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Signal Projects Andromeda Interconnect

Signal Project Andromeda Interconnect

Kienzle, Hauser und der Begriff der Zeit…

Signal Project Andromeda Interconnect

In der Philosophie diskutiert man den Begriff „Zeit“ als vom Menschen wahrgenommene Form der Veränderung oder Abfolge von Ereignissen. In der Geologie ist die „Zeit“ hingegen eine hierarchische Unterteilung der Erdgeschichte. In der Physik wiederum stellt „Zeit“ eine fundamentale Größe dar, oft auch als vierte Dimension bezeichnet. Was also hat dieser Begriff mit der folgenden Rezension zu tun? Das klären wir in der Folge noch…

Signal Projects Andromeda Interconnect
Das Signal Projects Andromeda Interconnect – hier mit RCA_Cinch – ist nichts anderes als ein Klangüberbringer aus einer anderen Galaxie.

Zeit, oder auch vergangene Zeit, ist, nüchtern betrachtet, nichts anderes als eine unumkehrbare Dimension, in welcher Ereignisse strukturiert ablaufen. Beispielhaft heruntergebrochen auf ein einzelnes Individuum und sein Leben folgt daraus die Frage: Wie kommt ein ursächlich gelernter Gitarrenbauer (Lehre mit Abschluss in den USA) zum späteren Vertrieb von höchstwertigen HiFi-Produkten? Nun, eigentlich erklärt sich das von selbst – Uwe Klose, um den es hierbei geht, hat einfach richtig viel Ahnung davon, wie Musik „klingen“ soll/muss. Ist das zu profan in der Aussage? Okay, konkreter: Er ist mit seiner Firma „Applied Acoustics“ in den Bereichen Studio-Technik und HiFi parallel – also gleich-zeitig – unterwegs. Dabei liegt sein Fokus neben der Klangqualität primär auf Langlebig- und Zuverlässigkeit sowie perfekter Fertigung. Womit wir endlich beim Hersteller der zur Besprechung vorliegenden Interconnect-Kabel angekommen sind. Da bereits zwei Kollegen unserer Redaktion über Produkte von Signal Projects geschrieben haben, kann ich mir die sonst übliche Firmenvorstellung ersparen. Nur nochmal schnell zur Erinnerung: Signal-Projects-Mastermind Nikolas „Nick“ Korakakis hat seine Wurzeln in der Studiotechnik. Im Laufe der Zeit entdeckte er die klangschädlichen Einflüsse durch die seinerzeit verwendeten Kabel und entwickelte kurzerhand eigene – das wäre meine Kurzdarstellung zu Signal Projects.

Signal Projects Andromeda Interconnect
Und hier das Signal Projects Andromeda Interconnect mit den hausgemachten XLR-Steckern.

Bekannterweise ist das Lager der Kabelhersteller zwiegespalten, die einen halten „Solid-Core“-, andere wiederum (unterschiedlich aufgebaute) Litzenkonstruktionen für den jeweiligen Königsweg. Die jeweiligen Vor- und Nachteile an dieser Stelle im Detail beleuchten zu wollen, würde allerdings zu weit führen – und außerdem final nur noch weitere „Eulen nach Athen“ tragen. Womit wir exakt am heutigen Produktionsstandort von Signal Projects angekommen sind. Vordenker Korakakis und seine Mitarbeiter haben sich letztendlich immer wieder für Hybridlösungen entschieden, um die bestmöglichen Wiedergabefähigkeiten ihrer Kabel zu erreichen. An dieser Stelle gilt, wie so oft im Leben: je aufwendiger der Aufbau, umso mehr kostet die Umsetzung – erst recht an Zeit. Ziemlich schnell erkannte der Hersteller die Zusammenhänge bei der Konstruktion von Audiokabeln. Nikolas Korakakis ging als studierter Elektroingenieur das Thema wissenschaftlich an: Sein ausgeprägtes Wissen zu den Bereichen der elektrischen Leitfähigkeit, des entsprechenden Widerstandes sowie den spezifischen Merkmalen unterschiedlichster Leitungsmaterialien – insbesondere der Wechselwirkung verschiedener Eigenschaften bei den Isolierungen – münden in einer beachtlichen Anzahl an mehrfach patentierten Produkten.

