JE Audio Reference 1 Dyad S400 Das klare Display zeigt alle wichtigen aktuellen Einstellungen auf einen Blick und ist auch in Blau erhältlich

Test JE Audio Reference 1 / Dyad S400

JE Audio Reference 1 / Dyad S400 – Innere Werte

Die imposante Verstärker-Kombi Reference 1/Dyad S400 von JE Audio will den Beweis antreten, dass Röhrenklang und hohe Leistungsreserven durchaus miteinander vereinbar sind.

Anbieter von Vor-End-Kombis in klassischer Analogbauweise gibt es sprichwörtlich wie Sand am Meer. Wer sich in diesem Bereich als Newcomer profilieren will, muss also schon ziemlich überzeugt davon sein, dass sich das Thema analoge Verstärkertechnik noch wohlklingender interpretieren ließe. Das kann Chi Ming John Lam, Gründer und Mastermind von JE Audio, auf jeden Fall für sich in Anspruch nehmen. So hat der in Hongkong geborene Lam, der in Australien sowie den USA studierte, gleich ein halbes Dutzend internationaler Patente in Sachen Verstärkertechnik vorzuweisen. Dabei lautet seine Wohlklangformel ganz simpel: optimales Verstärkerdesign = DBFT + HCBA.
JE Audio Reference 1 Dyad S400 - Vom äußeren Erscheinungsbild her gibt sich die Kombi stattlich, optisch aber eher unaufdringlich.Doch zunächst mal die Basics: Die hier vorgestellte Vor-End-Kombi ist das Aushängeschild von JE Audio: Sie besteht aus der Vorstufe Reference 1 für 8400 Euro sowie dem Endverstärker Dyad S400 (12900 Euro). Mit ihren stattlichen Abmessungen bildet sie genau den richtigen Mittelpunkt für einen standesgemäßen HiFi-Altar, hält sich durch ihre wenigen Bedienelemente optisch jedoch dezent zurück. Mechanisch und in Sachen Verarbeitungsqualität hinterlassen die JE-Amps einen „amtlichen“ Eindruck, bei den leicht trapezförmigen massiven Alu-Frontplatten hat der Kunde die Wahl zwischen Alu natur und schwarz eloxiert.
Die Reference 1 ist als reine Röhren-Hochpegelvorstufe ausgeführt. An ihr lassen sich bis zu sechs Line-Tonquellen anschließen, allerdings ausschließlich über symmetrische XLR-Armaturen. Zum Anschluss von Endverstärkern stehen gleich drei Ausgänge zur Verfügung, die ebenfalls ausschließlich symmetrisch ausgeführt sind. Während sich die Primärfunktionen wie Ein/Aus, Mute und Lautstärkepegel auch am Gerät selbst einstellen lassen, bietet die mitgelieferte Fernbedienung den vollständigen „Befehlssatz“ einschließlich Tonquellenwahl, Phaseninvertierung sowie die Lautstärkeeinstellung. Sie lässt sich über zwei zusätzliche Tasten sogar für beide Kanäle getrennt einpegeln, um etwaige Ungleichheiten in der Stereo-Balance zu korrigieren. Die optische Rückmeldung der aktuellen Einstellungen für Tonquelle, Lautstärkelevel oder Betrieb mit invertierter Phase erfolgt dabei über das frontseitige Display der Reference 1, das sich auch aus größerer Entfernung gut ablesen lässt. Praktisch: Unmittelbar nach dem Ausschaltbefehl zeigt es noch rasch die Dauer der letzten Hörsession sowie die Gesamtbetriebszeit an. So lässt sich die verbleibende Standzeit der Röhren gut abschätzen.
Mit seiner Ausgangsleistung von 2 x 200 Watt an 8 Ohm respektive 2 x 400 Watt an 4 Ohm zählt der Dyad S400 zu den echten Dickschiffen unter den Endverstärkern, was sich denn auch in seinem stattlichen Nettogewicht von deutlich über 40 Kilogramm niederschlägt. Hinsichtlich Ausstattung zeigt er sich dabei ebenso puristisch wie die Vorstufe: Zu bedienen gibt es auf der Frontplatte lediglich einen kombinierten Power/Mute-Taster – drei Sekunden Drücken schaltet den S400 ein oder aus, kurzes Drücken hingegen aktiviert oder deaktiviert die Stummschaltungsfunktion (Mute). Auf der Rückseite fallen zunächst die beiden großzügigen Lautsprecherkabelterminals auf. Hier finden sich auch die beiden Signaleingänge, wobei sich per Kippschalter zwischen symmetrischen XLR- sowie unsymmetrischen RCA-Buchsen wählen lässt.
Das alles liest sich ja schon mal sehr vielversprechend. Jedoch offenbart sich die ganze Pracht dieser Vor-End-Kombi erst beim Hineinschauen: Nicht nur, dass sich dem staunenden Betrachter wahrhaftige Bilderbuch-Aufbauten mit allerfeinsten Bauteilzutaten präsentieren – auch werden Technik-Eingeweihte bewundernd konstatieren: „Hoppla, da will es aber jemand wirklich wissen.“

