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Roeder 211 Mono Röhrenverstärker

Roeder Mono 211 Röhrenverstärker im Test

Interessieren Sie sich für bleibende klangliche Werte? Für die Ihnen auch Ihr Enkel noch aus tiefstem Herzen dankbar sein wird?

Roeder Mono 211

Interessieren Sie sich für bleibende klangliche Werte? Für die Ihnen auch Ihr Enkel noch aus tiefstem Herzen dankbar sein wird? Und lieben Sie die menschliche Stimme? Dann sollten Sie jetzt weiterlesen!

Fotografie: Claus Volke

Ein Cello. Ja, meine Antwort wäre ganz klar: ein Cello. Dieses Instrument fällt mir sofort ein, wenn ich spontan die Trioden- Monoverstärker von Rainer Roeder mit einem Instrument vergleichen sollte. Ein Goffriller, würde ich dann noch differenzieren … Ja, das zweiteilige Statement in Sachen Trioden- Verstärkerbau ist vergleichbar mit einem Cello des genialen venezianischen Geigenbaumeisters Matteo Goffriller (1659–1742). Wenn Sie mir nicht glauben, hören Sie sich doch einmal die Sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach an, gespielt von Pablos Casals auf seinem Goffriller und mit genau diesen Röhrenverstärkern. Wenn der Rest der Wiedergabekette auf gleichem Niveau spielt, kann man unmittelbar erleben, was nur den ganz großen Interpreten gelingt: Die musikalische Darstellung sprengt die Grenzen der Komposition und führt in Tiefen der Harmonie, deren Geheimnisse nur ein Johann Sebastian Bach verstand. Und die doch Casals immer wieder neu auszuloten verstand, wenn er diese Suiten musizierte. Casals fand sein Goffriller-Cello im Jahr 1913 und gab es nie wieder her. Er war es auch, der – unter anderem mit Emanuel Feuerbach und Pierre Fournier – den Ruf begründete, den die Celli des venezianischen Meisters inzwischen haben. Viele bedeutende Cellisten, so etwa Yo-Yo Ma und Alban Gerhardt, besitzen heute ebenfalls Goffriller- Instrumente, die nebenbei bemerkt unter Fachleuten als nicht einfach zu spielen gelten.

Roeder 211 Mono Röhrenverstärker

Das Besondere an einem Cello ist, dass man ihm nachsagt, singen zu können, einen Klang ähnlich der menschlichen Stimme zu haben. So charakterisierte Hector Berlioz 1844 in seiner Instrumentationslehre die Violoncelli als „Gesangsinstrumente“: Keine Instrumente seien geeigneter, Melodien zum Ausdruck zu bringen, als acht oder zehn Celli, „die auf der hohen Saite im Einklang spielen“.

Parallelismen

Goffriller war schon zu Lebzeiten bekannt für seine herausragenden handwerklichen Fähigkeiten und dafür, dass er genau wusste, mit welchen Mitteln er seine Klangvorstellungen umsetzen konnte. Auch Rainer Roeder favorisiert reine Handarbeit: Alle seine Geräte sind praktisch vollständig „hand-made in Germany“. Er verwendet Bauteile, die konsequent nach klanglichen Kriterien eingesetzt werden; meist sind dies europäische und fast immer NOS-(New Old Stock-)Bauteile. Erwähnenswert sind auch das hochpräzise gefertigte Chassis aus Aluminium mit einer Wandstärke von 15 Millimetern und der unentbehrliche Berührschutz aus Echtglas.

