allem beeindruckend, wie konstant der Klangcharakter über einen sehr breiten Lautstärkebereich bleibt.

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Zugegeben, ein bisschen hat’s gedauert, bis ich mit ihr warm geworden bin. Die Tatsache, dass man sie im Prinzip einfach aufstellen und losspielen kann, sollte einen nicht dazu verleiten, es dabei zu belassen. Die Nubert nuPro X-8000 RC baut ganz offenkundig auf ihre Fähigkeit, sich akustisch an die Hörumgebung anzupassen – keine unkluge Entscheidung, schließlich ist praktisch jeder realistische Hörraum im Bassbereich problembehaftet. Nach dem ersten Einrichten ist sie dann genauso einfach in der Handhabung, wie man es sich anfangs erhoffte. Dabei versucht sie auch nach dem Einmessen nicht, künstlich zu beeindrucken. Sie will kein Strohfeuer sein, das den Hörer erst aus den Socken haut, um nach drei Monaten irgendwie zu nerven, sondern vielmehr ein langzeittauglicher „Slow Burner“, der auch nach Jahren noch ein geschätzter Zimmergenosse ist.

Nubert X-8000 RC

Info

Nubert nuPro X-8000 RC

Konzept: vollaktiver 3,5-Wege-Standlautsprecher
Bestückung: 1 x 25-mm-Softdome-Hochtöner, 1 x 15-cm-PP-Mitteltöner, 2 x 20-cm-PP-Tieftöner
Nennleistung: 4 x 210 W pro Kanal
Frequenzgang (−3 dB): 26 Hz bis 22 kHz
Eingangsempfindlichkeit: 17 V (Analog Gain +6 dB), 27 V (Analog Gain +0 dB)
Anschlüsse: AES/XLR, Stereocinch, 2 x S/PDIF, 2 x Toslink, USB, USB-Spannungsbuchse, Sub-Out, Link, Bluetooth-Empfänger mit Support von aptX HD und AAC (Bluetooth 5)
Besonderheiten: X-Connect, Raumeinmessung
Leistungsaufnahme Standby: 0,7 W (single/pair), 1,7 W (wls master/wls slave)
Ausführungen: Schleiflack schwarz, Schleiflack weiß
Maße (B/H/T): 24/112/30 cm
Gewicht: 30,2 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: um 3800 €

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Kontakt

Nubert electronic GmbH
Goethestraße 69
73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon +49 717187120
info@nubert.de
www.nubert.de

Mitspieler

CD-Player: Ayon CD-3sx, Audio Note CD 1.1x
Netzwerkplayer/DAC: Cambridge Audio CXN V2, Lumin X1
Lautsprecher: Lyravox Karlos, Audio Physic Codex
Rack: Finite Elemente Pagode III
Kabel: AudioQuest

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