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JE Audio Reference 1 Dyad S400

In der Tat weisen beide Protagonisten von JE Audio ungewöhnliche Schaltungstopologien auf. Definitiv kein Dogmatiker, vereint John Lam das Beste aus zwei Welten und setzt Röhren zur Spannungsverstärkung, Halbleiter dagegen zur Stromverstärkung ein. Schließlich hat Lam viele Jahre beim Chip-Spezialisten National Semiconductor gearbeitet, bevor er im Jahre 2007 JE Audio gründete.
Zweites Kernmerkmal bei John Lams Verstärkern ist ihr vom Eingang bis zum Ausgang konsequent symmetrischer Schaltungsaufbau. Das soll von außen über die Kabel eindringende elektromagnetische Einstreuungen wirkungsvoll reduzieren, was dem Klang zuträglich ist. Die nächste Gemeinsamkeit der Verstärkerschaltungen von JE Audio ist der weitgehende Verzicht auf eine alle Stufen umfassende Gegenkopplung, oder besser ausgedrückt: negative Rückkopplung. Stattdessen bevorzugt Lam lokale Gegenkopplungen in den einzelnen Verstärkerstufen, die bei gleicher Gesamtwirkung weitaus geringer ausfallen können. Das soll der Lockerheit im Klang ebenfalls zuträglich sein.
Nach diesem Grundkurs der Schaltungsphilosophie von JE Audio können wir uns nun wieder den beiden Komponenten zuwenden, zunächst der Vorstufe Reference 1. Für jeden Kanal baut sie mit zwei Doppeltrioden vom Typ 6H30 PI einen einstufigen Hochpegel-Differenzverstärker mit symmetrischem Ein- und Ausgang auf. Dieser erzielt eine immerhin 8-fache Signalverstärkung (18 dB), wobei sein Frequenzgang bis annähernd 500 Kilohertz reicht. Vor diesem Differenzverstärker liegt lediglich der digital angesteuerte, aber analog arbeitende Lautstärkesteller. Damit ist der Signalweg der Reference 1 bereits komplett beschrieben.
JE Audio Reference 1 Dyad S400- Topologie der EndstufeKomplexer geht es dagegen im Endverstärker Dyad S400 zu, der als Hybrid-Amp sowohl Röhren als auch Halbleiter im Signalweg beschäftigt. Auch er verwendet als Eingangsstufe pro Kanal einen vollsymmetrischen Differenzverstärker ähnlich dem Reference 1, der bei ihm jedoch mit jeweils zwei Doppeltrioden vom Typ 12AU7 (vgl. ECC82) arbeitet. Gefolgt wird der Eingangs-Differenzverstärker von einer weiteren Spannungsverstärkerstufe, die pro Kanal eine Doppeltriode 6922 (vgl. E88CC) verwendet. Weil beide Röhrenstufen zusammen bereits die gesamte erforderliche Spannungsverstärkung aufbringen (31 dB), kann sich der nachfolgende Endstufenblock auf die reine Stromlieferung für die Lautsprecher konzentrieren.
Für solche Aufgaben sind Halbleiter bedingt durch ihren niedrigen Innenwiderstand technisch viel besser geeignet als Röhren: Im Dyad S440 sind hierfür nicht weniger als 24 MOSFETs pro Kanal zuständig – jeweils ein Dutzend für das invertierte wie für das nicht invertierte Signal. Letztendlich hängt der Lautsprecher hier also ohne Massebezug (floatend) zwischen den Lautsprecherklemmen, was der Funktion eines Brückenverstärkers entspricht.
Baugruppen wie obiger Endstufenblock, die keine Spannungs-, sondern nur noch Leistungsverstärkung bewirken, bezeichnet man im Fachchinesisch als Buffer – und damit löst sich auch der erste Teil des Buchstabenrätsels: HCBA steht für „High Current Buffer Amplifier“.