Ausgeliefert werden die Amps mit einer sehr guten 211-Leistungstriode von KR Audio sowie ausgesuchten Doppeltrioden im Eingang und in der Treiberstufe. Gehört habe ich aber im Wesentlichen mit ebenfalls erhältlichen 211-NOS-Röhren aus den USA (General Electric VT-4C), die je nach Zustand zwischen 600 und 1200 Euro kosten. Die Röhren von KR Audio spielten leicht erkennbar etwas wärmer und zurückhaltender, die General Electric hingegen sehr viel präsenter, transparenter und schneller, ohne aber ihre Zugehörigkeit zu den Trioden auch nur eine Sekunde zu leugnen. Sie waren daher meine erste Wahl. Für den „point-to-point“-Aufbau werden bei der Innenverkabelung ausschließlich versilberte Kupferleiter verwendet, und natürlich finden nur die in Röhrenkreisen berühmten Papier-Ölkondensatoren Einzug in die Geräte. Neben den in dieser Klasse wohl zu erwartenden Präzisionsschaltern mit vergoldeten Kontakten und Platin-Lautsprecherterminals sowie Eingangsbuchsen von WBT besitzen beide Monoblöcke je einen vierstufigen Eingangs-Abschwächer; die Eingangsimpendanz liegt bei den üblichen 100 Kiloohm, während die Übertrager 4-, 6- und 8-Ohm- Anschlüsse aufweisen. Und natürlich ist der Aufbau so angelegt, dass Reparaturen möglich sind. Was als weitere Parallele zum qualitativ hochstehenden Instrumentenbau vergangener Jahrhunderte gelten mag: 300 Jahre alte Celli, die auch heute noch bei Aufnahmen und in Konzerten gespielt werden, sind ja keine Seltenheit. Einfühlsam restaurierte Exemplare haben also durchaus eine lange Lebensdauer zu erwarten. Das gilt auch für die Roeder 211 Monos: Prinzipiell sind solche Röhrenverstärker – das beweisen viele HiFi-Klassiker – auch nach Jahrzehnten noch reparabel. Ja, ihr lieben Ignoranten aus Brüssel, diese Geräte sind eine Kampfansage an eure völlig misslungenen Versuche, in diesem Bereich eine Regulierung vorzunehmen. Ein solcher Verstärker wird, außer man zerstört ihn mutwillig, niemals, wirklich niemals auf dem Müll landen, vielmehr euch und erst recht viele eurer geistigen Ergüsse um Jahrzehnte überleben. Aber zu den Gesetzen, die uns wohl bald solche Geräte verbieten werden, hatte ich ja schon an anderer Stelle meine Meinung gesagt. Eine mögliche Auswirkung dieser Regelungen ist aber durchaus positiv für den stolzen Besitzer: Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Gerät in 20 Jahren mehr als den Neupreis kosten wird, ist nicht gering. Mal unter uns: Kann man Geld schöner anlegen?

Roeder 211 Mono Röhrenverstärker

Wege mit Bach

Bereits die ersten 25 Sekunden seiner 1. Cellosuite hatten mich vor über 20 Jahren zum uneingeschränkten Bach-Fan werden lassen. Und nun ist der lang erwartete Moment gekommen, da die Roeder 211 und Casals aufeinandertreffen sollen …

Außergewöhnliche Musik in einer nie wieder erreichten Intensität und interpretatorischen Authentizität: Genau so geben die 211 es wieder. So wird, nein, muss Casals diese Musik gehört haben, da bin ich mir sicher. Der musikalische Übervater Johann Sebastian Bach hat mit seinen Sechs Suiten für Violoncello solo dem damals noch recht jungen Instrument den Weg in die Ewigkeit gebahnt, und die Roeder 211 Monos führen uns vor Ohren, warum das so ist. Dabei verschleiern oder verschönern sie nichts, spülen nichts weich, zwingen der Musik kein wärmeres Klangbild auf, wie man es Röhrenverstärkern zuweilen nachsagt. Allerdings ist mir bis heute kein Transistorverstärker bekannt, der nicht hart und analytisch klingt. Wenn das aber automatisch bedeuten soll, dass alle Röhrenverstärker weich und warm klingen, verstehe ich wohl etwas nicht. Klingen sie nicht einfach nur richtiger?