Signal Projects Andromeda Interconnect
Das Kupferrohmaterial, bevor es in die Kabelziehmaschine kommt.

Es stellte sich bei den Analysen zudem heraus, dass weder Silber noch Kupfer für sich allein das beste Leitermaterial für Audiozwecke ist. So sind die Signal-Projects-Kabel diesbezüglich allesamt unterschiedliche und meistens Hybridkonstruktionen, die sich lediglich im Aufwand unterscheiden. Alles wird in feinster Manufakturtätigkeit gefertigt. Beispielsweise werden die bestens beleumundeten Neutrik-XLR in ihre Bestandteile zerlegt und nur die Grundkörper (Buchsenkontakte) verwendet. Der Rest besteht aus eigenen und überaus massiven und hochreinen Kupferhülsen, die im Hause selbst hergestellt und montiert werden. Die RCA/Cinch Stecker lassen sich durch Verdrehen der vorderen Hülsen sicher am geräteseitigen Eingang/Ausgang arretieren. Die Rohmaterialien der Edelmetalle kommen aus Kanada und Chile; die Drähte werden auf hauseigenen Maschinen solange temperiert gezogen, bis die Veränderungen in der Molekularstruktur des Metalls eine extrem hohe Reinheit erzielen. Über alles wird bei Signal Projects ein exorbitant hoher handwerklicher Aufwand betrieben. Final erhält jedes fertige Kabel seine spezifische Seriennummer; dazu gibt es ein Messprotokoll plus ein Zertifikat, aus dem die technischen Werte sowie die Qualität und Konsistenz der verwendeten Teile erkennbar sind.

Natürlich könnte ich an dieser Stelle länglich die Konstruktion aufzeigen, aber diese Informationen lassen sich auf der Internetseite des Herstellers unter der Rubrik „Technologie“ für jeden Interessierten viel besser und vor allen wirklich umfangreich ergründen. Der Hersteller spricht hier bescheiden von „angewandter Physik in Audioverbindungen“.

Signal Projects Andromeda Interconnect
Der solide 7N Kupferdraht auf der Ziehbank.

Aus der Statement-Serie „Andromeda“ kommen aktuell zwei Interconnect-Kabel in XLR und RCA/Cinch Version ins Haus (es gibt in jeder Signal Projects Serie Signal-, Netz- und Lautsprecherkabel). Die Verarbeitung entspricht eindeutig Referenzklasse (siehe die technischen Parameter wie Kapazität, Widerstand und Induktivitätswerte am Ende des Berichtes bei den Daten). Die beiden überaus massiven Metallkästchen namens „Passive Shield Discharge System“ – am Anfang und Ende des Leitermaterials – sind mehr als nur hochwertige Abschlusspunkte. Die haben es im wahrsten Sinne des Wortes „in sich“, wie Sie in unserem Test der kleineren Ultra Violet Signature nachlesen können. Selbstverständlich besitzt auch das zur Besprechung anstehende Hybridkabel Metallanteile aus höchstreinem Kupfer nebst Gold und Silber. Wie schon erwähnt – der Mix macht’s.