Bliebe noch zu klären, was die Buchstaben DBFT bedeuten: Sie stehen für „Dual Balanced Feedback Topology“. Das besagt zum einen, dass der Dyad S400 zwei recht sanft eingreifende Gegenkopplungsschleifen verwendet: eine von der Spannungsverstärkerstufe zurück zum Eingang, die zweite hingegen vom Lautsprecherausgang zurück zum Eingang, was landläufig als Über-alles-Gegenkopplung bezeichnet wird. „Balanced“ weist darauf hin, das sowohl der invertierende als auch der nicht invertierende Verstärkerzweig jeweils über beide Gegenkopplungsschleifen verfügen (siehe Schaltplan; Bild 4).
Bevor es nun um die klanglichen Eigenschaften der JE-Audio-Kombi geht, noch eine Anmerkung: Bei Besprechungen von Vor-End-Kombis ist man ja schnell geneigt, Vorstufe und Endverstärker nicht nur gemeinsam, sondern auch getrennt voneinander mit anderen Partnern zu testen. Bei der Kombi von JE Audio sehe ich jedoch von separaten Tests ab – zunächst mal aus optischen Erwägungen: Wegen ihrer trapezförmigen Frontplatten kann ich mir nur schwer vorstellen, dass man die Amps von JE Audio nicht mit dem zugehörigen Spielgefährten paart.
Auch technisch spricht einiges für die hauseigene Paarung: Um das mögliche Klangpotenzial der Differenzverstärker-Bauweise vollständig ausloten zu können, ist eine elektrisch einwandfrei symmetrische Verkabelung erforderlich, was für Ein- wie Ausgänge gleichermaßen gilt. Elektrisch einwandfrei symmetrisch bedeutet beispielsweise keine auf Masse gelegten, invertierenden Anschlusspins (Pin 3) in den XLR-Armaturen. Nicht selten findet man auch pseudosymmetrische Ausgänge, deren invertierende Pins zwar über Widerstände impedanzmäßig angepasst sind, aber durch ihren Massebezug gar kein Signal führen.
Weil beide Komponenten kompromisslos vollsymmetrisch arbeiten, bleiben bei mir Reference 1 und Dyad S400 ein zusammengehöriges Team. Zudem speise ich die Vorstufe auch aus echten symmetrischen Tonquellen. Wer sie unsymmetrisch ansteuern möchte, lötet sich am besten ein Kabel, bei dem der Schirm des Kabels mit dem Pin 3 des XLR-Steckers, der signalführende Innenleiter hingegen mit dem Pin 2 verbunden ist. Pin 1 bleibt unbeschaltet.
Der erste Höreindruck mit dem Verstärkerteam von JE Audio ist zwar schon sehr erfreulich, allerdings klingt es zunächst mal noch ein wenig unbeteiligt und etwas zurückhaltend. Das ändert sich schlagartig nach dem Austausch des XLR-Kabelpaares zwischen Vorstufe und Endverstärker durch ein Pendant von Vovox. Diesen Effekt kann man bei Röhren-Preamps mit ihren eher hochohmigen Ausgängen öfters beobachten, es ist also keine Schwäche der Reference 1.
Welch ein Zufall, dass die erste Lautsprecherbox, die ich mit dem Dyad S400 betreibe, ebenso wie der Preamp heißt – nämlich die Reference 1 von KEF: Die allerdings ist, bedingt durch ihren recht geringen Wirkungsgrad, ziemlich leistungshungrig und daher ein eher anspruchsvoller Spielpartner. Klanglich bildet das England-Hongkong-Team schon eine sehr leckere Paarung, die ihren Schwerpunkt eindeutig im harmonischen Musizieren hat. Dem Dyad S400 von JE Audio gelingt es zudem, die KEF standesgemäß anzutreiben – Lautstärke entlockt er ihr wahrlich genug. Einzig fehlt es dieser Kombination „untenherum“ ein klein wenig an ungebremstem Kick. Am Soulution 530 jedenfalls tritt die kleine, sehr anspruchsvolle KEF in der Tat noch etwas schlagkräftiger auf. Aber der Schweizer Brocken ist schließlich mehrfach teurer als die komplette Kombination.

