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Silvercore Wahnfried MC-Switch

Silvercore Wahnfried Series MC Switch

Einer für vier

Silvercore Wahnfried Series MC Switch

Mehr als einen Tonabnehmer in Gebrauch? Nicht ungewöhnlich bei echten Vinyl-Aficionados. Für die hat Silvercore ein ganz besonderes Schmankerl im Angebot.

Silvercore Wahnfried MC-Switch

In aller Kürze: Silvercore Wahnfried

Silvercore Wahnfried MC-Switch

 

Manchmal ist es doch eine gute Idee, den Beipackzettel zu lesen. Der in diesem Fall die Produktbeschreibung des Herstellers ist. Nach dem ersten Absatz hat er mich mit einer simplen Frage: Wie sollte in einer Vinyl-zentrierten Anlage mit mehreren betriebsbereiten MC-Tonabnehmern die Umschaltung zwischen ebenjenen aussehen? Die Frage ist relevant, weil die naheliegende Antwort nicht wirklich zu einer Lösung führt. Oder fällt jemandem auf Anhieb ein Phonoentzerrer mit, sagen wir, vier unabhängig konfigurierbaren Eingängen ein? Eben.

Der hier die Frage stellt, ist Christof Kraus. Wenn es ein Bauteil gibt, für das Christof Kraus und sein Leipziger Unternehmen Silvercore stehen, dann ist es der Übertrager. Und spätestens jetzt ist klar, worauf das Ganze abzielt: auf den Silvercore MC Switch. Ein Gerät, das es so, zumindest nach meinem Wissen, bisher nicht gab. Ein echtes Novum, das ein Problem löst. Noch dazu rein analog. Wo gibt’s denn heute noch sowas?

Silvercore Wahnfried MC-Switch
Umschaltbare MC-Übertrager gibt es schon. Aber per Drehknopf zwischen bis zu vier Tonabnehmern wählen, die alle individuell angepasst sind und gleichzeitig am selben Übertrager hängen: Das ist neu.

Das Herz des Geräts, das in amtlichem Vollformat von 45 Zentimeter Breite durchaus imposant im Rack steht, bildet Silvercores neuer Top-MC-Übertrager. Der internen Namenskonvention für Vorverstärkungskomponenten folgend, trägt er den Namen „Wahnfried Series MC“. Wir haben es hier also mit dem „Wahnfried Series MC Switch“ zu tun. Wahnfried – wie Richard Wagners Haus Wahnfried in Bayreuth? Nein, sagt Christof Kraus, wie „Wahnfried 1883“ (Timewind), ein episches Werk des deutschen Elektronik-Meisters Klaus Schulze. Aha.

Der Switch ist überragend kontaktfreudig. Vier Paar XLR-Eingänge nehmen ebenso viele Tonarmkabel auf. Es gibt einen Ausgang, auch in XLR-Format – und einen Anschluss für ein externes Netzteil. Wie bitte? Ja, dieser Übertrager kommt an die Steckdose. Ohne Strom rührt sich nichts, denn die vier Eingänge werden von Relais geschaltet. Ein massiver Drehregler an der Front ist das entsprechende Bedienelement. Moment mal, aber müssen dann nicht alle angeschlossenen Tonabnehmer die gleichen, zum verbauten Übertrager passenden elektrischen Werte aufweisen? Eben nicht, und genau da kommen wir zum cleveren Kniff des Wahnfried-Umschalters: Den für MC-Abtaster vorgesehenen Eingängen 1 bis 3 lassen sich per DIP-Schalter individuelle Werte für Übersetzungsverhältnis und Impedanz zuweisen. Zur Wahl stehen 1/10 und 1/20 und sechs Impedanzwerte von 39 bis 470 Ohm. Am Eingang 4, der für MM-Systeme gedacht ist, lassen sich sieben Kapazitäten zwischen 22 und 169 Picofarad anwählen. Clever? Sag ich doch.

Silvercore Wahnfried MC-Switch
Christof Kraus baut sein neues Topmodell Wahnfried MC als großvolumigen Ringkern. Zwei davon stecken im Wahnfried Series MC Switch. Silvercore baut übrigens für die Ewigkeit. Das typische Gehäusedesign bietet auch dem MC Switch eine angemessene Behausung.

Was ist denn der Wahnfried-Übertrager nun für einer? Ein Flexibler, wie wir soeben herausgefunden haben. Christof Kraus nennt die Bandbreite von geeigneten MC-Tonabnehmern: Ausgangsspannungen zwischen 50 und 750 Mikrovolt, Spulenimpedanzen von 12 bis 40 Ohm. Der Aufbau ist auf minimalen Wicklungswiderstand und geringste magnetische Verluste ausgerichtet. Diese Ziele sollen durch die Verwendung von nanokristallinem Kernmaterial und einlagig gewickelte Primär- und Sekundärwicklungen erreicht werden. Beim Draht hat der Interessent die Wahl zwischen versilbertem Kupfer und Silber (Reinheitsgrad 4N).

