Refine Audio

Reportage: Refine Audio zu Gast bei FIDELITY

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Hört, hört! Refine Audio – Tuning-Konzepte für Fortgeschrittene

Der romantische Traum wohl aller Audiophilen: per HiFi-Anlage die Musik entfesseln und sich darin komplett verlieren. Für die perfekte Illusion ist simples Aufstellen und Verkabeln von kostbaren Audio-Komponenten viel zu wenig, ein Großteil des Zauberpotenzials bleibt unentdeckt. Kann ein wahrer HiFi-Houdini helfen?

Wer es schafft, diesen Mann ins Haus zu bestellen, darf eine exklusive Vorstellung erwarten: unaufdringlich, leise und subtil. Tuning-Spezialist René Eichenseer geht ganzheitlich auf die persönlichen Wünsche seiner Kunden ein, seine Feinabstimmungen wirken nachhaltig. Mancher behauptet gar, sie wirkten wahre Wunder. Das wiederum würde der Mann hinter Refine Audio niemals von sich behaupten. Lieber lässt er die HiFi-Anlagen für ihn sprechen, die nach seiner Abstimmung nicht mehr als Wiedergabemaschinen wahrnehmbar, sondern idealerweise „akustisch unsichtbar“ geworden sind. Das einzige, was dauerhaft bleiben soll, ist die reine Musik. Das mag vielleicht nicht für jeden Hardware-Fan das Ideal darstellen. Aber René Eichenseer kommt ja auch nicht zu jedem X-Beliebigen ins Haus.
Immerhin: Er kommt in unseren Hörraum. Daher müsste diese Folge der Rubrik „FIDELITY zu Gast bei …“ eigentlich andersherum adressiert sein: Refine Audio zu Gast bei FIDELITY. Sein Besuch gründet auf erstklassigen Empfehlungen, die durchaus typisch sein dürften: Nachdem ein NF-Kabel von Refine Audio mit seinem äußerst positiven Eindruck Lust auf mehr gemacht hatte, bewog mich die nachdrückliche Fürsprache von Thomas Schlipper (Subbase Audio), den Klangzauberer einmal persönlich einzuladen, um seine fidelen Talente im Verlags-Hörraum unter Beweis zu stellen. Dabei würde ich eine typische Situation simulieren und einfach so tun, als sei ich ein musikbegeisterter Kunde, der mit der klanglichen Performance seiner eigentlich hervorragenden HiFi-Komponenten nicht vollends zufrieden ist. Lust statt Frust – eine interessante, in der Praxis immer wieder knifflige Aufgabe.
Zugegeben, allzu einfach will ich es Refine Audio nicht machen, will meine Erfahrungen in puncto Aufstellung, Tuning und Tweaking nach gut 30 Jahren intensiver Beschäftigung mit High-End-Audio nicht mal eben beiseiteschieben. Auch die gute Akustik unseres Hörraums sollte nicht ohne Not rückgebaut werden, sondern als gegeben „mitspielen“. Zudem stehen mir hervorragende Phonomöbel von Subbase Audio und LignoLab (Shambala und TT-100) zur Verfügung, bestückt mit renommierten Komponenten von Accuphase, Clearaudio und T+A, als Schallwandler kommen große Piegas zum Einsatz, die Verkabelung ist okay, aber nicht weiter der Rede wert. Hier steht eine HiFi-Kette im oberen fünfstelligen Euro-Bereich bereit, die grundsätzlich auf sehr, sehr ordentlichem Niveau spielt, absolut geeignet, unbedarfte Laien mächtig zu beeindrucken und selbst geübten Hörern ein anerkennendes Nicken zu entlocken.
Doch was gibt es dann eigentlich zu meckern? Welchen Grund soll es geben, hier noch verbessern zu wollen? Und überhaupt: Warum fragt der Kunde zur weiteren Luststeigerung nicht einfach den Fachhändler seines Vertrauens? Spielt der denn plötzlich keine Rolle (mehr)?
Das entscheidende Stichwort heißt auch hier: Perfektion. Der Tuning-Service von Refine Audio wird genau dann interessant, wenn alle bisher konsultierten HiFi-Fachleute (Freunde, Händler, Pressefritzen, Scharlatane) mit ihrem Latein am Ende sind oder nur noch eigene Interessen verfolgen. Wenn der willige HiFiist bereits eine stolze Summe investiert hat, das klangliche Ergebnis ihn aber trotz ständig neuer und kostenintensiver Gerätschaften nicht vollends befriedigt. Wenn sich ein echter klanglicher Fortschritt nicht (mehr) einstellen will und weitere Investitionen nicht (mehr) in Richtung Klanggipfel führen, sondern in einer Art Kreisverkehr zu stecken scheinen.
