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Thunderplopp

Thunderplopp

... und dann war da noch ...

Thunderplopp

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Wolf.

Sie streifen durch Ihr Revier, das im hohen Nordwesten der USA liegt, in Oregon. Der Bundesstaat Oregon gilt mit seinen tiefen Wäldern, seiner rauen Küste und vor allem seiner regenbogenbunten Hauptstadt Portland ja auch als „The Other America“. Als eine crazy Paralleldimension der schrägen, wilden Typen und freien Lebensentwürfe im ansonsten beängstigend monostrukturierten „Make-America-Great-Again-But-Actually-America-Is-Dumb-As-Fuck“-Amerika, im politischen Diskurs auch als „MAGABAAIDAF“-Phänomen bekannt. Also, Sie stromern auf ihren vier Pfoten durch die Wälder, die Schnauze im Wind und die Ohren gespitzt, man weiß ja nie. Der Jäger eben im roten Holzfällerhemd, der allerdings drehte ab, als er Sie sah: Sie gehören, und das ist gut so, im sympathischen Oregon zu einer schützenswerten Art. Eine privilegierte Position, denn davon gibt es gerade gar nicht so viele in Amerika. Sie treten nun auf eine Lichtung, als sich plötzlich ein großer Vogel nähert. Ein ungewöhnlicher Vogel. Ein Vogel ohne Kopf und Schnabel, der kurz in der Luft zu stehen scheint, sich dann langsam senkt, während er seltsame Summ- und Brummgeräusche macht, wie eine wilde Wespe. Interessant, denken Sie, wie der wohl schmeckt? Dann bricht die Hölle los.

Schrille Töne jagen durch Ihre sensiblen Gehörgänge. Dazu dumpfes Grollen und schmerzhafte Schallwellen, die alles konterkarieren, was Ihnen bisher zu Ohren gekommen ist. Was Sie nicht wissen können als Wolf: Das ist ein Musikstück. Das ist „Thunderstruck“ von AC/DC, abgespielt von einem Miniverstärker und einem Lautsprecher, die auf eine Flugdrohne mit Wärmebildkamera montiert wurden. Von diesen Drohnen gibt es derzeit einige, die über den Wipfeln der Douglastannen in Oregon herumfliegen. So will die Landwirtschaftsbehörde Wölfe davon abhalten, Vieh auf abseits liegenden Farmen zu reißen. Neben „Thunderstruck“ gibt es dazu noch eine Tonspur, die erfolgversprechend sei: Die Ehestreitszene im Film Marriage Story, gespielt und vor allem geschrien von Scarlett Johansson und Adam Driver. Laute, menschliche Stimmen sollen, ebenso wie die Gitarre von Angus Young, Stress bei Wölfen erzeugen.

Ich habe mir die entsprechende Filmszene angeschaut und sage: Da stehen auch meinem inneren Wolf die Haare zu Berge. Was das Abwehrpotenzial von AC/DC anbelangt, da sind sich mittlerweile auch die Wissenschaftler der Landwirtschaftsbehörde von Oregon nicht mehr sicher. Die Kamera einer Drohne zeigte zuletzt Bilder eines Wolfes, der sich erst brav hinsetzte und dann dezent mit dem Kopf wippte. Man vermute einen „Gewöhnungseffekt“, heißt es etwas sperrig. Ich würde eher sagen: Der Wolf lernt Headbanging. Überhaupt finde ich den Einsatz von Musik als akustische Waffe eher fragwürdig. Daher ein Ergänzungsvorschlag: Forscher der Universität Göttingen haben herausgefunden, dass Bierflaschen mit Bügelverschluss beim Öffnen für etwa 70 Millisekunden mit einer Frequenz von rund 800 Hertz ein 180 Dezibel lautes „Plopp“ erzeugen und damit für einen kurzen Moment mehr Lärm machen als eine Flugzeugturbine. Ich habe noch keine konkrete Idee, ob und wie man eine Flasche Flensburger Pilsener auf die Wolfs-Drohnen montieren könnte. Aber die Forscher aus Göttingen sollten sich mal ein, zwei Kisten bei Getränke Hoffmann schnappen und nach Oregon fliegen. Arbeitstitel des interdisziplinieren Forschungsprojekts: „Thunderplopp“.

Thunderplopp

PS: Unnützes Wissen, Teil 44:

Um jedem Verdacht des ungebührenden Product Placements entgegenzuwirken: Ich mag Flens nicht, zu bitter, und die Wissenschaftler der Universität Göttingen haben ihre Versuche tatsächlich mit selbst gebrautem Ingwerbier unternommen, wie dem Fachblatt Physics of Fluids zu entnehmen ist. Ein Flascheninnendruck von bis zu fünf Bar hat zur Folge, dass sich das Kohlendioxidgas beim Öffnen in Sekundenbruchteilen ausdehnt, die Flüssigkeit sowie das Gas nach oben drängen und das markante „Thunderplopp“ erzeugen.

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