Der mechanische Aufbau des Wahnfried Series MC Switch ist makellos. Mit dem dicken Delrin-Gehäuse könnte man Nägel in die Wand schlagen. Die Bodenplatte und der Deckel aus Edelstahl werden von satt drehenden Inbusschrauben gehalten. Elektrisch bringt dieser Aufbau allerdings eine gewisse Empfindlichkeit für Einstreuungen mit sich. Keine Überraschung für mich, denn, hier oute ich mich nun: Meine eigene Silvercore-Hochpegelvorstufe verhält sich ähnlich sensibel. Bei einem MC-Übertrager ist die Problematik prinzipbedingt akuter, und so komme ich am Ende nicht umhin, die Anlage so umzubauen, dass alles, was einen Trafo hat, auf Distanz geht. Ein halber Meter Abstand ist praxisgerecht umsetzbar, der eigene Trafo im Edelstahlgehäuse hat ohnehin eine lange Zuleitung, und so bekomme ich den Phono-Aufbau am Ende makellos brummfrei hin.

Silvercore Wahnfried MC-Switch
Den Switch gibt es nur mit symmetrischen XLR-Anschlüssen. Der konsequente Weg ist hier die entsprechende Konfektionierung der Tonarmkabel – andernfalls sind Adapter angesagt.

Beim Anschluss des Plattenspielers muss ich Adapter verwenden. Christof Kraus hat den Switch symmetrisch gebaut, und es gibt ihn demzufolge auch nur mit XLR-Anschlüssen. Elektrisch ist das angesichts der nativ symmetrischen Signalausgabe von MC-Tonabnehmern konsequent und richtig. Dennoch, Cinch-Anschlüsse sind noch immer der Quasi-Standard bei Tonarmen. Aber wer sich für ein derart spezielles Gerät wie den Wahnfried-Switch entscheidet, wird sicher Kraus’ konsequenten Weg ohne Kompromisse mitgehen.

MC-Übertrager, Step-up-Trafos, SUTs – seit einiger Zeit sind diese Bezeichnungen wieder in aller Munde. Das passive Hochtransformieren der Millivolt-Bruchteile aus Moving-Coil-Generatoren war über Jahrzehnte fast in Vergessenheit geraten, ersetzt durch mehr oder weniger rauscharme, definitiv aber günstigere Transistorschaltungen. Das Revival ist ein echter Segen. Was gute Übertrager können, können nur gute Übertrager: Musik von Vinyl zu einem mitreißenden Ereignis machen mit Verve, Plastizität und ansatzloser Dynamik. Klingt wie ein Werbetext? Mag sein, aber der Anschluss eines Step-ups an meinen auf MM-Betrieb geschalteten Phono-Pre Lehmann Black Cube hat mich einst dermaßen vom Stuhl geblasen, dass ich seitdem mit mehr als nur einem Bein im Lager der Trafo-Fans stehe. Hätte ich mehr Plattenspieler als nur meinen dps, hinge jeder an einem Übertrager. Und das würde teuer werden. Ganz zu schweigen von der Komplexität der Verkabelung, schließlich hat mein MM-Entzerrer ja nur einen Eingang. Silvercores MC Switch macht insofern schon beim Betrieb von nur zwei Tonabnehmern absolut Sinn.

Silvercore Wahnfried MC-Switch
Die Relais für die Eingangswahl werden klugerweise von einem energiesparenden Schaltnetzteil mit Strom versorgt. Im unzerstörbaren Edelstahlgehäuse sitzt zuverlässige Industrieware.

Die Spulen meines Lyra Kleos haben einen Innenwiderstand von 5,4 Ohm. Beim standardisierten Messsignal mit einer Auslenkungsgeschwindigkeit von 5 Zentimeter pro Sekunde generieren sie eine Ausgangsspannung von 0,56 Millivolt. Ich stelle die DIP-Schalter für den Eingang des Wahnfried-Switch auf das Übersetzungsverhältnis 1/20 und 470 Ohm. Auf die Weise komme ich meiner Referenz am nächsten, einem Step-up von Consolidated Audio aus Berlin. Trotzdem wird kein direkter Vergleich gezogen, denn er wäre nicht fair. Der Consolidated Audio steht nämlich in der Ausführung mit Reinsilberspulen hier. Den Silvercore habe ich in der Version „MilSpecWire“ bekommen – so nennt Christof Kraus den von ihm verwendeten versilberten Kupferdraht. Ein feines Material, aber was sich hier herausholen lässt, konnte ich kürzlich beim Vergleich zweier identisch gefertigter Step-ups erleben, die sich nur durch den Reinheitsgrad des verwendeten Silbers unterschieden. Es war nicht subtil. Aber Silvercore heißt ja nicht umsonst Silvercore, und den Wahnfried MC in 4N-Silber hatte ich ja schon erwähnt.