Machen wir die Vorurteils-Schubladen lieber schnell wieder zu. Die 211 spielen auch voluminös und mit einem exemplarisch warmen, menschlichen Ton, wenn die Musik es erfordert. Unmittelbar nachzuvollziehen ist das anhand der mittlerweile dritten (!) Einspielung der Cellosuiten des niederländischen Ausnahmecellisten Pieter Wispelwey (EPR Classic; EPR012). In dieser gerade erschienenen Aufnahme spielt er nicht nur mit einem Barockbogen und auf Darmsaiten, sondern auch in einer für unsere Ohren außergewöhnlich tiefen historischen Stimmung, deren Stimmton mit a1 = 392 Hz einen Ganzton unter der heute üblichen Stimmtonhöhe liegt. Die 211er- Monos zeigen die akustischen Folgen auf: Die Darmsaiten stehen in der tieferen Stimmung unter einer geringeren Spannung und können so besser ausschwingen. Wispelwey selbst sagt, dass ihm diese neue Herangehensweise Räume eröffnete, die er vorher nicht kannte. Ein nochmaliger Vergleich mit der Aufnahme Casals’ macht die Fähigkeit der Verstärker deutlich, sich vollständig dem Klang und den so unterschiedlichen Interpretationen der beiden Musiker unterzuordnen. Eine Eigenschaft, die wohl alle wirklich herausragenden Triodenverstärker besitzen.

Roeder 211 Mono Röhrenverstärker

Spielpartner

Im Wesentlichen habe ich die Roeder Mono 211 an der unkritischen und wirkungsgradstarken Odeon No. 38 gehört, ohne eine wie auch immer geartete Leistungslimitierung herauszuhören. Ein kleines Experiment mit meiner immer noch toll klingenden, gleichwohl schwieriger anzutreibenden Acapella High Fidelio zeigte aber auch, dass diese Kraftwerke offenbar nicht so einfach zu beeindrucken, geschweige denn in die Knie zu zwingen sind. Zum einen sind die 211 mit jeweils 18 Watt nicht gerade schwach auf der Brust, zum anderen ist bekannt, dass man ein Röhrenwatt subjektiv mit dem Faktor fünf „hochrechnen“ kann. Eine weitere Besonderheit dieser Leistungsröhre: Sie ist in der Lage, wenn auch nur sehr kurzfristig, recht hohe Ströme zu liefern, und genau das reicht in der Praxis in kritischen Situationen aus. Deshalb ermöglichen diese Verstärker echten Triodenklang mit vielen Lautsprechern, die eigentlich nicht zu den röhrentauglichen und erst recht nicht zu den triodentauglichen Schallwandlern gezählt werden können. Ich würde sogar behaupten, dass es wohl nur wenige Lautsprecher geben dürfte, die – moderate Pegel vorausgesetzt – von ihr nicht zu musikalischen Höchstleistungen getrieben werden können.

Das in der Schweiz beheimatete casalQuartett hatte vor drei Jahren mit Birth of the String Quartet eine wundervolle CD vorgestellt, die 2010 sicher zu Recht einen ECHO Klassik als beste Kammermusikeinspielung mit Musik des 18. Jahrhunderts erhielt. Außer der Musik ist bei dieser Aufnahme jedoch noch etwas besonders Interessantes zu entdecken: Alle vier Musiker spielen Instrumente des Tiroler Geigenbauers Jacobus Stainer (1618–1683). Wahrhaftig ein klanglicher Glücksfall, dass hier gleich ein ganzes Quartett mit Originalinstrumenten dieses Geigenbaumeisters ausgestattet werden konnte, existieren doch von seinen Celli wahrscheinlich nicht mehr als fünf Stück weltweit. Die 211er-Monos geben das in der Barockzeit favorisierte ungemein reiche Obertonspektrum der Instrumente mit einzigartiger Präsenz wieder und machen nachvollziehbar, warum Stainer-Instrumente bis ins 19. Jahrhundert hinein als höchstes Ideal galten. Roeders Verstärker zeigen aber auch unmissverständlich auf, dass hier weder Pablo Casals musiziert noch ein Goffriller erklingt.