Auch beim Endverstärker bringt der Wechsel des Lautsprecherkabels auf „das Große von Vovox“ wieder eine klare Verbesserung: Artikulation und die Plastizität der Klangfarben nehmen über das widerspenstige Solid-Core-Kabel nochmals deutlich zu. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass die KEF Reference 1 nicht unbedingt diejenige Partnerin ist, an welcher der schwergewichtige Amp aus Hongkong seine Stärken voll ausspielen kann. An der großen Diapason Dynamis hingegen tritt der Dyad S400 dann auch wie befreit und mit spürbar größerem Temperament auf. Wurde bereits an der KEF seine Spezialität deutlich, bei filigranen Musiktiteln auch hinsichtlich Raumtiefe extrem weitläufige Klanglandschaften zu zaubern, so kommt diese Fähigkeit an der Diapason noch stärker zum Ausdruck. Bei der Ballade „Visions Of Her“ von David Elias beispielsweise erscheinen die beiden akustischen Gitarren äußerst plastisch und zum Greifen nahe, während der Kontrabass eine Ebene dahinter schnurrend seine ruhigen Linien zieht. Insgesamt präsentiert sich das Team von JE Audio eher von feingeistiger als von kraftmeierischer Natur, verbunden mit einem Talent für dynamische Schattierungen, das es in sich hat. So geht es selbst bei hohen Pegeln stets kultiviert, dabei weniger explosiv zu Werke, eine sehr angenehme Eigenschaft für Langzeithörer.
Zu klanglicher Höchstform läuft das Gespann allerdings am formidablen Kompaktlautsprecher TAD CE-1 auf, der damit im FIDELITY-Hörraum seine ersten Kostproben für eine kommende Ausgabe geben darf. Und plötzlich zeigt das JE-Team noch eine weitere Facette: die lupenreine, glasklare Artikulation, die absolut niemals ins Schärfliche verfällt. So kann ich mich auch bei sehr dynamischen Electrobeats, etwa bei „Big Beans“ von Boris Blanks Album Electrified, ungehemmt gehobenen Party-Lautstärken hingeben, ohne dass mir anschließend die Ohren klingeln.
John Lam landet mit seiner Vor-/Endstufen-Kombination also tatsächlich einen Coup: Das Gespann aus Reference 1 und Dyad S400 zeigt durch geschickte Hybrid-Schaltungstechnik röhrentypische Klangeigenschaften auch in denjenigen Leistungsbereichen, die reinrassigen Röhrenamps in der Regel verschlossen bleiben. JE Audio präsentiert hier ein äußerst harmonisch aufspielendes Duo, das sich selbst vor den etablierten, großen Namen nicht zu verstecken braucht.

 

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JE Audio Reference 1
Röhren-Vorverstärker

Eingänge: 6 x Hochpegel symmetrisch (XLR)
Ausgänge: 3 x Line out symmetrisch (XLR)
Röhrenbestückung: 4 x 6H30 Maximale
Frequenzgang (+0/-3dB): 10 Hz – 500 kHz
Eingangsimpedanz: > 130 kΩ
Ausgangsimpedanz: 1,5 kΩ
Rauschabstand: > 90 dB
Besonderheiten: Fernbedienung, Betriebsstundenzähler
Ausführungen: Front silber oder schwarz
Abmessungen (B/H/T): 46/17,5/39 cm
Gewicht: 14,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (Röhren 90 Tage)
Preis: 8400 Euro

 

JE Audio Dyad S400
Hybrid-Endverstärker

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Leistung (8/4Ω): 2 x 200/400 W
Eingänge: Line in symmetrisch (XLR), Line in unsymmetrisch (Cinch)
Ausgänge: 1 Paar Lautsprecher (Schraubklemmen)
Röhrenbestückung: 4 x 12AU7, 2 x 6922
Frequenzgang: 10 Hz – 100 kHz
Eingangsempfindlichkeit: 1,6 V
Eingangsimpedanz unsymmetrisch/symmetrisch: 100 kΩ/200 kΩ
Leistungsaufnahme (ohne Last/Volllast): 230/1000 W
Maße (B/H/T): 47/22/58 cm
Gewicht: 43 kg
Garantiezeit: 3 Jahre (Röhren 90 Tage)
Preis: 12900 Euro

 

Transparent Acoustic
Louisenstraße 148b
61348 Bad Homburg
Telefon 06172 9082697

 

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www.transparent-acoustic.de

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