Looking for the English FIDELITY Magazine? Just click here!
Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

Röhrenvergleich

6SN7 und 300B

Röhrenvergleich

Tube Rolling ist bei Röhrenverstärkern immer ein Thema – anders als bei Transistorverstärkern lässt sich hier mit wenigen Handgriffen der Klang der Komponente nicht unerheblich anpassen. Anhand einer kleinen Auswahl an einigen der Lieblingsröhren des Autors – 6SN7 und 300B – wollen wir uns deshalb ansehen, was man sich klanglich davon versprechen darf.

Um es gleich vorwegzunehmen – es gibt nicht die eine, unter allen Bedingungen beste Röhre – das Klangergebnis resultiert immer aus der Mischung aus gegebener Verstärkertechnik (Schaltung, Verdrahtung, Qualität der Sockel, etc.) und Röhrenbestückung.

Zudem wird immer gern vom „warmen“ Klang der Röhren geredet; auch das ist mir zu allgemein. Wo kommt diese Meinung her? Nun, dafür sind die Klirrfaktoren der jeweiligen Röhre verantwortlich. Selbige erscheinen dem menschlichen Ohr angenehmer als vom Halbleiter gewohnt. Denn das menschliche Gehör reagiert besonders auf die mittleren bis oberen Frequenzen sehr sensibel – und Röhren erzeugen überwiegend geradzahligen (harmonischen) Klirr (k2, k4,…), der von uns als „warm“ oder, richtiger, als “musikalisch“ empfunden wird.

6SN7 – Antreiber?

Die 6SN7 ist eine typische Doppeltriode, deren Entwicklung bis in das Ende der 1930er-Jahre zurückreicht. Ursprünglich erschien sie als Stahlröhre, um ab dem Jahre 1941 mit Glaskolben in ihrem heute noch üblichen Erscheinungsbild aufzutreten. Die Tatsache, dass sie schon in den frühen Jahren der Schwarzweiß-Fernseher in diesen zum Einsatz kam, bezeugt ihre Standfestigkeit. Im Jahre 1952 wurde sie im ersten computergestützten Luftverteidigungssystem des nordamerikanischen Verteidigungskommandos namens SAGE (Semi-Automatic Ground Environment) verwendet – dies untermauert ihre Robustheit zusätzlich.

Aus dem vielfältigen Angebot der 6SN7–Typen habe ich vier m.E. besonders erwähnenswerte herausgesucht, um deren klangliche Meriten im Detail vorzustellen.

Psvane 6SN7 Art III

Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

Die Psvane 6SN7 Art III ist wahrlich Premium. Schon auf den ersten Blick wie auf den ersten Ton zeigt sie den Anspruch hierauf ganz klar. Tadellos verarbeitet, klingt sie völlig unspektakulär – und dies im positivsten Sinne. Gerne auch genommen für tendenziell (durch ungünstige Kabelwahl verursacht) zu neutrale bis leicht zu hell klingende Anlagen. Sie ist und bleibt eine meiner Favoritinnen, weil sie immer eine feste Burg im Klangbild ist.

Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

Psvane 6SN7 Art III

Paarpreis: 238 Euro

CV181-H Linlai

Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

Eine CV181 ähnelt elektrisch einer Mullard ECC32 und einer 6SN7. Ich führe sie hier auf, weil sie eine bessere Linearität als so manche 6SN7 besitzt. Die CV181-H Linlai ist der Nachfolger der überaus bewährten CV181-Z Treasure. Der klangliche Charakter ist typisch für den Hersteller: unaufgeregt, trotzdem klar im Ausdruck und somit perfekt geeignet, um lange Zeit ohne zu nerven auf hohem Niveau Musik zu hören. Ausgestattet mit der exklusiven Carbon-Kristall-Technologie (diese Beschichtung ermöglicht eine größere Konzentration von Elektronen, verbessert und erhält die Stabilität des Elektronenflusses) zählt sie – erst recht unter Kennern – zweifelsfrei zu den Besonderheiten, da sie einfach alles richtig macht.

Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

CV181-H Linlai

Paarpreis: 178 Euro

Linlai E-6SN7

Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

Die Linlai E-6SN7 ist das Flaggschiff von Linlai und gilt allgemein als direkte Antwort auf die High-End-Serie von Psvane. Eine klangliche Verwandtschaft lässt sich zwar durchaus attestieren (die Linlai-Gründer sind ehemalige Psvane-Mitarbeiter), gleichwohl empfiehlt sich die Linlai aufgrund ihrer umfassenden Klangqualitäten besonders gut für alle Arten von anspruchsvoller Musik.

Linlai E-6SN7

Paarpreis: 168 Euro

ZX 6SN7 Linlai

Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

Die ZX 6SN7 Linlai ist eine sehr gute Alternative zur E-Serie. Ein durchgängig überarbeitetes Produkt (z.B. neuartige Sockel mit vergoldeten Pins, vergoldete Gitter), welches dadurch langlebig, klangstabil und überaus geräuscharm ist. Obwohl sie geringfügig wärmer als die E-Serie klingt, verfügt sie zugleich über etwas mehr Potenz. Ein hochinteressantes Produkt, das ein Ausprobieren unbedingt wert ist!

ZX 6SN7 Linlai

Paarpreis: 158 Euro

300B – die Königin der Röhren?

Anderen Ortes wird man nicht müde, die 300B ob ihrer klanglichen Fähigkeiten als die „Königin der Röhren“ zu bezeichnen. Ich sehe das nüchterner und lasse derartige Titulierungen weg. Schließlich leben wir in einer Demokratie, nicht in einer Monarchie… Zudem sei die Frage erlaubt: Was sagen wir denn dann zu den großen Senderöhren? Dennoch ist ein Vergleich zwischen verschiedenen 300B reizvoll.

