Sorane ZA 12 Tonarm

Sorane ZA-12 Tonarm

Sorane ZA-12 – Länge läuft!

Zwölf Zoll lange Tonarme sind zumeist S- oder J-förmig und haben eine abnehmbare Headshell. Sorane präsentiert mit dem ZA-12 eine extravagante Ausnahme.

Wenn Ihnen der Produktname Sorane nichts sagt, dann sind Sie nicht allein. Mir war dieser Name bis vor kurzem auch nicht geläufig, obwohl ich die Produkte eigentlich schon bei einem Besuch auf der HIGH END 2015 entdeckt hatte. Damals firmierten sie allerdings noch unter den Namen Abis. Deren Tonarme sind mir aus zweierlei Gründen aufgefallen: Zum einen waren es handwerklich sehr schön gemachte Tonarme mit abnehmbarer Headshell nach SME-Standard − einem Ausstattungsmerkmal, das ich sehr schätze, und zum anderen waren sie mit Preisen so um 2000 Euro durchaus bezahlbar. Seit 2017 erhält man dieselben Produkte unter dem Namen Sorane, einem japanischen Begriff, dessen originale Schriftzeichen vom Google-Übersetzer wohl mehr schlecht als recht mit „Luftgeräusche“ interpretiert werden. Gemeint ist wahrscheinlich so etwas wie „Luftklang“ oder „Raumklang“.

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Hinter den Kulissen

Hinter dieser Marke verbirgt sich die Firma IT Industry, die bereits 1974 von Ishikaya Katsuaki gegründet wurde und vornehmlich als OEM-Hersteller („Original Equipment Manufacturer“, deutsch: „Erstausstatter“) eher im Hintergrund tätig ist.

Ishikaya Katsuaki von Sorane
Ishikaya Katsuaki

Das heißt nichts anderes, als dass diese Firma für bekannte Marken Tonarme und anderes analoges Zubehör herstellt. Welche Firmen das genau waren, wird nicht verraten. Kein Geheimnis macht der Firmengründer daraus, dass er die Ikeda-Tonarme überarbeitet und verbessert hat. Da verwundert es nicht, dass er deren Konstrukteur Ikeda Osamu, der vor allem aufgrund der von ihm konzipierten legendären Fidelity-Research-Tonarme internationale Bekanntheit erlangte, als sein Vorbild nennt. Aktuell werden von IT Industry unter dem Namen Sorane drei eigene Tonarmfamilien angeboten: Die klassisch S-förmigen TA-1 und TA-1L und die J-förmigen SA-1.2 und SA-1.2B. Neu hinzugekommen ist der Gegenstand dieses Berichts, der schnurgerade, 12,7 Zoll lange ZA-12.

Sorane ZA 12 Tonarm

Wegen dieser enormen Länge wäre aus dem Artikel beinahe nichts geworden. Denn es stand weder der Redaktion noch mir privat ein Laufwerk zur Verfügung, das den Sorane ZA-12 aufnehmen konnte. Dieser Zustand der Ratlosigkeit wurde schließlich von Familie Räke beendet, die uns auf die Schnelle einen Transrotor Alto samt Reference-Netzteil (Test in FIDELITY 42) zur Verfügung stellte und auch gleich die passende Basis für den ZA-12 bereits korrekt vorjustiert mitlieferte. Vielen Dank von meiner Seite für diese großartige Unterstützung! Auch deshalb, weil die wirklich geniale höhenverstellbare Tonarmbasis des Alto das Wechseln der Tonabnehmer zu einem wahren Genuss machte.

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Sorane ZA 12 Tonarm

Modernes Design, klassische Bedienung

Natürlich kann man den Sorane ZA-12 auch ohne eine spezielle Laufwerksbasis in der Höhe verstellen. Man hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Befestigungssystemen. Standard ist ein Einbau nach dem neueren Rega-Standard. Gegen Aufpreis steht das hauseigene Flanschsystem oder ein SME-Schlitten („Slider“) optional zur Verfügung. In jedem Fall sind seitlich zwei kleine Madenschrauben am Tonarmschaft zu lösen und wieder anzuziehen, um den korrekten vertikalen Abtastwinkel („Vertical Tracking Angle“, VTA) für den Tonabnehmer seiner Wahl einzustellen. Allerdings sollte man die Schrauben, die an ihrem Ende eine Teflonspitze besitzen, nicht zu fest anziehen. Sonst ist es mit ihrer dämpfenden Wirkung schnell vorbei.