Signal Projects gibt eine klangliche Reifezeit von 70 bis 100 Stunden an, wobei nach 20 Stunden schon „etwas passiert ist“ (auch dies ist ein Indiz für die Verwendung höchstwertiger Ingredienzien). Die XLR-Strecke des „Signal Projects Andromeda“ installiere ich in meiner durchgängig symmetrisch aufgebauten Phonolinie (vom Tonabnehmer Clearaudio DaVinci V2 am 12 Zoll Clearaudio Universal meines Clearaudio Innovation über den Phono-Pre Soulnote E-1 Ver.2 gelangt das Signal so zum Hybrid-Vollverstärker Kron Audio VA350i; die Schallwandlung übernehmen die großen Monitorlautsprecher Blumenhofer Genuin FS1 MkIII), die RCA/Cinch-Version kommt an den Soulnote DAC D-1 Ver.2.

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Hier wird die Hülse für den XLR-Stecker abgedreht.

Jetzt kümmere ich mich nur noch um erlesene Aufnahmen. Eindeutig zählen für mich die Produktionen von Dominique Klatte dazu, welcher mit seinem eigenen Label „Jazz on Vinyl“ nur herausragend gutes Vinyl herausbringt. Aus dieser Reihe greife ich zu Vol.9 – Patrick Bebelaar mit How Insensitive. Ich darf mich hier selbst aus meiner Rezension zitieren: „Der Musiker sieht sich zwischen Jazz und Klassik beheimatet und genau dies verführt zum Hinhören. Gerade noch mit heftigen Attacken zugange, verwandelt der Klang sich in Sekundenschnelle in wunderbar leicht wogende Tonfolgen. Track Nr. 7 (der Titelsong) zeigt die einnehmende Sensibilität des Künstlers für mich ganz besonders und lässt den Zuhörer tief in die Musik eintauchen – ganz im Widerspruch zum ironisch betitelten „empfindungslosen“ Tracknamen. Oder Track Nr. 6 „Tango“ – der kommt einem Klangrausch schon sehr nahe… Tipp: gerne etwas lauter hören! Ein „must have“ für den wahren Analogliebhaber wie den Jazzfan!“

Nach dieser LP folgt zwangsläufig eine Hörpause, ich brauche einen Kaffee und muss erst einmal etwas Abstand zum Gehörten finden – meine Gedanken kreisen, während mein Blick aus dem Wintergartenfenster in der umliegenden Landschaft umhergleitet…

Signal Projects Andromeda Interconnect
Der XLR Neutrik 2.0 Stecker nach Signal Projects Art, nun mit massiver Kupferhülse.

Tales of Mystery and Imagination vom Alan Parson Project, die genial vertonten Stories des amerikanischen Autors Edgar Allan Poe (1809 – 1849), in einer MFSL-Produktion von 1994 zählt ebenfalls zu den überragend gut produzierten Vinylscheiben. Ein persönlicher Tipp: Vergessen Sie alle „Remastered Editionen“ – das ist, nach meiner Erfahrung jedenfalls, inzwischen überwiegend Marketing, was gleichermaßen für die derzeit modernen durchsichtigen oder bunten Vinyl-Ausgaben gilt. Nur die originale MFSL 1-204, Mercury, zählt (neben der ursprünglichen Erstauflage aus dem Juni 1976), zu den wirklich gut klingenden Scheiben. Selbstverständlich läuft die komplette LP durch – bei „To One in Paradise“ fühle ich mich sprichwörtlich in einem klangvollen Himmelreich – derart intensiv werden mir die Töne präsentiert.