Das erklärte Ziel von Refine Audio ist, eine vorhandene, gern kostspielige und „irgendwie recht ordentlich“ spielende HiFi-Anlage in ein perfekt harmonisch abgestimmtes Musiksystem zu verwandeln. Nach der Feinabstimmung soll es seine Hörer im Idealfall emotional fesseln, soll sie unmittelbar in die Musik hineinführen und so leicht nicht mehr hinauslassen. Wenn man das ein wenig bösartig betrachten will, hört sich das schon ziemlich nach typischem HiFi-Hype an. Doch um sein Versprechen tatsächlich allumfassend einzulösen, hängt sich René Eichenseer richtig rein, fühlt telefonisch beim potenziellen Kunden vor, ob man auf ähnlicher Wellenlänge surft, ob der Interessent vielleicht auch bereit ist, sich im Zweifelsfall auf eine radikale Umorientierung einzulassen. Denn manchmal bleiben schmerzliche Erkenntnisse nicht aus. Manchmal muss es wohl kurz wehtun, wenn Harmonie und perfekte Balance das Ziel ist. Ob die persönliche Verbindung tragfähig genug ist, zeigt sich oft schon mit den Kabeln von Refine Audio, die probehalber zugeschickt und ausprobiert werden: Die Reaktion des Interessenten auf die dadurch erzielte Veränderung innerhalb seiner Anlage spricht meist schon Bände. In nahezu 100 Prozent aller Fälle kommt es früher oder später zu einem persönlichen Termin zur weiteren Feinabstimmung.
Zum FIDELITY-Termin ist René Eichenseer übrigens zusammen mit Thomas Schlipper angereist. Die Männer hinter Refine Audio und Subbase Audio verfolgen klangphilosophisch das gleiche Ideal, man schätzt sich und hilft sich gegenseitig mit Produkten aus, lernt voneinander weitere Feinheiten.
Um den Ist-Zustand „meiner“ Anlage einzuschätzen, hört sich Eichenseer zu allererst ein paar Tracks einer bewährten Test-CD an, die er in und auswendig kennt. Er verzieht dabei keine Miene, fragt nach rund einer Viertelstunde nur höflich, ob er jetzt loslegen darf. Ein ganzer Stapel an Messgerätschaften und Komponenten, an Kabeln und auch Steckern wartet nur darauf, wechselweise in eine Kette integriert zu werden und verlässliche Erkenntnisse zu liefern. Darunter eine sündteure Vorstufe von Tidal, die im Verlaufe des Tunings meine Einschätzung bestätigen wird, dass Vorverstärker mit überragenden Messwerten keineswegs alle gleich klingen, sondern innerhalb eines HiFi-Systems eine entscheidende, weil tonal prägende Stellung einnehmen.
Als Startmaßnahme wird erst einmal richtig aufgeräumt: Eichenseer säubert und optimiert die gesamte Netzversorgung mittels konsequenter Sternerdung, verlegt nicht nur die Netzkabel mit größter Sorgfalt. Er kann hierbei unter anderem auf reichlich „Crossover“-Erfahrungen mit Zündsystemen für Renn-Gokarts und Hochleistungssportwagen zurückgreifen; er weiß um die zentrale Wichtigkeit einer möglichst sauberen Stromversorgung, sie ist auch die Grundlage für den angestrebten „3D-Klang“. Dabei respektiert Refine Audio immer den persönlichen Geschmack, die Erwartungen und Vorstellungen des Kunden; Eichenseer macht im Grunde genommen nur Vorschläge zur weiteren Entwicklung. Ich kann einfach bequem sitzen bleiben und die Veränderungen völlig entspannt vom Sofa aus erleben und bewerten. Die meisten Schritte sind derart eindeutig und zielführend, dass es richtiggehend Spaß macht, der erzielten Verbesserung quasi akustisch zuzuschauen. Das Klangbild öffnet sich zusehends, ohne an Substanz zu verlieren, die Musik lebt hörbar auf, erscheint straffer, wird federnder dargestellt, große Ensembles sind deutlich besser organisiert und „atmen“ regelrecht auf, zuvor diffuse Größenverhältnisse von Instrumenten und Stimmen werden zunehmend klarer dargestellt.
Manche Tuning-Maßnahmen – und es sind wirklich viele, die René Eichenseer aus dem Hut bzw. den mitgebrachten Kisten zaubert – sind jedoch so subtil, dass ich zur Einschätzung mehrere Versuche, mitunter „Rückbauten“ brauche, um mir bei einem Schritt sicher zu sein, dass er in die gewünschte Richtung führt. Oder auch nicht. Dabei versucht der einfühlsame Tuningspezialist nicht ein einziges Mal, mich in meinem Urteil zu beeinflussen – er versteht jede Maßnahme lediglich als Vorschlag und achtet auf meine Reaktion, hört geduldig zu.