Auffälligstes Designmerkmal ist der Tonarmstrang − von einem Rohr kann man beim besten Willen nicht reden −, der aus einem quaderförmigen Stück Aluminium besteht. Dieses wird zur Headshell hin in zwei Stufen flacher. Der notwendige Kröpfungswinkel wird durch die „schräge“ Anordnung der Halbzoll-Langlöcher verwirklicht. Auf der Unterseite sind mehrere kreisförmige und ovale Aussparungen eingefräst, deren Hauptzweck wahrscheinlich in einer Gewichtsreduktion besteht.

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Links und rechts neben diesen Aussparungen verläuft je eine Nut, in der die Tonarmkabel verlegt sind. Unter dem großen, kreisförmigen Gehäuse oberhalb des Drehpunkts verbirgt sich für die vertikale Bewegung eine laut Hersteller einzigartige Kombination aus Spitzen- und Kugellager. Für die laterale Bewegung ist dagegen ein klassisches Kugellager im Tonarmschaft verborgen. Die Antiskatingkraft erzeugt eine Feder, die mittels eines Drehknopfes vorgespannt wird, der auch einen kleinen Zeiger an der dazugehörigen Skala vorbeischiebt.

Der Lift funktioniert feinfühlig und lässt dem Hörer genug Zeit, seinen Hörplatz während des Absenkens einzunehmen. Bleibt noch anzumerken, dass sich im Lieferumfang Werkzeug, Einbau- und Justage-Schablone sowie auch ein richtig gutes Tonarmkabel befinden. Allerdings benötigt man eine Waage für die Auflagekraft, denn diese wird über das zweiteilige, unskalierte Gegengewicht eingestellt. Ansonsten ist die Montage des Sorane ZA-12 alles andere als Hexenwerk. Selbst Ungeübte werden Aufbau und Justage innerhalb einer Stunde erledigen können.

Sorane ZA 12 Tonarm

Besonders für „harte“ MCs geeignet

Leider wird kein konkreter Wert für die effektive Masse angegeben. Mittels Resonanzfrequenzmessungen mit den drei von mir verwendeten Tonabnehmern lässt sich grob abschätzen, dass sie im Bereich um 25 Gramm (±3 g) liegen muss und dass der ZA-12 damit eindeutig zu den sehr schweren Tonarmen zählt. Deshalb sollte man bei der Tonabnehmerwahl Systeme mit einer Nadelnachgiebigkeit kleiner 15 µm/mN bevorzugt ins Auge fassen.

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Am Sorane ZA 12 verwendete Tonabnehmer

Neben dem unsterblichen Denon DL-103 kommen mir auch das vorzügliche Ortofon Anna und das exotische Allnic Puritas in den Sinn. Aber auch die von mir verwendeten, preiswerteren Dynavector DV-10X5 Mk II (neo) und Ortofon Quintet Black kann ich mit gutem Gewissen empfehlen. Von dem von mir ebenfalls eingesetzten Goldring G-2200 ist abzuraten, da es für den Sorane ZA-12 eine viel zu große Nadelnachgiebigkeit aufweist.

Das bemerkt man zwar nicht unbedingt, solange man völlig plane Schallplatten abspielt. Aber auch schon bei leichten Verwellungen kann es zu üblen Tieftonresonanzen kommen, die im schlimmsten Fall Verstärker und Lautsprecher beschädigen. Die Kombination des ZA-12 mit dem Goldring ist also ein ganz klarer Fall technischer Fehlanpassung.

Das ist aber nur die technische Seite der Medaille. Bei guten, weil nicht verwellten oder azentrischen Pressungen klang das Goldring G-2200 mindestens ebenso gut, wie ich es von anderen, leichteren Tonarmen gewohnt bin: Lebendig, einen Ticken voluminös im Bass und sehr der Musik verpflichtet. Das spricht für den Sorane, denn ich habe dasselbe System in einem anderen Umfeld auch schon unausgeglichen gehört. Dann gesellt sich zu dem druckvollen Bass noch ein etwas zu prominenter Hochton dazu, sodass man fast den Eindruck hat, man hätte eine Loudness-Korrektur eingeschaltet. Davon kann beim ZA-12 nicht ansatzweise die Rede sein. Er gibt sich immer harmonisch und in allen Belangen gut erzogen. Er drängt sich klanglich niemals ungebührlich auf. Das zeigten auch die Kombinationen mit einem Dynavector DV-10X5 Mk II (neo) und meinem System für (nahezu) alle Fälle, dem Ortofon Quintet Black. Das ist ein stets ausgeglichenes System mit einer warm-neutralen Abstimmung.