Roeder 211 Mono Röhrenverstärker

Die Aufnahme wird nicht zuletzt getragen durch den besonderen Klang des von Andreas Fleck gespielten Stainer-Cellos. Bereits das Grave von Alessandro Scarlattis Sonata a quattro nimmt vom ersten Ton an gefangen. Kaum wahrzunehmen, aber förmlich zu spüren ist das Vibrato in dem mit Ausdrucksstärke und konsequenter Linearität geführten Klang. Schon mit den ersten wenigen Takten zeigen die beiden Monos auf, ob die anderen Komponenten der Anlage nur gute HiFi-Geräte sind, oder ob sie tatsächlich die Farben der Musik und das charakteristische Klangbild der Streichinstrumente wiedergeben können. Die Roeder 211 sind jedenfalls jederzeit in der Lage, den großen Tonumfang eines Cellos von fast fünf Oktaven ohne Probleme feinst differenziert abzubilden. Das gilt insbesondere auch für den gut wahrnehmbaren Dynamikbereich des Cellos, der gegenüber dem der Violinen um etwa fünf Dezibel größer ist. Auch die im Vergleich zu den Violinen längere Einschwingzeit des Cellos bei gleichzeitigem längerem Ausklingverhalten wird überzeugend dargestellt. Und so begleiten die Monos die vier Musiker sicher und absolut standfest auf ihrer Reise durch den Klang der Musik des 18. Jahrhunderts.

Der Kreis schließt sich

Nun wartet noch die CD Concinnity des Wiener Jazzmusikers Uwe Drechsler. Allein schon die Besetzung seines Quartetts klingt interessant: Drechsler an der Bassklarinette, zwei Cellisten und ein Schlagzeuger. Die aufs Wesentliche reduziert erscheinende, von skandinavischen und vor allem norwegischen Einflüssen lebende Musik kommt über die Roeder 211 mit klarer Zeichnung und großer Eindringlichkeit beim Hörer an. Die Verfolgbarkeit der akustischen Abläufe ist fulminant, die Fokussierung der Instrumente unmittelbar überzeugend. Fantastisch auch die Dialoge zwischen Bassklarinette und Cello – beides sind ja Baritoninstrumente mit einem fast deckungsgleichem Tonumfang.

Auch beim Anhören dieser Aufnahme stellt sich sehr bald heraus, dass wir es keineswegs mit Goffriller-Celli zu tun haben. Als ich zur Sicherheit nachfrage, teilt Drechsler mir mit, dass die beiden Celli aus Böhmen (anonym, 1890) und aus Florenz (Valentinus De Zorzi, 1911) stammen. Dennoch schließt sich hier auf wundersame Weise der Kreis: Uwe Drechsler erzählt, dass er ab dem Zeitpunkt, als er zum ersten Mal eine Aufnahme der leider viel zu früh verstorbenen Cellistin Jaqueline du Pré hörte, dem Cello verfallen war. Jaqueline du Pré spielte ein Goffriller, wenn auch eines von Francesco Goffriller.

Zurück in die Zukunft

Machen wir es kurz: Dies ist für mich einer der besten und der mit Abstand kräftigste 211-Triodenverstärker, den ich in den letzten 15 Jahren hören durfte. Es würde mich nicht wundern, wenn ein musikbegeisterter Mensch beim Hören einer Aufnahme aus dem 21. Jahrhundert in einer HiFi-Zeitschrift der Zukunft seinen Bericht mit den Worten beginnen würde: „Eine 211-Triode. Ja, meine Antwort wäre ganz klar: Eine 211-Triode. Eine Roeder 211, würde ich sagen …“

 

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