Eichenseer trainierte sein Gespür für „das Richtige“ zunächst mit systematischen Untersuchungen an der eigenen Anlage und perfektionierte es über Jahre hinweg mit unglaublicher Selbstdisziplin. Den letzten und durchaus entscheidenden Feinschliff hat er bei mehreren längeren Asienbesuchen von den Meistern ihres Fachs erhalten; seither traut er sich überhaupt erst „öffentlich“ als Tuner anzutreten. Bei seinem Wirken hier vor Ort verströmt er jedenfalls eine Mischung aus Konzentration und innerer Ruhe, die mit der üblichen Geschäftigkeit (und auch Geschwätzigkeit) der westlichen Zivilisation nicht allzu viel zu tun hat. Tatsächlich versteht sich Eichenseer als Dienstleister, der weder seine Person noch seinen Geschmack aufdrängen will, aber jede Menge Know-how bereitstellt.
Wir überspringen ein paar Stunden und ziemlich viele Schrittchen. Mittlerweile werden sämtliche Gerätschaften von Refine-Audio-Netzkabeln versorgt, auch untereinander kommen die hauseigenen Verbinder zum Einsatz. Selbst klitzekleine Details wie die mechanische Entkopplung der kreuzungsfrei verlegten Strippen vom Teppichboden durch Kabellifter sind mit zunehmendem Tuningaufwand eindeutig als besser erkannt worden. Die bewährten Basen von Subbase Audio sorgen unter allen Komponenten, auch unter den Lautsprechern und sogar unter einer mitgebrachten Netzleiste sowie einem erstaunlichen kleinen Taktaufbereiter zwischen Digitallaufwerk und DAC, für beste mechanische Verhältnisse. Nicht benutzte Ein- und Ausgangsbuchsen von Komponenten sind mit Abschlusssteckern besetzt, auch die frei gebliebenen Anschlüsse am Bi-Wiring-Terminal der Lautsprecher sind „behütet“. Bis hierher waren mir alle Maßnahmen zumindest bekannt, viele davon setze ich selbst gern zur Optimierung einer Anlage ein. Doch beim Lautsprecher demonstriert René Eichenseer nun etwas, was ich in dieser Konsequenz noch nicht gesehen habe: Er zieht die Befestigungsschrauben aller Treiberkörbe mittels eines präzise einstellbaren Drehmomentschlüssels auf einen ganz bestimmten Wert an. Welcher Wert optimal ist? Das wollen wir nun gemeinsam herausfinden.
Eigentlich pflege ich selbst regelmäßig die Schrauben von Lautsprecherchassis zu überprüfen und eventuell nachzuziehen. Allerdings eher „freihändig“, d. h. so stramm, wie es das Material gerade noch verträgt. Doch auch in diesem engen Bereich des „festen Sitzes“ verbirgt sich offenbar noch reichlich Potenzial für eine Optimierung: Bereits nach der ersten Präzisionsjustage aller Befestigungsschrauben auf einen definierten Wert wird eine klare Verbesserung hörbar. Die nächsten Durchgänge erfolgen jeweils mit minimalen Änderungen nach oben oder unten, zeigen dabei ähnliche klangliche