Verschiedene Röhrenhersteller verfolgen verschiedene Klangphilosophien. So klingen die 300B von JJ eher etwas weicher („oldschool“), während die Typen von Electro Harmonix und Sovtek im Vergleich zu einer heutigen Western Electric etwas strammer (oder auch: spröder) klingen. Womit wir gleich beim Erfinder dieser Röhren angekommen sind. In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden große Kinovorführungen in den USA immer beliebter – und dafür wurden entsprechende Verstärker benötigt. Mit dem „königlichen Klang“ hatte dies zu der Zeit überhaupt nichts zu tun. Western Electric war zu dieser Zeit ein Gigant unter den weltweiten Elektronikherstellern und konzipierte deshalb für die Kinobeschallung einen entsprechenden Verstärker, der unter der Bezeichnung WE-91 in die Firmengeschichte einging. Wie gesagt, wurde hier eher weniger auf „Klang“ Wert gelegt, die Röhren mussten schlichtweg robust sein. Die angeschlossenen Lautsprecher – allesamt Hörner – besaßen durchweg Wirkungsgrade von über 100dB und waren deshalb für die zarten sieben Watt einer 300B nie eine Last. Kein Wunder also, dass diese Röhrentypen bis zu 40.000 Stunden Betrieb überleben. Zu dieser Zeit wäre auch niemand auf die Idee heutiger highfideler Marketingstrategen gekommen, einen 300B-Verstärker mit einem Lautsprecher unter 95 dB zu verbinden und anschließend „Klangorgien“ aller Art zu versprechen – das funktioniert nämlich bis heute immer noch nicht! Die Begründung liegt in nichts anderem als grundlegender Physik – und die lässt sich auch mit den besten Marketingsprüchen nicht überwinden.

Selbstverständlich gibt es viel mehr verschiedene 300B-Typen als die beiden hier vorgestellten. Nur zur Vollständigkeit will ich z.B. noch die japanischen Takatsuki 300B sowie die Sophia 300B erwähnen. Auf die mit 1,5A laufenden Typen von Kron Audio etc. will ich hier ebenfalls nicht näher eingehen – da wird es nämlich recht speziell. An dieser Stelle kann und will ich keine unendliche Auswahl an verschiedenen 300Bs präsentieren – das überstiege im Aufwand und Zeit jedes Maß der Vernunft. Und bitte nicht vergessen: Röhren sind und bleiben Verbrauchsartikel!

Ganz absichtlich stelle ich an dieser Stelle zwei preislich gegensätzliche 300B vor:

300B-N Linlai Meshplate

Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

Die 300B-N Linlai Meshplate ist eine 300B der ganz besonderen Art. Sie klingt sehr klar strukturiert mit viel Luft in einem schönen Raum und sattem Bass. Eine moderne 300B, die mit Linearität und Präzision zu diesem Preis ein überaus interessantes Angebot darstellt. Die Besonderheit einer Meshplate besteht darin, dass die Anode nicht massiv ist, sondern aus einem Geflecht (Mesh) besteht. Typisch für derartige Konstruktionen ist ein sehr transparenter Klang. Die geringere Materialmenge bringt jedoch auch mit sich, dass bei einer Meshplate die Wärmeableitung geringer ist als bei den massiv gestalteten Anoden und sie deshalb eine um rund 25 % geringere Lebensdauer haben. Daneben darf die Heizspannung nicht unter 5 Volt fallen. Es gibt also Sinn, vor der Verwendung den Verstärkerhersteller dazu zu befragen. Wenn es passt, dann ist die 300B-N Linlai allerdings eine klanglich wie preislich hochinteressante 300B, die auch beim längeren Hören mit geradezu magischen Klängen begeistert! Der Paarpreis liegt bei moderaten 258 €.

WE 300B

Röhrenvergleich: 6SN7 und 300B

„You get what you pay for“ – so gilt es in Form der aktuellen WE 300B für eine der besten 300B, die derzeit zu haben sind. Es gibt hier keinerlei Diskussionen, nicht einmal ansatzweise – bei 5 Jahren Garantie (nach Registrierung beim Hersteller) sowieso nicht. Bis zu 40.000 Stunden Betrieb sollen möglich sein, womit sich der Preis schnell relativiert. Klanglich spielt sie schlicht in einer eigenen Liga. Dank ihres enormen Reichtums an Klangfarben, verbunden mit einer superben Raumdarstellung, die durch ihre exakte Positionierung beeindruckt, führt kaum ein Weg an dieser Röhre vorbei. Die aktuellen WE300B werden in einer modernen Produktionsanlage in Rossville (Georgia, USA) auf Grundlage der ursprünglichen Vorgaben von Western Electric gefertigt. Der Paarpreis beträgt 1700 €.

Noch zu erwähnen wäre, dass es zahlreiche 300B (meist aus chinesischer Herstellung) mit dem Zusatz „WE“ von anderen Herstellern gibt – keine von diesen erreicht jedoch nach meiner Erfahrung auch nur ansatzweise die klanglichen Qualitäten des Originals. Hier ist das Marketing mit dem Kürzel „WE“ die treibende Kraft – und günstig sind die „Nachbauten“ typischerweise deshalb auch nicht wirklich!

Kontakt

BTB Elektronik Vertriebs GmbH

Kepler Str. 6
90766 Fürth
Tel: +49 911 288585
info@btb-elektronik.de

btb-elektronik.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.