The New Basement Tapes - Lost On The River
The New Basement Tapes - Lost On The River Format: CD Label: Capitol/Universal

Rockidelity: Analoge Magie – Lost On The River: The New Basement Tapes

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Rockidelity: Analoge Magie – Lost On The River: The New Basement Tapes

Gerade erschien Bob Dylans The Basement Tapes Complete. Jetzt hat der US-Produzent T Bone Burnett ehemals verschollene Dylan Texte vertont

The New Basement Tapes - Lost On The River
The New Basement Tapes – Lost On The River
Format: CD
Label: Capitol/Universal

Welch ein Geschenk! Der US-Musiker und Produzent T Bone Burnett erhielt vor einiger Zeit von seinem alten Freund Bob Dylan eine Schachtel mit handgeschriebenen Songtexten, die dieser 1967 nach seinem Motorradunfall verfasst, aber nie aufgenommen hatte. Burnett stellte ein Team von fünf renommierten Songwritern und Musikern zusammen, ließ sie Musik dazu schreiben und sie auf ihre eigene – oft nicht sehr dylanesque – Art interpretieren. So entstand unter der Mithilfe von Elvis Costello, Rhiannon Giddens, Taylor Goldsmith, Jim James, Marcus Mumford sowie dem Schauspieler Johnny Depp, der für einen Song als Gitarrist für Costello einsprang, die stilistisch vielseitige, spannende Songsammlung Lost On The River: The New Basement Tapes.

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Der 66-Jährige wählte vor allem emotional geladene Texte. „Das gab mir die Chance, meinen Kumpel Bob auf eine indirekte Art besser kennen zu lernen. Am meisten überraschte mich, wie persönlich diese Texte sind“, sagt Burnett, der Dylan 1976 auf dessen „Rolling Thunder Revue“ Tour begleitet hatte, „in ‚Down On The Bottom‘ etwa philosophiert er übers Scheitern – und das zu einem Zeitpunkt, da er zum am meisten respektierten Rockkünstler der Welt avanciert war.“

Auch bei diesem Album glänzt Burnett wieder mit seinem Markenzeichen: Er sorgte für transparenten Sound und sehr präsente Stimmen, die meist so abgemischt sind, dass sie eher im Vordergrund stehen. So erzeugt er eine magische Stimmung, die zum Teil auch darauf zurückzuführen ist, dass er bei den Aufnahmen keinen Druck ausübt: „Ich gebe den Menschen Freiraum.“

The New Basement Tapes - Lost On The RiverAuf diese Art hat Burnett schon Grammy-prämierte Alben wie Raising Sand, das Gemeinschaftsprojekt von Alison Krauss und Robert Plant produziert, aber auch den Soundtrack zum Film O Brother, Where Art Thou?. Er setzt dabei stets auf analoge Technik: „Nur die Bearbeitung erledigen wir digital. Wir nehmen alles analog auf und mischen es analog ab. Ich habe die letzten 50 Jahre ständig Soundequipment gesammelt. Ich habe bei jedem Wechsel die Technologie gekauft, die am besten klang“, erklärt er. Wenn er für einen Film eine Big Band aufnimmt, stellt er die Musiker so auf, wie sie zur damaligen Zeit gestanden hätten, und er verwendet Mikrofone aus der entprechenden Phase. „Wir bemühen uns, einen wahrheitsgetreuen Sound zu erzeugen – es soll sich anhören, als wärst du in einem Zimmer mit der Band. Wir verwenden aber auch modernste Technologien wie Spektralanalyse.“

Privat setzt Burnett auf Vinyl. In seinem Haus in Nashville stehe in jedem Zimmer eine andere Anlage, jede mit einem Plattenspieler, verrät er: „Ich favorisiere Thorens-Laufwerke und McIntosh-Verstärker. Nicht ohne Grund ist die Vinyl-Sparte der einzige Teil der Plattenindustrie, der in den letzten fünf Jahren gewachsen ist. Die jüngere Generation weiß zu schätzen, wie wahrheitsgetreu eine Schallplatte den Sound wiedergibt. So erfährst du viel mehr über den Künstler und seine Musik, als wenn du sie in verfremdeter, komprimierter Form hörst.“

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The New Basement Tapes - Lost On The RiverEr habe nichts gegen die neuen Technologien, versichert er, „allerdings mangelt es bei ihrer Nutzung an der Ethik. Jahrhunderte lang haben Künstler unsere westliche Kultur angeführt. In den letzten 20 Jahren haben die Technologen die Führung übernommen. Die Wissenschaftler fühlen sich der Doktrin der ethischen Neutralität verpflichtet. Sie haben als Hüter der Kultur versagt. Es wird Zeit, dass sich die Künstler wehren und wieder die Führung übernehmen.“

Burnett sieht die Zukunft der Musikindustrie pessimistisch: „Nach der Download-Phase sind wir in der Streaming-Phase angekommen. Und wir Musiker wurden kolonialisiert. Wir leben in einer Art Drittweltland, deren Nahrungsmittelzufuhr abgeschnitten wurde“, schimpft er, „Wir sind quasi aus unserer Heimat vertrieben worden. Unsere Besitztümer wurden von den Technologie-Kolonialisten übernommen. Von den 30 Milliarden Dollar, die Google im Jahr für Werbung einnimmt, wird ein Drittel von der Musiksuche generiert. Aber von diesem Geld sieht die Musikergemeinde nichts.“ Musiker sollten in Zukunft mitbestimmen, wie Musik den Leuten präsentiert wird, fordert er. „Ein Maler malt doch auch nicht ein Bild und sagt dann: ‚Mach ruhig ein Foto von meinem Bild und verkauf es so oft du willst.“

The New Basement Tapes - Lost On The RiverKurz vor Lost On The River hatte Burnett zwar mit großer Begeisterung das neue Album der Progressive-Bluegrass-Formation Punch Brothers produziert. Aber ob er neben seinen höchst erfolgreichen Soundtracks jemals wieder Projekte als Produzent übernehmen wird, stellt er in Frage. Die Situation in der Musikbranche sei zu schwierig, sagt er. Es könnte also durchaus sein, dass die Aufarbeitung von Bob Dylans Text-Geschenk seine letzte Produktion ist.

 

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