Der Wahnfried Series MC Switch ist nicht nur clever und praktisch, er kann auch Musik. Hatte ich Plastizität erwähnt? Das greifbare Vorne und Hinten, das Nachzeichnen von Instrumenten und Stimmen – da ist der große Silvercore-Übertrager in der Kupfer/Silber-Version ganz zu Hause. Ich höre das zweite Studioalbum Happier Than Ever von Billie Eilish, auf dem ihre Stimme groß und direkt dem Hörer gegenübersteht und es kein Entrinnen vor den intimen, intensiven Texten gibt. Das kommt flüssig, warm, menschlich, der Sound wird der Botschaft des Albums vollumfänglich gerecht, das berühren und bewegen möchte.

Silvercore Wahnfried MC-Switch

Der einzigartige Phono-Switch aus Leipzig ist ein Freund der Mitten. Ich genieße diese Qualität mit Rabih Abou-Khalil, dem libanesischen Virtuosen auf der Oud-Laute. Seine LPs sind längst vergriffen, deswegen habe ich ohne großes Überlegen zugegriffen, als kürzlich das Album Blue Camel von 1992 wieder aufgelegt wurde. Wie beim Label Enja nicht anders zu erwarten, ist die Aufnahmequalität superb – nur als Vorechos hörbare Kopiereffekte vom originalen analogen Masterband stören den Genuss. Oud, Saxofon und Flügelhorn haben Körper und Fülle, die indische Percussion fügt sich perfekt melodisch ein. Der Silvercore mit Kupfer/Silber-Kern gibt das komplexe, breitbandige Miteinander der so unterschiedlichen Instrumente und Klangfarben homogen wieder, verkneift sich fiese Glanzlichter auf den Schellen der Rahmentrommel, die nahtlos ins Gesamtbild eingebettet wird.

Eine meiner Platten für die Ewigkeit ist ein Mitschnitt des Südwestrundfunks aus dem Jahr 1967: das Duke Ellington Orchestra in der Liederhalle Stuttgart. Alles an dieser Scheibe ist referenzverdächtig: die Raumdarstellung, die grobe und die feine Dynamik, die Atmosphäre, die Musik. Der Silvercore-Switch stellt den Hörer mittendrein ins Geschehen, serviert Trompeten, Posaunen, Saxofone, Bass, Flügel und Schlagzeug, als sei’s erst gestern gewesen. Was für eine Show. Und was für ein cooles, cleveres Gerät.

Silvercore Wahnfried MC-Switch

Info

MC-Übertrager Silvercore Wahnfried Series MC Switch

Konzept: symmetrischer Übertrager zum gleichzeitigen Anschluss von einem MM- und drei MC-Systemen
Eingänge: 3 x MC symmetrisch (XLR), 1 x MM symmetrisch (XLR)
Ausgang: 1 x MM symmetrisch (XLR)
Besonderheiten: individuelle Voreinstellung von Impedanz und Übersetzungsverhältnis für jeden MC-Eingang sowie von Kapazität für den MM-Eingang, externes Netzteil
Ausführung: Delrin schwarz, Edelstahl
Maße (B/H/T): 45/12/37 cm
Gewicht: 8 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 7000 €

Kontakt

Silvercore

Kieler Straße 19
04357 Leipzig
Telefon +49 177 911257
kraus@silvercore.de

www.silvercore.de

Mitspieler

Plattenspieler: bauer audio dps 3
Tonarm: bauer audio Tonarm
Tonabnehmer: Lyra Kleos
Phonovorverstärker: Hagerman Trumpet Wood
MC-Übertrager: Consolidated Audio Silver/Nano
CD-Player: Electrocompaniet EMC 1 UP
Musikserver: Innuos Zenith Mk III
D/A-Wandler: Aqua La Voce S3
Switch: LHY SW-8
Vorverstärker: Silvercore linestage two
Endverstärker: Rowland Model 12
Lautsprecher: Ayon Seagull/c
Netzaufbereitung: AudioQuest Niagara 3000
Kabel: Fadel Art, Phonosophie, AudioQuest, Solidcore
Zubehör: Creaktiv-Racks, Granitbasen, Andante Largo Silent Mounts

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.