Auswirkungen wie eine Korrektur an der Befestigung eines Tonabnehmersystems. Schließlich ist es so weit: Der Klang löst sich bei einem bestimmten Wert besonders leicht von den Lautsprechern, entfaltet sich im wahrsten Sinne des Wortes im Raum, lässt die Lautsprecher immer weniger mit der Musik in Verbindung bringen, die enorm an dreidimensionaler Gestalt gewonnen hat. Ja, das will ich! Das habe ich zuvor nicht für möglich gehalten!
Aus einer Anlage, die aus kostspieligen Komponenten ganz bewusst ohne erkennbares Engagement zusammengewürfelt wurde und wie „Dienst nach Vorschrift“ auf hohem Niveau klang, ist durch zielgerichtete Feinabstimmung und geradezu liebevolles Kümmern durch Refine Audio ein Musiksystem geworden, das mich mit hinreißender Balance, mit harmonisch verteilter Kraft und einer nicht für möglich gehaltenen Dreidimensionalität in den Bann zieht. Wirklich faszinierend! Dass im Laufe der Maßnahmen auch der eine oder andere Liebling „gehen“ musste, nehme ich angesichts der in Summe nichts weniger als sensationellen Klangsteigerung billigend in Kauf.
Tatsächlich schafft die Anlage nunmehr auch etwas, was Refine Audio gern mit „Slow Motion Picture“ bezeichnet: die Fähigkeit nämlich, durch eine optimierte „zeitrichtige“ Wiedergabe die Wahrnehmung der „Zeit zwischen den Tönen subjektiv zu verlängern“, was mitunter bis zu einem tranceartigen Zustand des Hörers führen könne. Auch diese Aussage dürfte bei messwertgläubigen Vernunfthörern auf höchste Skepsis stoßen, trifft meinen Eindruck aber ziemlich gut. Während mich die zusammengewürfelte Anlage im Urzustand emotional völlig kalt ließ, setzt die feinabgestimmte Anlage eine erstaunliche Menge Endorphine frei, ähnlich wie der „Flow“, der manche Läufer glauben lässt, bis in alle Ewigkeit anstrengungsfrei weiterlaufen zu können. Ich fühle mich jedenfalls sauwohl hier und will Musik, Musik, Musik hören. Leider müssen wir nun aus logistischen Gründen allmählich zum Schluss kommen, obwohl René Eichenseer vorsichtig zur Diskussion stellt, mit dem jetzigen Ergebnis ja eigentlich erst am Anfang des Zieleinlaufs zu stehen. Da stecke noch so einiges an Potenzial drin …

 

Refine Audio

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Individuelle Tuningkonzepte mit persönlichem Einsatz vor Ort,
empfohlen für HiFi-Anlagen ab einem Basiswert von etwa 15 000–20 000 €
Abrechnung nach Tagessatz: (wird bei Kauf von Refine-Audio-Produkten angerechnet) zzgl. An-/Abreisekosten

Refine Audio, René Eichenseer
Jakob-Oswald-Straße 16
92289 Ursensollen
Telefon 09628 921389
www.refine-audio.com

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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