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Im Sorane spielt es lebendig und offen, kippt aber niemals ins Nervös-Hektische um und zeigt sich wie gewohnt von seiner angenehm homogen Seite. Es drängt sich also kein Frequenzbereich unnatürlich in den Vordergrund. Wäre dem nicht so, ich könnte Chie Ayados „Love“ nicht genießen. Mit einer falschen Tonarm-System-Kombination schlagen hier die schon von der Aufnahme her überbetonten Sibilanten vom gerade noch Hinnehmbaren ins Nervige um. Stattdessen belohnt mich der Sorane ZA-12 jetzt aber mit einem realistisch mächtigen Klangeindruck des von der Japanerin gespielten Klaviers. Man meint förmlich, der Flügel stünde bei einem im Raum.

Ein komplett anderes Musikgenre bediente in den 1980er Jahren The Art Of Noise. Mit der damals neu erfundenen Methode des Sampelns in Verbindung mit durchaus tanzbaren Rhythmen inspirierte die englische Band rund um den berühmten Musikproduzenten Trevor Horn viele andere Musiker. The Art Of Noise überraschten damals wie heute mit einer Melange zumeist instrumentaler Stücke, die teilweise mit alltäglichen Geräuschen raffiniert garniert werden. Der Sorane leitet den Hörer mit seiner nie langweilig wirkenden Gelassenheit durch dieses akustische Abenteuer und setzt das Klanggeschehen in allen tonalen Facetten, mit räumlicher und rhythmischer Präzision gekonnt in Szene.

Wenn man auf seinem Laufwerk Platz für einen wirklich großen Zwölfzöller hat und Tonabnehmern mit mittlerer bis niedriger Nadelnachgiebigkeit den Vorzug gibt, dann ist der Sorane ZA-12 mit seinem einzigartigen Design eine echte Alternative. Allein schon seine gute Verarbeitung und sein erwachsener Klangcharakter rechtfertigen den Preis. Zieht man dann noch in Betracht, dass im Preis ein wirklich gutes Phonokabel enthalten ist, kann man dem Japaner nur das Prädikat „preiswert“ zubilligen.

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Wir meinen

Sorane ZA-12: Extravagant gestylter, sehr schwerer 12-Zoll-Tonarm, der durch seine Allürenlosigkeit und Verarbeitungsqualität sowie durch seine gediegenen Klangeigenschaften überzeugt. Preiswert!

Sorane ZA 12 Tonarm Navigator

 

Info

Tonarm Sorane ZA-12
Funktionsprinzip: gerader, kardanisch gelagerter, statisch ausbalancierter Tonarm
Besonderheiten: doppeltes Vertikallager
Ausführungen: Silber oder Schwarz
Gesamtlänge: 416 mm
Gewicht: 995 g
Effektive Masse: sehr schwer (keine Herstellerangabe)
Effektive Länge: 322 mm (12,7″)
Überhang: 12 mm
Einbauabstand: 310 mm
Kröpfungswinkel: 16,5°
Garantiezeit: 2 Jahre
Preise: 2100 € (silber), 2350 € (schwarz)
Optional: Tonarmbasis als Flansch mit Kontermutter (280 €) oder als SME-Slider (340 €)

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Kontakt

Axiss Europe GmbH
Lorsbacher Straße 31
65719 Hofheim am Taunus
Telefon +49 6192 2966434

www.axiss-europe.de

Mitspieler

Plattenspieler: Dr. Feickert Volare, Technics SL-120MK2, Technics SL-1200MK2, Transrotor Alto TMD V, Technics EPA-120
Headshells: Audio Technica MG-10, Audio Technica MS-8, Jelco, Technics
Tonabnehmer: Audio Technica AT-20SLa, Audio Technica AT-OC9/III, Dynavector DV-10X5 Mk II (neo), Goldring G-2200, Ortofon Concorde 30, Ortofon Quintet Black
Phonovorverstärker: Musical Fidelity MX-VYNL
Vorverstärker: Bryston BPS-25MC
Kopfhörer: Sony MDR-1 RNC
Aktivlautsprecher: Neumann KH 310 A

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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