Aus der digitalen Tonträgersammlung fällt mir aus der Reihe „Recomposed By Max Richter: Vivaldi – The Four Seasons“, (diesmal mit dem überaus sympathischen deutsch-irischen Stargeiger Daniel Hope) in die Hand und schon landet der Tonträger in der VRDS-Schublade des CD-Laufwerkes. „Das Album schafft den Spagat zwischen seriöser Klassik und einem modernen Sound, wie man ihn aus Pop-Produktionen kennt“ so ein Rezensionstext hierzu – und ja, auch hier gilt: Unbedingt komplett hören, dazu bietet sich die digitale Version nämlich geradezu an. Speziell die Klänge des Moog-Synthesizers gehen richtig tief in meinen Gehörgang und berühren heftig die dahinter liegende Gefühlswelt meiner Zerebraleinheit. Ich befinde mich förmlich in einem Hörrausch und beende an dieser Stelle des Berichtes diese überaus eindrucksvolle klangliche Vorführung. Von wegen brokatbeschwertes Klanggewitter – vielmehr zündet hier gerade ein musikalisches Feuerwerk im gesamten Raum. Das berühmte „Bad in der Musik“? Ja, das trifft es wohl vollumfänglich. Weitere von mir gehörte Tonträger aufzuführen ergibt jetzt wenig Sinn, es bestätigte sich nämlich mit jedem davon meine längst gefasste Meinung: Das gehörte Musikprogramm wird mit den beiden „Signal Projects Andromeda“-Interconnects in einer extrem beeindruckenden und erstklassigen Qualität wiedergegeben. Derart sauber strukturiert über alle Frequenzbereiche und dabei völlig einflussfrei reproduziert mündet dies in ein ganz besonderes Hörerlebnis. Objektiv betrachtet reden wir hier vom „Einstiegskabel“ der Statement-Serie. Angesichts dieser Tatsache mag man sich durchaus fragen, was klanglich noch alles geschieht, wenn man die größeren Typen dieser Reihe ausprobiert…

Auch wenn es immer noch in den Köpfen von einigen HiFi-Liebhabern ist, die sich dem Thema konsequent versperren – alle Audiokabel zeigen tatsächlich einen Unterschied im Klangbild. Dabei „verbessern“ sie allerdings nicht den Klang und sie „klingen“ auch nicht (Begriffe und Begrifflichkeiten). Der Sinn all der unterschiedlichen Arten an Konstruktionen ist es lediglich, dafür zu sorgen, dass die ankommenden Signale so unverfälscht wie nur möglich übertragen werden. Dies geschieht allein durch die mehr oder weniger guten/richtigen physischen Parameter – mehr ist es wirklich nicht!

Signal Projects Andromeda Interconnect

Signal Projects und die Zeit

Reine Manufakturherstellung mit einer überaus aufwendigen Konstruktion und edelste Materialien münden zwangsläufig in ein zu erwartendes, besonderes klangliches Erlebnis. Die technischen Parameter bei diesen Kabeln sorgen für ein extrem sauberes und vor allen Dingen ruhiges und über alles zeitrichtiges (!) Klangbild, bei dem alle Frequenzbereiche enorm durchhörbar sind. Besonders auffällig ist die Ruhe zwischen den Tönen – ohne Zweifel befinden wir uns hier im obersten Segment der Klangwiedergabekunst! Wie bei allen hervorragenden Produkten in reiner Manufakturtätigkeit, benötigt man hier notwendigerweise viel Zeit, um das Ziel zu erreichen. Chronos (der griechische Gott der Zeit) muss also zwangsläufig seine Finger mit im Spiel haben, denn besonders bei den höchstwertigen Kabelserien von Signal Projects gibt es für Interessenten Wartezeiten von drei bis zu sechs Monaten – darum frage ich ganz frontal: „Noch Fragen, Kienzle…?“ „Nein, Hauser!“


Info

Signal Projects Andromeda Interconnect XLR und RCA/Cinch

Kapazität: 14,38 pF/ 0,30 Meter bei XLR, RCA/Cinch 20,98 pF/ 0,30 Meter
Widerstand: 5,02 mOhm/ 0,30 Meter (XLR) und 7,30 mOhm (RCA/Cinch)
Induktivität: 0,42 μH/ 0,3 Meter
Preis: jeweils ab 9.500 Euro/Stereometer

Kontakt

Applied Acoustics

Uwe Klose
Brandensteinweg 6
13595 Berlin
Tel.:+49 (0) 30 / 461 48 74
Fax:+49 (0) 30 / 461 48 75
kontakt@applied-acoustics.de

www.applied-acoustics.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.